Hauptstadtkater

13. August 2026

Wie ich als Raver die Natur des Menschen entdecke

Ekstase! Party! Gemeinschaft! Für alle. Die da sind. Auch für mich. Wild, tuff, denke ich so. Beim Rave. Mit meinen Alten Felix und Laura. Die mich wieder mal mitschleppen. In meinem Rucksack-Case. Dieses Mal zu den Berlin Beats. Im Hof vor dem Hamburger Bahnhof. Also dem Museum, in dem Beuys, Kirchner und andere Moderne sich zeigen dürfen.

Darf offenbar auch musikalische Avantgarde nicht fehlen. Scheint sich das Museum gedacht zu haben Und hat really eine krass coole Idee: Bietet den ganzen Sommer, immer donnerstags, Raves an, mit echt coolen DJs und DJanes. Bei freiem Eintritt. Techno. Love. Wow. Berlin. Weltstadt. Really. 

Ein bisschen wie Christos Reichstagverhüllung vor mehr als drei Jahrzehnten. Meint Laura. Wo des Sommers auch Tausende Menschen aller Couleur zusammenkamen und gemeinsam das Spektakel genossen. Und die Atmosphäre so entspannt war. Nun also der Rave von DJ Oda Haliti aus Pristina: Rund 3.000 Menschen sind gekommen – und ein Kater.

Kleinkinder, Greise, Menschen aus der LGBTQ+-Sphäre, Schlipsträger, Coole, Uncoole, Dicke, Dünne, Halbnackte, Gestylte, Normalos, Obdachlose, Liebespaare, Sekretärinnen, Rentner, Rentnerinnen, Touristen, Schwarze, Weiße, Bunte, Yogis, Ökos, Museumsbesucher, Alt-Raver, Jugendliche, Kiffer, Kinder, Rocker, Eltern, eigentlich alle.

Nein: Arschlöcher und Idioten fehlen. Meint Felix. Und sagt, er meine die über 40 Prozent Menschen, die im September in Sachsen-Anhalt die Rechtspopulisten von der AfD wählen wollten. Und sehenden Auges damit einer Partei an die Macht verhelfen wollten, der Toleranz ein Gräuel ist. Die Massenabschiebung für ein Programm hält. Die Schulpflicht aufheben will. Die den öffentlich-rechtlichen Rundfunk zerstören will. Die nur noch ihr genehme Kultur finanzieren will. Solche Menschen könnten eigentlich in dieser bunten Masse nicht dabei sein. Sagt er. Eigentlich.

Die Bässe und Elektro-Beats schallen von den Wänden des altehrwürdigen, fast 200 Jahre alten Gebäudes. Hinter dem sich aber drohend die kalte Glitzerwand eines Hochhauses empor reckt, scheinbar im Versuch, die Kultur zu schlucken. Denke ich so. Weil dieses monumentale Gebäude schon mal begonnen hat, die abendlichen Sonnenstrahlen zu killen, die eigentlich noch den Innenhof des Museums fluten würden.

KPMG, nennt sich der Eigentümer. Wirtschaftsprüfer. Die so gut prüfen, dass sie es sich leisten können, solche Paläste zu bauen. Denke ich so. Bevor mich die Beats wieder mitreißen. Aus meinem Käfig. Fliege ich. Zu den Turntables. Von DJane Haliti. Die gut ist. Die schon im Berghain aufgelegt hat, bei der Fashion Week in Berlin, in Paris, Wien und was weiß ich wo. Sie ist nice. Und ich. Bin dabei.

Sehe Felix und Laura. Dancing. Wie alle anderen. Und ich denke so: Um das Gute am Menschen zu erkennen, muss man ihm eben nah sein. Direkt bei ihnen. Wie beim Rave. Unbeschwert. Es könnte so schön sein. Sagt der ravende Hauptsdtadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Tanzt. Und chillt, Leute! 

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