Surfin‘ Berlin: Warum meine Bruna auf eine alte Arbeiterpartei steht

Wenn ich wählen dürfte, würde ich den wählen, der mir am meisten Chillzeit verspricht. Mitsamt Leckerli. Sure. Meine Bruna darf mit ihren zarten 17 Jahren demnächst erstmals wählen. In einem Monat bei der Abstimmung zum Berliner Abgeordnetenhaus.
Und sie hat spontan bereits jetzt eine Entscheidung getroffen: SPD! Im ersten Moment überraschend, weil die taumelnde alte Arbeiterpartei so ungefähr das Gegenteil von cool und hip ist – und gerade irgendwie voll das Loser-Image hat. Im zweiten Moment aber verstehe ich meine Bruna vollkommen: Die SPD verspricht, was sie sich am meisten wünscht: Einen künstlichen See samt Surfwelle. Mitten auf dem schönsten – und umstrittensten – Platz der Hauptstadt: dem Tempelhofer Feld.
Die riesige Freifläche mitten in Berlin. Deren Ränder die CDU bebauen lassen will, um den akuten Wohnungsmangel zu bekämpfen. Die SPD ist voll dagegen. Schon jetzt ist das Areal des ehemaligen Flughafens Treffpunkt zum Chillen, Sport-Machen, Grillen, Trinken, Kultur erleben.


“Und dann könnte es demnächst so aussehen“, schwärmt meine Bruna. „Ich fahre mit meinem Surfbrett unterm Arm mit der S-Bahn dorthin. Packe alles am See aus. Und reite dann mit der Welle in den Sonnenuntergang von Berlin. Wie geil.“ Finde auch ich. Wenn sie mich denn im Rucksack mitnähme. Schluchz.
Wie die Welle finanziert werden soll? Interessiert das echt? Keine Ahnung. Denke ich so. Sagt die SPD auch nicht. Geld gibt’s in Berlin ja eh nicht. Irgendwie regelt sich das dann eben. Wie auch das Amphitheater, das die Arbeiterpartei daneben aufbauen will. Für kostenlose Darbietungen von Comedians oder Bands. Kostenlos!

Und das große alte Flughafengebäude soll eine Uni werden, in der künftige Lehrer und Lehrerinnen ausgebildet werden. Meine Bruna ist naturally total begeistert. Papa Felix naturally nicht: An was für Banalitäten sich die Wahl bei Jugendlichen ausrichte, entblödet er sich zu labern. Es sei doch völlig unrealistisch. Nicht durchdacht. Nicht mal mehr Umweltaspekte spielten da eine Rolle. Man sollte das Wahlalter doch wieder hochsetzen.
Und ich denke so: Oh man, Du bist so alt. Blicke doch nur nach Sachsen-Anhalt, wo schon in gut zwei Wochen gewählt wird. Wo Junge wie Alte gleichermaßen, weiblich wie männlich gleichermaßen, mit überwältigender Mehrheit für Rechtsextreme der AfD stimmen wollen. Häufig wird von denen nur so lapidar als Grund genannt: Frischer Wind. Inhalte: Oft egal. Ok, Ausländer raus wird geraunt. Also: Dann doch lieber eine unrealistische Welle. Ohne Wind. Mit SPD. Denke ich so.



Und rase zu meinem Lieblingsplatz: Der Sessel, der so schön wie ein Surfbrett auf Wellen wackelt, wenn man draufspringt. Allein: Coco surft bereits. Und lässt mir keine Chance zum Landen. Faucht mich an. Fletscht die Zähne. Wie krass unentspannt. Sagt der politisierte Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Wählt jene, die Eure Wünsche erfüllen wollen. Und chillt, Leute!
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