Hauptstadtkater

Chillen, Checken, Schnurren – meine Gedankenfetzen zum Absurdistan der Welt. Ansichten eines weißen Katers im Chaos.

  • 11. Februar 2026

    Rausch der Höhe in Musks Mondstadt

    Da wo ich bin, ist oben. Deswegen liebe ich meinen Kratzbaum. Der mich in die Höh’ bringt. Ganz oben, da fühle ich mich fast so etwas wie allmächtig. Weil ich den absoluten Überblick habe. Bislang jedenfalls war das so. Seit kurzem aber hat auch Coco mein Revier im Revier entdeckt. Und so ist es nun zwischen uns ein Wettrennen. Wer zuerst oben ist.

    Und wieder ist da die Analogie zum – Menschen. Dem es auch eigen ist, nach oben zu streben. Erster zu sein. Tech-Milliardär Elon Musk hat schon seit Jahren sein Ziel verkündet, mithilfe seiner Weltraumfirma SpaceX den Mars erobern und besiedeln zu wollen. Plötzlich ist für ihn aus dem Mars der Mond geworden. Pragmatisch. Denke ich so. Nicht so weit weg. Leichter zu erreichen also. Und trotzdem: Den Blick von oben gibt es auch vom Mond. Vielleicht sogar besser als vom Mars. 

    Musk will auf dem Mond eine Stadt aufbauen – in weniger als zehn Jahren. Auf dem Mars würde das 20 Jahre dauern. Behauptet er. Die Reisezeit zum Mond betrage zwei Tage – alle zehn Tage könne dorthin gestartet werden. Zum Mars sei man sechs Monate unterwegs, eine Reise sei nur alle 26 Monate möglich. Behauptet er. Die Mission aber bleibe dieselbe: Das menschliche Bewusstsein und das Leben auf Sterne auszuweiten, die Zukunft der Zivilisation zu sichern.

    Und ich denke so: Wie kommt der Mann auf diese Bau-Zeiten? Wo er sich bei Prognosen schon des Öfteren bei seinen Tesla-Autos und der Plattform X verrechnet hat. Und: Reicht es nicht, wenn Mensch einen Planeten zerstört – die Erde? Warum sollte das menschliche Bewusstsein gerettet werden? Und habe die Idee: Soll Musk zum Mond fliegen. Dort seine Stadt aufbauen. Und seinen Buddy Donald Trump mitnehmen. Der da dann einen ganzen Erdtrabanten reagieren könnte. Mit Blick auf die kleine Erde. 

    Trump wird bleiben. Und seine Apologeten auch. Ich verliere natürlich trotzdem nicht die Hoffnung. Nie. Denn meine Menschen zeigen, man kann auch virtuell nach Höhe streben. Und Gutes tun. Zeigt meine Laura. Wieder mal. Die ihren psychisch so kranken jugendlichen Patientinnen neue Welten eröffnet. Mit Kunstprojekten.

    Widerwillig lassen sich die zwölf Jugendlichen überreden, gegenseitig Porträts voneinander zu malen. Drei Minuten nur sind Zeit. Die sonst so hibbeligen und hypernervösen Jugendlichen sind plötzlich ruhig – und äußerst konzentriert. Alle erstellen Porträts. Über die sie dann lachen – und sich unterhalten. Sie sind in anderen Sphären, Welten angekommen. Kurzzeitig glücklich. High. Ohne Drogen. 

    Und ich jumpe auf meinen Kratzbaum-Platz. Bin oben. Sehe Coco kommen. Und wünsche mich hinweg. Zu Musk. Auf den Mond. Sagt der erhöhte Hauptstadtkater. Der gerne über euch wachen würde. Und jetzt: Richtet den Blick nach oben. Und schaut nicht herab. Sondern: Chillt, Leute!

  • 10. Februar 2026

    Was der Self-Care-Trend mit der Orchesterreise meiner Bruna zu tun hat

    Ein neuer Tag. Es wird hell. Wie immer. Coco springt auf mich. Wie immer. Es gibt Nassfutter. Wie immer. Alles dreht sich weiter. Wie immer. Das Leben. Welt. Egal, was passiert. Egal, ob Krankheiten, Kriege oder Hass Leben zerstören. Zeit ist unstoppbar. Für jeden. Trotzdem habe ich Macht: Denn immerhin: Meine Gedanken kann ich stoppen. Bewusst entschleunigen. Und lasse sie schweifen. Wohin ich will. 

    Beispielsweise zu meiner Bruna. Die mich schon wieder verlassen hat. Ist mit ihrem Schulorchester auf Probenfreizeit irgendwo in Brandenburg. Bernstein, Khatchaturjan und Tschaikowski stehen auf dem Programm. Knaller. Sagt Felix. Langweilig. Sagt meine Bruna. Menschenmusik eben. Sage ich.

    Egal, was wir so sagen. Gelernt habe auch ich mittlerweile: Wenn meine Bruna ein bisschen übt, klingt Musik nicht mehr ganz so schief. Aber ich raffe es, warum meine Bruna so bocklos ist: „Geprobt wird fünf Tage lang jeweils ab 9.30 Uhr. Bis 21 Uhr. Geht’s noch?“, fragt sie. Und ich verstehe. Tatsächlich. Dort in Brandenburg scheint es richtig old school zu sein. Leistung wird gefordert.

    Passt nicht mehr. In diese Welt. Denke ich so. Nicht mal, wenn es darum geht, Tschaikowskis Romeo und Julia zu performen. Und die Liebe, die Leidenschaft, der Flow – die entstehen eben nur, wenn das Werk durchleuchtet ist. Wie bei so vielen Dingen im Leben. He, he. 

    Musik verbindet Menschen miteinander. Bringt sie in einen Chill-Modus. Sogar zum Schnurren. Wenn sie sich darin verlieren und darauf einlassen. Aber klar, es braucht Übung. Anstrengung. Um die Performance hinzubekommen.

    Und ich höre die Klagen der Alten. Beispielsweise Felix. Zu seiner Zeit hätten die Jugendlichen ihre Instrumente üben müssen – um nicht aus dem Unterricht rauszufliegen. Sagt er. Heute seien Musikschullehrer froh, wenn überhaupt noch Schüler kämen. Üben würden sie nicht mehr verlangen. Denn das würde die Jugendlichen vergraulen. Klagt er.

    Felixens Cousine Vera – Musikschullehrerin – erzählt, ihre Geigenschüler kämen nur unregelmäßig zum Unterricht. Sagten so manches Mal – wenn überhaupt – erst 28 Minuten nach Beginn ab.

    Felixens Bruder Chris – Theaterwissenschaft-Professor— erzählt, seine Studentinnen und Studenten fänden es zu früh, um 9 Uhr zum Seminar zu kommen. Nur zwei der 17 seien pünktlich da. Der Rest komme nach und nach. Und störe. Oder erscheine gar nicht.

    Ein Kollege von Felix erzählt, von den Volontären und Volontärinnen gehe keiner mehr in die Gewerkschaft. Um dann zu fragen, warum sie keine Gehaltserhöhung oder keinen Anschlussvertrag bekämen.

    Fortgeschrittene Individualisierung. Ohne Rücksicht auf das Umfeld. Denke ich so. Der Trend der vergangenen Jahre: Tue, was dir gut tut. Self-Care. Höre auf dein Inneres. Nicht mitgedacht offenbar: Was passiert, wenn jeder so denkt: Miteinander – unmöglich. Verbindlichkeit – unmöglich. Solidarität – unmöglich.

    Selbst bei mir. Ich wäre eine Murmel. Vollgefuttert mit Leckerli. Während Coco nichts hätte. Was eine völlig unrealistische Dystopie ist. Weil Coco dieselben Wünsche hätte wie ich. Und das würde bedeuten: Krieg zwischen ihr und mir. Um die Leckerli. Sagt der selbstbewusste Hauptstadtkater. Der so gerne über euch wachen würde. Und es nicht kann. Und jetzt: Seid achtsam. Und: Chillt, Leute!

  • 9. Februar 2026

    Wenn Welt unwichtig wird oder über das Entdecken der Schönheit

    Es gibt die Momente, in denen alles andere unwichtig wird. Weil ein Schock den Fokus verschiebt. Und zeigt: Die Aufregung über Welt, Menschen, Coco, Futter, Wetter, Kriege, Trump, Putin und Konsorten ist unbedeutend und klein. Wühlt oft auf, macht dann unzufrieden und aggressiv. Weil man so merkt: Ich bin machtlos, es ist unabänderlich. Und die Wut darauf dann auch wenig konstruktiv ist. Im Gegenteil: Sie verstellt dann auch noch den Blick auf die Schönheit des Lebens. 

    Und ich denke so: Das Leben ist viel zu kurz. Um sich mit dem Unabänderlichen, Unwesentlichen aufzuhalten. Wobei ich naturally weiß: Oft ist erst im Nachhinein sichtbar, ob etwas tatsächlich unabänderlich, unwesentlich war – oder nicht. Und selbstverständlich: Empörung muss da sein. Da sie der Antrieb für Veränderung, Verbesserung des Lebens ist.

    Aber: Möge dies ein Plädoyer sein, im wirbelnden Strudel des Lebensflusses auch immer mal zu stoppen. Bewusst. Um die Schönheit des Lebens zu entdecken. Die es gibt. Überall. Wenn man den Moment und sein Glück einfach mal genösse. Und würdigen würde. 

    Alles ändert sich, wenn man erfährt, dass ein nahestehender Mensch schwer erkrankt ist. Und ob dieser Nachricht die Zeit plötzlich stillzustehen scheint. Sie es aber natürlich nicht tut. Sondern unbeeindruckt weiterläuft. Als ob nichts passiert sei. Und – fast – alles seinen normalen Gang geht. Als ob nichts geschehen wäre.

    Wie pervers. Denke ich so. Wie nicht anders möglich. Denke ich dann so. Obwohl doch die eigene Welt aus den Fugen geraten ist. Und im Nebel erst unscharf wird. Dann unwichtig. 

    Dann der erste Schock dem Schmerz weicht. Und der schneidenden, eigentlich bekannten, aber verdrängten Erkenntnis über die Endlichkeit des Lebens. Will Stärke zeigen. Zuversicht ausstrahlen. Spüre aber meine Schwäche. Hilflosigkeit. Schreckliche Ohnmacht. Kein Wort kann etwas ändern.

    Also stoppe ich. Für heute. Unter unserer Küchenuhr, die für alle Ewigkeit sechs Minuten vor neun anzeigt. Sagt der erschütterte Hauptstadtkater. Der sehr gerne über euch wachen würde. Und sieht: Es gelingt nicht. Leider. Aber der Appell bleibt: Chillt, Leute! Am besten zusammen. Für Wärme. In der Kälte. Und Erkennen des wirklich Wichtigen: Die Schönheit im unbarmherzigen Leben.

  • 8. Februar 2026

    Sturz einer Ikone und der Mensch

    Die menschliche Reaktion auf Extremleistungen anderer offenbart den perfekten Blick darauf, wie diese menschliche Spezies tickt. Heute stürzte bei der Ski-Abfahrt der Damen bei den Olympischen Winterspielen in Italien die Ausnahmefahrerin Lindsey Vonn. Die Amerikanerin brach sich den Unterschenkel und musste mit einem Helikopter ins Krankenhaus transportiert werden.

    Geplant hatte die Olympiasiegerin von 2010 einen goldenen Abschluss ihrer grandiosen Karriere, die sie bereits 2019 erstmals beendet hatte. Fünf Jahre später aber gab sie – mit Teilprothese in einem Knie – ihr erfolgreiches Comeback. Bis die 41-Jährige dann bereits vergangene Woche bei einer Weltcup-Abfahrt schwer stürzte – und sich das Kreuzband riss. Bei den Olympischen Spielen aber wollte sie trotzdem starten. 

    Nach dem erneuten Sturz nun: Viel Mitleid, viel Häme, viel Besserwisserei – und Neid, der daraus spricht. Auch Frauenfeindlichkeit. Denke ich so, als ich die Reaktionen beobachte. Bereits vor dem Olympiarennen hatte es viele Mahner gegeben, die Vonn vor einem Start warnten. Da das verletzte Knie bei mehr als 120 Stundenkilometern  auf vereister Piste dem Druck nur schwer standhalten könne – und jeder kleine Hügel, jedes Abweichen von der Ideallinie zu viel sein könnte.

    Nun haben sie Recht behalten. Und einige triumphieren: Haben wir ja gleich gesagt. Vonn hätte ein Start verboten werden müssen. Während andere ätzen: Wie kann man nur? In dem Alter. Mit der Vorgeschichte. Sie hätte auf ihren Körper hören müssen. Wie verantwortungslos Vonn und ihr Team doch seien. Vonn habe doch auch eine Vorbildfunktion für die Jugend.

    Und ich denke so: Hey, die Frau ist erwachsen. Zurechnungsfähig. Und eben extrem ehrgeizig. Wäre ohne diese Mentalität sicher nicht die erfolgreichste Ski-Alpin-Fahrerin aller Zeiten mit mehr als 80 Weltcup-Siegen geworden, sondern nur graues Mittelmaß wie ihre Kritiker. Und was ist eigentlich mit Rauchern, Alkohol-Trinkenden oder Fettleibigen. Die man ja auch gewähren lässt, wenn sie ihren Körper zerstören.

    Kurz: Warum sollte man Vonn nicht selbst entscheiden lassen, was sie machen will? Und ich denke an den spanischen Tennis-Star Raffael Nadal. Der zum Ende seiner großartigen Karriere auch nur noch unter Schmerzen spielte und nicht aufhören konnte – bevor er dann 2024 mit 38 doch abtrat. Und für sein Immer-weiter gefeiert wurde – zum Hero stilisiert wurde. Ein Mann eben, der so etwas anders als eine Frau offenbar darf.

    Und dann denke ich auch an mich: Wäre ich auf die Spitze des Ofenrohrs gekommen, wenn ich nicht alles riskiert hätte? Wer gewinnen will, der braucht neben Talent eben auch Risikobereitschaft. Mit allen Konsequenzen. Denke ich so – und erinnere mich mit Schaudern an den Sturz vom Ofenrohr aus vier Metern Höhe auf den harten Mülleimer.

    Warum Vonn sich das Rennen „antat“? Für mich ganz klar: Weil sie es sich zutraute und dachte, gewinnen zu können. Weil sie eine super Fahrerin ist. Der mein Mitgefühl gehört. Meine Bewunderung. Nicht: Mitleid. Denn sie wusste, was sie tat. Sagt der emphatische Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Reflektiert, bevor ihr richtet.   Und chillt, Leute! 

  • 7. Februar 2026

    Mein Existenzialismus und Nurias Träume

    Ich weiß: Ich bin. Weil ich spüre. Mich spüre. Sehe. Schmecke. Höre. Emotionen empfinde. Ob es andere gibt – neben mir? Ich gehe mal davon aus. Zumindest wird mir das täglich vorgegaukelt.

    Coco beispielsweise tut so, als ob sie da wäre. Und greift mich an. Meine Leute: Warum sollten sie mich füttern? Wenn sie nicht existierten. Und dann gibt es noch eine ganz andere Sphäre: Träumen. Wenn ich in diese Welten abgleite, dann wirken da die Mäuse vor mir auch zu 100 Prozent echt. Bis ich dann aufwache. Keine Maus vor mir ist – das Echte also doch unecht ist. 

    Meine Nuria sagt, ihre knapp 60 Stunden in Österreich bei den Skifahrern meiner Familie fühlten sich an wie ein Traum. Vom Unistress ohne Übergang in Winterspaß und wieder zurück in den Unistress.

    Skifahren bei Sonne und Frühlingstemperaturen. Statt Freiburger Hochschule bei Wolken und Winter. Familie statt Kommilitonen. Unbeschwertheit und Lebensfreude statt Stress und Frust. Und ich frage mich so: Warum kommt meine Muriel nicht zu mir? Denn eigentlich läuft doch alles, das ganze Leben nur auf das Eine hinaus. Runterkommen. Und Chillen.

    Was auch meine Bruna erkannt hat: Weil ihre rechte Fußsohle durch einen durch den Skischuh abgeklemmten Nerv taub ist, kann sie nur noch humpeln. Und lässt sich von einer vom Schwiegersohn der Pensionsmutter gesteuerten Pistenraupe auf deren Alm bringen. Während die anderen durch Tiefschnee dorthin wandern.

    Drei Stunden muss meine Bruna dort warten. Und fragt vier Male, ob sie denn helfen könne. Tische abwischen, Abwasch, Kochen – was auch immer. Der Schwiegersohn lehnt ab. Und putzt Gläser, deckt ein, kocht vor. Während meine Bruna in der warmen Gaststube sitzt. Zum Nichtstun verurteilt ist. Weil auch ihr Handy hier keinen Empfang hat. Und endlich dazu kommt: Vorbehaltloses Chillen. 

    Tja, das leidige Thema helfen lassen. Das lehnt auch die Pensionsmutter selbst ab, als meine Leute anbieten, Müll zu entsorgen. Nicht einmal die Bettwäsche dürfen sie aus dem zweiten Stock nach unten transportieren. Und ich denke so: Das verstößt wohl gegen das Arbeitsethos. Der Gast ist hier König. Zahlt ja auch für den Service.

    Professionell eben. Denke ich so. Und kratze Coco, die neben mir sitzt. Sie faucht. Und ich spüre: Wir sind. Wir existieren. Really. Sagt der emotionale Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Spürt euch. Und chillt, Leute!

  • 6. Februar 2026

    Wir wollen nur spielen und Zweifel an Trumps Verfasstheit

    Lebewesen haben Bedürfnisse. Nicht nur Menschen, sondern auch Tiere – und damit auch wir Kater. Und Katzen. Es geht nicht nur ums Futtern, nein – wir spielen auch gerne. Aber eben nicht immer nur dann, wenn unsere Leute das wollen. Sondern auch dann, wann wir es wollen. Es also intrensisch motiviert ist.

    Vergangene Nacht beispielsweise wollte Coco. Begehrte gegen 3.32 Uhr sanft an der Tür von Lauras Schlafzimmer kratzend Einlass. Der ihr gewehrt wurde. Und mir gleich mit. Nun, Coco begann mit Lauras Locken zu spielen. Dann mit ihrer Bettdecke. Den darunter verborgenen Händen. Den Füßen. Und flog prompt aus dem Zimmer. Really: Ich schwöre: Sie flog. Befördert durch die sonst so sanfte Laura. Und ich dachte so, während ich mich auf dem leeren Kopfkissen einkuschelte: War Laura da wirklich ganz bei sich?

    US-Präsident Trump scheint nie ganz bei sich zu sein. Heute veröffentlichte er auf seinem Online-Sprachrohr Truth Social ein Video, in dem er seinen Vorgänger Obama und dessen Frau in einem KI-generierten Video als Affen zeigt. In dem Video geht es um die Verschwörungserzählung, nach der Trump die Wahl 2020 gar nicht gegen seinen Konkurrenten Biden verloren habe.

    Natürlich all über all große Empörung ob des rassistischen Videos. Das Weiße Haus schaltet sofort auf Angriff, die Medien sollten die gespielte Aufregung mal sein lassen und sich den wirklichen Problemen zuwenden. Aber dann, kurze Zeit später, ist das Video doch gelöscht.

    Und noch eine weirde Trump-Story, die heute bekannt wurde: Er drohte demokratisch regierten Bundesstaaten an, Geld für Infrastruktur-Projekte nur dann freizugeben, wenn ein wichtiger Flughafen in Washington und ein Bahnhof in New York nach ihm benannt würden. Die Demokraten wiesen das Ansinnen zurück. Und klagen nun auf Freigabe der Bundesmittel.

    Und ich denke so, während Laura nun mich stöhnend und genervt von ihrem Kissen schiebt: Trump kann really nicht ganz bei sich sein. Das haben auch schon andere bemerkt: Vor wenigen Tagen hatte ein als Trump-Fan geltender Politiker, der slowakische Ministerpräsident Fico, sich nach einem Treffen mit dem US-Präsidenten entsetzt über dessen geistigen Zustand gezeigt. Ihm bereite die psychische Verfasstheit Trumps Sorgen. Der sei nicht ganz bei sich gewesen. Sag ich doch!

    Gefahr! Bedürfnisse! Bei sich sein: Und ich frage mich so – was ist eigentlich mit meinen in Österreich weilenden Leuten los? Die lieben ja auch die Gefahr. Den Nervenkitzel. Beschreiben das als eine Art Grundbedürfnis. Und scheinen nicht ganz bei sich zu sein, wenn sie mit 96 km/h steile Berge runter rasen. 421 Kilometer Strecke in sechs Tagen fahren. Durch sulzigen, angetauten Schnee bei plus sechs Grad. Reden sie davon, im Flow zu sein. In felix Austria.

    Während hier in Berlin der Boden weiter tiefgefroren ist. Auf den Fußwegen. Sich täglich Dutzende Menschen ausrutschend verletzen. Mir das aber wumpe ist. In meinem Revier. Mit Coco unter mir. Die nun frisst. Weil niemand mit ihr spielt. Sagt der labile Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Seid ganz bei euch. Spürt euch. Und vor allem: Chillt, Leute! 

  • 5. Februar 2026

    Ich mag keine Überraschungen und der überraschte Diego

    Ich liebe Überraschungen. Nicht!!! Menschen lieben Überraschungen schon. Für sie sind Überraschungen die Würze ihres oft so trüben Daseins. Die sie herausreißen aus dem Alltagstrott. Des Immergleichen. Absehbaren.  Besonders lieben sie es, an Geburtstagen zu überraschen. Und der arme Jubilar – muss dann so tun, als ob er sich freute. Denke ich so.

    Heute beispielsweise wollte meine Nuria Diego zu dessen 23. Geburtstag erfreuen. Und reiste aus Freiburg zu meinen Lieben nach Österreich. Hatte ihnen aber zuvor vorgegaukelt, wegen vieler Prüfungen an ihrer Uni nicht kommen zu können. Nun taucht sie mit Helm und Tuch verhüllt plötzlich neben Diego auf der Skipisten auf. Umarmt ihn. Gratuliert ihm. Und er – komplett baff – erkennt erst beim zweiten Hinschauen, wen er da vor sich hat: Meine Nuria. 

    Ich bin da nicht so subtil. Ich weiß, was ich will: Keine Überraschungen, aber dafür Würstchen. Und ich weiß, was ich nicht will: Dass mir Coco die Würstchen wegnimmt. Oder Überraschungen.

    Und so tut mir Diego leid. Der sich nun freuen muss. Und pflichtschuldig strahlt, als er meine Nuria dann erkennt. Damit diese sich freut, dass ihre Überraschung gelungen ist. Und sie eine Rechtfertigung hat. Auch Skifahren zu können. Ach, ihr Menschen, so leicht durchschaubar. Denke ich so.

    Überraschungen bringen Aufmerksamkeit. Und Aufmerksamkeit ist derzeit eine der höchsten menschlichen Währungen. Allein heute bleibe ich an drei weiteren Themen hängen, weil sie mich überraschen: Nummer eins: US-Präsident Trump sagt, dass seine brutalen und maskierten Bundesbeamten der ICE-Einwanderungsbehörde bei ihren Einsätzen etwa in Minneapolis „sanfter“ vorgehen sollten. Trump und sanft?

    Nummer zwei: Diebe schicken ihre Beute zurück an die Opfer – offenbar wegen schlechten Gewissens.  Zuvor hatten sie dem norwegischen olympischen Skispringerteam die Ausrüstung gestohlen. Der Trainer jammerte, es seien persönlich designte Helme, Mützen, Jacken, Brillen. Nun kam ein Paket mit dem Diebesgut zurück. Diebe mit schlechtem Gewissen?

    Nummer drei: In Island bekam ein Busfahrer eine Maut-Rechnung, nach der er knapp 140.000 Euro bezahlen soll. Weil er er im Januar 999.961 Kilometer gefahren sein soll. Das aber würde bedeuten, er wäre in 31 Tagen 25 Mal um die Erde gefahren. Um das zur schaffen hätte er schneller als der Schall sein müssen: 1.343 Stundenkilometer. 

    All das Überraschende – unterhaltsam, manchmal sogar witzig für die Nicht-Betroffenen, denke ich so. Aber meist ganz schön anstrengend für die Betroffenen.

    Und dann überrascht Coco – also nicht mich, sondern Laura, die als einzige meiner Sippe nicht in Österreich, sondern bei mir ist. Und eben das belohnt Coco: Sie sitzt im Waschbecken und fischt aus dem Abfluss ein krasses Bündel Haare. Womit die Barriere weg ist – und das Wasser wieder abfließt.

    Laura freut sich ob der Überraschung. Will Coco streicheln. Und tritt dabei mich. Weil sie nur Augen für Coco hatte. Sagt der überrascht umüberraschte Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Gratuliert dem überraschten Diego. Und: Chillt, Leute! 

  • 4. Februar 2026

    Crazy Day – Von zerfetzten Katern, Füßen und Rechtsextremisten

    Was für ein crazy day. Heute mal wieder. Denke ich so – gechillt auf dem Fensterbrett liegend. Denn: In Thüringen wird der Rechtsradikale Höcke fast Ministerpräsident. US-Präsident Trump will in den Garten des Weißen Hauses eine Kolumbus-Statue stellen. Im Glätte geplagten Berlin darf trotz Aufhebung des Streusalzverbots doch nicht gestreut werden. Und: Meine Bruna träumt im entfernten Österreich Alpträume. Von mir. Mit mir. Über mich. Als Zerfetzten. 

    Für die im Koppe nicht ganz so Flotten – hier die ausführlichere Version meiner Andeutungen: Weil Thüringens CDU-Ministerpräsidenten der Doktortitel aberkannt wurde, stellte AfD’ler Höcke einen Misstrauensantrag. Er erreichte heute zwar die für die Abwahl nötige Mehrheit nicht. Aber er bekam eine Stimme mehr als seine Fraktion Leute hat. Und ich denke so: Das ist keine Dystopie. Sondern Gegenwart. Dass man befürchten muss, dass Rechtsextreme ein Bundesland regieren.

    Nun, in den USA ist es schon so weit, da regiert die rechtsextreme Trump-Regierung das mächtigste Land der Welt. Jetzt will Trump im Garten des Weißen Hauses eine Kolumbus-Statue aufstellen. Und ich naiv Unwissender so: Why not? Ist doch ein netter Entdecker. Der empörte Aufschrei aller Antirassisten lässt mich verstummen. Denn Kolumbus triggert sie. Er gilt ihnen als Wegbereiter für Kolonialisierung und Töten von Ureinwohnern.

    Während Trump sich als Verteidigers des Mannes sieht, der 1492 Amerika entdeckt hatte. Und ich denke so: Armer Kolumbus. Wenn der wüsste, wem alles er da so als Projektionsfläche dient. Wenn er es geahnt hätte, dann wäre er wohl ins menschenleere Grönland – he, he – gesegelt. Oder wäre Zuhause geblieben. 

    Wie das derzeit auch viele Menschen in Berlin machen. Machen müssen, weil sie sich wegen des fetten Eises vor ihren Wohnungstüren nicht raus wagen. Mittlerweile seit Wochen. Es könnte noch länger dauern. Denn der Naturschutzbund legte sein Veto gegen die Entscheidung des Senats ein, das umweltschädliche Salz wieder streuen zu dürfen – und bekam vom Gericht recht. So bleibt es glatt in meiner Hauptstadt. Aber die Bäume leben. Und ich denke so: Leute: Ohne Baum, kein Mensch. Also, denkt mal nach.

    Was sie natürlich nicht tun. Sondern durch die entwaldeten Berge curven. Also, meine Leute jedenfalls. Meine Bruna klagt, sie spüre die rechte Hälfte ihres rechten Fußes wegen des engen Skischuhs nicht mehr – taub. Auch die anderen jammern über Schmerzen. Und fahren trotzdem weiter. Heute 112 Kilometer. Und leiden. Und leiden. Obwohl sie auch hier sein könnten. Zuhause. Bei mir. Im glatten Berlin. Aber schmerzbefreit. Auf dem warmen Fensterbrett. Chillen und genießen. 

    So aber bleibt meiner Bruna im fernen Österreich nur. Von mir zu träumen. Wie vergangene Nacht. Ein Fuchs sei in mein Revier gekommen. Erzählt meine Bruna. Habe mich gesehen. Und gepackt. Bis mein weißes Fell rot getränkt gewesen sei. Die Attacke auf mich sei aber nur ein Ablenkungsmanöver gewesen. Der Fuchs-Besitzer – gibt es so etwas? – nun, auch der sei in die Wohnung gekommen. Habe den Laptop mit meinen Gedankenfetzen geklaut – und veröffentlicht.

    Und ich denke so. Soll der Fuchsmensch es doch machen. Ich gebe gerne. Auch Füchsen. Sagt der generöse und unzerfetzte  Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Lacht doch mal wieder. Über die Vielfalt des menschliche Unsinns. Oder Sinns. Auf jeden Fall aber: Chillt, Leute. 

  • 3. Februar 2026

    Ski-Horrorgeschichten vom Stürzen

    Menschen sind Stürzende. Weil sie weder krallige Pfoten noch vier Beine haben. Sondern aufrecht auf zwei Beinen durch die Pampa laufen. Und so leicht mal Gleichgewicht verlieren – oder einfach stolpern, weil ihnen eine Katze vor die Füße läuft. Dann stürzen sie. Und tun sich weh.

    Obwohl die meisten Menschen um ihre unzulängliche Anatomie wissen, erhöhen viele ihr Risiko nochmals. Und schnallen sich zwei Bretter unter die wackligen Füße. Nennen das Skifahren. Da gibt es Profis – wie Lindsey Vonn, eine 41-jährige US-Amerikanerin. Aber auch sie stürzt. Immer wieder.

    Vonn, die bereits seit Jahren eine Teilprothese im rechten Knie hat, erzählt nun, bei ihrem jüngsten Sturz vor wenigen Tagen habe sie sich einen Riss des linken Kreuzbands, eine Meniskusverletzung und Prellungen zugezogen. Sie gehe aber davon aus, in einer knappen Woche bei den Olympischen Winterspielen in Italien starten zu können. 

    Und ich denke so: Weird, wie soll das gehen – Paralympics oder was? Egal: Ich komme auf meine Leute zu sprechen. Da ist meine Bruna. Die ja derzeit mit eben solchen Brettern an ihren Füßen durch Österreich rutscht. Als Amateur auch noch. Und ich denke: Don’t know why. Spaß. Sagt sie. Und ich denke so: Toller Spaß, wenn man auf einer eisigen Fläche auf gerader Strecke  ein Salto macht. Weil ihre Gedanken abgeschweift seien. Zu mir. Wie sie sagt. Immerhin: Unverletzt, sie.

    Und weiter sagt meine Bruna: Kurz darauf habe ein Mann in der Gondel erzählt, vergangenes Jahr sei ein 13-Jähriger auf der Talabfahrt gegen ihn geknallt. Er habe erst gar nicht gecheckt, was passiert sei. Ein krasser Knall, er habe sich geschüttelt und gemerkt, bei ihm sei alles okay gewesen. Aber in seinem Skistock sei eine große Delle gewesen – und 50 Meter weiter unten lag der Junge schreiend im Schnee.

    Ein Helikopter habe den Teenager abtransportiert, zum Glück habe der nur Prellungen und ein paar Knochenbrüche erlitten. Er selbst aber habe sich rechtfertigen müssen, habe der Mann weiter erzählt. Erst seien am Nachmittag noch fünf Polizisten zu ihm in die Pension Emma gekommen, um ihn zu vernehmen. Dann sei Anklage gegen ihn erhoben worden. Das sei wohl Routine bei solchen Unfällen: Dass der weniger Geschädigte sich erst einmal verteidigen müsse. Nun, die Anklage sei dann schnell fallengelassen worden. 

    Und dann stürzt heute auch noch Bela, Diego Freund, der auch mit auf der Skitour ist. Vor den Augen meiner Bruna. Bela also sei einen vereisten Hang runtergerannt, bis ihn ein kleiner Schneehügel ausgehebelt habe, er durch die Luft katapultiert worden und ins Fangnetz gestürzt sei. Sein Kopf sei gegen den Boden geknallt. Nichts passiert. Er habe Helm getragen.

    Und ich frage mich nochmals: Wie absurd kann man sein. Sich bewusst Gefahren aussetzen? Wenn ich stürze, dann stürze ich mich auf Mäuse. Ok, früher jedenfalls, meine Vorväter oder so. Bin eben degeneriert. He he. Aber Coco stürzt auf mich. Und wir haben Spaß. Und ich denke so, liebe Menschen, wenn ihr unbedingt stürzen wollt – warum nicht Trump? Oder Putin? Sagt der gefestigte Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Kontrolliert eure Beine. Und chillt, Leute!

  • 2. Februar 2026

    Ist Coco KI? Über die Überlegenheit der KI

    Manchmal denke ich, Coco ist KI. Bei ihr scheint eine Art Elon Musk oder so versucht zu haben, eine Katze zu programmieren. Um zu checken, ob ähnliche Programmierung dereinst auch mit Menschen funktionieren könnte. Herausgekommen ist Coco.

    Wie ich darauf komme? Nun, wegen ihrer Fehlfunktionen: Nummer eins: Sie rennt wie ein Köter zur Tür, wenn es klingelt. Nummer zwei: Coco antizipiert Nahrung wie ein Delfin. Eine Spezies, die wohl gut vorausahnen kann. Sagt jedenfalls die KI. Und Nummer drei: Coco liebt Wasser. Wie Menschen. Oder so.

    Denn: Sie ist beim Abwasch dabei, sitzt direkt neben dem Waschbecken. Packt ihre Pfote ins Wasserglas – mit Vorliebe in jene, in denen Sprudelwasser sprudelt. Oder springt in die Badewanne. Leckt dort die Tropfen auf. Und wartet auf die nächste Füllung. 

    Ich muss einräumen: Coco ist eine gute KI. Weil sie durchaus auch katzig ist. Nicht nur vom Äußeren alle Vorzüge einer Katze hat – vom Wuschelfell und seiner Musterung bis hin zu ihren Augen, der Nase, ihrer große Größe. Sondern auch vom Charakter, also ihrer Liebe zum Chillen, ihrer Ruhe, Coolness, Jagdliebe, ihrem Kuschelbedürfnis.

    Und ich muss sagen: Lieber KI-Generator: Glückwunsch, Katze mit Coco gut getroffen. Also: Künstliches kann durchaus gleich gut oder sogar besser als das Original sein.

    Finden auch meine Leute. Die ja gerade in Österreich Skifahren. Was ohne Künstliches ob des Klimawandels an vielen Orten gar nicht mehr möglich wäre. Bei meinen Leuten jedenfalls tropfte heute in 2000 Metern Höhe das Wasser von den Bäumen – weil der Schnee von den Ästen taute. Bei fünf Grad plus in der Sonne.

    Die Pisten aber blieben weiß. Und schneeig. Warum? Weil es kein echter Schnee, sondern produzierter Kunstschnee ist, der da liegt. Der haltbarer als das Original ist. Und meine Bruna findet, der Kunst-Schnee sei auch zum Skifahren besser. Weil griffiger und nicht vereist. Hohe Kunst eben. Denke ich so. 

    Und höre von der Arbeitsgemeinschaft SPD Frauen. Die fordern einen besseren Schutz vor Diskriminierung durch KI. Weil die bestehende Ungerechtigkeiten verstärke.

    So erkenne KI oft Herzinfarkte bei Frauen schlechter, weil die andere Symptome als Männer hätten. Und wenn Frauen sich für einen Job bewerben, würden sie wegen ihres Geschlechts so manches mal durch KI als weniger qualifiziert eingeschätzt. Und Grok – der Chatbot von Musks Plattform X – habe Bilder erstellt, auf denen vor allem Frauen leicht bekleidet bis nackt gezeigt würden.

    Ist Coco nun KI oder nicht? Frage ich mich. Eine kötrige Katze oder katzige KI? Die Antwort: Ist mir voll egal. Coco ist nice. Und bärig. Meist. Wühlt jetzt in der Tasche mit den durchgeschwitzten Trikots der Männer von Diego Basketball-Team, die der längst hätte waschen sollen. Und yes: Katzen lieben Männerschweiß. KI eher nicht. Woraus folgt: Coco ist wohl doch eine echte Katze. Sagt der authentische Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Wascht euch. Und chillt, Leute!