Kategorie: Uncategorized

  • 15. Februar 2026

    Der Verlust des Anstands in Trumps Welt und Diegos Schwimmbecken

    Oft wird behauptet, es gebe keinen Anstand mehr. Was dann als Symptom für eine verrohende, zerfallende Gesellschaft interpretiert wird. Da ist US-Präsident Trump. Dessen Markenkern das Hinwegsetzen über Konventionen ist – sein Tabu: Es gibt keine Tabus. Für ihn.

    Weswegen er vor knapp zwei Wochen beispielsweise auch ohne jedwede Scham seinen Vorgänger Obama und dessen Frau in seinen sozialen Netzwerken als Affen diffamiert hatte. Und ich denke so: Welche Auswirkungen hat es, wenn selbst der mächtigste Mann der Welt kein Benehmen mehr kennt – sondern im Gegenteil, Anstand als Schwäche verhöhnt. 

    Trump ist eine einzige Grenzüberschreitung. Warum ich nun an dieser Stelle Obama als Art Kronzeugen dafür aufrufe? Weil der endlich reagiert – etwas verklausuliert zwar und erst Tage nach der Trumpschen Provokation. Aber treffend. Auf den Punkt gebracht. Auch ohne beleidigend zu sein oder direkt Namen zu nennen. Kurz: Stilvoll.

    Also, Obama sagt, es scheine keinerlei Scham mehr bei jenen Menschen zu geben, die einst gedacht hätten, dass es Anstand, einen Sinn für Anständigkeit und Respekt geben sollte. Das sei verloren gegangen. Er gehe davon aus, solches Verhalten werde Trumps Republikanern bei den Zwischenwahlen im November schaden, da die meisten US-Bürger dadurch zutiefst verstört seien. 

    Und ich denke so: Möge Obama recht behalten. Ich zweifle. Wenn ich auf die USA mit ihrer autoritären Führung schaue. Die Anstand durch – vermeintliche – Stärke ausgetauscht hat. Und der nicht nur von mir zugetraut wird, Wahlen in ihrem Sinne zu beeinflussen. 

    Naturally, der Verlust des Anstands hat nicht erst mit Trump Einzug erhalten. Aber dass er den Trend verstärkt – nun, das scheint selbst aus meiner bescheidenen katerlichen Sicht wenig weit hergeholt zu sein.

    Mittlerweile ist folgende Klage meiner Alten Alltag: Eben hätten sie draußen wieder vier Jugendlichen ausweichen müssen, die nebeneinander laufend auf sie zugekommen seien – und sie gar nicht übersehen hätten. Sondern es auf eine Kollision hätten ankommen lassen wollen. Höhnisch grinsend. Die nächste Konfrontationsstufe. Denke ich so. Der Krieg der Generationen.

    Diego erzählt von seinen jüngsten Erfahrungen als Schwimmcoach. Ein Vater der ihm anvertrauten Geschwister habe ihn beschimpft und mit Kündigung gedroht, weil die fünfjährige Tochter partout nicht ins Wasser wollte. Seine Tochter sei nun mal besonders, durchaus anstrengend und bedürfe einer besonderer Betreuung. Die er aber nicht sähe. Rüpelt der Vater Diego an.

    Während sich ein anderer Vater – ein Social-Media-Star, der sich gerne als Experte für Gesellschaft in Talkshows setzt – trotz Aufforderung nicht von seinen Kindern trennen will. Und seine Schwimmtipps lautstark an seine Sprösslinge weitergibt.

    Immerhin: Coco verlässt überraschend meinen Lieblingsplatz. Als ich näher komme. Respekt vor dem Alter. Nice und vorgewärmtes Fensterbrett. Denke ich so. Und bemerke erst nach dem Hinlegen, warum Coco ging: Meine Bruna lockt aus der Ferne mit Leckerli.

    So ist das. In diesen Zeiten. Vollkommen lost. Sagt der anständige Hauptstadtkater. Der gerne über euch wachen würde. Und jetzt: Chillt, Leute!

  • 14. Februar 2026

    Knutscht und trinkt Kaffee – wider dem Klimawandel

    Kaffee soll nun also doch gesund sein. Drei Tassen täglich – und das Demenzrisiko sinke, jubilieren meine Alten und schneiden einen Artikel aus der „Süddeutschen Zeitung“ aus, in der unter der Überschrift „Schwarzes Gold für graue Zellen“ eine entsprechende Studie präsentiert wird. Und ich denke so: Schade, dass, meine Alten viel zu spät in ihrem Leben mit dem Kaffeekonsum begonnen haben. He, he.

    Nun, heute ist Valentinstag, Tag der Liebe, ich will nicht zu bösartig sein. Und wende mich meiner Leidenschaft zu: Cocos Babyfutter. Schmeckt einfach um Klassen besser als meins. Und ich finde nicht, dass ich dadurch dicker geworden bin. Im Gegenteil: Stattlicher. Womit meine Alten und ihre komischen Studien widerlegt sind, die mich beharrlich von diesem Futter fernhalten wollen.

    Ach, ja, Studien. Denke ich so. Entscheidend ist eben der genaue Blick darauf. Und so heißt es in der von der Zeitung zitierten Kaffee-Untersuchung der Havard Universität, dass diese nur Zusammenhänge aufzeige, aber keine ursächlichen Beziehungen belege.

    Aber, frage ich mich so, wer liest schon noch so weit. Bei der Generation  Z – da soll die durchschnittliche Aufmerksamkeit pro Artikel – Studien zufolge, he, he – nur noch bei acht Sekunden liegen. Und da Gen Z auch das Lesen zunehmend schwerfällt, bleibt wohl nicht viel mehr als die oftmals reißerische und überspitzte Überschrift hängen.

    Und ich kann den wachsenden Frust der Gen Z verstehen: Weil ständig neue Studien erscheinen, die mal das, dann scheinbar das Gegenteil behaupten. Und dann auch noch verkürzt dargestellt werden. Um überhaupt Aufmerksamkeit zu bekommen. Teufelskreis.

    Unumstritten unter ernstzunehmenden Wissenschaftlern ist der Klimawandel. Ebensowenig, dass Treibhausgase Haupttreiber für die Erderwärmung sind. Die wiederum Extremwetterereignisse wie Hitzewellen oder Starkregen auslösen. US-Präsident Trump ist einer jener, die nicht daran glauben. Er hebelt den Klimaschutz aus. Und hat – entgegen aller wissenschaftlichen Expertise – Treibhausgase nun als nicht gesundheitsgefährdend erklären lassen.

    Damit kippt er die rechtliche Grundlage für Klimagesetze in seinem Land – das weltweit die zweitmeisten Treibhausgase in die Luft pustet. Warum er das macht? Tja, meine Antwort: Er will der Fossil-Lobby Gewinne ermöglichen. Indem Abgasregeln für Kraftwerke und Autos abgeschafft werden, sollen den Konzerne Kosten erspart werden.

    Dass die Kosten für Schäden durch Extremwetter um ein Vielfaches höher sind, dass er nachfolgenden Generationen ein Trümmerfeld hinterlässt, ist ihm egal. Und ich habe Bilder vom brennenden Los Angeles, von Dürre im Mittleren Westen, von Hurricanes an den Küsten vor mir.

    Genüsslich lecke ich die Soße von Cocos Kittenfutter. Ich weiß: Wenn es denn überhaupt für diesen Genuss einen Preis zu zahlen gibt, dann zahle ich den allein, nun meine Leute natürlich auch – beim Tierarzt. Den Preis von Trumps Handeln muss aber die ganze Menschheit zahlen. Und wir. Die Tiere. Die Kater der Welt.

    Ich spüre ein Zerren an meinem Schwanz. Es ist: Coco. Ich weiche: Und sehe: Manchmal braucht es den Schubs von außen, um zur Erkenntnis zu kommen. Und sehe die Valentinstag-Studie, nach der nur zehn Sekunden Küssen am Tag extrem gesund sei. Für Herz-Kreislauf. Sagt der wissenschaftliche Hauptstadtkater. Der gerne über euch wachen würde. Und nun: Knutscht lang und intensiv. Trinkt viel Kaffee. Und chillt, Leute!

  • 13. Februar 2026

    Kater können nicht nicht chillen, das verlogene IOC und Brunas Rückkehr

    Es gibt sie, die unumstößlichen Gewissheiten. Meine lautet so: Kater können nicht nicht chillen. Aber gut finde ich auch: Man kann nicht nicht kommunizieren. Der Spruch stammt von meinem Alter Ego, Paul Watzlawick – dem alten Soziologen. Und frei nach ihm füge ich nun hinzu: Man kann nicht nicht politisch sein.

    Weil jede Handlung eines jeden Lebewesens in einen Kontext eingebettet ist. In Beziehungen zu anderen Lebewesen steht. Und damit irgendwie auch politisch ist.

    Woraus folgt: Auch Sport ist politisch. Und da ganz besonders die Olympischen Spiele, wo Athleten für ihre Länder antreten. Die sich dann mit deren Medaillengewinnen brüsten. Wobei das Internationale Olympische Komitee natürlich immer vehement behauptet, die Spiele seien unpolitisch. Es gebe nur den Sport.

    Hach, welch Pseudo-Scheiß. Denke ich so. Auf meinem Thron sitzend. Als ob der Sport in einem Vakuum operieren könnte. Als ob er neutral sei. Neutral sein könnte – angesichts des Terrors, den einige Länder über andere bringen. Wie beispielsweise Russland seit fast vier Jahren mit seinem brutalen Krieg in der Ukraine. 

    Nun gibt es bei den Olympischen Spielen in Italien einen ukrainischen Skeleton-Piloten namens Heraskewytsch, der im Wettkampf einen Helm tragen wollte, auf dem die Porträts von 22 von Russland getöteten ukrainischen Athleten prangten. Das IOC verbot das – mit dem Hinweis, Demonstrationen – politische, religiöse oder rassistische Propaganda – seien in olympischen Veranstaltungszentren nicht erlaubt. Schloss den Mann – der nicht auf diesen Helm verzichten wollte – vom Wettkampf aus.

    Und ich denke so: Ausdrücklich erlaubt ist den Athleten ein Recht auf freie Meinungsäußerung. Wenn jemand auf gestorbene Kollegen aufmerksam macht – ist das eine Demo, ist das Propaganda? Kompletter Bullshit. Und so verlogen. Denke ich so. Denn das IOC arbeitet daran, das von den Spielen suspendierte Russland wieder in die olympische Familie aufzunehmen. Ein Land, dessen Herrscher morden lässt.

    Auch ukrainische Athleten. Worauf Heraskewytsch hinweisen wollte. Natürlich weiß ich: Der Helm mit den Porträts ist eine politische Botschaft. Wie aber auch eine Teilnahme Russlands an den nächsten Spielen. Oder – wie nun in Italien – Protest von US-Sportlern gegen die brutale Einwanderungspolitik von US-Präsident Trump. Der einen Sportler seines Landes als „Loser“ bezeichnete. Politisch ist alles.

    Der Aufschrei gegen den Ausschluss von Heraskewytsch ist groß. IOC-Präsidentin Coventry vergießt wegen des Ausschlusses gar Tränen. Und meint, es tue ihr leid, aber Regeln seien eben Regeln. Und ich denke so: Mammamia, die Alte ist Präsidentin. Sie hätte die Macht gehabt, Heraskewytsch starten zu lassen.

    Ich sehe, auch bei Athleten ist die Empörung groß. Aber dann doch nicht so groß, um gemeinsam den Wettkampf zu boykottieren. Ich ärger mich nicht weiter. Meine Bruna kommt von ihrer fünftägigen Orchesterfreizeit zurück. Die sei besser als erwartet gewesen. Sagt sie.

    Da sie viele Leute besser kennengelernt habe. Und die sogar nett seien. Was sie nicht erwartet habe. Tja, man kann eben leider auch nicht nichts erwarten. Was manchmal wahrscheinlich besser wäre. Für mehr Offenheit. Sagt der gechillt Hauptstadtkater. Der so gerne über euch wachen würde. Und jetzt: Chillt, Leute!

  • 12. Februar 2026

    Wie meine Nuria die Spaltung auf einer AfD-Veranstaltung kittet

    Aus Spaltung wächst Hass. Und der kann Kriege auslösen. Überall wächst derzeit Spaltung. Beobachte ich so – auf meinem Thron sitzend und sinnierend. Hoffnung aber gibt mir meine Nuria. Die versucht, Spaltung zu überwinden. Durch verbinden. Zuhören. Diskutieren.

    Gestern war sie bei einer Veranstaltung der rechtsextremen AfD in Freiburg zur anstehenden Landtagswahl in Baden-Württemberg. Angelockt wurden nicht nur Sympathisanten. Sondern auch Gegner, die die Veranstaltungshalle blockierten. Und meine Nuria. Die mit Freundinnen in der Halle die AfD-Fans sprechen wollte. Um ihnen neue Perspektiven aufzuzeigen. Und Brücken zu bauen, 

    Meine Nuria erzählt: Von dem großen Hass auf beiden Seiten, dem sie und ihre Freundinnen dann selbst ausgesetzt waren. Als meine Nuria die Sitzblockaden vor der Halle überwand, riefen die Blockierer ihr hasserfüllt hinterher: „Wenn du da reingehst, verfolgen wir dich bis an dein Lebensende. Und das wird bald sein.“

    In der Halle wurden ihre Freundinnen, weitere Aktivistinnen und sie dann von AfD-Repräsentanten attackiert: Was die jungen Leute in der Halle wollten, habe ihnen ein AfD-Politiker zugerufen. Sie hätten doch noch nie wirklich gearbeitet und Geld verdient. Damit hätten sie den Ernst des Lebens doch gar nicht begriffen, sollten mal schön ruhig sein.

    Und trotzdem – meine Nuria erlebte in der Halle auch einen berührenden Moment. Als sie zu Beginn in das Publikum geblickt habe, habe sie viele Freundinnen und Aktivistinnen gesehen, die sich mit den Leuten dort – zumeist mittelalte bis alte Männer – unterhalten hätten. Ihr selbst hätten zwei Männer erzählt, sie wüssten noch nicht, wen sie wählen würden. Aber sie hätten Angst wegen der offensichtlich steigenden Zahl von Überfällen, Diebstählen. Autos und Fahrräder würden immer häufiger gestohlen. Die Zahl der Ausländer sei stark gestiegen. Viele seien nicht gut integriert.

    Und meine Nuria sagt, sie habe sich gefragt, ob das alles der Realität entspreche – sie habe keine Ahnung. Manche Gedanken zur schlechten Integration von Ausländern beispielsweise allerdings seien ähnlich der ihren – es gebe eben nur völlig andere Lösungsansätze. Kümmern versus abschieben. 

    Die AfD-Politiker in der Halle hätten dann weiter gehetzt. Sagt meine Nuria. Durch Steuergeld werde der Club der linken Szene in der Stadt finanziert, habe einer behauptet. Und dort entstehe dann linker Terror. Wie ja auch bei dieser Veranstaltung deutlich geworden sei. Schließlich seien er und seine Kollegen als Vertreter einer demokratischen Partei durch linke Chaoten gehindert worden, in die Halle zu gelangen, um ihre Meinung zu äußern.

    Der alte Mann neben meiner Nuria klatscht. Und fragt meine Nuria, warum sie das nicht auch tue. Sie flüchtet. Beschimpft von AfD-Sympathisanten. Bedroht durch die Demonstranten vor der Halle.

    Und ich denke so: Sie hat es so was von richtig gemacht. Das direkte Gespräch muss sein. Um Spaltung verhindern. Oder zu kitten. Ja: Kitten. Seid wie verspielte Katzenbabys. Make love, not war. Sagt der stolze Hauptstadtkater. Der gerne über euch wachen würde. Und jetzt: Engagiert euch. Und vor allem: Chillt, Leute! 

  • 11. Februar 2026

    Rausch der Höhe in Musks Mondstadt

    Da wo ich bin, ist oben. Deswegen liebe ich meinen Kratzbaum. Der mich in die Höh’ bringt. Ganz oben, da fühle ich mich fast so etwas wie allmächtig. Weil ich den absoluten Überblick habe. Bislang jedenfalls war das so. Seit kurzem aber hat auch Coco mein Revier im Revier entdeckt. Und so ist es nun zwischen uns ein Wettrennen. Wer zuerst oben ist.

    Und wieder ist da die Analogie zum – Menschen. Dem es auch eigen ist, nach oben zu streben. Erster zu sein. Tech-Milliardär Elon Musk hat schon seit Jahren sein Ziel verkündet, mithilfe seiner Weltraumfirma SpaceX den Mars erobern und besiedeln zu wollen. Plötzlich ist für ihn aus dem Mars der Mond geworden. Pragmatisch. Denke ich so. Nicht so weit weg. Leichter zu erreichen also. Und trotzdem: Den Blick von oben gibt es auch vom Mond. Vielleicht sogar besser als vom Mars. 

    Musk will auf dem Mond eine Stadt aufbauen – in weniger als zehn Jahren. Auf dem Mars würde das 20 Jahre dauern. Behauptet er. Die Reisezeit zum Mond betrage zwei Tage – alle zehn Tage könne dorthin gestartet werden. Zum Mars sei man sechs Monate unterwegs, eine Reise sei nur alle 26 Monate möglich. Behauptet er. Die Mission aber bleibe dieselbe: Das menschliche Bewusstsein und das Leben auf Sterne auszuweiten, die Zukunft der Zivilisation zu sichern.

    Und ich denke so: Wie kommt der Mann auf diese Bau-Zeiten? Wo er sich bei Prognosen schon des Öfteren bei seinen Tesla-Autos und der Plattform X verrechnet hat. Und: Reicht es nicht, wenn Mensch einen Planeten zerstört – die Erde? Warum sollte das menschliche Bewusstsein gerettet werden? Und habe die Idee: Soll Musk zum Mond fliegen. Dort seine Stadt aufbauen. Und seinen Buddy Donald Trump mitnehmen. Der da dann einen ganzen Erdtrabanten reagieren könnte. Mit Blick auf die kleine Erde. 

    Trump wird bleiben. Und seine Apologeten auch. Ich verliere natürlich trotzdem nicht die Hoffnung. Nie. Denn meine Menschen zeigen, man kann auch virtuell nach Höhe streben. Und Gutes tun. Zeigt meine Laura. Wieder mal. Die ihren psychisch so kranken jugendlichen Patientinnen neue Welten eröffnet. Mit Kunstprojekten.

    Widerwillig lassen sich die zwölf Jugendlichen überreden, gegenseitig Porträts voneinander zu malen. Drei Minuten nur sind Zeit. Die sonst so hibbeligen und hypernervösen Jugendlichen sind plötzlich ruhig – und äußerst konzentriert. Alle erstellen Porträts. Über die sie dann lachen – und sich unterhalten. Sie sind in anderen Sphären, Welten angekommen. Kurzzeitig glücklich. High. Ohne Drogen. 

    Und ich jumpe auf meinen Kratzbaum-Platz. Bin oben. Sehe Coco kommen. Und wünsche mich hinweg. Zu Musk. Auf den Mond. Sagt der erhöhte Hauptstadtkater. Der gerne über euch wachen würde. Und jetzt: Richtet den Blick nach oben. Und schaut nicht herab. Sondern: Chillt, Leute!

  • 10. Februar 2026

    Was der Self-Care-Trend mit der Orchesterreise meiner Bruna zu tun hat

    Ein neuer Tag. Es wird hell. Wie immer. Coco springt auf mich. Wie immer. Es gibt Nassfutter. Wie immer. Alles dreht sich weiter. Wie immer. Das Leben. Welt. Egal, was passiert. Egal, ob Krankheiten, Kriege oder Hass Leben zerstören. Zeit ist unstoppbar. Für jeden. Trotzdem habe ich Macht: Denn immerhin: Meine Gedanken kann ich stoppen. Bewusst entschleunigen. Und lasse sie schweifen. Wohin ich will. 

    Beispielsweise zu meiner Bruna. Die mich schon wieder verlassen hat. Ist mit ihrem Schulorchester auf Probenfreizeit irgendwo in Brandenburg. Bernstein, Khatchaturjan und Tschaikowski stehen auf dem Programm. Knaller. Sagt Felix. Langweilig. Sagt meine Bruna. Menschenmusik eben. Sage ich.

    Egal, was wir so sagen. Gelernt habe auch ich mittlerweile: Wenn meine Bruna ein bisschen übt, klingt Musik nicht mehr ganz so schief. Aber ich raffe es, warum meine Bruna so bocklos ist: „Geprobt wird fünf Tage lang jeweils ab 9.30 Uhr. Bis 21 Uhr. Geht’s noch?“, fragt sie. Und ich verstehe. Tatsächlich. Dort in Brandenburg scheint es richtig old school zu sein. Leistung wird gefordert.

    Passt nicht mehr. In diese Welt. Denke ich so. Nicht mal, wenn es darum geht, Tschaikowskis Romeo und Julia zu performen. Und die Liebe, die Leidenschaft, der Flow – die entstehen eben nur, wenn das Werk durchleuchtet ist. Wie bei so vielen Dingen im Leben. He, he. 

    Musik verbindet Menschen miteinander. Bringt sie in einen Chill-Modus. Sogar zum Schnurren. Wenn sie sich darin verlieren und darauf einlassen. Aber klar, es braucht Übung. Anstrengung. Um die Performance hinzubekommen.

    Und ich höre die Klagen der Alten. Beispielsweise Felix. Zu seiner Zeit hätten die Jugendlichen ihre Instrumente üben müssen – um nicht aus dem Unterricht rauszufliegen. Sagt er. Heute seien Musikschullehrer froh, wenn überhaupt noch Schüler kämen. Üben würden sie nicht mehr verlangen. Denn das würde die Jugendlichen vergraulen. Klagt er.

    Felixens Cousine Vera – Musikschullehrerin – erzählt, ihre Geigenschüler kämen nur unregelmäßig zum Unterricht. Sagten so manches Mal – wenn überhaupt – erst 28 Minuten nach Beginn ab.

    Felixens Bruder Chris – Theaterwissenschaft-Professor— erzählt, seine Studentinnen und Studenten fänden es zu früh, um 9 Uhr zum Seminar zu kommen. Nur zwei der 17 seien pünktlich da. Der Rest komme nach und nach. Und störe. Oder erscheine gar nicht.

    Ein Kollege von Felix erzählt, von den Volontären und Volontärinnen gehe keiner mehr in die Gewerkschaft. Um dann zu fragen, warum sie keine Gehaltserhöhung oder keinen Anschlussvertrag bekämen.

    Fortgeschrittene Individualisierung. Ohne Rücksicht auf das Umfeld. Denke ich so. Der Trend der vergangenen Jahre: Tue, was dir gut tut. Self-Care. Höre auf dein Inneres. Nicht mitgedacht offenbar: Was passiert, wenn jeder so denkt: Miteinander – unmöglich. Verbindlichkeit – unmöglich. Solidarität – unmöglich.

    Selbst bei mir. Ich wäre eine Murmel. Vollgefuttert mit Leckerli. Während Coco nichts hätte. Was eine völlig unrealistische Dystopie ist. Weil Coco dieselben Wünsche hätte wie ich. Und das würde bedeuten: Krieg zwischen ihr und mir. Um die Leckerli. Sagt der selbstbewusste Hauptstadtkater. Der so gerne über euch wachen würde. Und es nicht kann. Und jetzt: Seid achtsam. Und: Chillt, Leute!

  • 9. Februar 2026

    Wenn Welt unwichtig wird oder über das Entdecken der Schönheit

    Es gibt die Momente, in denen alles andere unwichtig wird. Weil ein Schock den Fokus verschiebt. Und zeigt: Die Aufregung über Welt, Menschen, Coco, Futter, Wetter, Kriege, Trump, Putin und Konsorten ist unbedeutend und klein. Wühlt oft auf, macht dann unzufrieden und aggressiv. Weil man so merkt: Ich bin machtlos, es ist unabänderlich. Und die Wut darauf dann auch wenig konstruktiv ist. Im Gegenteil: Sie verstellt dann auch noch den Blick auf die Schönheit des Lebens. 

    Und ich denke so: Das Leben ist viel zu kurz. Um sich mit dem Unabänderlichen, Unwesentlichen aufzuhalten. Wobei ich naturally weiß: Oft ist erst im Nachhinein sichtbar, ob etwas tatsächlich unabänderlich, unwesentlich war – oder nicht. Und selbstverständlich: Empörung muss da sein. Da sie der Antrieb für Veränderung, Verbesserung des Lebens ist.

    Aber: Möge dies ein Plädoyer sein, im wirbelnden Strudel des Lebensflusses auch immer mal zu stoppen. Bewusst. Um die Schönheit des Lebens zu entdecken. Die es gibt. Überall. Wenn man den Moment und sein Glück einfach mal genösse. Und würdigen würde. 

    Alles ändert sich, wenn man erfährt, dass ein nahestehender Mensch schwer erkrankt ist. Und ob dieser Nachricht die Zeit plötzlich stillzustehen scheint. Sie es aber natürlich nicht tut. Sondern unbeeindruckt weiterläuft. Als ob nichts passiert sei. Und – fast – alles seinen normalen Gang geht. Als ob nichts geschehen wäre.

    Wie pervers. Denke ich so. Wie nicht anders möglich. Denke ich dann so. Obwohl doch die eigene Welt aus den Fugen geraten ist. Und im Nebel erst unscharf wird. Dann unwichtig. 

    Dann der erste Schock dem Schmerz weicht. Und der schneidenden, eigentlich bekannten, aber verdrängten Erkenntnis über die Endlichkeit des Lebens. Will Stärke zeigen. Zuversicht ausstrahlen. Spüre aber meine Schwäche. Hilflosigkeit. Schreckliche Ohnmacht. Kein Wort kann etwas ändern.

    Also stoppe ich. Für heute. Unter unserer Küchenuhr, die für alle Ewigkeit sechs Minuten vor neun anzeigt. Sagt der erschütterte Hauptstadtkater. Der sehr gerne über euch wachen würde. Und sieht: Es gelingt nicht. Leider. Aber der Appell bleibt: Chillt, Leute! Am besten zusammen. Für Wärme. In der Kälte. Und Erkennen des wirklich Wichtigen: Die Schönheit im unbarmherzigen Leben.

  • 8. Februar 2026

    Sturz einer Ikone und der Mensch

    Die menschliche Reaktion auf Extremleistungen anderer offenbart den perfekten Blick darauf, wie diese menschliche Spezies tickt. Heute stürzte bei der Ski-Abfahrt der Damen bei den Olympischen Winterspielen in Italien die Ausnahmefahrerin Lindsey Vonn. Die Amerikanerin brach sich den Unterschenkel und musste mit einem Helikopter ins Krankenhaus transportiert werden.

    Geplant hatte die Olympiasiegerin von 2010 einen goldenen Abschluss ihrer grandiosen Karriere, die sie bereits 2019 erstmals beendet hatte. Fünf Jahre später aber gab sie – mit Teilprothese in einem Knie – ihr erfolgreiches Comeback. Bis die 41-Jährige dann bereits vergangene Woche bei einer Weltcup-Abfahrt schwer stürzte – und sich das Kreuzband riss. Bei den Olympischen Spielen aber wollte sie trotzdem starten. 

    Nach dem erneuten Sturz nun: Viel Mitleid, viel Häme, viel Besserwisserei – und Neid, der daraus spricht. Auch Frauenfeindlichkeit. Denke ich so, als ich die Reaktionen beobachte. Bereits vor dem Olympiarennen hatte es viele Mahner gegeben, die Vonn vor einem Start warnten. Da das verletzte Knie bei mehr als 120 Stundenkilometern  auf vereister Piste dem Druck nur schwer standhalten könne – und jeder kleine Hügel, jedes Abweichen von der Ideallinie zu viel sein könnte.

    Nun haben sie Recht behalten. Und einige triumphieren: Haben wir ja gleich gesagt. Vonn hätte ein Start verboten werden müssen. Während andere ätzen: Wie kann man nur? In dem Alter. Mit der Vorgeschichte. Sie hätte auf ihren Körper hören müssen. Wie verantwortungslos Vonn und ihr Team doch seien. Vonn habe doch auch eine Vorbildfunktion für die Jugend.

    Und ich denke so: Hey, die Frau ist erwachsen. Zurechnungsfähig. Und eben extrem ehrgeizig. Wäre ohne diese Mentalität sicher nicht die erfolgreichste Ski-Alpin-Fahrerin aller Zeiten mit mehr als 80 Weltcup-Siegen geworden, sondern nur graues Mittelmaß wie ihre Kritiker. Und was ist eigentlich mit Rauchern, Alkohol-Trinkenden oder Fettleibigen. Die man ja auch gewähren lässt, wenn sie ihren Körper zerstören.

    Kurz: Warum sollte man Vonn nicht selbst entscheiden lassen, was sie machen will? Und ich denke an den spanischen Tennis-Star Raffael Nadal. Der zum Ende seiner großartigen Karriere auch nur noch unter Schmerzen spielte und nicht aufhören konnte – bevor er dann 2024 mit 38 doch abtrat. Und für sein Immer-weiter gefeiert wurde – zum Hero stilisiert wurde. Ein Mann eben, der so etwas anders als eine Frau offenbar darf.

    Und dann denke ich auch an mich: Wäre ich auf die Spitze des Ofenrohrs gekommen, wenn ich nicht alles riskiert hätte? Wer gewinnen will, der braucht neben Talent eben auch Risikobereitschaft. Mit allen Konsequenzen. Denke ich so – und erinnere mich mit Schaudern an den Sturz vom Ofenrohr aus vier Metern Höhe auf den harten Mülleimer.

    Warum Vonn sich das Rennen „antat“? Für mich ganz klar: Weil sie es sich zutraute und dachte, gewinnen zu können. Weil sie eine super Fahrerin ist. Der mein Mitgefühl gehört. Meine Bewunderung. Nicht: Mitleid. Denn sie wusste, was sie tat. Sagt der emphatische Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Reflektiert, bevor ihr richtet.   Und chillt, Leute! 

  • 7. Februar 2026

    Mein Existenzialismus und Nurias Träume

    Ich weiß: Ich bin. Weil ich spüre. Mich spüre. Sehe. Schmecke. Höre. Emotionen empfinde. Ob es andere gibt – neben mir? Ich gehe mal davon aus. Zumindest wird mir das täglich vorgegaukelt.

    Coco beispielsweise tut so, als ob sie da wäre. Und greift mich an. Meine Leute: Warum sollten sie mich füttern? Wenn sie nicht existierten. Und dann gibt es noch eine ganz andere Sphäre: Träumen. Wenn ich in diese Welten abgleite, dann wirken da die Mäuse vor mir auch zu 100 Prozent echt. Bis ich dann aufwache. Keine Maus vor mir ist – das Echte also doch unecht ist. 

    Meine Nuria sagt, ihre knapp 60 Stunden in Österreich bei den Skifahrern meiner Familie fühlten sich an wie ein Traum. Vom Unistress ohne Übergang in Winterspaß und wieder zurück in den Unistress.

    Skifahren bei Sonne und Frühlingstemperaturen. Statt Freiburger Hochschule bei Wolken und Winter. Familie statt Kommilitonen. Unbeschwertheit und Lebensfreude statt Stress und Frust. Und ich frage mich so: Warum kommt meine Muriel nicht zu mir? Denn eigentlich läuft doch alles, das ganze Leben nur auf das Eine hinaus. Runterkommen. Und Chillen.

    Was auch meine Bruna erkannt hat: Weil ihre rechte Fußsohle durch einen durch den Skischuh abgeklemmten Nerv taub ist, kann sie nur noch humpeln. Und lässt sich von einer vom Schwiegersohn der Pensionsmutter gesteuerten Pistenraupe auf deren Alm bringen. Während die anderen durch Tiefschnee dorthin wandern.

    Drei Stunden muss meine Bruna dort warten. Und fragt vier Male, ob sie denn helfen könne. Tische abwischen, Abwasch, Kochen – was auch immer. Der Schwiegersohn lehnt ab. Und putzt Gläser, deckt ein, kocht vor. Während meine Bruna in der warmen Gaststube sitzt. Zum Nichtstun verurteilt ist. Weil auch ihr Handy hier keinen Empfang hat. Und endlich dazu kommt: Vorbehaltloses Chillen. 

    Tja, das leidige Thema helfen lassen. Das lehnt auch die Pensionsmutter selbst ab, als meine Leute anbieten, Müll zu entsorgen. Nicht einmal die Bettwäsche dürfen sie aus dem zweiten Stock nach unten transportieren. Und ich denke so: Das verstößt wohl gegen das Arbeitsethos. Der Gast ist hier König. Zahlt ja auch für den Service.

    Professionell eben. Denke ich so. Und kratze Coco, die neben mir sitzt. Sie faucht. Und ich spüre: Wir sind. Wir existieren. Really. Sagt der emotionale Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Spürt euch. Und chillt, Leute!

  • 6. Februar 2026

    Wir wollen nur spielen und Zweifel an Trumps Verfasstheit

    Lebewesen haben Bedürfnisse. Nicht nur Menschen, sondern auch Tiere – und damit auch wir Kater. Und Katzen. Es geht nicht nur ums Futtern, nein – wir spielen auch gerne. Aber eben nicht immer nur dann, wenn unsere Leute das wollen. Sondern auch dann, wann wir es wollen. Es also intrensisch motiviert ist.

    Vergangene Nacht beispielsweise wollte Coco. Begehrte gegen 3.32 Uhr sanft an der Tür von Lauras Schlafzimmer kratzend Einlass. Der ihr gewehrt wurde. Und mir gleich mit. Nun, Coco begann mit Lauras Locken zu spielen. Dann mit ihrer Bettdecke. Den darunter verborgenen Händen. Den Füßen. Und flog prompt aus dem Zimmer. Really: Ich schwöre: Sie flog. Befördert durch die sonst so sanfte Laura. Und ich dachte so, während ich mich auf dem leeren Kopfkissen einkuschelte: War Laura da wirklich ganz bei sich?

    US-Präsident Trump scheint nie ganz bei sich zu sein. Heute veröffentlichte er auf seinem Online-Sprachrohr Truth Social ein Video, in dem er seinen Vorgänger Obama und dessen Frau in einem KI-generierten Video als Affen zeigt. In dem Video geht es um die Verschwörungserzählung, nach der Trump die Wahl 2020 gar nicht gegen seinen Konkurrenten Biden verloren habe.

    Natürlich all über all große Empörung ob des rassistischen Videos. Das Weiße Haus schaltet sofort auf Angriff, die Medien sollten die gespielte Aufregung mal sein lassen und sich den wirklichen Problemen zuwenden. Aber dann, kurze Zeit später, ist das Video doch gelöscht.

    Und noch eine weirde Trump-Story, die heute bekannt wurde: Er drohte demokratisch regierten Bundesstaaten an, Geld für Infrastruktur-Projekte nur dann freizugeben, wenn ein wichtiger Flughafen in Washington und ein Bahnhof in New York nach ihm benannt würden. Die Demokraten wiesen das Ansinnen zurück. Und klagen nun auf Freigabe der Bundesmittel.

    Und ich denke so, während Laura nun mich stöhnend und genervt von ihrem Kissen schiebt: Trump kann really nicht ganz bei sich sein. Das haben auch schon andere bemerkt: Vor wenigen Tagen hatte ein als Trump-Fan geltender Politiker, der slowakische Ministerpräsident Fico, sich nach einem Treffen mit dem US-Präsidenten entsetzt über dessen geistigen Zustand gezeigt. Ihm bereite die psychische Verfasstheit Trumps Sorgen. Der sei nicht ganz bei sich gewesen. Sag ich doch!

    Gefahr! Bedürfnisse! Bei sich sein: Und ich frage mich so – was ist eigentlich mit meinen in Österreich weilenden Leuten los? Die lieben ja auch die Gefahr. Den Nervenkitzel. Beschreiben das als eine Art Grundbedürfnis. Und scheinen nicht ganz bei sich zu sein, wenn sie mit 96 km/h steile Berge runter rasen. 421 Kilometer Strecke in sechs Tagen fahren. Durch sulzigen, angetauten Schnee bei plus sechs Grad. Reden sie davon, im Flow zu sein. In felix Austria.

    Während hier in Berlin der Boden weiter tiefgefroren ist. Auf den Fußwegen. Sich täglich Dutzende Menschen ausrutschend verletzen. Mir das aber wumpe ist. In meinem Revier. Mit Coco unter mir. Die nun frisst. Weil niemand mit ihr spielt. Sagt der labile Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Seid ganz bei euch. Spürt euch. Und vor allem: Chillt, Leute!