Hauptstadtkater

9. Juni 2026

Miauende Schafe und Timmy als Biodiesel

Er sieht Schafe. Weiße Schafe. Die miauen. Zu ihm laufen. Ihn anstupsen. Felix ist in Euphoria. Brabbelt die ganze Zeit. Erzählt meiner armen Bruna, das Fell der Schafe sei wie meins – wollig, weich, weiß. Und ich weiß: Nachdem er 1.700 Höhenmeter in den Alpen von Sölden absolviert hat, ist er nun schwer dehydriert und erschöpft. Völlig confused auf dem Gipfel in 3.000 Metern Höhe.

Und ich denke so: Alta, warum tust du dir das an? Ich bin hier. In real. Auch mein Miauen ist authentisch. Man muss dafür nicht nach Österreich. Um tumbe Schafen zu glotzen, mit ihnen zu kommunizieren, he he. Und ich denke so: Menschen brauchen das wohl. Wegfahren. Herausforderungen suchen. Um sich zu spüren. Zu fühlen. Und auch, um Anstand zu gewinnen. Vom Alltag. Von mir. 

Was ich ja sogar ein stückweit nachvollziehen kann. Nicht nur, dass ich auch mal nerven kann, klar. Aber Menschen müssen vor allem von anderen Menschen Abstand gewinnen – um nicht an ihnen zu verzweifeln. Jüngstes Beispiel: Die ohnehin absurde Story von der sogenannten Rettungsaktion des wochenlang vor der deutschen Ostseeküste gestrandeten Buckelwals Timmy ist um ein absurdes Kapitel reicher.

Timmy – you know? – das war das offensichtlich kranke Tier, für das plötzlich Unmengen Menschen in Deutschland Empathie empfanden, Wie es da so im Wasser lag. Und für das schließlich zwei Millionäre eine Aktion finanzierten, um es wieder ins offene Meer transportieren zu lassen. Nur kurze Zeit wurde es dann tot vor der dänischen Küste entdeckt.

Nun wurden einige Überreste von Timmy nicht nur zur Obduktion gebracht, um irgendwann mal seine Todesursache herauszufinden. Sondern auch in eine dänische Fabrik: Dort werden Knochen, Sehnen und Haut zu einer Art Mehl verarbeitet, das dann als Biomasse zur Verbrennung in einer Zementfabrik endet. Sein Fett wird zu Biodiesel umgewandelt.

Felixens Freund Ian – die beiden touren gerade zusammen durch Österreich – meint, sein alter Mercedes Campingbus von 1994 könnte damit betankt werden – und rollen. Timmy-Treibstoff. Und ich frage mich so, was wohl die Millionäre, die die „Rettungsaktion“ finanziert hatten, so denken. Über das dafür ausgegebene Geld. 

Felix halluziniert weiter. Plötzlich habe ihm auf dem Weg zu einem 3.000er ein Steinbock den Weg versperrt. Kampfbereit. Hinter ihm eine Böckin und zwei kleine Baby-Böcke. Er habe versucht, dem Bock – übrigens eine Ziege, aber das rafft der Alte eh nicht – telepathisch beizubringen, er sei harmlos.

Der Bock habe den Weg frei gemacht. Und miaut. Behauptet Felix. Als ob. Sagt der verschafte Hauptstadtkater. Und jetzt: Halluziniert. Und chillt, Leute. 

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