Hauptstadtkater

8. Juni 2026

Arbeit ist Freizeit ist Katzenklo säubern

Was ist Arbeit? Das, was Menschen so machen, um Geld zu verdienen? Aber, aber: Meine Bruna behauptet, tagtäglich, unser Katzenklo zu säubern, sei krasse Arbeit, dafür bekomme sie nicht mal Geld. Und meine Nuria sagt, Menschen sollten pro Woche höchstens 30 Stunden arbeiten – obwohl sie selbst neben dem Studieren jobbt, dann noch im Orchester spielt und einen Haushalt schmeißt. Bestimmt 48 Stunden Wochenarbeitszeit. Denke ich so.

Und dann gibt es die Menschen, die noch mehr arbeiten wollen, weil es ihnen Spaß macht. Behauptet zumindest Felix. Und ich denke so:  Die Arbeit meiner Gattung war die Mäusejagd. Muss ich nicht mehr. Mäuse jagen. Weil es keine gibt im Revier. Aber auch Chillen kann Arbeit sein. Puuh, was ist denn nun Arbeit? 

Wenn ich schon an dieser Definition scheitere, wie soll ich dann darüber diskutieren, ob eine Arbeitszeitverkürzung sinnvoll ist. Frage ich mich so. Felixens Freund Ian sagt, der Satz: „Ich arbeite, also bin ich“, mache ihn fertig. Er arbeite, um zu existieren und sich Hobbys zu gönnen. Er freue sich, wenn er nicht mehr arbeiten müsse.

Heute waren Felix und Ian, die ja gerade eine Woche zusammen durchs Ötztal wandern,  auf einer Alm über Lengenfeld. Der Wirt, der gerade geschlossen hatte, öffnete die Tür trotzdem. Erzählt, er sei doch da, um es Gäste angenehm zu machen. Seit 26 Jahren gehöre ihm die Alm. In der gesamten Zeit habe er einen freien Tag gehabt – der Tag, an dem sein Vater starb.

Ansonsten arbeite er auch „normal“ seine 40 Stunden – als Versicherungskaufmann. Und wenn er dann von Mai bis Oktober die Alm bewirtschafte, könne er davor und danach seinen anderen Job machen – wegen Gleitzeit. Seine Tochter helfe neben ihrem Studium mit. Seine Frau, die im Tal Gästezimmer vermiete, ebenfalls. Der Sohn könne derzeit nicht mehr – er sei zu beschäftig mit der Viehwirtschaft im Tal.

Ihre Alm sei die letzte in der Gegend, die in der Saison keinen Ruhetag habe. Und auch noch nach 17 Uhr Speisen serviere – natürlich alles zubereitet aus Produkten aus der Gegend – und bio. Er genieße es, seine Gäste zu beherbergen. Zitiert Felix den Mann. 

Und ich denke so: Krass: Ein Leben ohne Freizeit. Aber: Die Freizeit ist bei ihm die Arbeit. Er liebt, was er tut. Er will es nicht anders. Klar, er kist eine Ausnahme sein. Wenn über eine Verkürzung der Arbeitszeiten debattiert wird, geht es um die Masse der Arbeiter und Angestellten.

Ich finde: Es muss ums Individuum gehen. Wie es mit Arbeit und Freizeit umgeht. Können Menschen überhaupt mit ihrer Freizeit umgehen? Ach, Menschen. Denke ich so. Sehe Coco. Vor mir. Erst extrem cool. Dann gähnend. Sie macht es so richtig. Sagt der arbeitende Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Definiert Arbeit. Und chillt, Leute!

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