Hauptstadtkater

10. Juni 2026

Herabschauender Köter tötet Wut im verschneiten Tirol

Wut! Wenn ich Wut habe, atme ich – und mache den herabschauenden Köter. Wenn Coco Wut hat, macht sie den Löwen, fletscht die Zähne und brüllt. Wenn meine Bruna Wut hat, knallt sie die Türen. Wenn US-Präsident Trump Wut hat, macht er Krieg. Jetzt wieder verstärkt im Iran. Trotz Waffenruhe. Bombardiert er das Land.

Weil die Iraner einen US-Militär-Helikopter abgeschossen haben sollen. Das macht Trump wütend. Wütend sind aber auch die iranischen Machthaber. Dass Trump erneut einen Angriff wagt. Deswegen beschießen sie die mit den USA verbündeten Golfstaaten.

Und ich denke so: Wut erzeugt Gegenwut. Lernen bereits Kita-Kinder im Sandkasten. Und die Kater im Revier. Aber nicht die Mächtigen der Welt. Und ich denke so: Wann bloß hören die Wütenden auf zu wüten? Wann wird ihre Müdigkeit größer sein als ihre Wut? Kennen sie den herabschauenden Köter?

Trump hat das größte Fest weltweit vor sich: Leider nicht die Yoga-, sondern die Fußball-WM, die morgen startet. Und als guter Gastgeber – und selbst erklärter Friedensfürst, der die USA aus internationalen Konflikten heraushalten will – kommt ihm da die Fortsetzung des Kriegs gegen den Iran eigentlich überhaupt nicht gelegen.

Und natürlich: Auch sein Volk ist gegen den Krieg. Denn außer stark steigender Preise an den Zapfsäulen fürs Tanken hat der den Leuten dort nichts gebracht. Die Unzufriedenheit spiegelt sich in desaströsen Umfragewerten für Trump und seine Republikaner wider – und im November sind die wichtigen Zwischenwahlen.

Aber: Ein Trump lässt sich eben nur durch seine Emotionen leiten. Was bedeutet: Der Abschuss eines Helis durch die Iraner wird bestraft – mit Krieg. Trotz Verhandlungen für ein Ende. Trotz Waffenruhe. Trotz WM. Trotz teuren Sprits. Trotz hoher Kosten. Trotz sich leerender Waffenlager. 

Die iranische Führung freut es. Weil sie sich seit Jahrzehnten auf diese Auseinandersetzung gegen die USA vorbereitet hat. Geduld hat. Und sich so ihrem ohnehin verzweifelten Volk als stark und unersetzlich präsentiert. Auch Israel freut Trumps Wut. Weil der jüdische Staat das Ziel hat, das Atomprogramm Irans endgültig zu zerstören und möglichst auch das Regime abzusetzen. Der Krieg also aus ihrer Sicht weitergehen muss.

Und ich denke so: Sie sollten all mal ruhig werden. Wut abbauen. Herabschauen. Stichwort: Köter. Oder vielleicht auch gut: Sauna? Frage ich mal provokativ. Denn da gehen Menschen ja nicht nur rein, um zu schwitzen, sondern auch um zu entspannen. Wut abzubauen also.

Die durch Österreich tourenden Felix und Ian wollten genau das tun und dort ihre Wut abbauen. Denn bei Schneefall und Temperaturen um den Gefrierpunkt ist Wandern in Tirol unmöglich. Dann sitzen sie endlich bibbernd in der Sauna. Der Aufguss-Meister schreitet zur Tat, stellt vorher aber seine Box an – Beats von Genesis, Paul Simon, dann Aha – völlig zusammenhangloser Lärm in der Ruhezone.

Erzählt ein empörter Felix via Handy seiner Laura. Und weiter: Ians und sein Gesichter seien nicht nur wegen der Hitze rot geworden, sondern auch wegen Wut. Im Abkühlbecken hätten sie dann den Köter gemacht. Und sich beruhigt. Dabei „Take on me“ in die Wolken geschmettert. Während die weißen Schneeflocken ihre Haare benetzt hätten.

Coco hat sich auch beruhigt. Und chillt. Und ich denke so: Richtig. Atmet. Fühlt. Den Köter. Sagt der wirklich nicht zur Esoterik neigende Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Beruhigt euch. Und chillt, Leute! 

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