Wie ich im Volksbühnen-Schwimmbad zum Performance-Star wurde

Heute durfte ich endlich mal wieder raus. Felix transportierte mich im Rucksack zur neuesten Berliner Attraktion: Ein Swimmingpool mit 25-Meter-Bahn mitten vor dem Kultheater Volksbühne. Freier Eintritt. Bis Oktober. Aber locken tut mich das türkisfarben glitzernde Wasser nicht. Denn ich hasse Nass.
Und bleibe erst mal draußen sitzen. Beobachtend. Und mich fragend, warum ein Theater 300.000 Euro aus seinem ohnehin engen Etat rauseist, um ein Bad hinzustellen. Intendant Matthias Lilienthal antwortet: Das sei ein Projekt gegen die verfallende Infrastruktur und den Freibadmangel in der Hauptstadt. Zugleich sei das natürlich Top-Werbung. Fürs Theater. Denn klar sei, über das Projekt werde geredet. In ganz Deutschland. Mindestens. Denke ich so. Und wäre fast reingestürzt. Bei der Jagd auf eine fette Wespe.
Immerhin, denke ich so beim Ablecken und Säubern meiner nass gewordenen Vorderpfote: Hier gibt es noch Wasser. Und das im Überfluss. Denn derzeit ist Wasser, also besser gesagt: Der durch den Klimawandel mit seinen Dürre- und Hitzeperioden verursachte Wassermangel ja ein Topthema. Weltweit.
Thea, die Oma meiner Bruna, muss auf eine bereits gebuchte Mosel-Dampferfahrt verzichten, der Flußpegel ist zu niedrig. In der Donau tauchen nicht nur die Überreste von zwei Wehrmachtssoldaten auf – samt ihres Motorrads, sondern auch Minen aus dem Zweiten Weltkrieg.
Auch am Rhein werden Rekord-Tiefstände registriert, Schiffe können nur noch mit deutlich weniger Fracht fahren. Dadurch steigen die Kosten. Immens. Denke ich so. Und beobachte Menschen, die sich am Volksbühnen-Pool verrenken. Fürs perfekte Foto. Absurd.

Ein in die spanische Exklave Ceuta geflüchteter Mann erzählt, er sei aus seinem Heimatort weggegangen, weil es dort, in einer Oase südlich der Sahara, kaum noch Wasser gebe. Die Lebensgrundlage sei weg. Wie ihm geht es Zehntausenden. Weltweit. Mit steigender Tendenz. Weiß ich.
Und höre, selbst in den Alpen herrsche nach zwei schneearmen Wintern und einer langen Trockenperiode Wassermangel. Hüttenwirte schlagen Alarm, das Wasser gehe aus, weswegen Waschräume gesperrt würden und nur noch Trockentoiletten genutzt werden könnten. Trinkwasser werde per Heli gebracht. Teuer: Eine Minute Flug soll mehr als 30 Euro kosten – plus 600 Euro für den Anflug.


Und ich stürze: Ins Wasser des Pools. Strampele. Gehe unter. Das Leben weicht. Aus mir. Das war es. Denke ich so. Schade. Aber Top-Performance.
Und schon rotiere ich engelkatergleich vom Swimmingpool der Volksbühne zurück zu meinen Näpfen. Meine Reise ist zu Ende. Ich lebe. Und liebe KI. Denke ich so mit Blick auf das Foto mit mir und dem Volksbühne-Swimming-Pool. Großes Theater. Von mir. Mit mir. Denke ich so. Und sitze bei Coco. Habe Durst. Und hier ist Wasser ohne Ende.
Coco und ich sind am Napf. Und dann leckt Coco am Wasserhahn. Den Felix aufdreht. Der Strahl rinnt minutenlang. Das Wasser läuft über. Strömt durch den Boden in die untere Wohnung. So ist das im Überfluss. Sagt der schlürfende Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Schätzt Wasser. Und chillt, Leute!
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