Hauptstadtkater

5. Oktober 2026

Lost in paradise: Die Zweifel meiner Nuria in Palermo – und was ich wetten würde, wenn ich könnte

Warum das Paradies verlassen, wenn man bleiben könnte? Frage ich mich so. Als ich meine Nuria leiden höre. Sie wisse nicht, ob sie ihr Erasmus-Studium in Palermo um weitere sechs Monate auf dann ein Jahr verlängern sollte. Sagt sie drei Wochen nach ihrer Ankunft auf Sizilien. Und ich glaube, ich kann sie verstehen. Denn: Palermo ist nicht nur coole Stadt der Kater. Und Katzen. Sondern auch Stadt des dolce vita.

„Ich bin superglücklich hier“, schnurrt meine Nuria. Sonne, Menschen, Sprache, Uni, Meer, Pizza, Piazza, Gebäck, Strand, Musik, Obst und Gemüse – alles perfetto. Warum das also frühzeitig aufgeben? Fragt sie so. Und ich antworte so: Naturally, weil ich zu weit weg bin. Und wir so nicht zusammen chillen können. Schluchz. Leider ohne Träne. Weil Kater nicht weinen können. Von Natur aus. Schade.

Und meine Nuria antwortet so auf ihre Frage: „Weil ich dann noch länger so weit von Piet entfernt bin.“ Ihr Boyfriend in Berlin, you know? Nicht ich! Und weiter: „Weil ich dann bei einer Rückkehr erst im Herbst viele Freunde und Freundinnen sehr lange nicht sehen würde, da die dann selbst ins Erasmus-Jahr starten. Weil ich die Untervermietung meines Freiburger Zimmers organisieren müsste.“ And so on. And so on. 

Im Moment ist meine Nuria on fire. Gepusht. Beflügelt. Begeistert. Also: Lost im paradise Palermo. Mit ihrer WG-Mitbewohnerin Flora zieht sie von Piazza zu Piazza. Erzählt von der Wahnsinnsstimmung. Offene Mit-Studenten aus aller Welt, mit denen sie sofort über kulturelle Unterschiede diskutieren kann. Eine arabische Technoparty. Mit vielen Tunesiern. Pizza. Cocktails.

Und dann mit Flora auf ihrem Balkon zwischen Ameisen bis 5 Uhr die Nacht Revue passieren lassen. Und auch danach nicht schlafen können, weil es so schön gewesen sei. Und so ist meine Nuria nicht nur superglücklich, sondern auch supererschöpft. Weil: Kaum Schlaf, sechs Stunden Uni am Tag, mit Italienisch-, Islam- und Jurakursen.

Danach soziale Interaktionen ohne Ende – und nun auch noch ein Job: Einmal pro Woche zwei Stunden mit dem Cello in einer Bar mit ein paar Jungs jammen. Für 30 Euro. Aber natürlich gibt es auch im Paradies Menetekel: Weiß meine Nuria.

Etwa übergriffige Männer – hinterher pfeifen und anzügliche Sprüche seien normal. Abends dürfe man als Frau nicht alleine durch die Straßen gehen, Piet habe ihr empfohlen, sich ein Pfefferspray zuzulegen. Was ihr auch nicht so gefalle: Die queere Community habe einen schweren Stand.

Und: Die einheimischen Italiener seien gar nicht so offen, wie sie es erwartet habe. Im Gegenteil, eher abweisend – was sie auf die Abneigung gegen den überbordenden Tourismus zurückführt. Auch nicht so gut: Die Qualität der Uni-Seminare – viel Frontalunterricht, kaum Debatten. Sagt meine Nuria. Nervig auch das Plastik- und Müllproblem hier.

Und ich denke so: Meine Nuria, enjoy einfach das Paradies. Und entscheide, wenn la dura Realta Euphoria ablöst. Wenn ich auf deine Entscheidung wetten dürfte, wüsste ich, worauf ich setze. He he.

Aber: Ich sage nichts. Abgesehen davon: Wenn du mich nicht bald kuschelst, fliege ich nach Palermo und setze mich zum Obsthändler. Really. Sagt der sich vor Sehnsucht verzehrende Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Entscheidet besonnen. Und chillt, Leute! 

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