Hauptstadtkater

6. Oktober 2026

Meine Verwirrung durch KI: Die Ästhetik der Fischgräte

Es wird immer schwieriger, zu erkennen, ob Bilder oder Texte durch KI geschaffen wurden oder durch Kater. Katzen. Oder Menschen. Und es wird immer einfacher, coole Ergebnisse mit Hilfe von KI zu schaffen – beispielsweise bei Fotos. Finde ich so. Wenn ich meine Insta-Galerie der vergangenen Wochen betrachte. Weird. Immerhin, Insta weist aus, welche der Fotos mit KI generiert sind.

Und die Texte? Nun, die sind naturally von mir. Ausschließlich. Ohne KI. Ich schwöre. Aber klar, Ihr müsst mir vertrauen. Und ich gebe zu: Ich bin zutiefst verunsichert. Was den Umgang mit KI betrifft. Wenn ich Welt so betrachte, frage ich mich, ob ich ihr KI-Spiel weiter mitspielen soll. Oder nicht. Aus Prinzip. Wenngleich: Prinzipien sind per se shitty. Finde ich. 

Was mich aber voll abtörnt, sind KI-Experimente jener, die vor KI warnen – und sich zugleich damit brüsten. Wie beispielsweise Kanzler Merz. Der warnt vor Desinformation und Arbeitsplatzverlust durch KI, veröffentlichte aber vor wenigen Tagen nach dem Zuschlag für München als deutsche Olympia-Bewerberstadt ein Filmchen auf Insta.

In dem er sich anbiedernd an die KI wendet: „Zeig mir, wie Olympische Spiele in Deutschland aussehen können.“ Zwei Mal bittet er um Verbesserungen, nach wenigen Sekunden ist er erstmal zufrieden. Zu sehen ist: Ein Feuerwerk überm Olympiastadion, Frauenkirche, schwarz-rot-goldene Flaggen. Puuh, absoluter Kitsch. Finde selbst ich.

Aber: Vor ein paar Jahren noch hätten Werbeagenturen dafür wohl monatelang geschuftet. Millionen abkassiert. Vielleicht mit einem Ergebnis, das mich mehr begeistert hätte. Aber über Ästhetik lässt sich bekanntlich streiten. Ich zum Beispiel finde ja auch Fischgräten nice… Optisch. Und vom Geschmack. 

Nun, es gibt jene Kritiker, die monieren, KI-Nutzer unterstützten ein System, das systematisch klaue und Kreative arbeitslos mache. Krasse Behauptung. Und voll weltvergessen. Denke ich so. KI ist da. Es muss damit umgegangen werden.

Und viele Kreative räumen ja selbst ein, sie zu nutzen. Beim kreativen Prozess als Helferin. Der gesagt wird, was sie tun soll. Die KI setzt dann um. Und das Umgesetzte wird dann wieder vom Kreativen begutachtet, ergänzt, verfeinert. Denke ich so.

Es gibt naturally mittlerweile KI-Programme, die KI-generierte Werke erkennen können. Dem französischen Autoren Thelyson Orelien wird vorgeworfen, KI für seinen neuen Roman, der Kandidat für den bedeutendsten Literaturpreis des Landes war, eingesetzt zu haben. Aufgedeckt wurde das durch das KI-Programm Pangram. Orelien bestreitet KI-Einsatz. Tricky: Denn Pangram ist durchaus fehleranfällig. Und ich frage mich so: Wird nun der KI geglaubt? Oder dem Kreativen?

Vielleicht, so denke ich, sollten immer einfach die Ergebnisse gewürdigt werden: Großartige Texte, die sich abheben vom Gewöhnlichen. Nun, Oreliens Roman ist mittlerweile gestrichen von der Liste der Preiskandidaten.

Und ich bin vollkommen verwirrt. Sehe Coco schnüffelnd an Sonnenblumen. Alles real. Authentisch. Echt. Ohne KI. Ich schwöre. Sagt der verunsicherte Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Akzeptiert KI. Geht mit ihr um. Und chillt, Leute!

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