Hauptstadtkater

4. Oktober 2026

Warum Fliegen ätzend ist und ich Diegos Folter stoisch ertrage

Es ist so nice: Diego ist back. Nach fast vier Wochen Palermo und Montpellier. Darf ich jetzt wieder seine plus Aura spüren. Wenn er mich empor hebt. Und ich dann da hänge wie ein Boxsack. Es aber enjoye. Weil er diese spezielle Grifftechnik beherrscht. Die mich krass antörnt. Und er jetzt auch noch gechillter rüberkommt als je zuvor. Katergleich quasi.

Und dass, obwohl sein Flugzeug bei der Landung in Berlin durchstarten musste. Den Tower und die blinkenden Lichter auf der Landebahn habe er bereits durch die fetten Nebelschwaden gesehen. Erzählt Diego.

Dann aber habe der Pilot die Maschine plötzlich wieder steil nach oben gezogen. 20 Minuten seien sie über meiner Muddastadt gekreist. Bis die Landung beim zweiten Versuch dann geklappt habe. Angst habe er nicht gehabt. Sondern ein Urvertrauen. Sagt er. Und ich schnurre. Tief. 

Zur selben Zeit reiste Kanzler Merz – als Vertreter des mittlerweile größten Ukraine-Unterstützers Deutschland – in einer Nacht- und Nebelaktion nach Kiew. Per Bahn allerdings. Weil Flüge ob der ständig schwirrenden russischen Raketen viel zu gefährlich sind. Die Russen drohten dann auch noch direkt vor der geheimen Kanzler-Reise, Ausländer sollten die ukrainische Hauptstadt umgehend verlassen. Die Angriffe würden intensiviert.

Und Merz so, in Kiew an Kremlchef Putin: „Hören Sie diesen sinnlosen Krieg auf.“ Man sei zu Gesprächen bereit. Die Antwort Putins: Drohnen-Beschuss einer nur vier Kilometer von Merz entfernten Kiewer Brücke. Und Merz so: „Wir lassen uns nicht einschüchtern.“

Tja, wie soll das aufhören? Frage ich mich so. Alles unversöhnlich. Gewinnt, wer länger durchhält? Putin – trotz darbender Wirtschaft und Tausenden im Krieg sterbenden Soldaten?  Oder Merz, dessen Volk angesichts fehlenden Gelds in den Sozialsystemen, der Bildung und der Infrastruktur die Ukraine-Hilfen immer skeptischer sieht.

Und dem die vor Stärke strotzenden AfD-Rechtsextremisten im Nacken sitzen. Die genau das wollen: Ein Ende der Ukraine-Hilfen. Touchiert Merz nicht. Die Ukraine bekommt weiter Geld und Ausrüstung. Sagt Merz. Und: „Das alles hört nicht auf, wenn wir der Ukraine nicht mehr helfen. Im Gegenteil, es wird danach nur noch mehr.“ Sagt er. Während russische Drohnen auf Kiew prasseln. 

Diego schwärmt von der Sonne Palermos, der Pizza, der italienischen Lebensfreude auf den  Piazzas, die er mit meiner dort studierenden Nuria genoss. Schwärmt von den lauen Sommerabenden danach in Vic – einem Dorf bei Montpellier, wo er in einem restaurierten Bauernhaus aus dem 16. Jahrhundert mit zwei Freunden logierte.

Den Blick auf Flamingos genoss. Und auf streunende Kater. Yes! Das Leben könnte so weitergehen. Mit Reisen. Sagt Diego. Und ich denke so: Nur wenn ich mit darf, Alta. Ausgestreckt. In seinen Armen. Denn: Flamingos mag ich auch. Und plus Aura. Sagt der abenteuerlustige Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Reist. Und chillt, Leute! 

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