Hauptstadtkater

5. August 2026

Wie nach einem Krieg: Urlaub im französischen Katastrophengebiet

Da, wo der milde Atlantikwind noch vor 14 Tagen die grün benadelten Äste der Pinien und Kiefern träge tanzen ließ, starren nun schwarz verkohlte Baumgerippe gen blauen Himmel. Die Zikaden sind verstummt. Scharfer Brand- statt sanftem Nadelgeruch liegt in der Luft.

Es sehe aus wie nach einem Krieg – apokalyptisch. Schildert Veronique die Lage rund um die französische Gemeinde Lacanau. Dem Ort, in dem meine Bruna und ihre Eltern noch vor 14 Tagen Urlaub machten – und in der Wohnung von Veronique lebten. „Es ist absolut herzzerreißend“, schreibt Veronique meinen Leuten. Im Nachbarort Le Porge seien 200 Häuser abgebrannt. Die Menschen seien verzweifelt. Die Bewältigung des Horrors sei zum Alltag geworden.

Und ich spüre das Grauen, wenn ich die Fotos sehe. Und mir dann klar mache, was die abstrakte Zahl 200 eigentlich bedeutet. Für 200 Familien ist die Existenz mehr oder weniger vernichtet. Sie haben alles – zumindest Materielle – verloren. Vielleicht gar nicht so schlimm, dass Wertsachen weg sind. Aber auch Erinnerungsstücke, Familienschmuck, Tagebücher, Bilder, Fotos.

Und Felix so: Er sei froh, dass es Clouds gebe, in denen er sein Geschreibsel und Fotos speichern könne. „Wenn ich nur mein Passwort wüsste“, sagt Laura. Das wahrscheinlich irgendwo fein säuberlich aufgeschrieben in einem Block im Schreibtischschubfach schlummert. 

Ob der Horror für die Menschen an der Atlantikküste vorbei ist? Nobody knows. Eher nicht. Denke ich so. Denn Wissenschaftler haben errechnet, dass durch den Klimawandel, verbunden mit Hitzerekorden und Dürren, die Wahrscheinlichkeit für Brände extrem wächst.

Veronique schreibt, die Brände rund um Bordeaux seien unter Kontrolle. Es sei aber weiter sehr warm. Die Gefahr, dass die Feuer neu aufflammten, ist also da. Denke ich so. Immerhin kämen langsam wieder Touristen, sagt Veronique. Die würden dringend benötigt, denn die Region lebe nun mal vom Tourismus.

Läden, Restaurants, Cafes, Bars und Surfschulen seien wieder geöffnet. Aber es gebe auch jede Menge Stornierungen. Und ich denke so: Wer will schon in ein oder in die Nähe eines Katastrophengebiets Urlaub machen, in dem jederzeit wieder eine neue Katastrophe ausbrechen kann? 

Mein Revier scheint sicher zu sein. Noch. Aber es gibt Experten, die meinen, bald könnten ähnlich wie vor Bordeaux auch vor Potsdam Feuerwände stehen. Denn überall – vor allem in Europa – wird es wärmer. In Spanien brennt es, in Griechenland derzeit extrem, auch in der Türkei.

Aus Bayern und Nordrhein-Westfalen werden auch Brände gemeldet. Es wird eng. Und heißer. Ich setze mich mal neben Coco. In Demut. Sagt der bedrückte Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Seid emphatisch. Und chillt, Leute! 

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