Warum meine Bruna lieber nass wird als eine Regenjacke überzustreifen

Wenn sie die stylische orangefarbene Basecap seiner schwarzen Regenjacke vorzieht, so ist das doch ihre Entscheidung. Wenn sie sagt, der Sattel ihres Rennrads sei von der Höhe doch fast okay, obwohl ihre Beine weit über dem Boden pendeln, so ist das doch ihre Sache. Wenn sie die Bahnfahrkarte nicht online, sondern erst im Bahnhof kaufen will, dann ist das doch ihre Entscheidung.
Denke ich so. Als ich den belehrenden Felix mit hochrotem Kopf vor meiner Bruna stehen sehe. Die mich schon wieder verlässt. Und mit zwei Freundinnen per Bahn und Rad in eine Wohnung nach Strodehne in Brandenburg fährt. Was ich auch absolut unterirdisch finde. Aber das ist ein anderes Thema.
Vielmehr geht es mir an dieser Stelle um Felix. Und seine Hybris, seinen Willen meiner armen Bruna überstülpen zu wollen. Die ja kein Kitten, äh, Baby mehr ist. Sondern 17 ist. Sweet 17! Ein Alter, in dem man weiß, was man tut. Denke ich so.

Eine Zahl, bei der Felix gerade glänzende Augen bekommen hat, weil sie den vorläufigen Endpunkt einer Entwicklung seines Lieblingsgeräts anzeigt. Das iPhone. Und das 17er ist derzeit das aktuellste auf dem Markt. Kauft er. Sogar das 17 pro. Weil er glaubt, es sei ausgereift. Auch wenn es in zwei Monaten das 18er gibt…
Und bei meiner Bruna? Geht er davon aus, dass 17 unreif ist. Dabei ist sie weit mehr als ein 17 pro… Weil sie Progress und professionell in einem ist. Felix erkennt das aber nicht. Und belehrt meine Pro-Bruna dann sogar noch.
Es sei doch besser, schon vor der Reise das Ticket zu haben. Nervt er. Es sei doch besser, den Sattel schnell auf die geeignete Höhe zu schrauben. Nervt er. Es sei doch besser, im Regen Regenjacke anzuziehen. Nervt er. Und ich beobachte meine Bruna, die die Contenance bewahrt, obwohl sie sich den Helikopter-Alten zum Köter-Gott wünscht. Sure.

Felix begleitet sie dann auch noch nach draußen. Weil er für ihr eben von ihr angefordertes Taschengeld noch Bargeld aus dem Automaten ziehen muss. Im Laufschritt. Weil ansonsten der Zug weg sei. Sagt meine Bruna. Und eh wenig Zeit sei, weil sie ja noch eine Fahrkarte am Bahnhof kaufen müsse. Und sie sich noch von mir verabschieden muss. Und von Coco.
Schließlich fährt meine Bruna per Rad durch den Regen. Und es ist nicht so nice, als Felix kurze Zeit später wieder oben bei mir im Revier sein wahres Gesicht zeigt: Er feixt, als er erzählt, schon auf den ersten Metern sei die orangefarbene Basecap meiner Bruna durchnässt gewesen – wie auch ihr T-Shirt. Und der nicht imprägnierte, schicke Rucksack.

Nicht zu vergessen: Die weißen Tennissocken. Und der Alte mokiert sich weiter: Weiße Tennissocken. Das sei zu seiner Jugend Synonym für Loser gewesen. Das Symbol für Mobbing-Opfer, die den Zeitgeist nun wirklich nicht erkannt hätten. Und ich sehe: Felix. Ist. Uralt. Erkennt nicht, dass das Leben eine einzige Änderung ist.
Und ich plädiere jetzt einfach mal für Entspannen. Während meine Bruna trocken in Strodehne angekommen ist. Lege ich mich zu Coco. Schmusen. Lecken. Liebe. Sagt der versöhnliche Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Toleriert Jugend. Und chillt, Leute!
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