Warum ich weinen könnte, wenn ich an Nuria und Diego in Palermo denke

Heute mal was Privates. Was vielleicht kitschig wirkt. Ist aber nicht so. Finde ich. Eben nur nice in einer Zeit der Depression. Wo das Kleine, Private eben auch mal fürs Große, Ganze stehen kann he, he. Mein Thema: Das positive Band zwischen Geschwistern. Im Speziellen: Zwischen meiner Nuria und Diego.
Die sind wie Coco und ich. Total vertraut miteinander. Sich blind verstehend. Gegenseitig schätzend. Helfend. Symbiotisch. Chillend. Beste Freunde eben. Diego also hat meine Muriel ja vor zwei Wochen per Bahn und Fähre nach Palermo auf Sizilien begleitet, wo sie das nächste halbe Jahr studieren will. Hat ihren großen Koffer und den Cellokasten getragen, wohnt jetzt in ihrer WG mitten in der Altstadt.

Erzählt, er kaufe ein, koche, mache den Haushalt. Und meine Nuria erzählt, sie plane das Studium, treffe neue Leute und Kater, nehme Carlo mit zu Treffs mit anderen Erasmus-Studenten, Volleyballturnieren am Strand, in Bars, Cafés, Konzerte, zu Ausflügen in pittoreske Vororte. Ins Dolce Vita eben.
Und nun: Emotion, wo Diego Palermo – die Stadt der Kater – bald verlassen wird. Das sei schon sehr traurig. Sagt meine Nuria. Denn mittlerweile seien sie in der WG, in der seit ein paar Tagen auch die aus Freiburg kommende und supernette Flora wohne, wie eine kleine Familie. Es sei so schön, dass Diego da sei, die Zeit sei so intensiv und extrem.



Weil alles neu sei: Stadt, Uni, Leute. Diego sei so zugewandt, einfach sehr, sehr süß. Puh, ich spüre selbst bei mir, wie sich etwas um die Kehle legt. Rührung oder so. Da ich ja aber leider keine Tränen vergießen kann – also: laut KI haben Kater evolutionär nicht die Fähigkeit entwickelt, Gefühle durch Tränen auszudrücken – beschreibe ich Felixens Reaktion auf Nurias Worte, wenngleich naturally auch das sehr sentimental ist.
Also: Dem schießen nun also tatsächlich Tränen in die Augen. Nun, ich habe keinen Tränenfluss. Aber ich habe Coco. Meine Sister. Zum Kuscheln.

Während Diego auf dem Balkon der WG in Palermo chillt. Die Sonne enjoyt. Sagt, die Nuria und Flora seien ja sooo daueraufgeregt. Quasselten den ganzen Tag. Welche der neuen Leute denn nun wirklich nett und welche eher weird seien. Und Diego bemitleidet Jonas, einen der wenigen Erasmus-Jungs. Der meiner Nuria helfen wollte, den verkanteten Schlüssel aus einem Schloss zu befreien.
Und die Mädels so: „Typisch Mann, traut uns das wohl nicht zu.“ Immerhin: Jonas schaffte es in 9,8 Sekunden. Nun, ist ja alles auch nicht einfach. Denke ich so. Erster Unitag, meine Nuria hat Islamwissenschaften gewählt. Drei Stunden auf Italienisch. Mit Dozent sind sie vier Leute, davon ein älterer Mann und eine italienische Studentin in ihrem Alter.
Und meine Nuria so: „Boah, das ist scary.“ Der Prophet Mohammed auf Italienisch. Der Koran auch. Bei so wenigen Leuten müsse sie natürlich auch was sagen – obwohl sie höchstens die Hälfte verstehe. Sagt sie.



Danach aber kann sie sich entspannen. Diego hat „zuhause“ schon einen Cappuccino gezaubert – und lädt sie dann zum Essen in eine Pasta-Bar ein. Ich träume mich und Coco hinzu. Idylle. Es könnte so schön sein. Aber alles hat ein Ende.

„Komisch, dass Diego nicht bleibt“, sagt meine Nuria. Und ich lasse dann doch – emotional touchiert – eins der 13 Leckerli, die Felix mir zugeworfen hat, liegen. Für Coco. Sagt der gerührte Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Würdigt Geschwister. Und chillt, Leute!
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