Wie ich mit dem Beginn des Endes kämpfe und Trump die UN entweiht

Man stelle sich vor: Da steht der mächtigste Mann der Welt bei der Generalversammlung der Vereinten Nationen am Pult und schwadroniert über die Auslöschung eines anderen Volks. Über ein Kriegsverbrechen also. US-Präsident Trump sagt vor der versammelten Staatengemeinschaft in New York, er müsse entscheiden, ob er den Iran schnell vernichte, ihn in die Hölle schicke.
Und ich denke so: Hej klar, das hat dieser Typ schon zig Mal angedroht. Aber dass er das nun auch an einem Ort macht, an dem im Juni 1945 kurz nach dem Zweiten Weltkrieg der Gründungsvertrag der UN unterzeichnet wurde, ist schon krass weird.

Denn in der Charta heißt es: Die Völker der Vereinten Nationen seien fest entschlossen, künftige Geschlechter vor der Geißel des Kriegs zu bewahren und verpflichteten sich dazu, internationale Streitigkeiten friedlich zu lösen, keine Gewalt gegen andere Staaten anzuwenden, die Souveränität und Gleichheit der Staaten zu achten, gemeinsam den Weltfrieden zu schützen. And so on, and so on.
Puh, denke ich so, mich in der Sonne Berlins rekelnd. Beginnt so das Ende der Welt? Sehenden Auges. Denn, fast noch skandalöser, dass dieser Typ allen Ernstes erneut die Vernichtung Irans rausposaunt, ist die Reaktion der versammelten Regierungschefs. Nämlich: keine, abgesehen vom höflichen Applaus. Trumps Worte an diesem Ort sind also kein Skandal. Nicht mal eine Fußnote.


Sondern Normalität. Weil die Abstumpfung alle hat erblinden lassen. Hach, es ist so gefährlich, denke ich so: Wenn dieser Typ ständig rote Linien überschreitet, animiert er andere zum Nachahmen. Nach dem Motto: Wenn der mächtigste Mann der Welt keine Grenzen kennt, warum sollten wir uns daran halten?
Oder ist es doch eher so, frage ich mich, während die Wärme der Sonne meinen Körper durchflutet: Man lässt den Alten reden. Weil man weiß, Widerspruch auf dieser Bühne bringt eh nichts. Und man zudem weiß, dass der Mann vor allem Meister der Drohung ist – aber wenig davon umsetzt. Wahrscheinlich.

Denn wie anders wäre es zu erklären, dass Trumps Ankündigung, Künstliche Intelligenz, also KI, künftig Super Intelligenz, also SI, nennen zu wollen, mehr Aufmerksamkeit verursacht. Weil KI die Technologie fake erscheinen lasse, begründet Trump. SI für BI. Denke ich so. Also: Super Intelligenz für Big Idiot. He he.
Kann mich aber nur ganze 1,3 Sekunden amüsieren. Denn ich spüre plötzlich den heißen Atem Cocos in meinem Nacken. Sie brüllt, faucht und versucht tatsächlich, mich von meinem Sonnenplatz zu vertreiben. Mich, den Hauptstadtkater. Mich, der vier Mal so alt ist wie sie. Mich, der zuerst auf diesem Platz war.

Es gibt eben kein Benehmen mehr. Auf dieser Welt. Alle Konventionen gebrochen. Selbst im Katerreich. Amen. Sagt der nun vom Sonnenplatz brutal vertriebene Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Stumpft nicht ab. Und chillt, Leute!
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