Ich verliere die Balance: Die AfD macht mich crazy

Der Grat zwischen Beruhigen und konsequentem Agieren in einer möglichen Gefahrensituation scheint breit, ist aber so schmal, dass selbst ich die Balance verliere. Denn: Wie schnell kann aus Beruhigen ein Beschwichtigen werden, das in Tod und Verderben führt. Wie schnell kann konsequentes Agieren in Alarmismus abgleiten, der die Lage eskalieren lässt und in Tod und Verderben führt.
Die Crux: Nur die Zukunft wird zeigen, ob es richtig war, Ruhe zu bewahren oder eben zu agieren. Die rechtsextreme AfD könnte in knapp zwei Wochen erstmals in Deutschland eine Wahl gewinnen – sogar mit absoluter Mehrheit. Eine Partei, die behauptet, von diesem kleinen Land aus ganz Deutschland übernehmen – und umkrempeln zu wollen. Und ich frage mich so: Beobachten, dagegen demonstrieren, sich für ein Verbotsverfahren einsetzen, auswandern?


Meine Alten Felix und Laura waren mal wieder im Haus der Wannseekonferenz, jenem Ort, am dem im Januar 1942 Nazi-Größen Beschlüsse trafen, um die Tötung der Juden zu beschleunigen – für die sogenannte Endlösung. Dabei waren die Juden noch bis zur Machtergreifung der Nazis gut integriert in der deutschen Gesellschaft, so einige von ihnen hatten im Ersten Weltkrieg für ihr Land gekämpft.
Für viele war selbst noch zu Kriegsbeginn 1939 unvorstellbar, dass die Nazis Völkermord an ihnen begehen könnten. Und Ruhe bewahrten, beschwichtigten – und vergast wurden. Anstatt zu agieren. Und das Land zu verlassen.
Klar, Analogien von damals zu heute sind immer schief. Aber ich frage mich so: Wann ist der Zeitpunkt gekommen, ein Land zu verlassen? Wohin? Und naturally: Einfach ist es nicht, einen Neustart in der Fremde, wo man auch nicht unbedingt herzlich empfangen wird. Wenn überhaupt.


Die AfD propagiert ihre toxischen Pläne offen. Und ich verstehe Menschen nicht. Die die wählen wollen. Denn wer die Ankündigungen nur einen Schritt weiterdenkt, erkennt, dass sie in eine Katastrophe münden.
Beispielsweise die geplante sogenannte Remigration. Die ist nicht nur rassistisch, sondern würde bedeuten, dass in dem Land massiv Fachkräfte fehlen, viele Berufszweige zusammenbrechen. Auch die Pflege. Und das in einer alternden Gesellschaft.
Ein Euro-Ausstieg würde eine neue deutsche Währung erst mal massiv aufwerten – die Produkte der von den Exporten abhängigen Wirtschaft würden sich verteuern – und quasi unverkäuflich. Der Wunsch nach mehr Gas aus Russland würde mit der Gegenforderung nach einem Ende der Unterstützung für die Ukraine beantwortet. And so on.

Überhaupt Russland: Moskau soll nicht nur den Sprengstoffanschlag auf eine ukrainische Maschine auf dem Leipziger Flughafen geplant haben, sondern auch für zig Drohnenüberflüge über kritische Infrastruktur in Deutschland und diffamierende Internetkampagnen verantwortlich sein. Jetzt wurden in einem Brandenburger Wald Waffen ausgebuddelt. Wahrscheinlich von Russen hinterlegt – für einen Anschlag?
Wird gemurmelt. Viele Medien und Politiker hyperventilieren. Viel passiert ist nicht – erst einmal. Ist die Konsequenz dann, lieber gelassen zu bleiben? Frage ich mich so. Ich weiß es nicht. Taumele auf dem Grat. Bin aber beruhigt, dass Coco auch sinniert. In der Hitze der Nacht. Sagt der ratlose Hauptstadtkater. Der trotzdem über euch wacht. Und jetzt: Passt auf. Und chillt, Leute!

















































