Monat: August 2026

  • 4. August 2026

    Warum meine Bruna lieber nass wird als eine Regenjacke überzustreifen

    Wenn sie die stylische orangefarbene Basecap seiner schwarzen Regenjacke vorzieht, so ist das doch ihre Entscheidung. Wenn sie sagt, der Sattel ihres Rennrads sei von der Höhe doch fast okay, obwohl ihre Beine weit über dem Boden pendeln, so ist das doch ihre Sache. Wenn sie die Bahnfahrkarte nicht online, sondern erst im Bahnhof kaufen will, dann ist das doch ihre Entscheidung.

    Denke ich so. Als ich den belehrenden Felix mit hochrotem Kopf vor meiner Bruna stehen sehe. Die mich schon wieder verlässt. Und mit zwei Freundinnen per Bahn und Rad in eine Wohnung nach Strodehne in Brandenburg fährt. Was ich auch absolut unterirdisch finde. Aber das ist ein anderes Thema.

    Vielmehr geht es mir an dieser Stelle um Felix. Und seine Hybris, seinen Willen meiner armen Bruna überstülpen zu wollen. Die ja kein Kitten, äh, Baby mehr ist. Sondern 17 ist. Sweet 17! Ein Alter, in dem man weiß, was man tut. Denke ich so. 

    Eine Zahl, bei der Felix gerade glänzende Augen bekommen hat, weil sie den vorläufigen Endpunkt einer Entwicklung seines Lieblingsgeräts anzeigt. Das iPhone. Und das 17er ist derzeit das aktuellste auf dem Markt. Kauft er. Sogar das 17 pro. Weil er glaubt, es sei ausgereift. Auch wenn es in zwei Monaten das 18er gibt…

    Und bei meiner Bruna? Geht er davon aus, dass 17 unreif ist. Dabei ist sie weit mehr als ein 17 pro… Weil sie Progress und professionell in einem ist. Felix erkennt das aber nicht. Und belehrt meine Pro-Bruna dann sogar noch.

    Es sei doch besser, schon vor der Reise das Ticket zu haben. Nervt er. Es sei doch besser, den Sattel schnell auf die geeignete Höhe zu schrauben. Nervt er. Es sei doch besser, im Regen Regenjacke anzuziehen. Nervt er. Und ich beobachte meine Bruna, die die Contenance bewahrt, obwohl sie sich den Helikopter-Alten zum Köter-Gott wünscht. Sure.

    Felix begleitet sie dann auch noch nach draußen. Weil er für ihr eben von ihr angefordertes Taschengeld noch Bargeld aus dem Automaten ziehen muss. Im Laufschritt. Weil ansonsten der Zug weg sei. Sagt meine Bruna. Und eh wenig Zeit sei, weil sie ja noch eine Fahrkarte am Bahnhof kaufen müsse. Und sie sich noch von mir verabschieden muss. Und von Coco. 

    Schließlich fährt meine Bruna per Rad durch den Regen. Und es ist nicht so nice, als Felix kurze Zeit später wieder oben bei mir im Revier sein wahres Gesicht zeigt: Er feixt, als er erzählt, schon auf den ersten Metern sei die orangefarbene Basecap meiner Bruna durchnässt gewesen – wie auch ihr T-Shirt. Und der nicht imprägnierte, schicke Rucksack.

    Nicht zu vergessen: Die weißen Tennissocken. Und der Alte mokiert sich weiter: Weiße Tennissocken. Das sei zu seiner Jugend Synonym für Loser gewesen. Das Symbol für Mobbing-Opfer, die den Zeitgeist nun wirklich nicht erkannt hätten. Und ich sehe: Felix. Ist. Uralt. Erkennt nicht, dass das Leben eine einzige Änderung ist.

    Und ich plädiere jetzt einfach mal für Entspannen. Während meine Bruna trocken in Strodehne angekommen ist. Lege ich mich zu Coco. Schmusen. Lecken. Liebe. Sagt der versöhnliche Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Toleriert Jugend. Und chillt, Leute!

  • 3. August 2026

    Das Ende der Contenance als Beginn der Eskalation

    Kater sind geduldig. Und ich bin der geduldigste unter ihnen. Really. Aber klar, auch ich kann meine Contenance verlieren. Sie ist leider endlich. Wenn zu viel zusammenkommt: Hunger, Unruhe, Hunger. Und nun ja, Hunger ist immer da.

    Und dann streift Coco vorbei. Nimmt mir zum 37. Mal in den letzten 248 Minuten Leckerli weg. Drückt mich mit ihrem Riesenkörper zur Seite. Rammt eine Tatze gegen meine Nase. Während ihr Sabber trieft. Und ich merke, ich ärgere mich. Bleibe nicht cool. Werde hot. Die rote Linie ist überschritten. Und ich fauche sie an. Haue zurück. 

    Wer zu viel provoziert, muss mit Vergeltung rechnen. Denke ich so. Selbst von vermeintlich schwächeren Gegnern. Der Iran. Wird von den USA nun bald seit einem halben Jahr mal weniger, mal stärker attackiert. US-Präsident Trump lässt nicht nur auf iranische Schiffe und Top-Politiker schießen, sondern auch auf Teheran. Und andere Städte. Der Iran zeigt sich jedoch widerstandsfähig.

    Zum einen, weil seinen Anführern das Leid des Volks egal ist- und damit auch die US-Bombardements und -Drohungen. Zum anderen, weil sie sich auf die Auseinandersetzung mit dem Erzfeind USA seit Jahrzehnten vorbereitet haben. Und es nun sogar schaffen, den Krieg in die USA zu tragen.

    Mehrere US-Bundesstaaten melden Hackerangriffe auf die Wasserversorgung. Betroffen: Systeme für Wasserdruck und Konzentration von Chemikalien. Zwar wurde Trinkwasser offenbar nicht verunreinigt. Aber allein, dass es der Iran schafft, sich Zugang zur kritischen Infrastruktur in den USA, zum reinen Wasser,  zu verschaffen. Grusel. Beängstigend. Für die Menschen dort. Ich kann das nachvollziehen. Treffer. Für den Iran. Denke ich so. 

    Die Ukraine hat es wie der Iran auch geschafft, den Krieg in das Land des Aggressors zu tragen. Russland meldet fast täglich, feindliche Drohnen abgeschossen zu haben. Die auch massive Schäden anrichten.

    Und nun gibt es ein viral gegangenes Video, das zeigt, wie eine Drohne über einen belebten Strand am Schwarzen Meer von der russischen Flugabwehr abgeschossen wird. Zu sehen ist, wie die Drohne auf Badegäste stürzt und explodiert. Es gibt Tote, darunter Kinder. Die Ukraine behauptet, die Drohe sei von den Russen abgeschossen worden, es sei kein gezielter Angriff gewesen.

    Und ich denke so: Es sterben im Krieg immer Unschuldige. Während Coco schon wieder ein Leckerli mit der Pfote wegpeitscht, das ich gerade zu mir nehmen wollte. Soll sie. Egal. Ich schließe die Augen. Geduld. Sagt der überlegene Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Revanchiert euch gemäßigt. Und chillt, Leute! 

  • 2. August 2026

    Ich hänge ab, die Ukraine auch, aber anders

    Abhängen ist voll der Vibe. Abhängigkeit dagegen nur Trash. Egal ob von Drogen, Alkohol, Social Media oder Menschen. Puuh, was ist das für ein krasses, spießiges Mindset. Was ich da absondere und aufschreibe. Voll vernünftig, erwachsen. Weiß ich ja selbst. Aber: Den negativen Impact von Abhängigkeit sehe ich ja selbst bei mir: Ich brauche meine Menschen. Und wenn sie mal nicht da sind, knirscht mein Magen vor Hunger. Welch Leid.

    Klar: Es gibt naturally noch viel krassere Abhängigkeiten. Die Ukraine ist von den USA abhängig – in ihrem Abwehrkampf gegen den russischen Aggressor unter Kremldespot Putin. Die USA liefern unter anderem die extrem wichtigen Patriot-Luftabwehrsysteme, mit denen die Ukraine aus Russland abgefeuerte ballistische Raketen abschießen kann.

    Seit mehreren Wochen liefern die USA dieses System nicht mehr – sie brauchen diese Raketen selbst für ihren Iran-Krieg und ihre Verbündeten im Nahen Osten. Fatal: Die Europäer haben keine adäquaten Systeme für Kiew.

    Und Russland nutzt die ukrainische Schwäche unerbittlich aus. Um deren Luftabwehr weiter zu überlasten. Russland verstärkt also die Raketenangriffe auf ukrainische Großstädte. Zuletzt auch auf die Hauptstadt Kiew. Wo durch den Beschuss erneut zahlreiche Menschen ums Leben kamen, zuletzt 9. Und Dutzende verletzt wurden. Gebäude zerstört werden. Autos. Wohnungen. Existenzen.

    Und ich denke so an meine Ukrainer, die dereinst bei den Großeltern meiner Bruna in Isernhagen Zuflucht gefunden hatten und nun seit rund zwei Jahren in Kiew leben. Und an ihren Kater Rudy. Wie sie nahezu jede Nacht in U-Bahn-Stationen vor den russischen Angriffen Zuflucht suchen müssen. Wahrscheinlich Todesangst haben. Und keine gute Zukunft erblicken können.

    Und US-Präsident Trump? Stellte den Ukrainern bereits mehrfach in Aussicht, Lizenzen für die Produktion des begehrten Patriot-Abwehrsystems zu erteilen. Kann sich letztlich dazu aber offenbar doch nicht durchringen.

    Und so bleibt den Ukrainern vor allem, selbst auf Angriff zu setzen. Was sie auch machen: Sie nehmen derzeit verstärkt den größten russischen Onlinehändler namens Wildberries ins Visier und bombardieren dessen Logistikzentren und Lager in Russland. Was auch gelingt. 

    Nichtsdestotrotz: Ukrainer – viele Zivilisten – sterben bei den russischen Angriffen. Die Angst wächst. Der Hass. Und ich würde ja gerne, kann aber nicht: Abhängen – meine Gedanken. Also meine Gedanken aus dem Gehirn an einer imaginären Wäscheleine abhängen. Anhängen.

    Meine Gedanken sind leider zu tief mit den Ukrainern vernetzt. Trash. Sagt der verzweifelte Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Killt Abhängigkeiten! Und chillt, Leute!

  • 1. August 2026

    Wehrt euch und schaut auf Coco und die UEFA

    Alle beneiden Diego. Weil er eine ach so geile Beziehung zu Coco habe. Er mit diesem Fellbündel machen könne, was er so wolle. Und sie sich offensichtlich ja alles gerne gefallen lasse. Wenn er sie in seinen Armen minutenlang an sich presse. Sie dann von seinem Schoß nach hinten fallen lasse, sodass sie mit Kopf nach unten und ausgestreckten Vorderpfoten dahängt – was ausschaut, wie ein umgekehrt ans Kreuz genagelter Jesus, denke ich so.

    Angewidert. Und die Wahrheit wissend. Diego zwingt Coco zur Liebe. Er drückt sie so fest, dass sie parieren muss. Kurz: Der alte Sack übt Gewalt aus. 

    Und ich denke so: Man muss sich wehren. Jeder, jede kann sich wehren. Und dazu gibt es mal wider eine eindrucksvolle Story, die das belegt. Die sonst gegenüber dem Weltfußballverband FIFA so devoten Mitgliedsverbände haben eine Palastrevolution gewagt – und erst einmal gewonnen.

    Die Europäer, Asiaten, Nord- und Mittelamerikaner haben FIFA-Boss Infantino in seltener Einigkeit mitgeteilt, dass sie nichts von seinen Privatisierungsplänen für Fußballweltmeisterschaften halten. Die Europäer von der UEFA drohten gar mit Boykott der nächsten WM.

    Und tatsächlich: Der bislang allmächtig wirkende Infantino, enger Bro von US-Präsident Trump, knickt ein. Schickt in der Nacht ein eher verschämtes Statement, in dem er mitteilt, sein Vorhaben sei abgeblasen. Er habe bemerkt, seine Pläne führten zur Spaltung. Das Gegenteil strebe er aber an. Und ich frage mich so, ob Infantinos abrupte Kehrtwende reicht, ihm seinen Job zu retten. Denn so einige wollen nun auch seinen Rücktritt. 

    Und ich denke so: Es lohnt sich also, sich zu wehren. Auch gegen scheinbar Übermächtige. Wichtig dabei ist: Einheitliches, bestimmtes Auftreten. Kontraproduktiv dagegen ist: Stetig demütiges Buckeln.

    Und ich denke so: Länder Europas, vereinigt Euch, werdet Euch einig – und wehrt euch gegen Trump und seine übergriffige, irrationale Politik. Lasst euch nicht alles gefallen. Seid stolz. Denn: gemeinsam und vereint seid ihr stark. Und könnt etwas bewirken. Seid euch dessen bewusst. Und zeigt sie: Eure Stärke.

    Und ich höre einen Aufschrei Diegos. Sehe, wie Coco aus seinem Arm hüpft. Schnurrend. Kralleneinsatz lohnt eben doch. Sagt der wehrhafte Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Vereinigt euch. Und chillt, Leute!