Komfortmenschen und Merzreformen von der traurigen Gestalt

Ob Kater, Katze oder Mensch: Lebewesen sind soziale Wesen. Brauchen – quasi als Lebenselixier – Kontakte zu anderen. Um von eben diesen Anderen Wertschätzung ob des eigenen Tuns zu erfahren. Wie das bei mir ist? Nun, wahre Wertschätzung fühle ich, wenn mir meine Bruna Leckerli gibt.
Und wie ist es bei meiner Bruna? Sie fühlt wahre Wertschätzung, wenn sie für ihre neue Frisur Komplimente bekommt. Von ihren Freundinnen. Heute aber: Keine Komplimente. Weil alle – tatsächlich alle Freundinnen – weg sind. „Alle meine Komfortleute sind auf Chorfahrt oder im Schullandheim“, stöhnt meine Bruna. Keine der Verbliebenen in ihrer Klasse habe den neuen, von Laura verpassten Schnitt, bemerkt. Und so bin einmal mehr ich es, der sich um sie kümmert. Mit Sprung auf ihren Schoss. Und lautem Schnurren. Wertschätze ich sie.
Ähnliches versuche ich auch bei Bundeskanzler Merz. Dem Regierungschef von der traurigen Gestalt. Der in seinem Volke so unbeliebt ist wie kein Kanzler vor ihm. Und dessen Regierung vorgeworfen wird, nichts auf die Reihe zu bekommen, Versprechen zu brechen – und sich nur zu streiten.
Heute nun präsentieren Union und SPD ein Reformpaket – Steuern, Gesundheit, Rente, alle wichtigen Bereiche drin. Und die Ideen scheinen breit gefächert: mehr Kindergeld wird in Aussicht gestellt, dazu mehr Wohnungsbau, Lockerungen bei Befristung von Arbeitsverträgen, Bürokratieabbau – und die Ansiedlung von KI-Rechenzentren soll erleichtert werden.

Und doch, hängen bleibt vor allem eins, etwas, was kolossal nervt: Künftig sollen Erkrankte dem Arbeitgeber bereits am ersten Tag ein Attest vorlegen – und nicht wie bisher erst am dritten. Was folgt: Ein Aufschrei vieler Arbeitnehmer. Ein Aufschrei vieler Ärzte, die einen Ansturm von Magen-Darm-Erkrankten erwarten. Ich kann den Ärger nachvollziehen. Aber unstrittig ist auch: Im internationalen Vergleich liegt Deutschland bei den Krankenständen vorn.
Nun, ich versuche Merz zu streifen. Der mich aber ignoriert. Obwohl er kaum noch Komfortleute um sich hat. Ich sehe, die fette Mattscheibe trennt uns. Während die sozialen Netzwerke asoziale Häme verbreiten.

Immerhin, denke ich so: Die Regierung hat gehandelt. Und gezeigt, sie kann, wenn sie muss. Was ja viele schon gar nicht mehr erwartet hätten. Das geplante Reformpaket könnte ein erster Schritt aus der Dauerkrise sein. Und ein ausgestreckter Mittelfinger Richtung rechtsextremer AfD.
Dem Profiteur eines Regierungsversagens. Dessen düstere Weltuntergangsprognosen bei einem Reformscheitern ein stückweit Bestätigung erfahren hätten. Klar, jetzt müssen die vollmundigen Pläne umgesetzt werden. Könnte um einiges schwieriger sein als die Ankündigungen an sich. Sagt der soziale Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Widmet euch anderen. Und chillt, Leute!
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