Monat: Juni 2026

  • 20. Juni 2026

    Nichts ist für ewig: Nurias Abschied und Irans Opposition

    Traurig. Das nichts für ewig ist. Schon wieder steht ein Abschied an: Meine Nuria sagt Good-bye. Sie sagt, sie müsse zurück ins schnöde Freiburg. Als ob. Sie wird fehlen. Und das tut so weh. Da sie eine wahre Kater-Katzen-Flüsterin ist.

    Siehe Coco, die ihrem Charme ebenfalls komplett erlegen ist. Aber klar, ohne Tiefen keine Höhen keine Tiefen. Wie langweilig, wenn immer nur die Sonne scheinen würde. Obwohl – eigentlich wäre es nett. Denke ich so. Wenn die Sonne immer meinen Pelz wärmte. Oder meine Nuria immer da wäre.

    Andererseits: Schon gut, dass die Vanitas, äh, Vergänglichkeit alles und alle trifft – und damit auch den holy Shit des Lebens. Also auch die iranischen Revolutionsgarden. Und auch US-Präsident Trump. He he. 

    Allerdings, ob es nach gefühlten Ewigkeiten Depression dann irgendwann tatsächlich heller wird, oder die Depression erst einmal nur eine andere wird – who knows? Im Iran allerdings kann es eigentlich nur aufwärts gehen. Irgendwann. Es ist so erschütternd, die Schicksale von Oppositionellen, die gefoltert und ermordet werden, mitzubekommen.

    Hilflos abzuchillen. Im Arm meiner Nuria. Mit dem Wunsch abzuschalten, weil es kaum auszuhalten ist. Und ich dann bei der Fußball-WM in den USA die iranische Mannschaft kicken sehe. Und der Weltfußballverband Fifa, aber auch die Kommentatoren so tun, als ob das Team ein legitimer Vertreter des Landes sei. Und iranischen Oppositionellen in den USA sogar verboten wird, die Nationalflagge im Stadion zu zeigen, die bis zur islamischen Revolution 1979 Symbol für den Staat war. 

    Die in den USA lebende iranische Aktivistin Gazelle Sharmahd ist empört: Das Mullah-Regime sei keine iranische Regierung, sondern eine Besatzungsmacht, die seit 47 Jahren Massaker am iranischen Volk begehe. Im Januar seien alleine 35.000 Menschen von den Schergen des Regimes ermordet worden. Sagt sie der „Süddeutschen Zeitung“.

    Die iranischen Nationalspieler seien nicht danach ausgewählt worden, wer am besten kicke, sondern wer das Regime am besten vertrete. Die Nationalspieler, die gegen das Regime seien, säßen im Gefängnis. Dass die US-Regierung von Trump nun eingefrorene Gelder für das iranische Regime freigeben wolle, halte die Terroristen an der Macht. Und somit hätten die USA an dem Desaster eine große Mitschuld. 

    Trauer. Meine Nuria wartet bereits seit Stunden am Bahnhof auf Züge nach Freiburg, die nie kommen. Ewigkeiten. Aber dann doch. Während die Massen in Kneipen auf Großbildleinwänden leiden. Und jubeln. Wenn der Iran bei der WM ein Tor schießt.

    Wut, Empörung, Erleichterung. Tiefen, Höhen. Und die diffuse Hoffnung, dass nichts für ewig ist. Sagt der traurige Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Hofft auf ein Ausscheiden des Teams der iranischen Terroristen. Und chillt, Leute!

  • 19. Juni 2026

    Garfield und ich: Der vierte Geburtstag

    Vier Jahre! Bin ich nun. Ein Zeitspanne, so lange wie der Erste Weltkrieg. Aber: Der Ukraine-Krieg dauert sogar schon länger. Und meine Bruna sagt: „Ups, jetzt ist Charlie kein Kind mehr, vier ist für einen Kater nicht mehr richtig jung.“ Und ich erschrecke. An meinem Geburtstag.

    Nur getröstet mit Gedanken an einen alten Menschen, der noch fit ist: Lionel Messi, der argentinische Fußball-Superstar, der hat in dem für Profi-Fußballer biblischen Alter von 38 Jahren kürzlich in einem WM-Spiel drei Tore geschossen. Also: Das Alter ist nicht unbedingt gleichbedeutend mit Trübsal, Krankheit, Langeweile. Denke ich so. Obwohl – wenn ich da Felix sehe, wie er in seinem Homeoffice vergammelt. Und immer grauer wird. Seit sechs Jahren… 

    Es ist Geburtstag, also fort mit den trüben Gedanken. Denke ich so. Denn ich bekomme nicht nur Leckerli, Würstchen und Sonder-Streicheleinheiten samt ständigem Hochgehebe vor debil strahlende Gesichter, die mich beglückwünschen. Sondern auch eine richtige Überraschung.

    Felix zeigt sie mir: Die „Süddeutsche Zeitung“ würdigt heute einen anderen Kater, einen Kater, den ich really schätze. Garfield. Und warum wird ihm gehuldigt? Weil er heute ebenfalls Geburtstag hat. Zumindest jährt sich heute der Tag der Erstveröffentlichung des Garfield-Comics zum 48. Mal. Am 19. Juni 1978 tauchte der von Jim Davies geschaffene Kater erstmals in US-Zeitungen auf.

    Und trat dann seinen weltweiten Siegeszug an. Und Garfield, klar, der ist weird, aber auch cool. Nicht sein orange-getigertes Fell, seine Lasagne-Leidenschaft oder seine Körperfülle. Sondern sein zynischer Humor. Sein cooler Umgang mit Kötern. Seine entspannte Weltsicht. Die in seinem Lieblingssatz gipfelt: „Ich mag keine Montage.“

    Kann ich nachvollziehen. Aber vor allem: Ich mag keinen Trumps. An den US-Präsidenten werde ich unwillkürlich durch meinen Ehrentag erinnert. Auch Trump hatte ja vor ein paar Tagen Geburtstag. Und der Typ beschenkte sich selbst: Ließ zu seinem 80. blutige Gladiatorenkämpfe vor dem Weißen Haus in Washington aufführen.

    Und bekam dann von Bundeskanzler Merz beim Gipfel der sieben wirtschaftsstärksten Länder im französischen Evian ein Trikot der Deutschen Nationalmannschaft geschenkt, beflockt mit der Nummer 47 – Trump ist der 47. US-Präsident. Der wusste mit dem Shirt erst mal gar nichts anzufangen, lächelte dann und knüllte es zusammen. 

    Tja, Geschenke sind eben gar nicht so einfach. Denke ich so. Da lobe ich mir doch Leckerli und Würstchen. Und einen zusätzlichen Schlaf, ganz a la Garfield: „Schlaf ist genial, man schließt die Augen und die Welt ist weg.“ Sagt der. Trump ist dann auch weg. Wenn ich die Augen schließe. Sagt der gerührte Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Lest Garfield. Und chillt, Leute! 

  • 18. Juni 2026

    Überraschende Zuggeschichten meiner Nuria aus dem rechten Osten

    Ach, wie herrlich: Wenn Überraschungen gelingen. Plötzlich steht meine Nuria vor mir. Unangekündigt. Als ob sie nie weg gewesen wäre. Frisch angekommen aus Freiburg. Weil sie mich mal wieder sehen will. Also: Mich, Coco, ihren Freund Piet. Und die anderen. 

    Mitgebracht hat sie gar herrliche Zuggeschichten: Schreiende Kinder in den Abteilen, krümelnde indische Großfamilien, Bier saufende Männergruppen. Und natürlich Dirk. Ein Mit-40er mit Köter. Neben dem noch ein Platz frei war. Den meine Nuria selbstbewusst nahm. 

    Er begann sofort. Seine Erzählungen: Er komme gerade aus Paris. Dort habe er Kemal, eben jenen Labrador-Mischling, der am Knie meiner Nuria sabbert, von seiner Ex abgeholt. Alle zwei Monate wechsle das Sorgerecht für den Köter. Anstrengend.

    Denn an den Wochenenden reise er immer nach Thüringen zu seiner aktuellen Freundin. Die da mit ihrer zwölfjährigen Tochter in einem Dorf in der Nähe von Erfurt wohne. Letztes Mal habe er dort eine französische Zwiebelsuppe zubereitet. Die Zwölfjährige habe geschnuppert, ihr Gesicht verzogen und gefragt, was Komisches er da koche, es rieche irgendwie ausländisch.

    Er habe geantwortet: „Du, das was Du da so sagst, das ist rassistisch.“ Woraufhin sie ihm tief in die Augen geblickt und stolz gesagt habe: „Ich bin Rassistin.“ Sie habe das wirklich ernst gemeint. Habe Dirk betont. Und sie habe keinen Schluck Suppe probiert. 

    Der Rechtsextremismus durchdringt das Bürgertum, das scheint das neue Normal. Denke ich so. Und meine Nuria schildert weiter die Erlebnisse ihres Platznachbarn. Dirk habe von Leuten in Thüringen erzählt, die geklagt hätten, die Ausländer nähmen ihnen die Arbeitsplätze weg. Um im selben Atemzug zu behaupten, die Migranten seien ja so faul und würden nur Sozialleistungen kassieren. Häh?

    Von Leuten, die geklagt hätten, über das Thema Migration dürfe nicht geredet werden, ohne gleich in die Schublade Nazi geschoben zu werden. Während in der Politik und in Talkshows das Thema seit Jahren das Topthema ist. Häh? Von Leuten, die behaupten, das Stadtbild sei geprägt von Menschen mit Migrationshintergrund. Während gerade in Thüringen vor allem weiße Menschen leben. Häh? 

    Wer Sprüche stoppen will. Muss kämpfen. Was schwierig ist, denke ich so. Weil die Fronten so verhärtet sind und Argumente und Wahrheiten oft gar nicht mehr wahrgenommen werden. Sondern als Prinzipien abgelehnt werden. Die Aufklärung darf aber nicht sterben. Hoffe ich. Blicke auf die chillende Coco. Die es mal wieder so richtig macht.

    Und ich spüre das sanfte Kraulen meiner Nuria. Die erzählt, sie habe sich dann von Dirk verabschiedet, um einen ruhigeren Platz zu suchen. Den sie aber nicht fand. Sondern neben einer Frau mit Säugling landete. Nun: Einfach herrlich. Das Leben. Sagt der überraschte Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Seid offen. Und chillt, Leute! 

  • 17. Juni 2026

    Der vergessene Geburtstag und Katzenfleisch als Delikatesse

    Stell Dir vor, Du hast Geburtstag – und es weiß keiner. Würdigt niemand. Nicht mal Deine Liebsten. So ist es nun Coco ergangen. Die vorgestern eigentlich ihren ersten Geburtstag gefeiert hätte. Aber niemand gratulierte. Und so blieb sie allein. Mit ihren Gedanken. An ihre Geburt. Ihre Ma. Ihre Geschwister.

    Und heute kommt dann meine sonst so emphatische Bruna und meint lapidar: „Ups, ich glaube, heute hat Coco Geburtstag, wollen wir ihr ein Ständchen bringen?“ Felix krass gefühlvoll: „Bist Du sicher? Im Impfausweis steht 15. Juni.“ Der Fail meiner Leute ist also amtlich bestätigt. Vom Tierarzt.

    Und ich verstehe, warum Coco vorgestern so still und fast deprimiert wirkte. Denn: Auch. Katzen. Haben. Gefühle. Vor allem, wenn ihr Geburtstag verpennt wird. Und die Zusatz-Leckerli ausbleiben. 

    Aber klar, think positive: es ist Geschenk genug – und zwar täglich – hier, in diesem Revier, in diesem Land leben zu dürfen. Und nicht irgendwo in Ostasien. Denn dort, in Vietnam, haben Polizisten einen sogenannten Katzenfleisch-Ring ausgehoben und mehr als 400 gestohlene Katzen befreit. Dabei seien auch 80 tiefgefrorene Katzen sichergestellt worden.

    Really. Entsetzlich. Und ich werde von Entsetzen und Ekel geschüttelt. Und weiter: In den vergangenen drei Jahren hätten die Verdächtigen Katzen gestohlen und getötet. Weil Katzenfleisch in Restaurants als Delikatesse gilt. Immerhin wird da auch Köterfleisch serviert. Krass, andere Länder, andere Sitten. 

    Aber manchmal denke ich auch so, dass die Menschen in aller Welt – wie ja auch Katzen und Kater – gar nicht so unterschiedlich sind, sondern sehr ähnliche Bedürfnisse und Träume haben. Und man das vor allem dann merkt, wenn man sie persönlich kennenlernt.

    Wie meine Bruna, die mit ihrem Sinfonieorchester heute zusammen mit einem Schulensemble aus Peking ein Konzert gab, mit Beethoven, aber auch chinesischen Komponisten. Die Chinesen hätten sowohl klassische Instrumente wie Cello und Geige gespielt, aber auch traditionelle chinesische Zupf- und Streichinstrumente. Sagt meine Bruna.

    Entwickelt habe sich ein toller, neuer Sound. Mit viel Groove. Der Vorurteile nimmt. Denn auch wenn China für eine kommunistische Diktatur, für Menschenrechtsverletzungen und einen Überwachungsstaat steht, als Kriegstreiber, Patentedieb und Billigproduzent verschrien ist, die Leute, die da leben, sind nett, freundlich, aufgeschlossen.

    Lachen. Klatschen wie hier. Der Dirigent dirigiert. Wie hier. Erzählt meine Bruna. Und ich denke so: Die Musik, die verbindet. Völkerverständigung eben.

    Nur: Katzen sollten sie nicht futtern. Immerhin: Meine Leute gratulieren Coco nun. Nachträglich. Mit schlechtem Gewissen. Glaube ich zu erkennen. Coco bekommt eine Extraportion Leckerli. Ich übrigens auch. Nett. Sagt der verängstigte Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Gratuliert Coco. Und chillt, Leute! 

  • 16. Juni 2026

    Alles Ansichtssache – über Zwitterpositionen und Abkommen

    Alles Ansichtssache: Ist der Napf halb voll oder halb leer? Ist Coco aggressiv oder gechillt? Alles Fragen, die ich mir so manches Mal stelle. Wenn ich mich Coco nähere. Die breitbeinig auf dem Sofa liegt – Kopf leicht angehoben. Strahlende Augen. Vibrierende Schnurrbarthaare. Leise schnurrend. Wir fixieren uns – es passiert erst mal nichts.

    Und ich merke, Cocos Reaktion hängt von mir ab. Wenn ich zu ihr springe zum Kuscheln, wird sie mich aggressiv abwehren. Wenn ich mit ihr spielen will, wird sie sich chillend zurückziehen. Ansichtssache also, wie man sie nun einschätzt. Klar ist nur eins: Aus Katzen schlau werden – unmöglich he, he. 

    Auch das Rahmenabkommen zwischen dem Iran und den USA zur Beendigung ihres Kriegs wird von den beiden Ländern total unterschiedlich eingeschätzt und interpretiert. Beide Seiten deklarieren es naturally als Erfolg für sich – und Sieg über den Gegner. Die Waffenruhe soll verlängert werden, da sind sich die Feinde immerhin noch einig.

    Die US-Strategen um Präsident Trump aber brüsten sich dann damit, dass der Iran die von ihm blockierte Straße von Hormus wieder aufmachen werde. Im Gegenzug werde man die Seeblockade gegen iranische Häfen aufheben. Eine Maut für die wichtige Handelsstraße werde von den Mullahs künftig nicht erhoben. Über das Atomprogramm werde in den kommenden Wochen verhandelt.

    Und die Iraner jubeln, sie hätten den Krieg gewonnen. Die USA müssten die Angriffe auf den Iran stoppen, die Israelis den Beschuss auf die proiranische Hisbollah-Miliz im Libanon. Von den USA eingefrorene Gelder müssten freigegeben werden. Und für den Wiederaufbau müssten die USA auch zahlen. Darüber hinaus werde das atomwaffenfähige Material anders als verlangt nicht herausgerückt. 

    Und ich denke so: Haben die USA und der Iran verschiedene Abkommen verhandelt? Wohl nicht, allerdings haben beide einen jeweils eigenen Spin. Eine eigene Ansicht dazu. Und ich denke so: Hauptsache, der Krieg wird tatsächlich beendet.

    Allerdings: Die Lage für den Westen ist zweifelsohne durch den israelisch-amerikanischen Angriff auf den Iran Ende Februar schlechter geworden. Es könnte jetzt ein Zustand wie vor dem Krieg erreicht werden – allerdings weiß der Iran nun, was man mit der Straße von Hormus für ein Machtinstrument in der Hand hat. Das Regime, das gestürzt werden sollte, sitzt fester denn je im Sattel.

    Arme Bevölkerung. Denke ich so. Und die USA? Die haben einen Machtverlust zu verdauen. Denn für alle Welt ist deutlich geworden, dass die Amis es nicht schaffen, den Iran militärisch zu besiegen. 

    Ich stakse an Coco vorbei. Und merke: Eigentlich will ich nur chillen. Was natürlich nicht funktioniert. Denn Coco – in ihrer komischen Zwitterposition zwischen Chill und aggressive – goutiert das nicht. Springt auf mich. Sodass ich mich geschlagen gebe – so jagen wir zusammen durchs Revier. Coco zum halb vollen, ich zum halb leeren Napf. Sagt der sinnierende Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Think positive. Und chillt, Leute! 

  • 15. Juni 2026

    Zerstören erzeugt Lust – Ich, Putin und die Fifa

    Ich räume frank und frei ein – nicht alle meine Charaktereigenschaften sind fein. Zerstören beispielsweise weckt Lust in mir. Wie bei Menschen Bier. Okay, okay, ich höre auf mit dem schlechten Reimen. Und erkläre mich mal: Zerstörungswut ergreift mich vor allem dann, wenn meine Leute mich ignorieren.

    Obwohl ich mich nach Zuwendung sehne. Und dann habe ich durch einen Anfall einen sicheren Hebel, Aufmerksamkeit zu bekommen. Indem ich an ihren restaurierten, historischen Sesseln kratze. Und schon sind sie da. Bei mir. Ganz ohne ihr bescheuertes Bier. 

    Zerstören mögen aber natürlich auch Menschen. Wie Kremldespot Putin. Der ließ nun wohl ein zum Weltkulturerbe zählendes Höhlenkloster in der ukrainischen Hauptstadt Kiew beschießen. Und beschädigte dadurch die Hauptkirche schwer.

    Zwar behauptet Russland, das Ensemble sei durch eine ukrainische Flugabwehrraketen getroffen worden. Die Ukrainer aber entdecken Trümmer einer russischen Kamikaze-Drohne am Tatort. Und egal, von wem die Zerstörung nun verursacht wurde – hinter allem steht der russische Angriffskrieg.

    Putin zerstört, um zu demütigen und zu entmutigen. Ermutigt aber viele Ukrainer zum empörten Widerstand. Nun, eine good News für die Ukraine gibt es: Heute beginnen die Beitrittsgespräche zur Europäischen Union. 

    Ein weiterer Zerstörer ist der Weltfußballverband Fifa. Der führte zur WM in den USA, Kanada und Mexiko eine Trinkpause ein – in jeder Halbzeit unterbricht der Schiri die Partie nach 22 Minuten für drei Minuten. Ein Spiel wird also geviertelt. Eigentlich, im ersten Moment eine gute Sache, könnte man denken. Denn die Fifa begründete die Maßnahme mit der Hitze.

    Im zweiten Moment aber wird klar, es geht wieder nur um noch mehr Geld. Die TV-Sender nutzen die Pausen für Werbung ohne Ende. Und: Eigentlich braucht es gar nicht überall Hitzeunterbrechungen, weil manche Partien auch in klimatisierten Stadien ausgetragen werden. Und die WM eh in verschiedenen, auch kühlen Klimazonen stattfindet.

    Und ich denke so: Die Fifa zerstört durch die Maßnahme die Stimmung in den Stadien. Und auch noch den Spielfluss der Mannschaften. Letztlich also den Fußball.

    Der israelische Premier Netanjahu will auch zerstören. Die proiranische Hisbollah-Miliz im Libanon. Warum? Netanjahu behauptet, die Miliz stelle eine Gefahr für sein Land dar. Im Vordergund aber steht, dass der Krieg die Ermittlungen gegen ihn wegen Korruptionsverdacht in den Hintergrund rückt.

    Und ich sehe Fäden vom frisch bezogenen Designer-Sessel meiner Leute baumeln. Ich gestehe: Ich zerstöre auch, weil ich meine Krallen schärfen muss. Und das geht nirgendwo besser als an diesem rauen Stoff des Sessel. Really. Sagt der destruktive Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Steht zu eurem miesen Charakter. Und chillt, Leute! 

  • 14. Juni 2026

    Kampfkater gegen Trumps Voyeurismus zum 80.

    Wir Kater sind Fighter. Really. Weil es in unseren Raubtiergenen liegt. Vor allem aber, weil es Spass bringt. Zu kämpfen. Zu jagen. Und zu siegen. Beispielsweise bei der Fliegenjagd im Revier. Da sitzen Coco und ich dann Seit` an Seit’. Auf unserer Aufsichtsplattform in der Küche. Wo es nur so schwirrt.

    Wir sind geduldig. Bis eine Fliege endlich landet. Und wir jumpen. Und sie nicht bekommen. Meist. Weil sie noch schneller sind als wir. Nichtsdestotrotz: Wir sind aktiv, Fighter eben – und keine Voyeure. Wobei mir naturally absolut bewusst ist, dass wir Hauskater voll degeneriert sind. Und mittlerweile Fliegen und Motten unsere Ratten und Mäuse sind. He, he. 

    Schon bin ich bei US-Präsident Trump. Der Fighter liebt, selbst aber keiner ist, sondern nur ekliger Voyeur. Der Sack, der immer über die Alterserscheinungen seines Vorgängers Joe Biden spottete, wird heute 80 – und pennt nun bei dem von ihm selbst gemachten Spektakel ein.

    Auf dem Rasen des Weißen Hauses ließ er Stahlkäfige aufbauen, in denen sich halbnackte Martial-Arts-Kämpfer prügeln und die Gesichter blutig schlagen. Militärflugzeuge donnern über die für das Spektakel teils abgeriegelte Hauptstadt Washington. Und Trump? Fallen dabei irgendwann die Augen zu. Aber hey, geschenkt: der Mann ist jetzt 80.

    Und muss viel gearbeitet haben. Denn nun will er auch noch glauben machen, es gebe da dann ein noch größeres Geburtstagsgeschenk – von ihm an die Welt. Vermittler Pakistan verkündet, die USA und der Iran hätten ein Rahmenabkommen geschlossen, um den Iran-Krieg zu beenden. Trump jubelt kurz darauf, die für den Öl- und Gashandel so wichtige Straße von Hormus sei wieder frei, die Schiffe könnten ihre Motoren starten. „Lasst das Öl fließen.“

    Später dann schränkt er ein, das mit der Öffnung könne doch noch dauern. Und ich frage mich so: Wer nochmal hat den Krieg begonnen? Ja, das waren die USA und Israel, die Ende Februar ihre Angriffe auf den Iran starteten, woraufhin die Mullahs die Straße von Hormus dicht machten. Und: Unterzeichnet werden soll das Abkommen erst in einer knappen Woche in der Schweiz.

    Bis dahin, ja bis dahin kann noch viel passieren. Denke ich so. Sehe eine Fliege vorbeifliegen. Sehe, dass Coco sie anvisiert. Hinterher schwebt Und dabei eine Vase mitnimmt. Passiert. Kollateralschaden eben. Denke ich so. Die Fliege ist entkommen. 

    Immerhin, Trump bekommt auch ein Geschenk von anderen: Die Staats-und Regierungschefs der angeblich wichtigsten Industrieländer verschoben ihren in Evian in Frankreich geplanten G7-Gipfel zu Ehren seines Geburtstags um einen Tag auf morgen. Ich bin sicher, dass sie dann den Trumpschen Deal mit dem Iran umfassend würdigen werden.

    Durch den ein Zustand erzielt werden könnte, der wahrscheinlich weitaus schlechter ist als vor dem Krieg. Weil der Iran die Straße von Hormus als Druckmittel behalten könnte. Egal, die Welt ist von Trump abhängig. Und: Der Narzisst braucht Lob wie die Weltwirtschaft Öl.

    Ich habe eine Fliege erwischt. Spassig, wie sie immer wieder versucht, zu entkommen. Sagt der kämpfende Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Befreit euch aus Käfigen. Und chillt, Leute! 

  • 13. Juni 2026

    Stolz, Italien und Vorurteil und Ötzi

    Bin ich stolz? Klar! Doppelt sogar. Zum einen, weißer Hauptstadtkater zu sein. Zum anderen: Ich habe Stolz. Krass großen Stolz. Vor allem, wenn mir meine Leute dumm kommen. Und mir beispielsweise meine Bruna quasi beiläufig Leckerli vor die Pfoten wirft, ohne mich eines Wortes oder eines Blickes zu würdigen – dann verzichte ich lieber aufs Futtern.

    Weil es so würdelos ist, wie sie mich behandelt. Blöd nur, dass Coco das unbarmherzig ausnutzt. Und die Leckerei verschlingt, die ich später in einem unbeobachteten Moment gesichert hätte. Aber das ist ein anderes Thema. 

    Kein Vorurteil: Auch die Italiener sind massiv stolz. Und in ihrem Fußballstolz derzeit massiv verletzt, da sich ihr Nationalteam zum dritten Mal hintereinander nicht für eine Weltmeisterschaft qualifiziert hat. Nun hat der eigentlich extrem unwitzige Fifa-Boss Infantino einen Witz auf ihre Kosten gemacht.

    Auf die Journalistenfrage, ob das WM-Rekordteilnehmerfeld von 48 Nationen weiter aufgestockt werden sollte, spottete der Schweizer, vielleicht erhöhe man auf 64 Nationen – oder sogar 128, dann könnte eventuell sogar der viermalige Weltmeister Italien dabei sein. Tja, die Fifa hat nur 211 Mitgliedsverbände… Italiens Prominenz reagierte pikiert. Der Sportminister fordert eine Aussprache. Die Italiener sind not amused. Getroffen.

    Müssten sie gar nicht. Sagt Felix. Der kraxelte mit seinem Freund Ian auf einen über 3.000 Meter hohen Berg – und dabei über die österreichisch-italienische Grenze. Welch Pracht in bella Italia, schwärmt er nun. Endlich Sonne, blauer Himmel, türkisfarbene Seen, bunte Schafe, krasse Berge. Besser, viel besser als Fußball. Sagt er. Denke auch ich. 

    Allerdings, als er sich umgedreht habe, habe Österreich ähnlich ausgesehen wie Italien. Und die sind bei der WM dabei. Und dann, dann seien auch noch Hunderte Schafe über den Pass von Italien nach Österreich gerieben worden, ganz nah an der Fundstelle der Eismumie Ötzi vorbei. Wegen des besseren Grases Im Frühsommer auf der österreichischen Seite.

    Und ich denke so: Österreich kann ziemlich stolz sein. Besseres Gras als Italien, Ötzi und besseren Fußball als Italien. Und, am allerbesten, diese legendäre Gastfreundschaft der Österreicher. Felix erzählt, sie wollten auf der Martin-Busch Hütte – die Ende der 30er Jahre eigentlich Hermann-Göring-Haus getauft werden sollte – mit Kreditkarte ihre Sachertorte bezahlen.

    Ging nicht, kein Internetempfang. Bargeld hatten sie nicht dabei. Und der Gastwirt so – Murmeltiere fütternd – er schreibe eine Rechnung, die sollten sie dann begleichen, wenn sie wieder zuhause seien. Krass. Denke ich so. Auf so viel Vertrauen können sie stolz sein. Die Österreicher. Felix und Ian auch. Ich bettele mal meine Bruna an. Brauche Leckerli. Sagt der trotzdem stolze Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Chillt, Leute! 

  • 12. Juni 2026

    Todesschwadronen und Trump zerstören Vertrauen

    Wer drinnen ist, will nach draußen. Wer draußen ist, will nach drinnen. Kurz: Es ist eigentlich immer das Gegenteil dessen, was man so hat, was man will. Gilt für Menschen. Aber eben auch Katzen. Und hier vor allem für Coco. Sie sitzt auf dem Fensterbrett, schmachtet den Bienen und Schwalben hinterher, die ob der geschlossenen Fenster unerreichbar für sie – über mich – auf dem Balkon schweben.

    Ich darf draußen sein. Auf dem Balkon. Mit Laura Blumen gießen. Weil sie mir vertraut. Dass. Ich. Nicht. Über. Die. Balustrade. Jumpe. Will ich auch gar nicht. Weil die Fußball-WM begonnen hat. Und ich nichts mehr liebe, als mit Diego auf dem Sofa zu chillen, während der Fernseher monoton vor sich hinschnurrt. Während Diego mich kuschelt. Ich ihn wärme.

    Es könnten also fünf coole Wochen werden. Für uns. 48 WM-Teilnehmer. Macht 104 Spiele. So viel wie nie zuvor. Aber: Diego schläft schon beim Eröffnungsspiel ein. Mexiko gegen Südafrika. Tödlich langweilig. Das Spiel habe nicht mal Zweitliga-Niveau. Sagt Diego gähnend. Ich erschrecke ob seiner Lethargie, sehe erst einmal unsere gemeinsamen Chillstunden in Gefahr. Aber ich habe auch Vertrauen: Ich vertraue darauf, dass Diego Neugier, wer gewinnt, über die Langeweile siegen wird. Und er weiter guckt. Alles guckt. Mexiko gewinnt 2:1.

    Obwohl ich muss einräumen, Politik ist spannender als diese komische WM. Was daran liegt, dass da mit US-Präsident Trump ein debiler Mann über die Welt bestimmt, der absurder handelt, als man es sich für den Plot einer Top-Serie ausdenken könnte.

    Trump also drohte dem Iran zum x-ten Male, ihn massiv anzugreifen und seine für den Ölexport wichtige Insel Kharg einzunehmen. Und erneut blies er seine angekündigte Aktion kurze Zeit später ab. Erneut mit der Begründung, ein Deal mit dem Iran stehe unmittelbar bevor. Was der Iran erneut als Lüge zurückwies.

    Was wiederum zeigt: Trump, der sich als größten Dealmaker ever bezeichnet, hat nicht wirklich einen Plan. Und das Vertrauen der Welt aufgebraucht. Oder anders ausgedrückt: Vertrauen kann man nur, dass Trumps großspurigen Ankündigungen nichts folgt. Denke ich so.

    Anderes Thema, aber Vertrauen spielt auch hier die entscheidende Rolle, wie ich finde: Felix stieg mal wieder mit Heiko in den Tiroler Alpen bergauf. Über die Schneefallgrenze. Sie vertrauten dem Wetterbericht. Und wurden bestraft. Keine Sonne, sondern Nebel, Kälte, Eisplatten. Aber: Sie vertrauten auch ihren Schuhen. Ihren Apps. Und gelangten wieder zu ihrem Auto.

     Danach wurden sie in einer Therme für den winterlichen Sommer entschädigt. Erzählt Felix. Ein wahrer Sauna-Künstler habe ihnen die Kälte aus mit einem ästhetischen Tanz aus den Leibern, dazu Queen: „Who wants to live forever“. Und ich höre: Coco. Ihr lautes Miauen. Sie hat es nach draußen, auf den Balkon geschafft. Und will jetzt rein. 

    Denn draußen, da schwirren Mücken um ihren Kopf. Mücken, die in Berlin zu Todesschwadronen geworden sind. Forscher haben festgestellt, dass einige von ihnen das West-Nil-Virus übertragen. Das beim Menschen zum Tode führen kann. Und ich glaube, auch bei Katzen. Coco ist also wirklich in Panik. Stürzt herein. Wirft einen Blumentopf um. Shit happens. Sagt der gepiekste Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Vertraut. Und chillt, Leute! 

  • 11. Juni 2026

    Kater in Lasagne und Spiegel des Lebens

    Das eigene Spiegelbild als das umgekehrte Selbst zu erkennen, ist manchmal gar nicht so einfach. Weil es so fremd erscheint. Und auch deplatziert. Ich liebe Lasagne. Also natürlich nicht ganz so wie mein berühmter Comic-Kater-Vertrauter Garfield. Aber den Käse oben, den mal naschen. Why not?

    Ich sitze also so vor dem Ofen in der Küche meines Reviers. Weil meine Bruna sich da gerade eine Lasagne brutzelt. Und was sehe ich da: Einen vollkommen erschrocken dreienblickenden weißen Kater in der Auflaufform. Klar – kurze Zeit später raffe ich: Das bin ja ich. Seitenverkehrt. Gespiegelt in der Ofentür. Aber: Kater im Ofen – nicht wirklich nice. Aber gar nicht so unrealistisch. Denke ich so. 

    Der mit seinem Freund Ian durch Österreich tourende Felix cruist an einer Fabrik vorbei, auf der auf einem Schild in großen Lettern steht: Schlachtstelle. Direkt daneben: Kläranlage. Und Felix so: „Die armen Tiere – und gleich daneben eine Kläranlage. Krass.“ Und ich so: Häh, was ist daran krass? Mach die Augen auf, Junge.

    Du frisst deutlich mehr Fleisch als ich und könntest dich anders als ich vegan ernähren. Das Fleisch muss ja irgendwoher kommen. Und wird dann von dir wieder abgeführt. Muss ja auch irgendwo hin. Nun, Felix und Ian erzählen, sie hätten heute ihre Tour auf einer Höhe von 2.000 Metern gestartet. 20 Zentimeter Neuschnee habe sie empfangen. Im Sommer.

    Und Felix so: War wie Mount Everest. Nur besser. Weil ich atmen konnte. Und dann, nachdem sie in Nebel gehüllt worden seien, den Pfad kaum mehr erkannten, habe sich neben ihnen ein großer Greifvogel aufgeschwungen. Sei vor ihnen geflogen, habe ihnen quasi den Weg gewiesen. Bevor er dann schemenhaft im Nebel versunken sei.

    Sie hätten dann einen Grat erreicht. Der scharfe Wind habe ihnen dann aber doch everest-mäßig den Atem genommen. Ziegen seien vor den Schneewehen ins Tal geflohen. Und trotzdem habe er plötzlich die vollkommene Einheit mit Wetter und Natur gespürt, erzählt Felix. Kontemplativer Rhythmus der Schritte in durchweichten Schuhen. Und dann, dann habe er die Welt wie in einem Spiegel von oben gesehen. So schön sei sie, die Welt, so verrückt die Menschen, auf der Welt. 

    Und ich gebe ihm Recht. Wie auch mein brutzelndes Spiegelbild auf der Lasagne. Welch herrlicher Kater. Denke ich so. Und ruhe in mir. Denn heute beginnt die Fußball-WM. Und das bedeutet Fernsehen. Was wiederum Chill-Atmo für mich bedeutet. Ob es so kommen wird? Leider ist selbst Fußball-Fanatiker Felix abgeturnt, weil es nur noch um Kohle zu gehen scheint.

    Der Weltfußballverband Fifa bietet auf seiner eigenen Tauschplattform Final-Tickets für zwei Millionen Dollar an. Zwei Millionen! Da sind dann die Parkplätze an den WM-Stadien in den USA geradezu günstig, sollen um die 250 Dollar pro Spiel kosten. Und ich denke so: Können diese Abzocker von der Fifa noch in den Spiegel schauen?

    Sehe mich dann wieder in der Lasagne brutzeln. Freue mich extrem aufs Partizipieren am Essen mit meiner Bruna. Sagt der hungrige Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Spiegelt euch. Und chillt, Leute!