Todesschwadronen und Trump zerstören Vertrauen

Wer drinnen ist, will nach draußen. Wer draußen ist, will nach drinnen. Kurz: Es ist eigentlich immer das Gegenteil dessen, was man so hat, was man will. Gilt für Menschen. Aber eben auch Katzen. Und hier vor allem für Coco. Sie sitzt auf dem Fensterbrett, schmachtet den Bienen und Schwalben hinterher, die ob der geschlossenen Fenster unerreichbar für sie – über mich – auf dem Balkon schweben.
Ich darf draußen sein. Auf dem Balkon. Mit Laura Blumen gießen. Weil sie mir vertraut. Dass. Ich. Nicht. Über. Die. Balustrade. Jumpe. Will ich auch gar nicht. Weil die Fußball-WM begonnen hat. Und ich nichts mehr liebe, als mit Diego auf dem Sofa zu chillen, während der Fernseher monoton vor sich hinschnurrt. Während Diego mich kuschelt. Ich ihn wärme.

Es könnten also fünf coole Wochen werden. Für uns. 48 WM-Teilnehmer. Macht 104 Spiele. So viel wie nie zuvor. Aber: Diego schläft schon beim Eröffnungsspiel ein. Mexiko gegen Südafrika. Tödlich langweilig. Das Spiel habe nicht mal Zweitliga-Niveau. Sagt Diego gähnend. Ich erschrecke ob seiner Lethargie, sehe erst einmal unsere gemeinsamen Chillstunden in Gefahr. Aber ich habe auch Vertrauen: Ich vertraue darauf, dass Diego Neugier, wer gewinnt, über die Langeweile siegen wird. Und er weiter guckt. Alles guckt. Mexiko gewinnt 2:1.

Obwohl ich muss einräumen, Politik ist spannender als diese komische WM. Was daran liegt, dass da mit US-Präsident Trump ein debiler Mann über die Welt bestimmt, der absurder handelt, als man es sich für den Plot einer Top-Serie ausdenken könnte.
Trump also drohte dem Iran zum x-ten Male, ihn massiv anzugreifen und seine für den Ölexport wichtige Insel Kharg einzunehmen. Und erneut blies er seine angekündigte Aktion kurze Zeit später ab. Erneut mit der Begründung, ein Deal mit dem Iran stehe unmittelbar bevor. Was der Iran erneut als Lüge zurückwies.
Was wiederum zeigt: Trump, der sich als größten Dealmaker ever bezeichnet, hat nicht wirklich einen Plan. Und das Vertrauen der Welt aufgebraucht. Oder anders ausgedrückt: Vertrauen kann man nur, dass Trumps großspurigen Ankündigungen nichts folgt. Denke ich so.

Anderes Thema, aber Vertrauen spielt auch hier die entscheidende Rolle, wie ich finde: Felix stieg mal wieder mit Heiko in den Tiroler Alpen bergauf. Über die Schneefallgrenze. Sie vertrauten dem Wetterbericht. Und wurden bestraft. Keine Sonne, sondern Nebel, Kälte, Eisplatten. Aber: Sie vertrauten auch ihren Schuhen. Ihren Apps. Und gelangten wieder zu ihrem Auto.
Danach wurden sie in einer Therme für den winterlichen Sommer entschädigt. Erzählt Felix. Ein wahrer Sauna-Künstler habe ihnen die Kälte aus mit einem ästhetischen Tanz aus den Leibern, dazu Queen: „Who wants to live forever“. Und ich höre: Coco. Ihr lautes Miauen. Sie hat es nach draußen, auf den Balkon geschafft. Und will jetzt rein.
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