Hauptstadtkater

20. September 2026

Wen ich für eine bessere Welt wählen würde – aber ich darf ja nicht

Ich will Leckerli. Ich will Freiheit. Ich will chillen. Wer mir das versprechen würde, den würde ich wählen. Allerdings: Ich muss einen solchen Typen gar nicht wählen. Denn ich habe bereits alles. He, he. Aber selbst, wenn ich diese Privilegien nicht hätte – ich dürfte ja gar nicht wählen. Und deswegen fordere ich: Aktives und passives Wahlrecht für Kater. Und Katzen.

Wie ich überhaupt darauf komme? Heute ist großer Wahltag in Deutschland, in meiner Muddastadt und Mecklenburg-Vorpommern werden neue Landtage gewählt. Zum ersten Mal darf meine Bruna bei einer solchen Wahl ran. Und ich kann ihr Klagen, wen sie denn nun wählen solle, verstehen.

Denn Berlin ist nicht erst seit ihrer Geburt vor 17 Jahren dysfunktional, sondern seit Jahrzehnten. Darf ich kurz referieren? Ich mach’s einfach mal – stichpunktmäßig: Marode Schulen und Unis, Drogendealer im Görli, Bebauung des Tempelhofer Felds, Angriffe auf Juden, Attacken auf die queere Community, Schusswaffen-Kriminalität, unfassbar viele Obdachlose, der Müll auf den Straßen, Gentrifizierung, Hunderttausende Ratten, kaum noch freilaufende Kater…

Also, wen soll sie nun wählen, meine Bruna? Die SPD, die seit 36 Jahren mitregiert und all die Probleme in dieser Zeit nicht in den Griff bekommen hat? Die CDU, deren Regierender Bürgermeister Anfang Januar bei einer der größten Krisen der Stadt, einem langanhaltenden Stromausfall im Westen der Stadt, Tennis spielte und das dann auch noch verheimlichen wollte? Die Grünen, die in Friedrichshain so viele Poller in die Straßen gesetzt haben, dass mit dem Auto manche Orte nicht mehr zu erreichen sind?

Oder die Linke, der Antisemitismus vorgeworfen wird und die Wohnbaugesellschaften vergesellschaften will, an die sie 2007 – damals in der Regierung noch unter dem Namen PDS – eben diese Wohnungen verkauft hatte, um wieder Geld zu haben? Oder soll sie für Parteien wie Volt oder die Tierschutzpartei stimmen, die eh keine Chance auf einen Einzug ins Parlament haben?

Selbstverständlich für sie ist nur: Die rechtspopulistische AfD ist tabu. Menschenverachtend sei die Welt auch ohne die Partei genug. Sagt meine Alea. Und ich schnurre. Laut. 

Um 18 Uhr ist dann klar: And the Winner is: Die Linke. Dass es schwer wird für die Partei, ist offensichtlich. Die Versprechungen klingen so gut: Gerecht, sozial, bezahlbares Wohnen. Nur wie? Und dann auch noch das: Auf der Wahlparty der Linken zeigt sich der Chef des aus dem Libanon stammenden Remmo-Clans – dem wird Mord, Drogengeschäften Erpressung vorgeworfen.

Auch nicht schön: Die AfD. Hat es auf Platz 3 geschafft. Und in Mecklenburg haben die Rechten sogar gewonnen. Immerhin kann die SPD auf Platz 2 wohl an der Macht bleiben – wenn sie es schafft, eine Koalition mit den anderen zu schmieden. Übrigens: Die CDU ist erstmals aus einem Landesparlament rausgeflogen: 4,9 Prozent…

Krass das alles. Beängstigend. Und fast noch beängstigender, dass einige Politiker kommentieren, so schlimm sei es ja nicht, die AfD habe ja nicht die absolute Mehrheit errungen. Vollkommen weird. Ich bin perplex. Verrate natürlich nicht, wen meine Bruna gewählt hat. Und kann nur sagen, dass es nicht stimmt, ich hätte der SPD meine Stimme gegeben. Das Kreuz auf dem Foto ist Fake.

Hach, wenn doch nur ich kandidieren dürfte. Die Welt würde eines bessere. Versprochen. Sagt der soziale und gerechte Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Denkt nach. Und chillt, Leute! 

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