Hauptstadtkater

19. September 2026

Mein Kampf auf Grönland gegen Diego und Eisbären

Diego denkt, er sei ein Katerflüsterer. Der damit auch Macht über mich hätte. Weswegen er des Öfteren übergriffig agiert. Mich beispielsweise einfach aus meiner Chillposition auf seinen Arm nimmt und gegen sich presst. Tatsachen schafft. Die ich nicht mag. Weswegen ich mich wehre.

Er mich aber umso fester hält. Und ich ihn dann eben sieben Sekunden gewähren lasse. Bevor er mich dann absetzen muss. Weil ich Krallen zeige. Diego ist trotzdem zufrieden – und kann behaupten: „Seht, Charlie liebt mich, ich bin eben Katerflüsterer.“

Macht wollen alle Menschen. US-Präsident Trump wäre nicht der mächtigste Mensch der Welt, wenn es bei ihm nicht ganz besonders ausgeprägt wäre. Und wie verhält man sich am besten gegenüber Mächtigen, die sich für Menschenflüsterer halten, um sie zu besänftigen? Ganz einfach: Ihnen Recht geben, ihnen schmeicheln. Damit sie ihre Weltsicht bestätigt bekommen und ihr Ego leben können.

Allerdings – und das ist die Lektion für Fortgeschrittene: Man lässt sie nur glauben, dass sie wieder einmal etwas Großes geschaffen hätten. Was letztlich aber gar nicht so ist. Jüngstes Beispiel: Trump verkündet stolz, er habe nun einen großartigen Deal mit Dänemark über die zum Königreich gehörende Arktisinsel Grönland erzielt – die er seit Jahren unbedingt haben will.

Er behauptet auf seiner Plattform Truth Social, die USA hätten nun die Kontrolle über die Sicherheit und alle anderen Belange in Grönland. Sein Land dürfe tun, was immer nötig sei, um die Insel – und ich füge an dieser Stelle hinzu: mit Ihren vielen Rohstoffen und Eisbären! – zu verteidigen. Und mir stellen sich Fragen: Wer verteidigt Trump, wenn die Eisbären angreifen? Wo ist der qualitative Unterschied zum Status Quo? 

Denn eigentlich ändert sich: Nichts. Denn es gibt ein Abkommen aus dem Jahr 1951, das den Amis längst große Freiheiten beim Betrieb von Militärbasen auf der mit 80 Prozent mit Eis bedeckten Insel lässt. Und dass Russland und China eine Präsenz auf der Insel ohne Zustimmung der USA, errichtet hätten – wer’s glaubt…

Ich weiß nur: Trump hat sein Ziel, der USA Grönland einzuverleiben, nicht geschafft. Das hatte er noch Anfang des Jahres angedroht – und dafür sogar Gewalt gegen Nato-Partner nicht ausgeschlossen. Dänemark betont nun cool und nüchtern, der Deal mit Trump erkenne die Souveränität und territoriale Integrität Dänemarks und das Recht des grönländischen Volks auf Selbstbestimmung an.

Also alles wie bislang. Nun: Trump, der in Umfragen vor den Zwischenwahlen Anfang November desaströs da steht, brüstet sich trotzdem mit dem Deal. Und der Rest der Welt könnte wissen, dass Trump sein Ziel wieder mal voll verfehlt hat.

Aber soll er es glauben. Soll Diego glauben, ich sei seinem Charme erlegen. Ich weiß: Ich habe die Macht. Über mich. Und über ihn. Sagt der selbstbewusste Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Handelt clever. Und chillt, Leute! 

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