Hauptstadtkater

Chillen, Checken, Schnurren – meine Gedankenfetzen zum Absurdistan der Welt. Ansichten eines weißen Katers im Chaos.

  • 16. November 2025

    Einstürzende Gewissheiten – und warum ich nicht mehr trinken muss

    Meine einzige Gewissheit ist, dass es keine Gewissheit gibt. Ungewissheit also meine einzige Gewissheit ist. Beispiel? Ich gehe davon aus, dass ich ein Kater bin. Dachte ich jedenfalls so. Aber – es gibt Momente, in denen fühle ich mich selbst unwirklich. Und komme zum Schluss: Vielleicht bin ich gar nicht. Alles ist Einbildung. Ein einziger Traum.

    Bislang dachte ich auch, Katzen seien Katzen – und hätten keine Hunde-Attitüden. Auch diese Gewissheit löst sich auf. Wie Köter, so liebt Coco Wasser. Und nun apportiert sie auch noch. Wie ein Hund. Stoffbündel. Federrasseln. Spielzeugmäuse. Die meine Bruna wirft. Coco jagt hinterher. Nimmt es auf. Trägt es dann in der Schnauze zurück. Zu meiner Bruna.

    Felix erzählt vom Bruch unumstößlicher Gewissheiten in seiner Branche, den Medien. Bis vor einem Jahr seien sich so ziemlich alle Chefredakteure von Zeitungen einig gewesen: Die gedruckte Zeitung sei tot, spätestens 2029. Eine Fehleinschätzung. Räumt Felix kleinlaut ein. Die gedruckten Ausgaben würden viel länger leben. Weil sie weiter Geld brächten. Obwohl dort keine Werbung mehr geschaltet werde, obwohl die Auflagen stetig abnähmen, weil junge Abonnenten nicht dazu kämen.

    Aber, es würden eben auf der anderen Seite massiv Kosten gesenkt. Das Personal in den Reaktionen sei nur noch zu einem Drittel da, der Rest entlassen. Druckereien seien dicht gemacht worden, dafür würden jetzt mehrere Titel in einer Druckerei erstellt – eine weitere große Kostenersparnis. Und: Die zeitungslesende Generation 70 plus sei leidensfähiger als angenommen. Trotz massiver Erhöhungen der Abo-Preise blieben sie dabei. Und auch die mit Penetranz vertretene Gewissheit: Digital sei alles – sei ungültig. Da die Erlöse dafür noch längst nicht ausreichten.

    Der Opa meiner Bruna, Volker, ist derzeit im Krankenhaus. Seine Nieren mucken. Der Chefarzt dort stößt weitere Gewissheiten um: Die seit Jahren gepredigte Doktrin, Mensch müsse täglich mindestens zwei Liter Wasser trinken, sei falsch. Jeder solle so viel trinken, wie er wolle. Wie sein Verlangen sei. Zu viel Flüssigkeit könne auch schädlich sein. Und ich überlege so: Gilt das auch für Kater? Die ja auch immer viel trinken sollen, damit die Nieren nicht kaputt gehen. Sagen Tierärzte. Herrlich, wenn ich nicht mehr stinkendes Wasser trinken muss. Denke ich so. Und haue Coco.

    Tja, und nicht einmal meine Gewissheit, dass aufgewärmter Spinat giftig werde, stimmt. Behauptet jedenfalls Laura. Die Allwissende. Ein Koch habe gesagt, früher hätten oft Kühlmöglichkeiten gefehlt. Und wenn der Spinat nicht kaltgestellt werde, bildeten sich Giftstoffe. Ansonsten sei es aber kein Problem: Aufwärmen und essen. Und ich denke so: Zum Glück mag ich kein Grünzeug. Eine absolute Gewissheit. Für mich. Sure.  

    Tja, dann jage ich mal Coco. Spüre mich. Bin Kater. Ganz sicher. Jung. Wild. Und nicht alt. Hole den Stofflappen, den Coco apportiert hatte. Bin gewiss, dass ich schnell geblieben bin. Sagt der gewissenhafte Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt, Leute: Chillt!

  • 15. November 2025

    Warum ich nicht dick bin, aber als dick bezeichnet werde

    Altern tue ich von alleine. Für mich mehr oder weniger unbemerkt. Weil schleichend. Für andere, die mich länger nicht gesehen haben. Offenbar erschreckend. Schockierend. „Der ist ja dick geworden“, blamed mich heute tatsächlich eine eigentlich nette Nachbarin, die mich länger nicht gesehen hatte. „Und Charlie, du wirkst auch recht ruhig und gediegen, richtig alt“, fährt sie fort, als Coco an mir vorbei jagt.

    Ja – manchmal geht es eben doch schnell, mit dem Altern. Sage ich mal so, mit meinen zarten dreieinhalb Lenzen. Eben noch – bis zu Moros Tod vor vier Monaten – war ich der Kleine. Und Moro mein großer Katerbruder, war der weise, ruhige, knurrende und langweilige Typ. Ich dagegen: Wild. Ungestüm. Spontan. Angeknurrt.

    Dann kam Baby Coco im September in mein Revier. Ein krasser Wildfang. Selbst aus meiner Perspektive. Unstoppbar. Flausen – oder gar nix? – im Kopf. Und ich dachte plötzlich so: Nervt ganz schön – da sollte wenigstens einer im Chaos cool bleiben: Ich! Was natürlich Kraft kostet. Energie verlangt. Die ich mir hole. Durch Cocos leckeres Kittenfutter. Was kann ich dafür, dass es aufbläht? Rhetorische Frage, die ich zur Sicherheit mal selbst beantworte: Nichts!

    Es gibt einen sogenannten Drogenbeauftragten der Bundesregierung namens Hendrik Streeck. Der CDU-Politiker hat einen ziemlich irren Vorschlag gemacht: Sehr alten Menschen sollten bestimmte, besonders teure Medikamente nicht mehr gegeben werden. Sagt er. Weil das Gesundheitssystem viel zu viel Geld verschlinge.

    Sein eigener Vater habe im Endstadium einer Krebserkrankung extrem teure Medikamente bekommen, die dann auch nicht mehr geholfen hätten. Es gebe bestimmte Phasen im Leben, wo man bestimmte Medikamente nicht mehr so einfach benutzen sollte.

    Und mir wird kalt – denn ich denke so: Wer ist sehr alt? Wo ist die Grenze? Ab wann ist ein Medikament besonders teuer? Werden die Großeltern meiner Bruna künftig nicht mehr bestens behandelt, weil sie älter als 85 sind? Obwohl sie doch eigentlich sehr fit sind. Und mit einem „teuren“ Nierenmedikament weitere schöne Jahre vor sich haben könnten?

    Voll Altersdiskriminierung. Denke ich so. Gibt es doch 50-Jährige, die an unheilbaren Lungenkrebs erkrankt sind – in ihrer Vita steht auch, dass sie seit vier Jahrzehnten täglich 40 Zigaretten rauchen, Fleisch ohne Ende konsumieren und keinen Sport betreiben. Dieser Mensch bekommt die teuren Medikamente, weil er ja relativ jung ist. Während die 90-Jährige, die nie geraucht hat, Sport betreibt und sich vegan ernährt, gegen Niereninsuffizienz nicht das beste, weil teure Medikament erhält?

    Das spaltet. Denke ich so. Zerstört den solidarischen Gedanken, nach dem jeder die bestmöglichen Medikamente bekommen sollte. Anders geht es nicht. Denke ich so. Aber Menschen. Sind eben dekadent. Reduzieren alles oft auf Äußerlichkeiten, obwohl sie doch angeblich so woke und aufgeklärt sind.

    Ich werde also wegen meines angeblich zu dickem Körper von meiner Nachbarin gemobbt. Dabei sehe ich blendend aus. Sage ich so und betrachte meinen nicen Schatten. Mein Pelz ist von Natur aus dick. Gerade vor dem Winter. Sagt der voll schlanke Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Chillt, Leute. Und esst, was ihr wollt. Solange es schmeckt. Und altert. In Würde. Oder so.

  • 14. November 2025

    Über das Wasser und meine Aversion

    Ich. Hasse. Wasser. Es ist unangenehm. Unästhetisch. Nass. Kalt. Verklebt das Fell. Macht mich schwer. Es dauert ewig, bis ich getrocknet bin. Und: Selbst Trinken ist eher lästig. Weil: Wasser stinkt. Chlor. Was Menschen mit ihren Nüstern gar nicht wahrnehmen. Wasser ist auch äußerst rutschig. So manchen Sprung habe ich dadurch schon versaut, weil ich eine Wasserlache im Ziel nicht antizipiert hatte.

    Meine Aversion gegen Wasser: Liegt in meinen Genen. Und ist damit voll natürlich. Denn, geneigte Leserin, geneigter Leser – Ihr werdet wissen, von wem ich abstamme: Yes, Löwe. Der kommt aus der Savanne. Wo Wasser Mangelware ist. Er sich also nie daran gewöhnen musste.

    Coco. Liebt. Wasser. Was zeigt, wie degeneriert ihre Rasse ist. Main Coone eben, kein Britisch Kurzhaar wie ich. Heute wieder: Sitzt sie auf dem edlen Herd vor dem Topf mit dem gerade abgekühlten Wasser, in dem die Eier badeten. Und taucht dann ihre Pfoten ein. Erst die rechte, dann die linke. Wieder und wieder. Und spritzt dann mit dem Wasser rum. Ohne Ende. Und ich? Fliehe.

    Menschen stehen dem Wasser ähnlich gegenüber wie meine Spezies. Manche mögen es. Andere nicht. Bei Menschen aber gibt es ein Problem: Die, die es nicht mögen, stinken. Selbst aus meiner Sicht. Weil sie sich nicht putzen können. Wie unsereiner. Wir Kater. Eben.

    Felix kennt eine wasserliebende Frau. Eine Kollegin, die leidenschaftlich gerne segelt. Um auf ihrem Boot die Kraft des Wassers zu spüren, zu erfahren, sich ihr hinzugeben, zu genießen. Sagt sie. Erzählt Felix. Sie hat sich nun für eine Segelregatta namens The Ocean Race eingekauft, zehn Segelboote sind dabei, jeweils mit einer Crew von 18 Leuten. Mit den 20 Meter langen Schiffen geht es monatelang rund um die Welt, von Kapstadt nach Australien, Nordpolarmeer, Kanada, Panama-Kanal, Atlantik-Überquerung.

    Je höher die Wellen, desto besser, schwärmt die Kollegin. Wenn Brecher von bis zu 20 Meter in Sicht seien, schieße in ihr das Adrenalin hoch. Ein Rausch. Wenn das Boot dann in die Höhe gehoben werde, dann nach unter rase. Besser gehe es nicht. Diese Kraft zu spüren. Sich dem auszusetzen. Das sei Leben. Auch wenn es nicht ganz ungefährlich sei. Und sie im Fall der Fälle die Erlaubnis für eine Seebestattung ihrer Leiche gegeben habe.

    Und ich denke so: Geht auch anders. Dieses Flow-Feeling zu bekommen. Einfach Springen. Beispielsweise auf den Kühlschrank. Wo eigentlich keine Landefläche ist. Ich sie aber doch finde. Und dann stehe ich da. Neben dem Kitten-Trockenfutter von Coco. Schlitze die Tüte auf. Und lasse mir die Perlen schmecken. Und gerate ins Chillen.

    Wenn nur Coco nicht wäre. Die ihre nassen Pfoten schüttelt. Und dann – dann drückt sie den Topf per Nase Richtung Abgrund. Der Topf stürzt. Und überall verteilt sich das Wasser, auf dem Boden, auf meiner potenziellen Landefläche. Alles nass. Eklig. Wo ich landen könnte? No way. Sagt der trockene Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Chillt, Leute.

  • 13. November 2025

    Kater- und Putinmythen zu den Klängen der Geige meiner Bruna

    Es ist ein Mythos, dass Kater – und Katzen – keine menschengemachte Musik mögen. Wenn meine Bruna die Geige nimmt und sanft den Bogen über die Saiten gleiten lässt, bin ich dabei. Zu ihren Füßen. Sie lässt schnurren, ich schnurre mit. Die Obertöne sind so nice, ein absoluter Chill-Faktor, versetzen mich in Trance. Bringen mich in andere Sphären. Flow. Und Coco geht`s ähnlich. Sie ist mit dabei. Bevorzugt bei uns derzeit: Bach – Violinkonzert Nummer eins. A-Moll.

    Mythen sind gefährlich. Weil sie Vorurteile schüren. Die oft falsch sind. Beispiele gefällig: Als ob schwarze Kater – oder Katzen – Unglück brächten. Als ob Kater – oder Katzen – sieben Leben hätten. Als ob für Kater – oder Katzen – Milch gesund wäre. Im Gegenteil: Wir können daran kollabieren.

    Mythen sind überall – menschlich irgendwie. Um Welt einfach zu erklären und zu verstehen, vor allem in Zeiten, in denen Orientierung fehlt.

    Über Kremldespot Putin und seinen Ukraine-Krieg gibt es auch zahlreiche Mythen. Geschürt durch die russische Propaganda. Und ich denke so: Als ob Putin – wie von ihm behauptet – die Ukraine „entnazifizieren“ will; ein demokratisches Land mit einem jüdischen Präsidenten an seiner Spitze. Als ob die Ukraine – wie von Putin behauptet – historisch gesehen Teil Russlands sei; sie ist ein anerkannter souveräner Staat. Als ob der Westen – wie von Putins Russland behauptet – schuld an dem Krieg sei; Russland annektierte nicht nur bereits 2014 völkerrechtswidrig die Schwarzmeerhalbinsel Krim, sondern begann dann aus oben genannten Nicht-Gründen am 24. Februar 2022 seinen großen Krieg gegen den Nachbarn.

    Nun, es gibt natürlich auch Mythen, die positivere Bilder zeichnen als eigentlich berechtigt. Felix machte nun eine solche Erfahrung, als ihm eine Kollegin – mittlerweile mit Führungsrolle – sagte, er sei schuld, dass sie Weihnachten arbeiten werde. Denn vor zig Jahren, als sie in der Abteilung, die er leitete, gearbeitet habe, sei sie beeindruckt gewesen, als er die Weihnachtsdienste übernommen habe. Und das damit begründet habe, dass er nicht wolle, dass seine Mitarbeiter da ranmüssten. Felix freut sich. Kann sich nicht daran erinnern. Und weiß, dass er in jener Zeit zu Weihnachten frei hatte.  

    Felix krault mich. Braucht Entspannung. Denn der Alte ist traurig. Dass ein geschätzter Kollege in den Ruhestand verabschiedet wurde. Ein Kollege, der in aller Welt gearbeitet hatte, ein Auskenner. Mit Leidenschaft dabei. Und so wird er dann auch gewürdigt, als Leuchtturm, Fels – und Mensch. Der nicht nur Welt erklären kann, sondern sowohl Satzbau und Sprache als auch journalistische Regeln beherrscht.

    Eine Kombination, die es nicht mehr so häufig gebe. Behauptet Felix. Und ich denke so: Er tickt wie alle alten Menschen, die denken, sie seien unersetzlich und ihre Zeit sei die beste gewesen. Nun, Felix sagt, die Beschreibungen über den nun verabschiedeten Kollegen seien kein Mythos. Sondern Realität, wie sie realer nicht sein könne.

    Und ich blicke auf Coco. Real. Die sich zu Bachs Obertonreihen rekelt. Und dann, als meine Bruna ihr Violonieren stoppt, sofort in den Instrumentenkasten jumpt. Sodass meine Bruna keine Chance hat, die Geige reinzulegen. Und weiter fiedeln. Muss.

    Ich entschwebe. Und empfehle mich. Sagt der musikaffine Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Chillt, Leute. Und hört die Melodien meiner Bruna. Vor allem die Sequenz von a-moll zu C-Dur. Bach. So nice. As chill can.

  • 12. November 2025

    Blick eines unbestechlichen Katers auf die Korrupte Ukraine

    Jedes Lebewesen ist korrupt. Oder zumindest korrumpierbar. Mehr oder weniger. Behaupte ich mal. Moi beispielsweise. Ich sage zwar selbstbewusst: Kater – und Katzen – sind eigentlich nicht bestechlich. Also auch ich nicht. Was an den Genen unserer Spezies liegt. Die nach absoluter Unabhängigkeit verlangen. Danach, entgegen den Erwartungen zu handeln. Aber klar – es gibt ein großes Aber…

    Ich habe natürlich längst gecheckt, dass, wenn ich mich so verhalte, wie beispielsweise Felix das will, ich davon profitieren kann. In Form von Leckerli. Und Würstchen. Und – da ich kein Kostverächter bin: Spiele. Ich. Manchmal. Sein. Absurdes. Spiel. Mit. Und tue, was er so erwartet.

    Mein Schwenk – zur Ukraine. Das Leben dort ist und bleibt bitter. Seit mehr als dreieinhalb Jahren wird das Land massiv von Russland angegriffen. Werden Menschen getötet, Krankenhäuser, Gebäude, Kraftwerke zerstört. Die Ukraine hält dagegen – bildet die Speerspitze des Westens gegen die imperialen Gelüste des Kremldespoten Putin.

    Der offen sagt, die Eroberung der Ukraine sei nicht alleiniges Ziel. Vielmehr wolle er Russland wieder zur sowjetischen Größe führen. Und ich denke: Kann nicht gut gehen. Denn dafür müsste er sich die Nato-Verbündeten Estland, Lettland und Litauen einverleiben.

    Nun, die Ukraine, die den Krieg nur wegen der westlichen Milliarden-Hilfen führen kann, gilt trotz Reformen immer noch als einer der europäischen Staaten mit der höchsten Korruptionsanfälligkeit. Nun ist ein krasser neuer Skandal öffentlich geworden. Betroffen von den Ermittlungen sind ehemalige und amtierende Regierungsmitglieder. Und ich sehe: Jubilierende Gegner der Militärhilfen, die sich bestätigt sehen: Westliches Steuergeld versickere in ukrainischen „Sümpfen“. Behaupten sie. Und verlangen ein Ende der Förderung.

    Immerhin: Es gibt Reaktion auf den Fall. Der ukrainische Justizminister, der in den Skandal drinzustecken scheint, wurde seines Amts entbunden. Auch die Energieministerin trat zurück. Hintergrund: Beim für den Betrieb der Kernkraftwerke zuständigen Staatskonzern sollen Bestechungsgelder geflossen sein – für den Bau von Schutzvorrichtungen um Energieanlagen. Es soll auch um Schmiergeldzahlungen im Rüstungsbereich gehen.

    Als Hauptverdächtiger gilt ein enger Vertrauter des ukrainischen Präsidenten Selenskyj. Und ich denke so – viel schlimmer geht`s nimmer. Skandal kurz vor dem Winter bei einem Energieunternehmen. Wo viele Ukrainer ohne Licht und Wärme auskommen müssen, weil die Russen Anlagen zerstört haben. Und nun müssen die ukrainischen Bürger sehen, dass sich Regierungsbeamte offenbar selbst bereichert haben.

    Ach Mensch, denke ich so. Verheerend. Setze mich in Hauptstadtkater-Pose. Wie von Felix gewünscht. Kassiere die Leckerli ab. Mehr als gedacht. Lasse generös Coco profitieren. Und denke so: Klar, ist auch so was wie Bestechung. Aber für den guten Zweck. Für Fotos, gegen Hunger. Win-Win. Sagt der unbestechliche Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Chillt, Leute.

  • 11. November 2025

    Mein Tunnelblick aufs Revier und die Hamas

    Tunnel turnen mich an. Weil sie die wahren Chill-Orte sind. Die ich like. Eng, dunkel – und wenn man drin ist, sieht einen keiner. Kaum einer. Also, man ist versteckt. Und damit ist der Ort perfekt. Vor allem, wenn ein solcher Tunnel im Revier installiert sind. Wie bei uns. Ein mobiler Tunnel – eine knapp ein Meter kurze, graue Röhre aus beweglichem Kunststoff, so eine Art Polyester oder so. Knistert nice. Beim Durchjagen. Und eben auch gut zum Nachdenken. Je nachdem.

    Die palästinensische Terrororganisation Hamas hat fast den ganzen Gazastreifen untertunnelt. Um von außerhalb Waffen reinzuschaffen. Um sich zu verstecken. Um den Bomben der Israelis zu entgehen. Das System soll 500 bis 700 Kilometer lang sein. Unfassbar. Der Gazastreifen ist nur halb so groß wie Hamburg. Rund 360 Quadratkilometer. Die Tunnel sollen bis zu 20 Meter unter der Oberfläche sein, sie sind so breit und hoch, dass Fahrzeuge durchfahren können. Es gibt dort Strom, und Wasser – Waffendepots und Kommandozentralen.

    Eines der großen Ziele der Israelis im jüngsten Gaza-Krieg war – und ist es weiter – dieses Tunnelsystem zu zerstören. 60 Prozent davon seien kaputt. Sagt die israelische Armee. Unter der palästinensischen Stadt Rafah an der Grenze zu Ägypten verbergen sich derzeit rund 200 Hamas-Kämpfer – sie sind dort offenbar eingeschlossen. Ans Aufgeben denken sie nicht – trotz Waffenruhe. Und sie denken auch nicht an die mit Israel getroffene Vereinbarung, dass sie eigentlich die Waffen abgeben müssen.

    Im Gegenteil. Die Kämpfer lassen ausrichten, der Feind müsse wissen, dass das Konzept der Kapitulation und Übergabe bei ihnen nicht existiere. Die Vermittler – also die USA, Ägypten und Katar – müssten eine Lösung finden. Ihre Forderung: Freies Geleit in andere Gebiete des Gazastreifens. Und ich denke so: Eigentlich gibt es ja eine Lösung – haben die Hamas-Chefs mit unterschrieben… Die Entwaffnung.

    Ich rase in meinen eigenen Tunnel. Coco hinterher. Hier gibt es leider heute keine Ruhe. Solange ich nicht nachgebe. So ist das mit großen Kleinkindern. Wie Coco. Denke ich so. Stoße ein Knurren aus. Das ich von mir gar nicht kenne.

    Und mich daran erinnert, dass mich einst mein älterer Kompagnon, mein vor mittlerweile bereits vier Monaten gestorbener Lieblingsbruder Moro, auch so anknurrte. Und ich damals so dachte: Wie ätzend. Und ich heute so denke: Die Welt dreht sich. Und man wechselt immer wieder seine Rollen. Nimmt tatsächlich welche an, die einem früher völlig undenkbar waren. Und knurrt dann auch. Shit happens.

    Ich überlasse Coco meinen mich so anturnenden Tunnel. Und ziehe mich zurück. Seid nachsichtig miteinander. Sagt der resignierende Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Chillt, Leute. Im Tunnel. Auch dem imaginären Tunnel, der übrigens auch sehr zu empfehlen ist. Oder sonstwo. Hauptsache Tunnelblick.

  • 10. November 2025

    Cocos Wasserspiele und mein Problem mit Nässe

    Wasser ist für Kater wie Feuer für Menschen. Besser nicht anfassen. Aber Mittel zum Zweck: Also: Zum Durstlöschen ist Wasser für meinereiner ok. Zum Wärmen ist Feuer für Menschen ok. Für Katzen natürlich auch.

    Bei Coco aber ist es anders. Sie. Liebt. Wasser. Säuft es nicht nur ohne Ende. Sondern peitscht mit ihrer Pfote durch die Fontäne des Trinkbrunnens. Balanciert auf dem Rand der gefüllten Badewanne, in der Diego gerade chillt. Und rutscht natürlich – bestimmt (un)absichtlich – rein. Goutiert das, ohne Diego zu zerkratzen (Anmerkung des Autors: Leider ohne Foto). Und ist selbstverfreilich beim Abwasch in der Küche dabei. Wenn der Wasserstrahl so nice aus dem Hahn strömt.

    Wasser – Lebenselixier. ich weiß. Das Problem: Ist. Seine. Nässe. Don`t like it. Aber: Das ist mal wieder klagen auf hohem Niveau. Denn es gibt genug Länder auf der Welt, in denen es an Wasser mangelt. Derzeit steht der Iran im Fokus. Dort sind viele Stauseen kurz vor dem Austrocknen, eine Dürre droht. Klimawandel – frage ich mich. Nun: Sicher ist, im Jahr 2025 hat es deutlich zu wenig geregnet. 15 der 31 Provinzen sahen im Oktober überhaupt keinen Regen.

    Wegen des Wassermangels hat die Regierung angeordnet, das Wasser nachts in der Hauptstadt Teheran – mit ihren rund 15 Millionen Einwohnern – zu sperren. Damit sich in dieser Zeit die Speicher wieder füllen können. Die Leute in der Stadt sollen in Behältern und Badewannen Wasser abfüllen. Und Toiletten? Frage ich mich so. Brauchen die Menschen eben auch Katerstreu. Denke ich so. Stark klumpend. Kann ich empfehlen.

    Nun, diese Wasserkrise im Iran kann sogar der Regierung gefährlich werden. Sagt Felix. Denn der Regierung werde vorgeworfen, Steuergeld in Konflikte anstatt in der Wasserversorgung investiert zu haben. Sollte es bis Dezember keine Niederschläge geben, erwäge die Regierung gar, die Hauptstadt zu evakuieren. Das allerdings scheint Humbug zu sein, reine Panikmache. Sagt Felix. Wohin sollten die Leute. Wo die meisten auch in der Hauptstadt arbeiten.

    Coco schlägt gegen den Wasserstrahl. Wieder und wieder. Lässt ihn sich über den Kopf rieseln. Schüttelt sich. Angstbefreit. Um das Spiel von Neuem zu beginnen. Nun, Felix freut sich. Über Fotos, die er davon schießt. Aber der Wasserstrahl rinnt sinnlos. Denke ich so. Diese Dekadenz. Kotzt. Mich. An. Sagt der trockene Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Chillt, Leute.

  • 9. November 2025

    Schlaf ist göttlich und der schläfrige Trump

    Schlafen, schlummern, chillen: Das ist Leben in Perfektion. Für mich. Really. Zwei Drittel des Tages verbringe ich – verbringt meine Spezies Statistiken zufolge – angeblich mit Schlafen. Bei mir ist es mehr. Bei Coco weniger. Viel weniger. Noch. Deswegen gleicht das sich in der komischen Statistik eben doch aus. Ich weiß nur: Schlafen ist göttlich. Und Schlummern, eine Art Vorstudium, ein einziges Spektakel an Ausbrüchen meiner Fantasie. Und alles natürlich voll gechillt.

    Nun eigentlich schlafen auch Menschen gerne. Wenn ich so meine Leute sehe. Kommen abends zwar offenbar nur schwer in ihre Betten, morgens – oder mittags – aber offenbar noch schwerer raus. Es gibt aber auch Menschen, die sehen Schlaf offenbar als Makel an. Als Schwäche. Wie US-Präsident Donald Trump. Vollkommen bekloppt. Denke ich so. So unentspannt. Nicht gechillt eben.

    Trump bezeichnete seinen Vorgänger Joe Biden immer wieder despektierlich als „Sleepy Joe“ – „Schläfriger Joe“. Weil der bei einigen seiner Auftritte so wirkte, als ob er gleich wegdämmern würde. Nun ist Trump selbst erwischt worden. Auf Videos und Bildern ist zu sehen, wie er auf einer Pressekonferenz über Preissenkungen für Abnehm-Medikamente im Weißen Haus mit Müdigkeit zu kämpfen scheint, er sich die Augen reibt, die ihm immer wieder zufallen.

    Und ich denke so: Why not? Der Mann ist ein Greis. 79 Jahre. Reist ständig um die Welt. Hat bestimmt Jetlag. Hat Probleme. Mit dem russischen Präsidenten. Mit dem chinesischen Präsidenten. Mit seinem Volk. Da würde auch jeder 35-Jährige mal einen Powernap machen.

    Tja, nun ist die Häme über Trump groß. Weil ihm eben das widerfährt, was er bei Biden so kritisierte.  Weil er Bidens Müdigkeit als Symptom für fehlende Fitness für das Amt des Präsidenten brandmarkte. Nun, ich denke so, das zeigt mal wieder: Menschen sind böse.“Dozy Don is back“ – also „der schläfrige Don ist zurück“, höhnen sie nun. Und wieder kann ich es kaum fassen: Denn wie kann man sich nur darüber lustig machen, dass jemand anders schläft.

    Schlafen ist so nice. Auf eine noch höhere Ebene wird es gehoben, wenn der Einschlaf-Vorgang mit Kuscheln einhergeht. Beispielsweise mit meiner Nuria. Die heute noch da ist. Aber morgen müde nach Freiburg abdampft. Oder mit meiner Bruna . Oder Diego.

    Und in solchen Momenten werde ich ganz milde. Kann sogar gönnen. Denn auch Coco liebt Kuscheln. Und so toleriere ich, dass Coco gar mit Diego knutscht. Oder mit meiner Alea. Denn Chillen, Schlafen, Schlummern sollte für alle sein. Sagt der schläfrige Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Leute, jetzt chillt. Knutscht. Für einen noch besseren Schlaf. Und ein besseres Leben.

  • 8. November 2025

    Das Ende der DDR-Straßenlaternen und ich like Licht

    Ich like Licht! Vor allem Natürliches. Licht. Wie von der Sonne – hebt auch meine Stimmung. Gibt mir den Flow. Aber: Anders als meine menschlichen Mitgenossen, stehe ich auch auf Dämmerung. Das liegt in meinen Genen. Denn die Düsternis hilft bei der Jagd. Weil mich potenzielle Leckerbissen wie Mäuse oder so nicht sehen.

    Nun, ist hier in der Küche natürlich nicht nötig, ich weiß. Nicht so viele Mäuse zu sehen. Aber, ich will mal nicht zu unbescheiden sein – ich bin ein wirklich guter Jäger. Wegen meiner coolen Kateraugen. Die können auch bei schwachem Licht gut sehen – um ein Vielfaches besser als die von Menschen. Flow. Eben.

    Meine Leute bräuchten an diesem düsteren Novembertag dringend Licht. Denn sie sind depressiv. Traurig. Weil in ihrer Straße, in ihrem ganzen Revier die 50 Jahre alten Straßenlaternen mit den hässlichen, breiten Betonsockeln gegen moderne Leuchten mit Stahlständern ersetzt werden. Statt des sanften, orangenfarbigen, diffusen Lichts also künftig kaltes, helles Licht die Straßen erleuchtet. Sagt Felix. Das sei bitter. Und Laura: „Jetzt machen sie auch noch die letzten DDR-Errungenschaften kaputt.“

    Und ich denke so: Hej Jungs, hej Mädels, bleibt doch mal locker. Nur weil ihr alt seid, ist doch nicht alles Neue schlecht. Im Gegenteil: Vor ein paar Jahren hättet ihr es wahrscheinlich selbst noch gut gefunden, wenn die hässlichen Funzeln ausgetauscht worden wären. Die alten Betonstelen sind marode. Stehen nicht mehr gut. Und endlich wird LED-Licht erstrahlen. Der Energieverbrauch wird deutlich sinken.

    Felix und Laura aber jammern weiter: Das Flair gehe verloren, die Atmosphäre werde zerstört. Und ich denke so: So sind sie, alte Menschen. Hängen immer an ihrer Vergangenheit, die ihre Jugend symbolisiert. Selbst wenn es gute Argumente für Neues gibt. Selbst wenn das Alte nicht wirklich schön ist. Selbst wenn sie selbst das nun Verklärte vor wenigen Jahren selbst gar nicht schön fanden – sondern sogar verdammten.

    Die Vergangenheit lässt sie nicht los, die Alten. Laura schleppt meine arme Nuria mit ins Tacheles, einem mehr als 100 Jahre alten Gebäude, früher Einkaufspassage, heute Ausstellungshaus. Der DDR-Fotografin Helga Paris wird dort in einer Schau gehuldigt. Starke Fotos von DDR-Jugendlichen. Arbeitern, dem Alexanderplatz, Kneipen. Alltag einfach – ungeschönt, ehrlich, authentisch. Sagen meine Leute.

    Wie die DDR-Laternen. Denke ich so. Die bald verschwinden. Und ich genieße nochmal ihr orangefarbenes Licht, das durch die Fenster fällt. Höre meine Nuria tapfer zu den Alten sagen: „Echt spannend. Eure Vergangenheit ist meine Gegenwart.“ Dann widmet sie sich Coco. Die sich im Licht der Sonne auf dem Sofa rekelt.

    Nun, leider muss ich heute mal Felix und Laura recht geben. Das orangefarbene Licht der DDR-Laternen. Das in mein Revier strahlt. Macht mich wuschig. Bringt mich in Chillstimmung, Level elf von zehn. Hat berührende Wirkung. Auf mich. Lässt Schatten lebendig werden. In meiner Fantasie. Dimmt mich runter. Bringt echte Entspannung.

    Und: Mensch sieht so manches nicht: Dreck, Graffiti, über die Straße jagende Ratten. Sagt der lichtempfindliche Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Chillt. Im diffusen Licht.

  • 7. November 2025

    Katze in Tortenform und Afrikaner im Ukraine-Krieg

    Es gibt solche Tage, Tage, an denen ich mich ganz klein machen will. Und dann so merke: Geht nicht. Weil ich zu groß geworden bin. Oder zu alt. Zu fett. Muskulös. Oder zu ungelenkig. Oder einfach einer Sache entwachsen bin.

    Geht auch Coco so. Die offensichtlich in Schallgeschwindigkeit wächst. Sie will sich heute mal in einer runden Spring-Backform verkriechen. Schlängelt sich rein. Allein: Der Schwanz passt nicht – zu lang. Und auch die rechte Pfote. Hängt raus. Aus dem vollen Haus. Und ich denke so: Egal. Soll sie doch so drinnen bleiben. Und dann möge sie in den Backofen geschoben werden. Und zum gar köstlichen Braten mutieren. Um dann: Nie. Wieder. Zu. Nerven.

    Also, ein ungewöhnlicher Tag. Katze in Tortenform. Als ob. Und leider, leider, leider – auch im russischen Angriffskrieg in der Ukraine muss Ungewöhnliches passieren, damit er von nicht direkt Betroffenen noch wahrgenommen wird. Nach weit mehr als dreieinhalb Jahren Krieg stumpfen Menschen ab. Der Krieg ist das Normal. Für die. Dekadenten. Beobachter. Wie mich.

    Eine Meldung, die mich aus dem Trott reißt: Die ukrainische Regierung berichtet, es hätten mehr als 1400 Bürger aus 36 – ja 36! – afrikanischen Staaten auf russischer Seite gekämpft. Und ich doppelt baff: Afrikaner kämpfen für Russen! Es gibt in Afrika so viele Staaten – und sehe nach Kurzrecherche: Yes, es sind sogar mehr als 50!

    Nun, die Ukraine bietet an, die in Kriegsgefangenschaft geratenen Afrikaner heimkehren zu lassen. Die meisten Söldner seien schon bei ihrem ersten Kampfeinsatz in Gefangenschaft geraten.

    Und dann wirft die Ukraine Russland vor, die Afrikaner, aber auch Menschen aus anderen Ländern, mit Geld oder unmoralischen Versprechen zu ködern. Einen Vertrag zum Kampfeinsatz für Russland zu unterschreiben, komme aber einem Todesurteil gleich, warnen die ukrainischen Regierungsvertreter. Der Kampf für Russland sei illegal und unmoralisch.

    Und ich denke an Coco. Sehe sie in der Tortenform. Brutzeln. Im Ofen. Hach, unmoralisch. Auch solche Gedanken. Ich weiß. Dann eben entspannen. Mit Gedanken an das größte Spinnennetz, das nun in einer Höhle in Griechenland entdeckt wurde. 111.000 Spinnen auf einer Netzfläche von 106 Quadratmetern. Puuh, das schüttelt selbst mich. Und ich frage mich, wer die Viecher gezählt hat.

    Während ich so sinniere, dreht sich Coco sichtlich genervt in der Tortenform. Und akzeptiert irgendwann. Ihre Größe. Jumpt raus. Und ich denke so: Schade, der Braten ist ein Gespinst. Besser als ein Gespenst. Puuh, schlechtes Wortwitz-Niveau. Rechtfertige ich durch meinen Hunger. Sagt der zählende Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Chillt Leute. Und zählt Spinnen. Und ihre Beine. 888,000, oder? Statt Schäfchen.