Warum ich 100 werden muss: Pure Lebensfreude eines Sizilianers in Berlin

Es gibt sie, die gechillten Menschen. Die ganz bei sich sind, in sich ruhen. Zufriedenheit ausstrahlen. Und auf andere übertragen. Meine Bruna hat gerade jemanden erlebt, auf den das sowas von zutrifft. Pepe, ein Italiener, der in Berlins Mitte ein Restaurant führt, in das die Oma meiner Bruna, Thea, die Familie einlud – abgesehen von mir.
Also neben Felix und Laura noch ihre Tanten Beatrice und Jette sowie ihren Onkel Urs. Als Oma Thea zahlen wollte, kam ein strahlender Pepe aus der Küche. Bewunderte la familia. Vor allem aber la Maaammaaa, also Thea. Man müsse das Leben feiern, die schönen Momente genießen, so wie sie es tue. Sagte Pepe. Habe allen ein erstes Glas Grappa eingeschenkt. Und dann seine Story erzählt.

Anno 1976 wanderte Pepe von Sizilien nach Deutschland aus, öffnete in Bonn sein erstes Restaurant. Vor rund 20 Jahren zog er dann der Bundesregierung nach. Eröffnete hier in Berlin sein neues Restaurant. Ihm folgte ein Stammgast aus Bonner Zeiten – der nun alljährlich per Bahn aus Nordrhein-Westfalen anreist und zuletzt Mitte März bei ihm seinen 93. Geburtstag feierte. Große Party.
Danach sagte ihm der Ehrengast dann, er wolle bereits heute eine Reservierung tätigen: Für den 17. März 2033 buche er drei Tische, dann wolle er hier mit einigen Gästen seinen 100. feiern. Pepe – eigentlich selten aus der Fassung zu bringen – lachte erst einmal, merkte dann aber schnell, dass der Gast die Reservierung ernst meinte. Und tatsächlich sein Handy zückte und per Wero sofort für diesen Termin 1000 Euro überwies.
Pepe hatte nun ein Problem: Sein Pachtvertrag für das Restaurant lief 2029 aus – und er ist eben auch bereits 73. Dann aber dachte er nach, merkte, sein Leben ist Spaß, also das Restaurant. Inklusive natürlich Gäste und Mitarbeiter. Eigentlich, so überlegte er, wolle er immer weitermachen, auch mit 100 noch an den Pfannen und Töpfen stehen, um Vitello Tonnato, Spaghettini und Tiramisu zu zaubern.
Menschen treffen, ihre Geschichten miterleben, das sei magnifico, das sei la vita cosi splendida. Also verlängerte er den Pachtvertrag erst mal bis 2037. Er prostet la Maaammaaa mit einem weiteren Glas Grappa zu. Blinzelt ihr zu, er werde auch versuchen, zu ihrem 100. da zu sein – auch wenn er selbst dann weit über 100 sein werde.

Italiano, so nice, denke ich so. Kater-like. Nicht mal fünf Jahrzehnte Deutschland konnten seine Lebensfreude deformieren. Der hat’s eben einfach drauf. Hat Spaß. Nimmt alles nicht zu ernst, vor allem sich selbst nicht.
Und hört zu. So dass man sich verstanden fühlt. Willkommen und gesehen eben. Nur schade, dass ich selbst nicht dabei sein kann. Denke ich so und jumpe aufs Weinregal des Restaurants. Klar, nur virtuell, aber immerhin. Ich spüre die Stimmung, die Energie. Und who knows, wenn ich 100 werde, vielleicht werde ich dann doch eingeladen? Zu ihm, dem Sizilianer? Fragt der optimistische Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Genießt den Moment. Und chillt, Leute!
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