Hauptstadtkater

5. September 2026

Mein Sieg mit Afrika und ohne KI über die USA und deren Weltkarten

Ich bin echt. Real. Echt. Leider kann Realität durch Künstliche Intelligenz mittlerweile so krass simuliert werden, dass ich oft einen Unterschied zwischen echt und unecht nicht mehr erkennen kann. Felix und Laura nahmen mich heute mit ins Kino Babylon in Berlin Mitte – zu einem Stummfilmfestival.

Im Foyer des Kinos begrüßt mich eine silbern glänzende Roboterfrau, die ich – der begeisterte Cineast, he he – natürlich kenne: Der ikonische Maschinenmensch, die sogenannte falsche Maria, aus dem Monumentalfilm „Metropolis“ von Fritz Lang von 1927. Ich hüpfe zu ihr, seltsam angezogen. Vielleicht, weil sie eine Technologieangst bereits vor 100 Jahren symbolisierte, die heute ähnlich wieder da ist.

Damals fürchteten viele, durch seelenlose Maschinen ersetzt zu werden; heute: durch seelenlose KI. Damals fürchteten viele, durch Maschinen, heute durch KI kontrolliert zu werden. Damals fürchteten viele, durch Maschinen, heute durch KI entwertet zu werden. Ich hüpfe auf die Roboterfrau. Meine Leute: Angespannt. Dabei ist klar: Ich. Bin. Echt. Und Maria. Ist . Eine. Puppe. 

Und dann sitzen wir im Kinosaal.Gezeigt wird der ein Jahr vor „Metropolis“ veröffentlichte Stummfilmklassiker „The General“ von Buster Keaton. Felix und Laura sind begeistert. Ich bin begeistert. Nicht nur vom Pianisten, der dem 87-minütigen Film durch seine Musik eine Sprache gibt, die für jeden verständlich ist.

Sondern auch vom Film an sich, einer Action-Komödie mit atemberaubenden Stunts, Verfolgungsjagden mit Eisenbahnen, Slapstick par excellence. Felix meint, es wirke, als ob bereits damals KI im Einsatz gewesen sei, Drohnenaufnahmen gemacht worden wären. Stuntleute die krassen Stunts gemacht hätten.

Aber: Keaton spielte alle Szenen, auch die gefährlichen, selbst. Die Lokomotiven – alle echt. Auch die, die von einer Brücke in einen Fluss stürzt. Die Kamera ist genial positioniert.

Drei Stunden später sieht Felix mit Diego den Film „Dune 2“ von Denis Villeneuve – aus dem Jahr 2021. Die Aufnahmen der Raumschiffe, vom überdimensionalen Sandwurm wirken krass real – entstanden natürlich durch KI. Und ich denke so: Heute wirkt das Echte unecht und das Unechte echt. Weird. Wild. Krass. 

Und schon bin ich in Afrika. Die Afrikanische Union will endlich Realität abbilden – die aus dem 16. Jahrhundert stammenden und weltweit am häufigsten genutzten sogenannten Mercator-Projektionen sollen ersetzt werden durch flächentreue „Equal Earth“-Karten.

Die UN-Generalversammlung stimmte nun für eine entsprechende Resolution mit dem Titel „Correct the map“ Togos. 

Denn bislang wirkt Afrika auf den alten Karten durch Verzerrung so groß wie Grönland – und das, obwohl der Kontinent 14 Mal so groß ist wie die arktische Insel. Nur die USA stimmten gegen die Resolution. Klar: Sie würden durch die neue Karte kleiner.

Und ich feiere mit Afrika: Denn die Karte zu korrigieren bedeutet, die Art und Weise zu korrigieren, wie wir Welt sehen. Denke ich so. Und: Für die Realität braucht man eben keine KI. Sagt der erfüllte Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Akzeptiert Realität. Und chillt, Leute!

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