Hauptstadtkater

1. September 2026

Kopf hoch, Brust raus im Fight gegen Putin

Immer nach vorn blicken. Kopf hoch. Das strahlt Selbstbewusstsein aus. Gibt es einem auch selbst. Behaupten Menschen. Und so sitze ich da. Brust raus, Kopf hoch. Sitze auf ihrem Thron. Der Maschine des Kaffees. Ohne die sie nicht leben können. Und Felix so: „Hej, Charlie, pass bloß auf, dass da kein Fell von Dir in eine Düse kommt.“ Und ich so: „Alta, gleich geht mir wirklich die Düse.“

So ist er. Mensch. Denkt nur an sich und sein Wohlbefinden. Anstatt mal zu hinterfragen, warum ich da oben bin, auf der Kaffeemaschine? Anstatt mal Empathie zu zeigen. Mit mir. Dem geschundenen Hauptdstadtkater. Der an der Welt leidet. Das aber nicht zeigen will. Um nicht schwach zu wirken. Denn heute ist wieder mal so ein Tag, der mich an meine Grenzen bringt.

Einen Monat nachdem der Flughafen Leipzig nur knapp einem Anschlag entging, hat die Bundesregierung heute den mutmaßlich Schuldigen präsentiert. Einen, von dem alle eigentlich wussten. Munkelten. Über den man aber lieber nicht spricht. Quasi der Voldemort – das ist der Böse aus Harry Potter – der Staatengemeinschaft: Russland.

Damals, Anfang August, war zwischen ukrainischen Frachtmaschinen eine mit Sprengstoff präparierte Drohne entdeckt worden, die nicht zündete. Und nun also die Bundesregierung: Man habe Beweise – der Sprengstoff, die Art der Planung, Bauteile, Zündtechnik und Tatmuster – alles deute auf Russland hin. Allerdings, ausgeführt worden sei die Tat von „Low-Level-Agenten“ – Kleinkriminelle ohne geheimdienstliche Ausbildung.

Und die Strafe: Das russische Generalkonsulat in Bonn muss dicht machen, das angebliche Kulturzentrum Russisches Haus in Berlin ebenfalls. Einreisebedingungen für Russen werden verschärft, der Druck auf die russische Schattenflotte soll erhöht werden.

Puh, wie mutig. Denke ich so. Und höre das Zittern. Darf man Kremldespot Putin reizen? Selbst wenn der Vorwurf stimmen sollte? Ist das nicht gefährlich? Sollte man nicht besser vorsichtig sein anstatt einen vermeintlich Stärkeren herauszufordern? Ach, menschliche Zauderer, denke ich so. Ich verstehe euch. Weil es oft eben einfacher scheint, nichts zu tun – und abzuhauen. Den Thron freizumachen.

Denn: Wenn Putin wütend wird, dann wird es gefährlich. Und ja, der weidet sich dann auch gleich an der German Angst. Reagiert sofort, behauptet: Die deutschen Strafmaßnahmen seien ein großer Fehler. Die angeblichen Beweise- alle gefälscht. Zitter. Die Reaktion der Bundesregierung innenpolitisch motiviert – angesichts der drohenden Wahlniederlagen. Zitter. Putins Sprecher behauptet, Deutschland gehe den Weg der Eskalation. Zitter. Putins Sprecherin fragt, ob Deutschland das Datum heute zufällig gewählt habe – es sei ja der Jahrestag des Beginns des Zweiten Weltkriegs durch Deutschland. Zitter.

Und ich frage mich: Ist das Zittern gerechtfertigt? Nun, Putin hat eben viele Trümpfe in der Hand. Warum sollte er keine weiteren Anschläge befehlen? Die Strafmaßnahmen Deutschlands – für ihn eher lächerlich. Andererseits: Was bringt das Zittern? Nichts – abgesehen von einem Lustgewinn für Putin.

Aber: Wenn es mal so einfach für mich und Mensch wäre, das unkontrollierte Zucken abzustellen. Ist es nicht. Oder doch, so: Kopf hoch. Brust raus. Auf dem Thron gegen alle Widerstände sitzen bleiben. Selbstbewusst. Sagt der aufmüpfige Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Bietet Stärkeren die Stirn. Und chillt, Leute! 

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