Die Verlockungen der Täuschung: Der Iran-Krieg und ich

Es gibt diese Tage, an denen ich mich gerne täuschen lasse. Von meiner eigenen Wahrnehmung. Um mich besser zu fühlen – und nicht so klein und unbedeutend, wie es mir mein Selbstbewusstsein vorgaukelt. Weil meine Bruna mich nicht streichelt, sondern über mich stolpert. Weil sie mir keine Leckerli gibt, sondern verfallenen Lachs serviert.
Dann baut mich Täuschung auf und lässt Enttäuschung schwinden. Meine Bruna fotografiert Coco und mich. Und auf dem Foto schaut es aus, als ob ich deutlich größer wäre als sie. Tut gut. Meinem Selbst. He, he.

Wahrscheinlich ist ja das ganze Leben eine einzige Täuschung. Alle spielen damit, um besser zu erscheinen. Das ist auch im sogenannten Großen sichtbar – in Kriegen. Der Iran und die USA spielen seit dem 28. Februar ein einziges Täuschungsmanöver-Spielchen miteinander. Nach dem Motto: Wer am besten blufft, gewinnt den Krieg.
Überziehen sich mit Vernichtungsfantasien, um unmittelbar danach zu schwadronieren, man sei ganz dicht an einem Abkommen, das zu Frieden führen könnte, um dann wieder mit gegenseitigen Angriffen zu starten.
Und während die USA behaupten, der Iran wolle unbedingt ein Abkommen, sei bereit seine hochangereicherten Uranvorräte abzugeben und die Straße von Hormus wieder zu öffnen, behauptet der Iran, man habe Zeit mit einem Abkommen, über die Atomfrage werde später verhandelt, die Straße von Hormus werde unter iranischer Kontrolle stehen. Und so greifen sie sich weiter an. Und wenn sie nicht gestorben sind, dann…

Denke ich so. Und frage mich – werden die Protagonisten sterben? Geht es nicht vielmehr um deren (wohl leider unsterblichen) Rollen, die Menschen einnehmen – und es ist eigentlich unerheblich, welcher Mensch sich darin befindet? Da er die jeweilige Rolle in den Systemen weiterspielen muss? Vor allem, wenn er und seine Unterstützer davon profitieren.
Im speziellen Fall Iran-Krieg: Die iranischen Revolutionsgarden bleiben mithilfe eben dieses Konflikts an der Macht, die Trump-Jünger vermehren damit ihr Geld. Denn die ständigen Ankündigungen Trumps, es gebe bald Frieden, haben massiven Einfluss auf die Börsen-Kurse von Öl. Und dass die Insider in Trumps Regierung von ihrem Insiderwissen nicht auch finanziell profitieren – mir scheint es naiv, das nur als Verschwörungstheorie abzutun.

Ein Täuschungsmanöver-Spielchen betreiben auch Israel und die proiranische Hisbollah-Miliz im Libanon. Behaupten, es herrsche Waffenruhe. Und beschießen sich weiter. Israel ruft den Südlibanon sogar zur Kampfzone aus. Wie gesagt: In einer Zeit der Waffenruhe. Was bedeutet: Die offensichtliche Realität wird einfach geleugnet – die Öffentlichkeit mit dem Wort Waffenruhe getäuscht. Und die Zivilbevölkerung stirbt.
Meine Bruna gibt mir Leckerli. Strichelt mich. Und ich lecke Coco. So groß. So stark. Sie kuschelt sich an mich. Keine Täuschung. Realität. Sagt der enttäuschte Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Stolpert nicht. Und chillt, Leute!
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