Hauptstadtkater

27. Mai 2026

Köter, Currywurst und Walkadaver als Aufmerksamkeits-Booster

Das Unbekannte, Neue, das lockt den Menschen. Immer wieder. Auch meine Bruna. Und so besucht sie Piet – den Freund meiner Nuria. Also, sie besucht nicht Piet, sondern seinen Köter Molly und seine beiden Katzen Lilly und Leo – beide übrigens Maine Coons. Dieselbe Rasse wie Coco also. Mit der ich hier in meinem vereinsamten Revier rumliege. Meine Bruna vermissend.

Und ich höre beim Langweilen so nebenbei, dass in deutschen Kantinen die Beliebtheit der Currywurst als Mahlzeit von 2020 bis 2024 abgenommen habe. Wohl auch, weil vegan angesagt ist. Denke ich so. Und höre weiter: Nun sei die Currywurst aber wiederentdeckt worden. Steige seit 2025 in der Gunst der Kantinenbesucher.

Und ich denke so: Bewährtes setzt sich eben durch. Was dann auch den Franzosen Hoffnung machen könnte. Denn zugleich wurde bekannt, dass diese 2025 erstmals mehr räudiges Bier tranken als edlen Wein. Die Franzosen! Ich bin sicher: Sie werden erkennen, was besser schmeckt – die Zeit spricht für den Vin. In vino veritas. 

Selbst bei Themen wie Tod, Zerstörung und Verzweiflung stumpfen Menschen ab. Lechzen nach dem Neuen. Wiederkehrende Angriffe in Kriegen wie in der Ukraine oder in Nahost werden zur Randnotiz, weil sie zu einer neuen Normalität geworden sind. Die die nicht direkt Betroffenen, die Voyeure, langweilt.

Und weit weniger berührt, als – sage ich mal: Das Schicksal eines vor der dänischen Küste verwesenden Walkadavers. Kremldespot Putin kennt die Sehnsucht des Menschen nach Neuem. Und spielt in seinem Krieg gegen die Ukraine auf Zeit, greift stetig weiter an – und setzt darauf, dass sich der Westen gelangweilt abwendet.

Allerdings kann auch Putin selbst die Zeit gefährlich werden, da auch in seinem Land die Unzufriedenheit mit seiner „militärischen Spezialoperation“ steigt: Viele junge Menschen sterben an der Front, die Wirtschaft darbt.

Und so setzt Putin einen grausamen Aufmerksamkeits-Booster ein: Er schießt eine Rakete auf die ukrainische Hauptstadt Kiew, die auch Atomsprengköpfe tragen könnte. Und lässt dort lebende Diplomaten und ausländische Staatsbürger wissen, es wäre besser, jetzt die Stadt zu verlassen. Aufregung, Angst schüren, Schlagzeilen, Macht zeigen. 

Was das alles mit meiner Bruna zu tun hat? Nichts. Oder doch: Sie ist eben auch nur ein Mensch. Auf der Suche nach Neuem. Neuen Hunden, Katzen, Erfahrungen. Und auch bei ihr kommt der Erkenntnisgewinn erst nach einer gewissen Zeit – der Selbsterfahrung.

Sie kehrt also von Piet, Molly, Lilly und Leo zurück. Der Köter sei schon toll, sagt sie. Schlafe viel. Die Katzen und er ignorierten sich meist. Ich lege mich auf ihren Schoß. Coco zu ihren Füßen. Meine Bruna genießt. Entspannt.

Und ich so oberschlau: Das Gute kann so nah sein. Wird aber oft erst erkannt, wenn sich das Neue und vermeintlich Aufregende selbst als gewöhnlich entlarvt. Sagt der gelangweilte Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Würdigt, was ihr habt. Und chillt, Leute!

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