Hauptstadtkater

31. März 2026

Todesstrafe in Israel im Wolfsrausch

Jeder dürfte wissen, dass ich kein Hundefreund bin. Und natürlich erst recht kein Wolfsfreund. Was aber derzeit dem plötzlich in der Hamburger Innenstadt aufgetauchten Wolf widerfährt, erweckt sogar mein zartes Mitgefühl: Das arme Tier verläuft sich auf seiner Suche nach einem Revier in einem Einkaufszentrum und stößt dort immer wieder gegen eine Glasscheibe.

Gerät noch mehr in Panik, als eine Frau näher kommt – denn: auch Wölfe fürchten und meiden Mensch. Kurz: Wolf rafft nicht, dass die Frau ihm nur helfen will. Und beißt sie, bevor er in die Alster flüchtet und da geschnappt wird. Nun wird er gehasst – von vielen Menschen. Weil er der erste Wolf ist, der seit der Wiederansiedlung in Deutschland vor 28 Jahren einen Menschen gebissen hat. Und damit offenbar Urängste vor dem bösen Wolf auslöst.

Nun wird gar erwogen, ihn zu töten. Und ich bin irritiert: Dass da ein Wolf so gehatet wird, während Medien und viele Menschen zugleich einen nicht weit vom ihm entfernt auf Sandbänken in der Ostsee mit seinem Leben kämpfenden Wal lieben. Ihn Timmy taufen. Kann Wolf vergessen. Dass er geliebt wird. Oder gar liebevoll getauft wird.

Höchstens vielleicht Alster-Isegrim oder so. Nun – das wird Wolf wumpe sein. Und auch wenn die von ihm verletzte Frau längst aus dem Krankenhaus entlassen ist: Die Todesstrafe ist für den Wolf – zur Beruhigung des Volks – nicht ausgeschlossen.  

Er kann von Glück reden, dass er nicht in Israel lebt. Denke ich so. Denn dort hat das Parlament nun die Wiedereinführung der Todesstrafe beschlossen. Allerdings: Davon betroffen sollen nur die Palästinenser sein. Und wahrscheinlich auch Wölfe. Denke ich so. Ausdrücklich nicht betroffen: Israelis.

Wenn im von Israel besetzten Westjordanland also ein israelischer Siedler einen Palästinenser erschießt, droht ihm keine Todesstrafe. Andersrum – wenn ein Palästinenser dort einen Siedler erschießt, wird der Täter aber getötet. Palästinensischer und jüdischer Terrorismus werden also unterschiedlich gewertet. Klarer Fall von Rassismus, denke ich so.

Und überhaupt Todesstrafe – welch Rückfall in die Barbarei. Unmenschlich, erniedrigend und dann auch noch wirkungslos – zumindest zeigen Studien, dass die Todesstrafe auf potentielle Täter keine abschreckende Wirkung haben soll. 

Klar, ist verlockend, Morde mit gleicher Münze heimzuzahlen. Ich räume ein, auch ich verspüre Aggressionen in mir, gar Mordlust, wenn Coco trotz meines drohenden Knurrens versucht, meinen Platz zu erobern. Und ich sie beiße. Bevor ich dann aber zurückziehe. Weil ich weiß, das bringt nichts. Außer Hass.

Auch meiner Leute. Die Coco scheinbar irgendwie  mögen. Und traurig wären, wenn ich sie tot bisse. Also: Peace. Ruhe. Die zivilisatorischen Errungenschaften meiner Vorkater aufrecht erhalten. Amen.

Und so steigt auch meine die Hoffnung für den Wolf. Er ist in einer Wolf-Auffangstation untergekommen. Während Timmy in der Ostsee schon wieder gestrandet ist. Er sei sehr schwach. Sagen Tierärzte. Und die Menschen in meiner Republik leiden. Sagt der wolfige Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Wertschätzt den Wolf. Und chillt, Leute!

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