Dämonenaustreibung zur Walpurgisnacht – Hexen in Lauras Klinik

Manchmal denke ich, dass sie besessen ist. Von bösen Geistern. Oder Dämonen. Wenn Coco vollkommen entfesselt durch mein Revier jagt. Unstoppbar. Mich wie einen Kegel umstößt. Die Wände hochrast. Bis Diego sie irgendwann erwischt. Emporhebt. Sie schüttelt. Versucht, den Dämon auszutreiben. Exorzismus! Der natürlich nicht klappt. Im Gegenteil.
Heute ist Walpurgisnacht. Die Nacht also, in der Hexen wüten und tanzen. Um den Winter zu vertreiben. Um Schutz vor bösen Geistern zu erbitten. Und ich? Miaue. As miau can. So dass sich meiner Kehle ein langanhaltender, klagender Laut entringt. Coco erstarrt. Zunächst. In Diegos Händen. Und ich nutze die Gelegenheit, um zu Laura zu springen, meiner Hexe, die eben nach Hause kommt. Aus ihrer Klinik. Mit den psychisch kranken Jugendlichen. Die sich freut. Dass ich mein Fell auf ihrem schwarzen T-Shirt verteile.

Nun, auch sie erzählt von Dämonen, die ihre Patienten und Patientinnen heimsuchen. Und depressiv oder auch aggressiv machen. Sie habe ihren Jugendlichen erklärt, was es mit der Walpurgisnacht auf sich habe. Erzählt sie. Die meisten hätten zugehört. Das ohnehin verkniffene Gesicht eines Mädchens jedoch habe sich zur Fratze verzogen.
Das, was Laura erzähle, sei doch vollkommen belanglos. „Das war wie ein extrem langweiliger Podcast, den ich sofort ausgeschaltet hätte. Leider haben Sie keinen Ausknopf“, habe sie dann zu Laura gesagt. Nun, sie habe daraufhin gelächelt, sagt Laura. Und sich gefreut, mit einem Podcast verglichen zu werden.

Coco entwindet sich den Armen Diegos. Der Dämon ist in ihr. Unverkennbar. Und sie springt auf mich. Macht einen Überschlag. Während meine Alten aus dem Chaos flüchten. In ein Konzert. In der Philharmonie. In der der Dirigent Kent Nagano mit dem Deutschen Sinfonieorchester ein 52 Jahre altes Werk von Bernstein zum ersten Mal auf die Bühne bringt.
Thema: Der Dybbuk. Ein Geist, der laut jüdischem Volksglauben Besitz von anderen ergreift. Sie besessen macht. Und trotz Exorzismus nicht weichen will. Und mir wird klar: In Coco sitzt der Dybbuk. Mit zwei Riesensätzen jumpt sie auf den Kühlschrank. Und plötzlich weiß ich, wie ich den Geist vertreibe.


Biete Coco Leckerli an, die meine Bruna eigentlich mir zukommen ließ. Nun aber dienen sie dazu, den Dybbuk aus Coco zu vertreiben. Die mittlerweile brav neben mir Leckerli schnurpst. Mission erfüllt. Ich bin der Exorzist! Sagt der übernatürliche Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Vertreibt Dämonen. Und chillt, Leute!
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