Wie ich die geistesgestörten Russen stoppen würde

Es gibt News von Rudi. Das ist der Kater unserer ukrainischen Freunde, die vor mehr als vier Jahren nach dem Überfall Russlands auf ihr Land bei den Großeltern meiner Bruna in Isernhagen Unterschlupf fanden. Rudi durfte nicht – mit in den Urlaub seiner Leute. Natascha war mit Denys und Rita in Südfrankreich. In der Provence. In Marseille, Monaco, Nizza, Saint Tropez, Cassis – sie wanderten, schwammen im Meer.
Es sei wie ein wunderbarer Traum gewesen, schreibt Natascha. Und ich denke so: Es klingt wie bei meinen Leuten, ganz normal. Ist es aber nicht – denn was kommt nach dem Urlaub? Die Rückkehr in ein Land, das täglich von Mördern beschossen wird.
Sie habe gelernt, von Tag zu Tag zu leben, nichts großartig zu planen. Sagt Natascha. Trotz der ständigen Gefahr gebe es aber auch sowas wie Normalität. Im Ausnahmezustand. Auch in der ukrainischen Hauptstadt Kiew, die zuletzt immer stärker ins Visier russischer Raketen geriet.
Trotzdem säßen die Menschen tagsüber in Cafés und chillten. Abends gehe es dann eben in die U-Bahnstation. Um vor den Raketen und Drohnen aus Russland geschützt zu sein. Die kaum noch abgewehrt werden können. Weil für das US-Raketensystem Patriot Munition fehlt. Die die Amis selbst brauchen. Für ihren Krieg gegen den Iran.

Was der russische Machthaber Putin weiß. Und nun mit voller Wucht Zivilisten beschießen lässt. Um die Bürger zu zermürben. Allerdings, ob die Strategie fruchtet, frage ich mich so, als ich Nataschas Worte höre: „Keiner kann die geistesgestörten und blutrünstigen Russen derzeit stoppen. Das müssen wir aushalten.“ Zorn statt Angst. Und ich bewundere sie. Und die anderen Ukrainer.
Die sommerliche Idylle auf Nataschas Urlaubsfotos trügt. Ihr Mann kann nicht dabei sein. Er darf die Ukraine nicht verlassen. Auf der Rückreise müssen Natascha und Rita sich dann in Warschau von Denys verabschieden. Der dort nun seit anderthalb Jahren studiert, jobbt, lebt.
Weil er nicht in seine Heimat zurück kann. Weil er dann an die Front müsste. In einen sinnlosen Krieg. Seit mehreren Jahren hat er nun seinen Vater nicht mehr gesehen. Alles andere als normal. Für einen mittlerweile 19-Jährigen. Und seine Familie. Denke ich so.
Und höre von Rudi. Dem sei in der 30 Quadratmeter Wohnung langweilig. Meint Natascha. Sie sei einfach zu klein. Was ihn depressiv mache. Er habe auch keine Lust mehr, seinen eigenen Insta-Channel-zu bespielen. Bis fünf Tage vor Kriegsausbruch habe er auf www.instagram.com/rudi_abyssin seine Gedanken notiert. Seitdem nicht mehr. Vielleicht fange er ja wieder an mit Schreiben. Wenn der Krieg vorbei ist. Sagt Natascha.

Rudi, denke ich so, scheint tatsächlich eine Art Seelenverwandter von mir. Während die Russen erneut Kiew mit Drohnen und Raketen überziehen. Und ein Munitionslager treffen: Mindestens 37 Tote. Ich bin sooo fassungslos. Über diese Menschenverachtung. Diesen Zynismus.
Lege mich hin. Träume von mir als Weltenretter. Wie ich zusammen mit Rudi den Kreml stürme. Tja, Coco springt auf mich. Das ist die Realität. Vorbei der wunderbare Traum. Sagt der erschütterte Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Bleibt stark. Und chillt, Leute!
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