Hauptstadtkater

28. Juli 2026

KI übernimmt zum Geburtstag meiner Bruna die Macht und Laura Lennys Tuch

Alle erwarten es von mir. Und weil das so ist, kann ich nicht. Diese Erwartungen erfüllen. Dann ist Verweigerung mein natürlicher Reflex. Obwohl ich es ja gerne wollte: Meiner Bruna gratulieren. Sweet 17 ist sie nun. Wie gerne würde ich auf ihren Arm springen. Schnurren. Und ihr einen intensiven Chill-Moment schenken.

Aber wie ich es hasse, wenn mich die Alten Felix und Laura geradezu flehentlich anglotzen, damit ich meiner Bruna diese Ehre erweise. Dass Coco das von ihr Erwartete dann auch verweigert, bestätigt mich. Sie nimmt statt Gratulations-Parcours den Kampf gegen eine blinkende Schlange auf, die sich meine Bruna eben umgehängt hat. Und Coco wird von eben dieser Bruna dann tatsächlich verjagt. Finde ich strange. Denn eigentlich macht sich Coco als Leuchtkatze gut. 

Es ist ein irrealer Tag. Denn mich wühlt eine Nachricht auf, die eher nebenbei daherkommt. Obwohl ihr Inhalt die Wucht hat, Welt zu verändern. Vielleicht sogar Leben zu vernichten. Also: Künstliche Intelligenz soll mittlerweile das Potenzial haben, sich selbst weiterzuentwickeln. Und zwar in einem solchen Tempo, dass Menschen die sich daraus ergebenden Systeme nicht mehr verstehen oder kontrollieren können.

Diese Erkenntnis ist zwar nicht neu. Mich schockiert aber, wer die Warnenden sind: Mehr als 1.100 Entwickler und Manager von Firmen wie dem Chat-GPT-Entwickler Open AI, von Facebook und Google. Sie zählen zu den Unterzeichnern eines Briefes an die US-Regierung, in dem sie sie auffordern, sich endlich international für KI-Regulierung einzusetzen – um eine unkontrollierte Fortentwicklung zu bremsen.

Und ich denke so: Menschen wissen es – und tun nichts dagegen. Sehenden Auges in den Untergang… Allerdings: Es kann natürlich auch ganz anders sein. Wollen die Entwickler der großen US-Player mithilfe staatlicher Unterstützung verhindern, dass neue Konkurrenz auftaucht? Frage ich mich so. Ratlos. 

Menschen sind eben weird. Laura erzählt von einem Konzert von einem Musiker namens Lenny Kravitz. Der Mann ist mittlerweile über 62 Jahre – gebärde sich aber als ewig jung gebliebener Star. Tatsächlich sei der Körper des Mannes durchtrainiert und sexy. Sagt Katrin. Das gelte aber weniger für das Gros seiner mitgealterten, zumeist weiblichen Fans.

Und so sei es eben strange, wenn Kravitz sich mit der Attitüde eines Teenager-Stars zunächst mit einem Tuch den Schweiß von der Stirn wische, sich dann damit auch im Schritt reibe, um danach eben dieses Tuch einer enthusiastisch kreischenden Menge von Rentnerinnen zuzuschmeißen. Sagt Laura.

Und zeigt uns nach dem Konzert triumphierend das Tuch. Des Lennys. Manchmal lohne es sich eben doch, auch im Alter Sport zu machen. Und Durchsetzungskraft zu beweisen. Sagt sie. Und lässt mich baß erstaunt zurück. Mit dem Tuch. Das Coco und ich zerreißen. Duftet fantastisch….

Also quasi Birthday. Für mich und Coco. Denke ich so. Unter der Hortensie meiner Bruna sitzend und die Reste von Lennys Tuch herauswürgend. Während Coco in einem neuen Haus chillt – der Verpackung der blinkenden Schlange, sprich: Lichterkette.

Ich kuschle meine Bruna. Weil ich es nun will. Und so sind letztlich alle happy. Ohne KI. Sagt der erwartungsfrohe Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Unterschätzt KI nicht. Und chillt, Leute!

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