Warum ich Coco schlage und ausländische Ärzte rausgeschmissen werden sollen

Alle sind so unversöhnlich. Absolut in ihren Ansichten. Schnell gekränkt, wenn ihnen widersprochen wird. Alles nur schwarz oder weiß. Auch ich. Übrigens auch Coco. Obwohl die ja schattiert ist, also gescheckt. Ich liege also auf dem einzigen Sonnenplatz im Revier. Coco springt auf mich. Und vertreibt mich. Qua Körper. Weil sie da sein will, wo ich bin. Kompromisslos. Punkt.
Menschen sind schon so im jugendlichen Alter. Laura erzählt von ihrem Psychiatrie-Patienten Noah, 16 Jahre. Er klagt, er müsse am Nachmittag nochmal für das Fach Politische Bildung in die Schule. Darauf habe er absolut keinen Bock. Und Laura so: „Na, das Fach ist doch super, gerade wo bald in Berlin gewählt wird und Du erstmals darfst.“
Noah, lachend: „Politische Bildung brauche ich nicht. Da weiß ich alles.“ Laura staunt. Über das Selbstbewusstsein. Eines eigentlich zutiefst Verunsicherten. Und ich denke so: Herrliches Beispiel für die These, dass Menschen mit eher geringem Wissen ihre Kompetenz überschätzen – und andersrum Hochqualifizierte ihre Fähigkeiten eher unterschätzen. Was auch für Kater und Katzen gelten könnte. Überlege ich so – mit Blick auf die bräsig auf meinem Platz chillende Coco.

Zurück zum Menschen. Und jenen bei der AfD, die obige These herrlich belegen. In ihrem Regierungsprogramm für Sachsen-Anhalt fordern die tumben Rechtsextremisten auf Seite 423: „Medizinstudenten statt Importärzte“. Ausländische Ärzte seien wegen Sprachbarriere und kultureller Differenz oft kaum geeignet, „unsere Bürger richtig zu behandeln“.
Hinzu komme oft eine zweifelhafte oder schwer einschätzbare Qualifikation bei ausländischen Abschlüssen. Und deswegen fordern die Rechtsextremen: „Wir werden deshalb alles dafür tun, künftig nicht mehr auf ausländische Ärzte angewiesen zu sein.“
Unfassbar. Denke ich so. So viel Inkompetenz, so viel Geraune von Leuten, die sich aufführen wie die künftigen Könige von Deutschland. Die aber keine Kompetenz haben. Ärztepräsident Reinhardt – zweifellos ein Experte – kontert: Ausländische Ärzte seien unverzichtbar. Sie würden dringend gebraucht. „Als globale Wissenschaft verbindet die Medizin Fachleute auf der ganzen Welt.“

Diego entspricht den AfD-Vorstellungen. Deutsch, willig und fähig, Medizin zu studieren. Er will helfen, weil er helfen will. Not lindern. Top. Denke ich so. Er besuchte jetzt Freunde an der Ostsee, der Vater Landarzt. Der Diego zu einem Notdienst mitnimmt. Und Diego packt mit an. Eine alte Frau ist von ihrem Klo gefallen, mit vereinten Kräften tragen Diego und der Arzt sie in ihr Bett.
Befriedigender Job. Sagt Diego nach der Schicht. Während Laura erzählt, Noah habe dann gesagt, er habe längst per Brief gewählt. Grüne. Dann habe er laut aufgelacht. „Nee, verrat ich natürlich nicht. Derzeit gibt es eigentlich nur eine Partei, oder?“

Sehe ich nicht so. Spüre aber, dass ich auch Kraft habe. Die ich nun nutze. Ein Prankenschlag geht auf Coco nieder. Und schon fliegen die Fellfetzen. Weiß. Und Gescheckt. Sagt der versöhnliche Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Seid offen. Und chillt, Leute!
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