Hauptstadtkater

15. September 2026

Bäng! Wie Coco (fast) einen Handwerker tötete und ich zum Liebhaber des israelischen Films werde

Bäng! Coco kreischt. Rast aus dem Spüleversteck, springt in die Luft, alle Viere von sich gestreckt. Ihr gegenüber der Handwerker, der einen Schrei ausstößt, zweieinhalb Oktaven tiefer als sie. Synchron mit Coco aufspringt. Entsetzen in den Augen, als ob der Leibhaftige hinter ihm her wäre.

Wer von den beiden sich stärker erschreckt, wage ich, der unabhängige Beobachter, nicht zu entscheiden. Aber welch herrliches Exempel dafür, was aus Kleinmut passiert. Oder aus Angst. Denke ich so mit Blick auf Coco.

Denn die verzog sich nach dem Türklingeln sofort in ihr Versteck unter der Spüle. Und der Handwerker kam. Um das Rohrsystem unter eben dieser Spüle zu reparieren. Der Rest – nach dem für beide überraschenden Zusammentreffen – ist oben erzählt.

Ich bin da eher auf einem anderen Trip. Fühle mich als Kater Furchtlos. Der selbstbewusst Dinge annimmt. Denn ich habe selbst erfahren: Man fühlt, wie man ist – oder andersrum. Also: Wenn ich selbstbewusst auftrete, fühle ich mich besser. Strahle das auch aus. Und die anderen glauben das sogar. Was mich dann sogar weiter beflügelt.

So, nun Schluss mit der Küchenpsychologie, sorry. Ist natürlich alles leicht daher geplappert. Trotzdem noch ein Tipp: he he Wer sich zum Kotzen fühlt, nutze den Mark-Carney-Faktor. Carney, das ist der kanadische Premier. Jener Typ, der US-Präsident Trump Contra gibt. Und die Vision einer neuen demokratischen Welt mit der EU skizziert. Wenn ich an ihn denke, fühle ich mich gut. Yes. 

Und ich denke so: Es ist eben extrem wichtig, dem Bösen Grenzen aufzuzeigen. Damit es sich nicht ermutigt fühlt, iweiter zu expandieren. Da sind die beiden israelischen Regisseure Yuval Abraham und Rachel Szor. Die haben vor wenigen Tagen beim Venedig-Festival für ihren Dokumentarfilm „Naza“ – übersetzt: Kollateralschaden – nicht nur einen Spezialpreis der Jury gewonnen, bei der Premiere ihres Werks applaudierte das Publikum 25 Minuten. 

Yuval und Rachel  beschäftigen sich mit dem Einsatz der israelischen Armee im Gazastreifen – nach dem Terroranschlag in Israel am 7. Oktober 2023. Und stellen die Frage, ob zivile Opfer von Israel systematisch einkalkuliert werden.

Ex-Militärs und Geheimdienstmitarbeiter berichten – anonymisiert – über ihre Erfahrungen. Darüber, wie Ziele in Gaza ausgewählt wurden. Über den Einsatz von KI. Obwohl der Film außerhalb des Filmfestivals noch gar nicht gezeigt wurde, ist der Aufschrei – vor allem von Israel naturally – immens.

Den Regisseuren wird Verrat vorgeworfen. Ein Minister fordert gar – vollkommen unrealistisch – ihnen die Staatsbürgerschaft anzuerkennen. Und ich denke so: Krass mutig von den beiden Regisseuren, katergleich quasi, als Israelis dieses Thema zu bearbeiten. Was sich nun aber auszahlt. Denke sich. Insoweit, dass der israelische Einsatz in Gaza zumindest hinterfragt wird. Und das Thema nun erst einmal die öffentliche Debatte bestimmt.

Der Handwerker lacht mittlerweile. Über Coco. Die weg ist. Während ich profitiere. Der Mann gibt mir Leckerli. Er habe selbst zwei Kater. Sagt er mir und krault mich gar herrlich hinterm Ohr. Im Gegenzug beruhige ich seinen Puls. Geben und nehmen. Sagt der heilende Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Schaut „Naza“ an. Und chillt, Leute!

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