Leipziger Drohnenallerlei schweißt mich an Coco

Wieder mal ist es passiert: Die Wasserkaraffe – natürlich gefüllt – ist umgekippt. Das Wasser verteilt sich auf dem Küchentisch, umspielt die Zeitung, überflutet Felixens iPhone, stürzt Richtung Boden. Als Felix kurz darauf aus dem Bad zurückkehrt, folgt nach seiner Schockstarre ein Tobsuchtsanfall. Und ich bekomme Angst um ihn, als ich seinen roten Kopf mustere.

Und mich frage: Why? Regt er sich so auf. Vollkommen weird. Denn das Handy kann endlich beweisen, wie beworben wasserresistent zu sein, Zeitung liest heutzutage eh keiner mehr. Aber er? Sucht Schuldige. Findet Coco und mich. Keift, durch unser Ungestüm sei es zu der „Katastrophe“ gekommen. Really: Katastrophe. Sagt er.
Und ich denke so: Im Zweifel für den Angeklagten. Beweise gibt es nicht. Und dann waren ja auch eben noch Laura und meine Bruna in der Küche. Und könnte nicht auch ein Erdbeben…? Nun, ich kenne die Wahrheit.
Und so wenden Coco und ich uns angewidert von ihm ab. Gemeinsam. Durch die Verdächtigungen zusammengeschweißt. Aber so sind sie: Menschen! Verurteilen ganz schnell. Aufgrund von Vorurteilen.

In Leipzig wurde ja vor einigen Tagen eine mit Sprengstoff bestückte Drohne nahe einem ukrainischen Flugzeug entdeckt, das kurz zuvor Munition transportiert hatte. Riesige Aufregung. Zurecht. Denke ich so. Denn nur durch unglaubliches Glück kam es hier nicht zu einer Katastrophe: Der Zünder an der Drohne funktionierte nicht.
Klar, liegt nahe, dass Russland hinter dem Anschlagversuch steht. Wie die meisten behaupten. Allein, Beweise gibt es nicht – noch. Deswegen: Vorsicht.

Und ich erinnere an den Anschlag auf die Nord Stream Pipelines vor knapp vier Jahren in der Ostsee. Das waren Leitungen, durch die Gas aus Russland nach Deutschland transportiert werden sollte. Sofort damals fiel bei sehr vielen der Verdacht auf Russland, das kurz zuvor den Krieg gegen die Ukraine begonnen hatte. Mittlerweile gilt ein ukrainisches Kommando als Täter – vermutlich gelenkt von der ukrainischen Regierung.
Klar, ist dieser missglückte Leipziger Drohnenanschlag eine völlig andere Story. Allerdings ist die Reaktion Russlands auf die Vorwürfe nicht sehr sympathisch. Natürlich sei die Drohne nicht von ihnen, teilt die Russische Boptchaft in Berlin mit. Verantwortlich müsse die Ukraine sein, um die Welle der antirussischen Hysterie am Laufen zu halten. Und um weiter um Waffen betteln zu können.

Coco und ich schlecken das Wasser vom Boden auf. Felix testet sein Handy. Funktioniert. Er wischt mit der Zeitung das restliche Wasser auf. Katastrophe beseitigt. Easy. Dann kommt meine Bruna hinzu. Beim Aufstehen vorhin habe sie leider die Karaffe mitgerissen – und keine Zeit gehabt, das Malheur zu beseitigen, da sie zu einem Chat verabredet gewesen sei. Sorry. Sagt sie.
Lächelt Felix an – der Dank fürs Wischen. Und er? Entschuldigt sich nicht. Bei uns. Sagt der unschuldige Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Unterlasst Verdächtigungen. Und chillt, Leute!
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