Hauptstadtkater

Chillen, Checken, Schnurren – meine Gedankenfetzen zum Absurdistan der Welt. Ansichten eines weißen Katers im Chaos.

  • 24. September 2025

    Über Papiertiger und Cocos Fetisch Schnürsenkel

    Mensch mal wieder: Da wirft der eine dem anderen vor, „nur“ ein Papiertiger zu sein. Also sich als Raubtier zu gerieren, aber eigentlich keine Macht zu haben. Und ich denke so: Mamma mia, diese Tiervergleiche. Mensch sollte bei Mensch bleiben.

    Denn Tiger, klar – sind stark. Aber sie sind auch vorsichtig, scheu – und verteidigen nur ihr Revier. Oder ihren Nachwuchs. Ganz anders also als das Russland von Kremldespot Putin. Das aggressiv Nachbarstaaten angreift. Wahllos tötet. Zerstört. Und dem US-Präsident Trump nun vorwirft, nur Papiertiger zu sein. Total schiefer Vergleich. Und zynisch. Mal wieder. Finde ich.

    Trump begründet seinen Vergleich damit, Russland habe es in seinem Krieg gegen die Ukraine seit dreieinhalb Jahren nicht geschafft, echte Erfolge auf dem Schlachtfeld zu erzielen. Und ich frage mich so – was meint der US-Präsident mit echten Erfolgen? Und müsste er nicht vielmehr erwähnen, was Russland da veranstaltet: Massenmord. Würde ein Tiger nie machen.

    Kein Tier, füge ich mal hinzu. Mit Blick auf den Kreml. Der natürlich – auf derselben scheinbar harmlosen Ebene – auf Trumps Papiertiger-Vergleich reagiert. Und meint, Russland sei ja auch kein Tiger. Sondern eher ein Bär. Und Papierbären gebe es nicht. Wie krass. Dieses Niveau. Während weiter Drohnen und Raketen in die Ukraine fliegen. Und Menschen töten.

    Trump jedenfalls vollzieht mal wieder eine Kehrtwende in seiner Ukraine-Politik. Da Russland eben nur ein Papiertiger sei, gehe er davon aus, dass die Ukraine mit Unterstützung der Europäischen Union in der Lage sei, die gesamte Ukraine in der ursprünglichen Form zurückzugewinnen. Schreibt er auf seiner Plattform Truth Social. Neue Töne von ihm. Denn zuletzt hatte er immer wieder Zugeständnisse – sprich: Gebietsabtretungen – der Ukraine an Russland gefordert.

    Warum diese Wende? Russland lasse jedwede Verhandlungsbereitschaft vermissen. Und die Verletzungen des Nato-Luftraums seien inakzeptabel. Heißt es aus Washington.

    Und wieder denke ich so: Und die Opfer in der Ukraine – über sie wird nicht mal ein Wort verloren. Ob Trump Russland nun tatsächlich härter angehen wird. Ich glaube es erst, wenn Taten folgen. Denn schon des Öfteren drohte Trump Sanktionen an – und nichts folgte. So dass ich mich frage: Wer ist Papiertiger?

    Naturally: Ich! Denke ich in einer Selbstbetrachtung. Denn wieder mal fauche ich Coco an. Markiere den Macher. Um Felix zu helfen. Der von Coco attackiert wird. Besser: Seine Schuhe. Besser: Die Schnürsenkel seiner Schuhe. Allein: Es hilft nichts. Sie macht immer weiter. Krallt und beißt. Coco ist Tigerin. Ich bin Papier. Kater. Und chille erst mal eine Runde.

  • 23. September 2025

    Provokationen, Ku’damm am Abend und Amalfi in Italien

    Jeder hat favorite places. Meiner ist am Kopfende des Hochbetts meiner Bruna. Sonne, Toppblick in den Hof und vor allem Ruhe zum Chillen – that’s it. Perfekt. Dachte ich. Bis heute, Da kam Coco plötzlich anstolziert. Hatte es erstmals geschafft, die Leiter emporzuklettern. Stellt sich erst vor mich. Provokant. Dann mit den Vorderpfoten auf mich. Eskalierend.

    Ich atme. Tief durch. Und denke so: Provokation ist das ganze Leben. Testen, wie weit man gehen kann. Im Kleinen, im Großen, bei Menschen, bei Tieren.

    Und ich erinnere mich an Straßenszenen am Ku’damm, präsentiert von Laura. Die da kürzlich – am lauen Samstagabend – mit dem Rad unterwegs war. Und einen Radler beobachtete, der seinen Vordermann beim Anfahren leicht touchierte. Dieser Vordermann sei regelrecht ausgeflippt: „Du Idiot“, habe er den anderen angemacht. „Kannst nicht Rad fahren?“ Und der andere: „Hej, sach mal, geht’s noch? Wenn einer es nicht kann, dann du.“

    Provokation – Eskalation. Laura fuhr weiter. Um kurz danach fast umgefahren zu werden. Von einem auf der Busspur extrem beschleunigenden getunten Mercedes, in dem drei junge, arabischstämmig aussehende Männer saßen. Im Wettrennen mit einem Porsche auf der anderen Spur: Insassen: Zwei junge, arabischstämmig aussehende Männer.

    Und ich denke so: Boah, wie rassistisch! Die Beobachtung von Laura aber bestätigt Felix: Es sei wie in einem klischeebeladenen, schlechten Film gewesen: Zig PS-starke Autos hätten auf dem Boulevard quasi promeniert. Die Insassen – meist junge, arabischstämmig aussehende Männer. Voller Testosteron. Und PS. Sagt er. Toxische Mischung. Denke ich.

    Ich frage mich so: Ist Provokation aber vielleicht auch ein Stück Mentalitätssache? Meine Nuria tourt an der Amalfi-Küste in Italien. Ein Freund von ihr fuhr seinem Vordermann mit seinem Auto auf. Leicht. Dieser Vordermann sei ausgestiegen, Kippe im Mundwinkel. „Bei mir ist ja fast nichts passiert, tut mir leid, dass Euer Vorderlicht kaputt ist“, habe er dann lächelnd gesagt. Und sei weitergefahren.

    Provokationen gibt es überall, auch im Großen, in der Weltpolitik.  Erst lässt Kremlchef Putin Drohnen und Kampfjets über Nato-Gebiet fliegen. Dann gab es vor wenigen Tagen einen Hackerangriff auf mehrere europäische Flughäfen. Und nun:  In der vergangenen Nacht legten mehrere Drohnen den Flughafen von Kopenhagen lahm. Ein ähnlicher Vorfall wurde aus Oslo gemeldet.

    Dänemark und Norwegen sind wichtige Unterstützer der Ukraine. Der ukrainische Präsident Selenskyj zumindest scheint sicher: Russland sei der Drahtzieher dieser Attacken.

    Und ich denke so: Könnten Provokationen Putins sein. Um Nato-Reaktionen zu testen. Und – ein weiterer Effekt: Die Bevölkerung der westlichen Staaten wird verunsichert. Die einen schreien: „Schnell aufrüsten“. Die anderen: “Jetzt verhandelt endlich.“ Die Spaltung schreitet voran. Optimal für Putin. Denke ich so.

    Ich bin-  leider – eher ein Schisser – und Appeaser. Auch wenn ich weiß, das kann und wird oft ausgenutzt. Vor allem von Diktatoren. Wie Coco. Aber: Ein Putin ist sie naturally nicht. Sie setzt sich neben mich. Ich lasse sie gewähren. Und wir schauen gemeinsam in die Sonne. Und chillen.

  • 22. September 2025

    Über Notlügen und eine Heiligsprechung in den USA

    Klar, Katzen und Kater mögen Klettern. Hoch hinaus. Für den fun. Mensch hat fun, wenn er unsereins emporhebt. Mit ungeschicktem Griff unter die Vorderpfoten lässt er uns in der Luft rumhampeln. Und amüsiert sich. Über unsere Hilflosigkeit. Denkt, wir goutierten die Höhe. Merkt nicht, dass für uns der Weg das Ziel ist. Und wir es hassen, die Selbstkontrolle zu verlieren. An ihn – den Menschen.

    Allein. Der rafft es nicht. Weil er es so sweet findet. Wie wir schwebend zappeln. Und ich denke so: Selbst wenn wir es dem Menschen sagen könnten, dass wir das hassen, er würde es nicht akzeptieren. Weil er Wahrheiten, die nicht ins Weltbild passen, nicht sehen will. Und umdeutet.

    Alles also auf Lüge aufgebaut. Leben, Liebe, Leidenschaft?! Obwohl da natürlich wieder die Frage ist: Wer entscheidet, was Lüge ist? Was Wahrheit? US-Präsident Trump etwa? Auf seinem so called eigens von ihm geschaffenen Online-Sprachrohr Truth Social? Really: Truth!!!

    Oder ich? Wenn ich meine Leute linke. Indem ich so tue, als ob ich sie abgöttisch liebe, schnurre, um die Beine streife. Und ich sehe, dass sie mir meine Liebe glauben wollen, Und aus Dankbarkeit Leckerli geben. Und dass das Einzige ist, worum es mir geht. Völlig egal, von wem es kommt. Ok, abgesehen von meiner Bruna… Die mag ich. Vom Herzen. Really.

    Felix und Laura reden auch über den Sinn von Lügen – inspiriert durch ein Theaterstück, in dem sie waren. Mit dem Titel: „Die Wildente“. Von Ibsen. Vor mehr als 140 Jahren geschrieben. Aber aktuell. Da auch die Wirkmacht der Notlüge im Fokus steht. Und gezeigt wird, wie ein Wahrheitsfanatiker Lebenskonstrukte zerstört, indem er Lügen enttarnt – und alles noch viel schlimmer macht.

    Klar. Ist. Mir: Menschen sind unverbesserliche Lügner. Vergangene Nacht feierten bei einer absurd wirkenden Trauerfeier Tausende Menschen den Abschied vom erschossenen Trump-Unterstützer Charlie Kirk. Der dort hochstilisiert wurde zu einem Heiligen, einem Märtyrer.

    Der US-Präsident nutzt, benutzt den Tod, um den Hass gegen Gegner anzustacheln. Behauptet: Kirk sei von einem kaltblütigen Monster erschossen worden, verantwortlich seien radikale linke Spinner. Und ich denke so: Woher weiß er das – wo das Motiv für die Tat noch unklar ist.

    Coco strampelt. In den Händen meiner Bruna. Weit oben. Bis Bruna endlich ein Einsehen hat. Und Coco langsam herablässt. Die dann Brunas Hand leckt. Und mit den spitzen Milchzähnen reinbeißt. Zärtlich. Versteht sich. Auch schmerzlich. Ehrliche Gefühlswallungen eben. Oder so.

  • 21. September 2025

    Über volle und leere Gläser

    Der Blick ins Wasserglas ist immer spannend. Und manchmal sogar prickelnd. Egal, ob halb voll oder halb leer. Es kitzelt. Und das mögen alle Kitten gerne. Auch Coco. Natürlich.

    Diego ist 10.000 Kilometer von mir entfernt. Auf der Ilha Grande vor Rio. Und bei ihm ist es ähnlich. Brasilien: Prickelnd. Im Glas verteilt: Einsamkeit und Unabhängigkeit. Mal so, mal so. Morgens überwiegt die Unabhängigkeit, beim Start zur Wanderung auf einen Berg; abends aber dann die Einsamkeit.

    Wenn niemand da ist, um über den Aufstieg um 1 Uhr morgens auf den 1.000 Meter hohen Berg zu schwadronieren, auf dessen Gipfel er vier Stunden später stand, um einen großartigen Sonnenaufgang zu erleben. Prickelnd. Glas voll.

    Aber umkippend, als er an die kommende Woche denkt. Dann nämlich wird er zurück sein. In Deutschland. Im Herbst. Nach zweieinhalb Monaten. Glas leer. Wobei ich echt sagen muss. Ich freue mich. Auf ihn. Weil er der Kuschler vor dem Herrn ist.

    Auch Staaten können einsam sein. Israel. Wird von der Weltgemeinschaft mehr und mehr isoliert. Weil kaum noch jemand den Krieg gegen die Hamas im Gazastreifen nachvollziehen kann. Mit dem unermesslichen Leid für die Zivilbevölkerung. Rund 75 Prozent der 193 Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen erkennen mittlerweile einen Staat Palästina an.

    Heute kam Großbritannien dazu, auch Kanada und Australien. Morgen will Frankreich den Schritt tun. In der Hoffnung, Schwung für eine Zweistaatenlösung – also einen Staat Palästina neben einem Staat Israel – zu kreieren. Allein: Israel will nicht. Sieht darin eine Belohnung für die Gräueltaten der Hamas-Terroristen am 7. Oktober 2023, als diese 1.200 Israelis massakrierten. Der stärkste Verbündete, die USA, stehen weiter unverbrüchlich an Israels Seite. Und auch Deutschland will einen Staat Palästina nicht anerkennen.

    Wobei klar ist: Ein solcher Schritt ist eh eher von symbolischer Bedeutung. Es gibt kein palästinensisches Staatsgebiet. Palästina beansprucht das Westjordanland, Ost-Jerusalem und den Gazastreifen. Durch Israels Siedlungsbau ist aber nur eine Art Flickenteppich von diesem Gebiet übrig. Glas leer. Denke ich so. Da prickelt nichts mehr.

    Und ich sehe, dass Coco ihre Schnauze nicht mehr aus dem Glas bekommt. Anfängerfehler. Denke ich so. Während Cocos Körper von einem Schauder erfasst wird. Und sie niesen muss. Voll ins Glas. Das nun wie in Zeitlupe kippt. Ich springe weg. Mag Wasser nicht. An meinen weißen Pfoten. Glas leer. Coco frei. Läuft zu mir. Meine Einsamkeit ist weg. Nice.

  • 20. September 2025

    Celebrate Youth und die Wucht von Fridays for Future

    Celebrate youth! Es ist unglaublich, herrlich. Diese Kraft. Die mitreißt. Energie ohne Ende. Ein einziger Flow. Wie Coco wirbelt. Um mich herum. Um ihre eigene Achse. Sprung. Sturz. Und schon wieder in der Luft. Ich lasse mich mitreißen. Von dieser ungestümen Wucht. So krass. So geil.

    Auch der Alte ist beeindruckt. Von Coco. Und ihrer Unbekümmertheit. Die so krass groovt. Und tatsächlich, heute ist Felix endlich auch mal wieder beeindruckt von Menschen. Junge Menschen. Die ähnlich leidenschaftlich, wild und frei wie Baby Coco sind.

    Heute war Fridays for Future. Am Samstag. Kundgebungen und Demos weltweit, auch in Berlin. Mitorganisiert vom Cousin meiner Bruna, von Karl. Und Felix? Ist mittendrin. In der Jugend. Enthusiasmiert. Von dieser. Offenbar, weil er sieht: Diese hat ein echtes Anliegen. Für eine bessere Welt. Brennt dafür. Und reißt mit. Mit ihrem Elan. Ihrem Willen, ihrer Hoffnung, ihrer sympathischen Coolness. Rund 4.000 Menschen sind gekommen. Erwartet worden waren 1.500.

    Sie kämpfen für mehr Klimaschutz. Für erneuerbare Energien. Gegen fossile Brennstoffe. Gegen Gas. Die Bewegung ist nicht nur jung. Sondern auch weiblich geprägt. Aber: Es sind nicht nur junge Menschen, die Felix mitreißen. Nein, es sind auch Opas und Omas gegen Rechts dabei – wie er. Und Eltern for future. Und Naturschutzorganisationen wie der BUND oder WWF.

    Und Promis, wie Grünen-Chef Felix Banaszak oder die Aktivistin Carla Reemtsma, die auf der Abschlusskundgebung ruft: „Wir ziehen die rote Linie gegen immer mehr Klimazerstörung. Wir sind der Wandel.“

    Sie alle laufen durch die Friedrichstraße, vorbei an Ferraris und Rolls-Royce-Karossen. Und an Fastfood-Läden, in denen auch gelangweilte und krass aufgemotzt gestylte Jugendliche rausglotzen. „Was ist denn das?“ Fragen sie. „Demo eben. Voll öde.“ Sagen sie. Zupfen ihre Augenlider. Und stürzen sich einen Red Bull herunter.

    Während neben ihnen der Schlachtruf dröhnt: „Unsere Zukunft ist nicht verhandelbar.“ Und: „Climate justice, now.“ Und: „Erneuerbare Energien.“ Und: „Klimaschützen ist kein Hobby, nieder mit der Gaslobby.“

    Die Klimaschützer lassen sich nicht aufhalten. Schreien ihr Anliegen in die Welt. Viele Passanten bleiben stehen. Applaudieren. Einige laufen mit. Mitgetragen. Von der Welle. Und Karl glücklich: „Man hat uns totgesagt. Wir leben noch, Klimaschutz interessiert doch noch.“

    Und dann schreit er: „Wir sind hier, wir sind laut, weil ihr uns die Zukunft klaut.  Wir haben die Hoffnung nicht verloren, dass es sich noch wenden kann. Und irgendwann werden wir in einer klimagerechten Welt leben, Leute.“

    Mich hat es tatsächlich auch erwischt. Es gibt Plakate mit der Aufschrift: „Save the Earth. It’s the only Planet with Cats.” Recht haben sie. Die Menschen. Coco rast mich um. Ich sie. Ich liebe Jugend. Diese Kraft. Diese Reinheit. Bin im Flow. Groß. Und ich fliege mit. In die Jugend. Hoffnung. Endlich. Youth!

  • 19. September 2025

    Schwankende Matratzen und Cancel-Culture

    Angst fühlt sich nie gut an. Obwohl sie natürlich lebensrettend sein kann. Weil sie dafür sorgt, nicht zu große Risiken einzugehen. Und notfalls zu fliehen. Jüngstes Beispiel: Ichkraxle so auf die an die Wand gelehnte Matratze. Coco sitzt unter mir, mich anhimmelnd. Nicht lange, denn sie antizipiert Gefahr, als das Ding mit mir zu schwanken beginnt. Bekommt Schiss, macht einen krassen Hechtsprung zur Seite, bevor ich mit Matratze neben ihr niederknalle. Bass erstaunt.

    Diktatoren erzeugen bewusst Ängste. Um Gegner einzuschüchtern und sich an der Macht zu halten. Und auch: Weil Verängstigte Schutz, Orientierung und möglichst einfache Antworten suchen. Die sie dann – vermeintlich – bei starken Anführern glauben zu finden. Beispielsweise bei US-Präsident Trump.

    Mit der Angst-Masche versucht er auch, die Medien unter seine Kontrolle zu bringen. Er droht Entlassungen und Lizenzentzüge an – und setzt darauf, dass sich deswegen einige Journalisten eine Selbstzensur auferlegen – um nicht Opfer zu werden. Denn: Wer nicht spurt, dem kann es dann so ergehen, wie dem eben suspendierten Nate-Night-Talker Kimmel.

    Auch hierzulande schreitet die Polarisierung voran. Da ist eine Jung-Journalistin namens Julia Ruhs. Die bewusst die konservative Seite bespielt. In einem Talk namens „Klar“. Jetzt ist es zu einem Eklat gekommen, weil die Sendeanstalt NDR nicht will, dass sie da weitermoderiert. Kritiker werfen ihr Rechtspopulismus vor. Nachdem sie unter anderem die Brandmauer gegen die AfD kritisiert hatte.

    Und jetzt: Aufschrei. Das sei Cancel Culture der öffentlich-rechtlichen Sender. Monieren die eine. Das sei zutiefst enttäuschend, moniert die Betroffene, die immerhin für den Bayerischen Rundfunk weitermachen darf. Während die Gegenseite über gelebte Programmfreiheit jubelt.

    Und ich frage so: Puuh, ist das alles verbittert. Verhärtet. Und emotionalisiert. Während zugleich die Journalistin Dunja Hayali eine rechte Hasswelle aushalten muss. In der ZDF-Nachrichtensendung „heute journal“ sagte sie nach dem Tod des rechten Trump-Influencers Charlie Kirk: „Dass es nun Gruppen gibt, die seinen Tod feiern, ist mit nichts zu rechtfertigen, auch nicht mit seinen oftmals abscheulichen rassistischen, sexistischen und menschenfeindlichen Aussagen.“

    Die Aussage ist belegt. Aber: Es ist gefährlich geworden, sich in der Öffentlichkeit zu positionieren. Weil die Hasswelle prompt folgt. Um einzuschüchtern. Vor allem, wenn man dann auch noch wie Hayali Migrationshintergrund hat und lesbisch ist. Offenbar.

    Und ich springe von der Matratze ab. Bin weich gelandet. Auf zu Coco. Die längst keine Angst mehr hat. Weder vor der Matratze noch vor mir. Und gechillt da liegt. Gute alte Angst.

  • 18. September 2025

    Framing, Toben und Zensur in den USA

    Wenn ich geframt werde und Felix immer wieder fälschlicher Weise behauptet, ich würde mich wegen Cocos Ankunft in meinem Revier wie ein beleidigter Kater tumb zurückziehen, würde ich ihm am liebsten eine mit der Pfote patschen. Mit ausgezogenen Krallen. Um ihn mundtot zu machen. Weil das Quatsch ist. Und er mir ein Image verpasst, das ich nicht mag. Und das nicht stimmt. Ich bin weder stoffelig noch beleidigt, eifersüchtig oder gar ein Sensibelchen. Sondern einfach nur vorsichtig. Weise eben. Und weiter extrem aktiv. Kommunikativ. Verspielt. Really.

    Und ich wundere mich mal wieder, wie wenig Mensch zur Selbstreflektion fähig ist. Sie selbst – meine Leute – stellten sich noch vor wenigen Wochen sowas von an. Und weinten, weil ihre Intimsphäre weg sei. Als der 17-jährige ukrainische Flüchtlingsjunge Denis bei uns wohnte. Nur für sieben Monate. Bis Mai. Und sie so – jammernd: „Ach, das halten wir nicht aus.“ Während in seiner Heimat die Raketen einschlagen. Nun, ich dagegen bin offen. Zu Coco. Lasse mich provozieren. Von ihr. Zum Spiel. Toben. Ist. Nice. Really.

    Ja, Framing –  also durch gezielte Wortwahl die Wahrnehmung anderer zu „rahmen“ und zu beeinflussen – ist so eine Sache. Diktatoren machen das, um ihre Sicht der Dinge durchzusetzen. US-Präsident Trump macht das. Was sein Recht ist. Aber er versucht nun, auch die Medien so hinzukriegen. Dass sie nach seinem Gusto berichten. Wie er das macht? Indem er alle Medien und Journalisten, die ihn kritisieren, als linksradikal brandmarkt. Und dann versucht, sie zu bestrafen.

    Ein paar Beispiele: Bereits im Februar verwehrte er der renommierten US-Nachrichtenagentur Associated Press den Zutritt zu Pressekonferenzen ins Weiße Haus. Weil die sich geweigert hatte, den Golf von Mexiko fortan – wie von ihm befohlen – Golf von Amerika zu nennen. Really. Auch andere Medienvertreter flogen aus dem Regierungssitz, dafür erhielten rechtsgerichtete Vertreter von Onlineportalen Zutritt. Öffentlichen Rundfunksendern strich Trump bereits zugesagtes Geld.

    Vor wenigen Tagen verklagte Trump die US-Flaggschiffzeitung „New York Times“ auf 15 Milliarden Dollar Schadenersatz, weil diese ihn vor der Wahl 2024 unfair behandelt habe. Really. Unfair. Sagt Trump. Und klingt damit wieder mal wie ein Kind auf dem Spielplatz. Das einem anderen heulend vorwirft: „Du bist so unfair. Hast meinen Bagger weggenommen.“

    Nun setzt der Sender ABC – unter Druck von Regierungsbehörden – vorläufig die beliebte Late-Night-Show mit Starmoderator Jimmy Kimmel ab. Der hatte zuletzt Trumps Make-America-Great-Again-Bewegung in Zusammenhang mit dem Attentat auf Trump-Unterstützer Charlie Kirk kritisiert. „Tolle Neuigkeiten für Amerika“, jubelt Trump auf seiner Plattform Truth Social. Und fordert, weitere Shows ihm unliebsamer Moderatoren abzusetzen.

    Weniger tolle Nachrichten sind das für die Meinungsfreiheit. Denke ich so: Zensur in den USA. Würde ich nicht dulden. Und zeige es allen. Tobe krass mit Coco rum. Spüre ihre Pfote in meinem Face. Ach Baby, denke ich so. Und dann stehe ich über ihr. Lege die Pfote auf sie. Strike. Alles ruhig. Und Sieg.

  • 17. September 2025

    Hunger, Nuria in Rom und Israels Offensive

    Hunger ist die größte Antriebskraft. Eigentlich für alles. Wieder mal eindrucksvoll zu sehen. Bei unserem Baby Coco. Sie ist auf Nahrungssuche. Überall. Erforscht dafür neue, ihr unbekannte Wege. Auch über den Espresso-Automaten. Und der Weg. Ist tatsächlich ein guter. Denn er führt direkt: Zur Dose mit den Super-Leckerlis. Leider, leider: Verschlossen.

    Enttäuschung? Frust? Bei Coco? Fehlanzeige. Vielmehr Action. Dazu gleich mehr. Vorher will ich vom anderen Hunger erzählen. Vom intellektuellen Hunger. Mein Beispiel hierfür: Meine Nuria. Sie ist mittlerweile in Rom angekommen. Will dort ihr Italienisch verbessern. In einer Sprachschule, drei Wochen. Alles finanziert von ihrer Studienstiftung. So weit, so nice.

    Zwar sei es nicht einfach, auf Italienisch zu erklären, warum viele Linke gar nicht so frei in ihrem Tun seien, wie sie vorgäben, erzählt Nuria. Weil eben ihre eigenen Vorgaben sie einschränkten. Und sie mit der von ihnen bei anderen geforderten Toleranz bei sich selbst oft Probleme hätten. Und you see: Das Thema ist selbst auf Deutsch komplex. Sie habe es aber doch hinbekommen, stotternd, auf Italienisch, ihre Meinung darzulegen, sagt Nuria.

    Lernen durch Sprechen. Auch wenn sie keine Ahnung von der Grammatik habe. Das werde dann schon kommen. Glaubt sie. Und der Glaube, der kann Berge versetzen. Weiß schon die Bibel. Oder so.

    Nun, lasse pronto das ich stehen so mal. Man versteht mich ja auch so… Und ich wage es kaum, jetzt diesen Sprung zu machen – mache es aber doch, bin ja ein Kater. Also: Der von mir geschilderte „Wohlstandshunger“ hat naturally nix mit echtem Hunger zu tun. Mit dem, den die Menschen im Gazastreifen aushalten müssen.

    Die Israelis haben vor zwei Tagen tatsächlich ihre Bodenoffensive auf die Stadt Gaza gestartet, wo noch Hunderttausende Menschen verharren. Viele von ihnen können gar nicht fliehen. Weil ihnen das Geld fehlt. Um beispielsweise für Leihwagen zu bezahlen.

    Und ich denke so: Hoffentlich stellt mich jetzt niemand in die antisemitische Ecke. Weil ich das Leid der Palästinenser referiere. Ohne zu sagen: Auslöser des Kriegs war das grausame Massaker palästinensischer Terroristen am 7. Oktober 2023. Und nun wollen die Israelis die islamistische Terrororganisation Hamas vernichten. Die Tunnels unter der Stadt Gaza zerstören.  

    Ich kann nur sagen:  Ich bedauere. Alle. Opfer. Von denen die meisten überhaupt nichts dafür können, in diese grausame Lage gekommen zu sein.

    Zurück zu Coco. Deren Auge wieder glänzt, deren Nüstern wieder frei sind. Nach der Tierarzt-Spritze gestern. Action also. Sie ist schlau. Wischt mit der Pfote gegen das Leckerli-Glas. Das dröhnend auf den Boden kracht., Und sich entlädt. Festschmaus also. Für sie. Aber auch für mich. Dank. An. Sie.

  • 16. September 2025

    Über Vorbilder und weinende Kanzler

    Komisches Wort: Vorbild. Was dann wohl ein Nachbild ist? Nun – klar weiß ich, was ein Vorbild ist. Etwas, was man cool findet, dem man nacheifert. Allein: Ich habe sowas naturally nicht. Bin es nur. Sach ich mal in aller Bescheidenheit. He he. Denn Baby Coco. Will wie ich sein. Ahmt mich nach. Faucht. Wie ich. Es ihr beigebracht habe. Löwe eben.

    Diego hat in Brasilien ebenfalls ein Vorbild gefunden. Erzählt er. Seinen Kite-Surf-Trainer. Ein 25-jähriger Franzose, der wie Diego auch Sport studiert. Der sommers am Atlantik Kite-Kurse gibt und winters in den Alpen als Skilehrer arbeitet. Traum, Alta. Sagt Diego. Und ich denke so: Als ob ich Sonne, Leckerli, Chillen und meine Bruna gleichzeitig hätte. Oder so.

    Coco sitzt über mir. Auf dem Küchentisch. Hat gelernt – wer oben ist, ist Boss. Und das ist sie: Löwe eben. König der Tiere. Die sich aber auch zusammenreißen können:  Eben hat sich Coco beim Doktore eine Spritze abgeholt. Mit Antibiotikum. Gegen das tränende Matschauge. Und da war sie vorbildlich brav war. Erzählt meine Bruna.

    Auch beim Deutschland-Boss, Bundeskanzler Merz, tränte das Auge. Bei der Wiedereröffnung einer Synagoge gestern Abend zeigte er sich emotional – und weinte, als er an die Verbrechen der Nazis erinnerte.

    Ich kann nicht weinen, obwohl ich es so gerne so manches Mal wollte. Und denke so: Stark, wenn Politiker mal nicht so rational sind. Und Gefühle zulassen. Ein bisschen wie damals Willy Brandt. 1970 beim Kniefall von Warschau. Eine Geste der Versöhnung zu Polen. Mein. Auge. Tränt. Nicht. Auch wenn ich es will.

    Gefühle. Haben meine Alten heute auch. Für einen Löwen. Einen Menschen-Löwen. Der heute starb. Ein Idol. Robert Redford. 89.

    Sie sagen, er sei ein charismatischer, einzigartiger Schauspieler gewesen. Seine Kollegin Meryl Streep bezeichnet ihn als Löwen. Dabei war er eigentlich Pferdeflüsterer. Wenn man seinen Filmen glauben darf. Sicher sei, sagen meine Leute: Er sei ein mutiger Rebell gewesen.

    Und nun: Kommt Coco zu mir. Will mich hauen. Und ich denke so: Nein danke. So kopieren muss sie ihr Vorbild – mich – doch nicht. Und zucke zurück. Biete ihr ein Küsschen an. Vorbildlich. Eben.

  • 15. September 2025

    Über das Vergessen und die AfD

    Vergessen ist eine Gnade. Wer könnte ertragen, sich immer daran zu erinnern, was so geschehen ist. Wenn ich da mal bei mir beginne: Motten nicht nur töten, sondern zuvor quälen, meinen alten Kompagnon Moro piesacken, an den Beinen von meiner Bruna kratzen. And so on. And so on. Besser vergessen. Statt mich mit ohnehin verfälschten Memories zu quälen. Und die Menschen erst. Die vergessen – Kriege, Genozide, Morde, Lügen…

    Vergessen ist aber auch irgendwie traurig. Weil eben alle vergessen. Und daraus folgt, dass es die Wahrheit über die Vergangenheit nicht gibt. Weil jeder seine eigene hat. Und sie – diese Wahrheit – für richtig hält. Memories – absolut subjektiv. Und damit gefährliches Konfliktpotenzial.

    Ein banales Beispiel: Bis kurz vor seinem Tod vor zwei Monaten wollte ich mit Moro spielen, spielen, spielen. Oder zumindest kuscheln. Mit ihm. Er nicht. Er wollte chillen, chillen, chillen. Und seine Ruhe. Vor mir. Und ich dachte so: Was ich Gesellschaft mit Katzen vermisse. Was ist das für ein Stoffel-Kater, dieser Moro…

    Jetzt ist Klein-Coco da. Rast um mich herum. Wirft sich auf mich. Und ich? Hocke da wie eine Sphinx. Beobachte nur. Weise sie Moro-like ab. Als ob ich nun Moro und sie mein Ich vor zwei Monaten wäre. Damals dachte ich so über Moro, der mit seinen fünf Lenzen ja auch noch jung war: Was ist das denn für ein Bock – ähh, Kater? So will ich nie werden. So bin ich nun. Trotz Memories.

    Vielleicht ein besseres Beispiel: Über Menschen. Immer mehr Deutsche wählen Rechtsextremisten. Offenbar ohne zu reflektieren, dass es die Nazis vor gerade mal 80 Jahren waren, die einen Weltkrieg entfachten und sechs Millionen Juden ermordeten. Diese Wähler rechter Parteien wie der AfD vergessen. Offenbar. Extrem schnell. Oder aber: Sie wussten nie.

    Oder im Privaten: Beispielhaft ein Streit zwischen Nuria und meiner Bruna. Über meinen Namen. Nuria sagt, der sei ihre Idee gewesen, sie habe vor gut drei Jahren Charlie vorgeschlagen. Bruna ist entsetzt. Entrüstet. Nein, das sei ihre Idee gewesen.

    In den eskalierenden Streit übers Recht-Haben mischt sich ihre Mutter Laura ein: „Mädels – es war meine Idee, erinnert euch mal, ich habe das vorgeschlagen, weil er doch ganz in der Nähe von Checkpoint Charlie geboren wurde.“

    Vattter Felix sitzt nur da. Und ich sehe, dass er denkt, dass mein Name natürlich seine Idee gewesen sei. Während ich weiß: Charlie. War. Ich. Schon. Immer. Hehe.

    Puuh, alles immer so emotionalisiert. Sicher ist: Der Name Coco  war Nurias Idee. Bruna war für Luna. Laura und Felix für Chaplin. Der Name Coco setzte sich durch. Zum Glück. So war es. Really. Schwarz auf Weiß hier nachzulesen. Während ich Coco beobachte. So sweet. Wie sie langsam die Welt erobert.

    Auf meinem Stuhl liegend. Auf Felixens Zeitung posierend. Auf meinem Tisch-Sonnenplatz. Hach. Ich vergesse alles einfach. Macht es einfacher. Zum Chillen. Moros Trick. Übrigens.