Kategorie: Uncategorized

  • 27. November 2025

    Der unbeteiligte Dritte und Kampf gegen die AfD

    Mal wieder ruhig werden. Im Chaos der Welt. Denke ich so. Und packe mich auf die Decken, die auf dem Sofa liegen. Wild entschlossen: Mich. Nicht. Stören. Zu Lassen. Sondern einfach mal nur unbeteiligter Dritter zu sein.

    Und so kann ich hören, was meine Leute so labern. Der Cousin meiner Bruna, Karl, reist heute von Berlin nach Gießen. Trotz Stress und vieler Prüfungen im Studium. Er will dort sein. Um gegen die Neugründung der AfD-Jugendorganisation Generation Deutschland zu protestieren. Rund 50.000 Demonstranten werden erwartet.

    Der Mann, der Chef der Organisation werden will, wird vom Verfassungsschutz Brandenburg als gesichert rechtsextrem eingestuft. Typen wie er locken Tausende Jugendliche an. Denke ich entsetzt. Und lächle über Karl. Der auch Menschen anlockt. Für die Demo. Und denke so: So nice. Dieses Engagement. Für die gute Sache.

    Den Leuten der Generation Z, also den um die Jahrtausendwende Geborenen, wird von den Alten ja immer gerne vorgeworfen, sie seien zu sehr auf Individualität gepolt, wollten nicht mehr arbeiten und in der so gewonnenen Freizeit reisen und teuren Hobbys nachgehen. Und ich sehe mal wieder: Krasse Vorurteile. Viele Z-Leute sind trotz der ganzen Krisen in der Welt nicht desillusioniert. Und bringen sich ein. Voll engagiert. Zum Glück.

    Aber schnell sinkt meine Stimmung wieder – denn da ist die nächste schräge US-Russland-Story: Einige Medien veröffentlichten ein Transkript eines offensichtlich geleakten Telefonats zwischen dem US-Sondergesandten Witkoff und dem russischen Präsidentenberater Uschakow. Mitte Oktober soll das knapp fünfminütige Gespräch geführt worden sein.

    Der US-Mann gibt darin dem Russen Tipps, wie Kremldespot Putin seine Bedingungen für eine Waffenruhe im Ukraine-Krieg am besten US-Präsident Trump verkaufen könne. Er solle einfach Trumps 20-Punkte Gaza-Friedensplan als Vorbild nehmen, sagt Witkoff. Trump damit schmeicheln. Und sagen, dass es so ähnlich wie in Gaza auch mit der Ukraine funktionieren könne.

    Uschakow bedankt sich für die Tipps und verspricht, die Infos an seinen Chef weiterzugeben. Vor wenigen Tagen nun wurde der angebliche US-Friedensplan mit 28 Punkten für die Ukraine bekannt – ein Plan, der sich für viele wie eine russische „Wunschliste“ liest.

    Und ich denke so: Wie absurd: Da gibt der Amerikaner dem Russen Tipps, wie der Ober-Amerikaner am besten überzeugt werden kann. Ekel erfasst mich. Aber, stopp – heute soll mein ruhiger Tag sein. Siehe oben. Also lausche ich Diegos Geschichten. Der will beim Fußball-Bundesligisten Hamburger SV ein Sport-Managementpraktikum machen. Er will zwei Monate, der Verein drei bis sechs Monate.

    Natürlich sei das Praktikum unbezahlt, meinen Vereinsvertreter. Und nebenbei sei es unmöglich, was zu verdienen, denn er werde voll eingespannt sein. Und ich denke an die kickenden Millionarios. Durch deren Gehälter es offensichtlich nicht möglich ist, den „tatsächlich“ Arbeitenden ein paar 100 Euro zu lassen. Egal, Diego freut sich. Und ich auch. Geld ist eh überbewertet. Denke ich so.

    Wichtig sind Ruhephasen. Und Leckerli. Sagt der tiefenentspannte Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Chillt, Leute.

  • 26. November 2025

    Der transzendente Kater und Übersinnliches im Revier

    Wenn Coco so vor mir hin- und her hüpft, löst sich ihre Gestalt irgendwann auf. Schemen, Schatten, sehe ich nur noch. Denke, auch Kater können wie Gespenster wirken. Übersinnlich. Und ich kann auf sie reagieren. Weil ich immer einen Schritt vor ihr bin und antizipiere, was sie so vorhat.

    Wenn ich mich auf sie konzentriere. Merke ich, dass ich im Vorhinein weiß, wohin sie mich schlagen wird. Und weiche geschickt aus. Und sie? Staunt. Über mich – wenn das eine Katze könnte. Besser: Sie guckt deutlich irritiert. Ob ihrer Fehlschläge. So interpretiere ich ihren Gesichtsausdruck jedenfalls.

    Ich weiß, dass es andere Verbindungen zwischen Lebewesen gibt als die bekannten. Also, Sprache, Blicke, Gestik, Mimik…. Wenn Felix die Balkontür öffnen will, sitze ich bereits minutenlang davor. Um auf den geliebten, weil verbotenen Balkon zu gelangen.

    Wenn meine Bruna nach Hause kommt, steht Coco schon minutenlang und kötergleich vor der Tür – und wartet auf sie. Funktioniert auch unter Menschen: Wenn Laura sich vornimmt, ihre Cousine anzurufen, die sie seit Monaten nicht gesprochen hat, meldet die sich prompt zuvor. Verantwortlich dafür: Irgendwelche Schwingungen. Denke ich so. Übersinnlich. Nicht physikalisch zu erklären. Und weiche Cocos nächstem Schlag aus.

    Nun, die Oma meiner Bruna, Lotte, erzählt, sie habe gestern eine aus Indien in den 1960er Jahren von einer Indienreise mitgebrachte Elefantenskulptur ihrer Mutter in der Hand gehabt. Und habe sich an sie erinnert, wie sie in Kriegszeiten ohne Mann drei Kinder großgezogen habe. Vorhin rief Oma Lottes Schwester an. Und erzählt, sie habe ein Fotoband über Indien durchgeblättert. Und dabei intensiv an ihre Mutter und Lotte denken müssen. Energie.

    Heute sagte der Dirigent des Jugendorchesters meiner Bruna, in diesem Jahr werde wohl keine Reise gemacht. Er müsse immer alles organisieren, an seinen freien Wochenenden. Und die Finanzierung – auch dafür sei er verantwortlich. Sehr, sehr viel Energie benötige er. Den Dank erfahre er indirekt – Jugendliche, die mit leuchtenden Augen von ihren Erlebnissen in Brasilien berichten. Welt so kennenlernten. Und ich denke so: Wie schade, dass sich niemand berufen zu fühlen scheint, da mal mitzuhelfen: Geldgeber vor allem…

    Meine Bruna kommt vom Konfi-Unterricht. Da betreut sie als sogenannte Teamerin die Konfirmanden. Hete war eine Bestatterin da. Die erzählt habe, dass Hinterbliebene der Gestorbenen – wenn sie wollen – die Leiche waschen und ankleiden können. Um nochmal Kontakt aufzunehmen. Ins Jenseits. Denke ich so.

    Und dann peitscht mal wieder Cocos Pfote in meine Richtung. Ich biete ihre meine rechte Flanke. Damit sie endlich Ruhe gibt. Sie trifft. Und ich atme durch. Sagt der transzendente Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Chillt, Leute. Und sucht das Übersinnliche.

  • 25. November 2025

    Ich liebe Tolstoi und Putin liebt den Krieg

    Natürlich bin ich auch ein Bildungskater. Ein Fan der russischen Literatur. Also, der alten russischen Literatur. 19. Jahrhundert, you know? Leo Tolstoi. Krieg und Frieden. Mein Werk. Ich liebe es. Weil es so aktuell ist. Und jeder Leser wissen müsste: Gewalt ist shit. Bringt nur Leid und Schrecken. Also her mit dem Frieden.

    Und ich kugle mich mit Coco durchs Revier. Weiß manchmal nicht, wo Frieden aufhört und Krieg beginnt. Wenn sie mir die Zähne in den Pelz schlägt. Die Krallen um die Ohren haut. Ich dann aber spüre – und sehe: Okay, die Krallen sind eingezogen. Und dann noch als Zusatz eine Coco-Entschädigung: Ihre warme, raue Zunge, die über meine Nase gleitet. Also: Frieden. Kein Krieg.

    Kremldespot Putin scheint Tolstoi nicht zu kennen – oder fehlzuinterpretieren. Er lässt weiter töten. In der Ukraine. Obwohl gerade der US-Friedensplan verhandelt wird. Von dem Putin behauptet, der sei eine Verhandlungsgrundlage. Klar, weil er ja offenbar aus russischer Feder zu stammen scheint.

    Die Europäer und die Ukrainer haben nun mit den USA nachverhandelt. Klar sei, dass die Ukraine im Falle eines Friedens robuste Sicherheitsgarantien haben müsste, fordern sie. Was wiederum bedeutet, dass beispielsweise internationale Truppen in der Ukraine den Frieden absichern. Und dem Land weiter Waffen geliefert werden.

    Auf jeden Fall müsse die Souveränität des Landes gewährleistet sein, heißt es weiter. Und die Ukraine müsse selbst entscheiden, ob sie dann für einen solchen Plan stimme. Es dürfe keinesfalls über ihren Kopf hinweg entschieden werden.

    Klar, die Russen sind über die Nachverhandlungen nicht amüsiert. Europa habe bereits die Chance gehabt zu vermitteln und diese völlig versemmelt. Heißt es aus dem Kreml. Und: Moskau schätze nun eher Vermittler wie Belarus, die Türkei, Ungarn oder auch die USA. Und ich denke so – Staaten, angeführt von lupenreinen Demokraten – wie Putin selbst einer ist. Oh weia, die Despoten der Welt versammelt. Gruselkabinett.

    Dabei könnte es doch alles so schön sein. Wenn es allen so gut ginge wie Coco und mir. Und unserer einzigen Sorge, ob wir genügend Leckerli bekommen haben. Oder auch meine Leute. Also, materielle Wünsche hätten sie eigentlich nicht mehr. Sagt Felix so lapidar dahin.

    In seinem Kleiderschrank türmten sich nette und edle Shirts und Hosen – davon könnten noch zwei weitere Generationen zehren. Und Bücher habe er nun massiv ausgemustert. Denn zu mehr als Staubfängern seien die eh nichts nutze.

    Und. Ich. Bin. Entsetzt. Ob dieser Dekadenz. Springe auf die Kiste mit den ausgemusterten Büchern. Sehe das Cover von Tolstoi: Zerre Krieg und Frieden wieder raus. Es darf nicht wahr sein. Denke ich so. Wahnsinn. Selbst Felix. Verblendet.

    Weiter kann ich nicht denken. Spüre den stechenden Schmerz in meiner Flanke. Sehe Coco über mich kugeln. Ihre Kralle in meiner Seite. Spüre ihre spitzen Zähne. Spüre weitere Emotionen in mir steigen. Ärger. Wut. Verliere die Contenance. Und beiße zurück. Fest. Sie kreischt auf. Wild. Laut. Tut so gut. Sagt der kriegerische Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Chillt, Leute. 

  • 24.November 2025

    Wer bin ich und Lauras Suche nach dem Ich der Vergangenheit

    Früher war ich wild. Wollte nur spielen. Toben. Die ganze Zeit. An Angeln hängende Mäuse jagen. Wollte wie ein Pelzkragen um den Hals meiner Bruna hängen. Wollte meinen großen Bruder Moro piesacken. Und natürlich – ich wollte Leckerli. Heute will ich nur noch Leckerli. Der Rest ist abhandengekommen. Und ich kann kaum glauben, dass ich vor nicht allzu langer Zeit offenbar ein anderer Kater gewesen war.

    Behauptet auch Diegos Freund Bruno. Der länger nicht in meinem Revier war und nun sagt, er habe mich als schlanken, ranken Kater in Erinnerung, der spielfreudig mit ihm rumgetollt sei und dann endless gekuschelt habe. Er erkenne mich kaum wieder, wenn ich so bocklos von der Welt davon schreite. Und ich ahne, dass das nicht unbedingt ein Kompliment ist. Für mich. So wie Bruno guckt.

    Und ich kann mich nur trösten, indem ich mir sage, dass der Typ nun auch nicht allzu krass ist. Denn er ist der Mann mit der kaputten Schulter. Den eine kleine Welle in Peru aus dem Gleichgewicht riss. Und ihn zu Boden stürzen ließ. Zerschmettert. Die Schulter. Dereinst. Im August.

    Nun. Ich will nicht bösartig sein. Eigentlich ja auch so eine typische Alterseigenschaft. Und wende mich Laura zu. Die sich mit demselben Thema beschäftigt wie moi. Sie fragt sich, was sie denn früher wohl für ein Mensch gewesen sei. Sie sei sich aus heutiger Sicht darüber gar nicht mehr so im Klaren.

    Denn früher, so als 25- oder 30-Jährige, hätte sie sich nie vorstellen können, mal als Erzieherin zu arbeiten. Drei Kinder, zwei Katzen und einen Mann versorgen zu müssen. Damals habe sie eher von so was wie Selbstverwirklichung als Künstlerin und Frau gedacht. Wenngleich sie heute auch nicht mehr wisse, was sie sich darunter konkret vorgestellt habe.

    Klar, auch Familie irgendwie. Sagt Laura. Trotzdem sei es komisch. Da sie denke, dass ihr jetziges Lebensgefühl so sei wie damals. Also klar, mit viel mehr Erfahrungen. Und Lebensdellen. Aber eben, das Innere, das Feeling, das fühle sich gleich an. Wie mit 30. Sie könne kaum glauben, jetzt Mitte 50 zu sein.

    Aber auch klar, sie sei völlig anders drauf als damals. Die Veränderungen aber schreiten offenbar so schleichend voran, dass man sie selbst gar nicht bemerkt. Bewusst. Und nur noch staunt. Über sich. Sagt sie.

    Ich erahne, was sie meinen könnte. Goutiere, dass Bruno mich trotz seiner Abneigung streichelt. Und liebkost. Ohne Ende. Höre, dass Russland den von den Europäern überarbeiteten US-Friedensplan für die Ukraine ablehnt. Naturally.

    Und sehe, dass Coco es sich auf dem Abwasch bequem macht. Liegt auf dem Abtrockenhandtuch. Zwischen Kaffee-Siebträger und Reibe. Mit kirrem Blick. Allzeit bereit zum wilden Spiel. Pubertier eben. Sagt der erwachsene Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Chillt, Leute.

  • 23. November 2025

    Der Schrei und nackte Saunaerlebnisse

    Der Schrei. Nach Liebe. Aufmerksamkeit. Oder vor: Verzweiflung? Ich weiß nur: Ich kann Coco endlich mal verstehen. Wie sie da so posiert. Und ihr Maul weit aufreißt. Oder ist es einfach nur ein Gähnen? Egal. Ansteckend ist ihr Verhalten aber. Merke ich so. Als ich meinen schmerzenden Kiefer spüre.

    Meine Alten, Felix und Laura, weilen irgendwo in Hamburg. Chillen. Eigentlich also gut. Sind lernfähig. Wenn es darum geht, wie man gut lebt. Nun: Auch sie mögen es heiß. Wie ich. Sehr heiß sogar. Vergnügen sich in einer Sauna. Enjoyen da, wie sie hernach erzählen. Im Ruhebereich. In dem es erst mal ruhig ist, aber dann entsteht Unruhe.

    Zwei Leute kommen rein. Mit Rede-Reiz. Klar, sie unterhalten sich leise. So leise, dass in der Stille jedes Wort sich vielfach zu verstärken scheint. Und zu verstehen ist. Die Themen: Schmecken Burger in Leipziger Hotels? Oder: Ist es spannend, ohne Begleitung in einem Restaurant zu dinieren – weil man dann die Chance hat, Fremde zu stalken?

    Felix und Laura sind genervt. Was tun? Alle sich bietenden Optionen sind nervig: Nackt vor die Redenden treten und bitten, noch leiser zu reden – mit der Gefahr einer rüden Abfuhr? Oder gewähren lassen – locker bleiben, obwohl man selbst sowas von unlocker ist? Und der Nervfaktor sekündlich steigt? Irgendwann gehen die Speaker in eine Sauna. Ruhe. Und ich sehe, einfach mal was aussitzen, kann zur Lösung beitragen. Denn Mensch ist, egal wie es ist, immer unzufrieden. Liegt vielleicht in seinen Genen, denke ich weiter. Denn ohne Unzufriedenheit kein Fortschritt.

    Ob das stimmt? Ich spüre, dass ich es nicht kontrollieren kann. Mein Maul öffnet sich. Weit. Tiefes Ein- und Ausatmen. Tut so gut. Cocos Schrei. Ist berechtigt. Auch mit Blick auf den „Friedensplan“ der USA für die Ukraine. Mittlerweile stellt sich die Frage, wer diese 28 Punkte für „Frieden“ überhaupt formuliert hat.

    In den USA gibt es widersprüchliche Angaben dazu. Die Regierung behauptet, es sei ein US-Plan. Natürlich. Andere, sogar Republikaner behaupten, der „Plan“ sei eine Wunschliste Russlands. Von Moskau ausformuliert und der Administration von Präsident Trump übergeben.

    Nicht ganz unglaubwürdig. Denke ich so. Denn das Papier verlangt von der Ukraine große Zugeständnisse, während Russland so seine Kriegsziele auf diplomatischem Weg erreichen könnte – unter anderem den Gewinn von Gebieten, die es im Krieg gar nicht erobern konnte.

    Nichtsdestotrotz: Trump poltert ob der ukrainischen Zurückhaltung auf seinen „Plan“, das Land sei undankbar. Und Europa, so der US-Präsident, sei Mitschuld am Krieg. Da es diesen indirekt mitfinanziere, weil es weiter Öl von Russland kaufe. Und ich denke so: Da hat Trump ein Pünktchen – zwar gibt es in Europa Importverbote für russische Kohle und russisches Öl – aber es gibt auch Ausnahmeregelungen.

    Coco und ich reißen unsere Mäuler mittlerweile im Duett auf. Schreien. Nimmt Druck. Ist so entspannend. Sagt der gähnende Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Chillt, Leute.

  • 22. November 2025

    Alles eine Frage der Perspektive und mein unaufgeregte Bruna

    Alles ist eine Frage der Perspektive. Und die kann sich ständig ändern. Wenn ich ganz nah ranzoome, an Cocos Fell beispielsweise, sehe ich nur schwarz-orange-weiße Streifen. Sehe, dass ihr Pelz auf der Stirn asymmetrisch angelegt ist. Und wenn ich dann wegzoome. Sehe ich plötzlich eine ziemlich große Jungkatze vor mir. Die mich – größenmäßig, tatsächlich eingeholt hat.

    Die Europäer haben sich vom ersten Schock erholt, nicht in den 28-Punkte- US-„Friedensplan“ für die Ukraine eingeweiht gewesen zu sein. Und haben was Eigenes entwickelt. Eine eigene Perspektive. Denke ich so. Nun, Grundlage für potenzielle Verhandlungen sei der US-Plan. Sagen die Europäer. Aber klar sei, dass die Ukraine in Verhandlungen miteinbezogen sein müsse – und nicht die Großmächte über ihren Kopf hinweg für sie Entscheidungen treffen dürften. Ohne Zustimmung der Ukrainer und ihrer Unterstützer könne es kein Ende des Krieges geben.

    Und ich denke so: Hmmm, ob sich davon US-Präsident Trump oder Kremldespot Putin beeindrucken lassen? Die Europäer erklären weiter: Da bei dem „Plan“ Nato- und EU-Interessen betroffen seien, müssten auch diese Institutionen zustimmen. So heiße es ja zum einen, die Nato müsse erklären, sich nicht zu erweitern – und ich denke so: warum sollte sie? Die Europäer fordern zum anderen, auch sie müssten einbezogen werden, etwa wenn es darum ginge, was mit den eingefrorenen russischen Vermögen geschehen solle.

    Noch fünf Tage hat die Ukraine Zeit, sich für oder gegen den „Plan“ zu entscheiden. Sagt Trump. Falls die Ukraine dagegen sei, sei es mit US-Waffenlieferungen und Geheimdienstinformationen vorbei.

    Der ukrainische Präsident Selenskyj – innenpolitisch eh von einer Korruptionsaffäre gebeutelt – ist im Dilemma.  Er habe zu entscheiden zwischen dem Verlust der Würde oder dem Risiko, einen Schlüsselpartner zu verlieren – und das kurz vor dem Winter.  Sagt er. Und ich, ich denke, ich wüsste nicht, wie Selenskyj seine Perspektive auf das Dilemma ändern könnte. Klingt der US-„Plan“ doch, als ob er von Putin persönlich den Amis diktiert worden sei.

    Würde also. Meine Bruna hat sie. Sage ich aus der abgehobenen Perspektive des Hauptstadtkaters: Heute geht sie zu einem Konzert, in dem sie die Hauptrolle einnimmt – fiedelt souverän meinen Lieblings-Bach runter. Vollkommen unaufgeregt.

    Warum sie so souverän sei? Nun, ihre Alten Felix und Laura seien nicht wie sonst dabei, weil sie sich lieber in Hamburg ein schönes Weekend zu zweit machten. Sagt sie hernach. Das habe ihre Perspektive aufs Konzert verändert, sie sei vollkommen locker gewesen.

    „Ich war zu fünf Prozent aufgeregt“, sagt sie. Aber dann, dann sei überraschend Freundin Uma aufgetaucht – um sie zu unterstützen. Mental. Da sei der Aufgeregt-Pegel auf 20 Prozent gestiegen. Sagt meine Bruna.

    Und ich frage mich so: 20 Prozent bei einem Solokonzert vor Dutzenden Zuschauern? Klingt eigentlich tiefenentspannt. Aus meiner Perspektive. So sollten mal alle Menschen sein. Vor allem die Mächtigen. Aber deren Stresslevel pendelt offensichtlich andauernd nahe der 100-Prozent-Schwelle. Sagt der perspektivlose Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Chillt, Leute. Trotz allem.

  • 21. November 2025

    Ich bin bei mir und dem 28-Punkte-Plan für die Ukraine

    Ich bin ich. Fühle mich. Bin bei mir. Und das ist so gut so. Brrrr. Es schüttelt mich. Weil es so esoterisch klingt. Aber: Ein Gefühl nur deswegen nicht zu beschreiben, weil es fehlgedeutet werden könnte, ist bekloppt. Deswegen sage ich ganz laut: Ja, ich fühle Stärke, wenn ich mich auf mich konzentriere. Besinne. Mich spüre. Und so sitze ich da. Und sinniere.

    US-Präsident Donald Trump hat nun also einen 28-Punkte „Plan für Frieden“ in der Ukraine vorgelegt. Trump will – offensichtlich um jeden Preis – Frieden in der Ukraine. Was ja erst mal gut ist, denke ich so: Denn jeder Tag, an dem russische Drohnen und Raketen keine Ukrainer mehr töten, ist ein guter.

    Aber: Auch Frieden ist eine Frage des Preises. Wenn die Ukraine praktisch kapitulieren muss und Russland alle seine Ziele verwirklicht – was bei Umsetzung des „Plans“ der Fall wäre -, dann ist das fatal. Warum sollte Russland künftig seinen Vormarsch Richtung Westen stoppen? Wo es doch mit diesem Krieg und der gewaltsamen Verschiebung von Grenzen Erfolg gehabt zu haben scheint?

    Nun, zu Trump: Wenn ich diesen Mann anschaue, dann sehe ich einen absoluten Egozentriker. Ich unterstelle, dass ihn das Schicksal der Ukrainer nur am Rande interessiert. Er fühlt sich sicherlich gut – als Philanthrop – wenn er das Leid der meisten Ukrainer durch eine Waffenruhe erst mal lindern kann.

    Aber eigentlich ist klar, dass Trump andere Motive für seinen „Plan“ hat: Er will möglichst bald sowohl mit Russland als auch der Ukraine Deals, Geld, machen. Und vor allem will er – nach dem 20-Punkte-Plan für die Gaza-Waffenruhe – mit einem weiteren „Frieden“ seinem großen Ziel, den Friedennobelpreis zu bekommen, einen großen Schritt näherkommen. Sinniere ich mal so.

    Denn, was sagt dieser „Plan“, der Russlands Interessen fast 1:1 wiedergibt und den die Ukraine innerhalb einer knappen Woche bestätigen soll? Die Ukraine soll große Gebiet  im Osten des Landes abtreten, selbst von Teilen, die Russland militärisch nicht erobern konnte. Die Ukraine soll auf eine Nato-Mitgliedschaft verzichten. Ihre Truppengröße auf 600.000 Mann beschränken – derzeit sind es rund eine Million. Im Gegenzug verspricht Russland, die Ukraine nicht anzugreifen.

    Und ich denke so – oh, die Russen versprechen etwas – wer will das glauben? Zudem geben die USA Sicherheitsgarantien, die aber nicht näher erläutert werden. Ich lehne mich zurück. Sinnierend. Denke an München. 1938. Damals musste die Tschechoslowakei Gebiet an Hitler-Deutschland abtreten. Der britische Premier Chamberlain sprach von „Frieden für unsere Zeit“.

    Und ich denke so: Wie krass, wie paradox, die einzige Hoffnung der Ukrainer muss nun auf Kremldespot Putin ruhen. Dass der sagt, „das im „Plan“ genannte genügt mir nicht, ich will mehr“. Denn sein Ziel ist ja die Eroberung der gesamten Ukraine. Ein Russland in der Größe der Sowjetunion. Deswegen, so die „Hoffnung“, könnte Putin nicht auf den „Plan“ eingehen. Sondern den Krieg fortsetzen. So dass die USA mehr oder weniger zwangsläufig die Ukraine weiter unterstützen müssten.

    Nicht völlig ausgeschlossen. Dieses Szenario. Arme Ukrainer. Denke ich so. Und spüre mich. Weil ich in mir ruhe. Sagt der empathische Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Chillt, Leute!

  • 20. November 2025

    Ich bin ein Mumin und Trump ein Saudi-Fan

    Ich bin ein Troll. Oder besser: Ein Mumin. Denke ich so. Als ich auf die Postkarte voller Mumins blicke, die meine Nuria mir aus Freiburg geschickt hat. Die Mumins haben Wuschelschwanz, sind pelzig, klein und weiß – wie ich. Dazu sind sie weise, respektvoll, neugierig und freiheitsliebend – wie ich.

    Auf der Karte ist eine Mumin-Familie – die Eltern und drei Kinder – abgebildet, auf einem Floß sitzend vor der untergehenden Sonne. Möwen davor. Idyllisch wirkt es auf jeden Fall. Denke ich so. Um dann zu merken: Die fünf auf der Karte könnten auch meine family sein. Aber wo bin dann ich? Und – ok – wo ist Coco? Was will mir meine Nuria mit dieser Karte sagen? Intelligenter Eskapismus vor der Realität? Oder: Schiffbrüchig – ist das Ende nah?

    Ich höre, die USA sollen einen neuen „Friedensplan“ entwickelt haben. Um den russischen Angriffskrieg in der Ukraine zu beenden. Zusammen mit den Russen sollen sie den Plan ausbaldowert haben. Die Europäer hören heute das erste Mal davon. Auch der ukrainische Präsident Selenskyj war nicht involviert.

    Und ich denke so: Krass, wenn andere über dein Schicksal entscheiden. Und du noch nicht einmal gefragt. Was wohl ein Mumin dazu sagen würde?  „Du kannst diesen riesigen, großen Sturm auf dich zukommen sehen, und du kannst nichts dagegen tun.“ Antwortet mir einer der ihren.

    Der US-Plan sieht vor, dass die Ukraine große Gebiete ihres Territoriums abtreten soll – auch solche, die der Aggressor Russland nach über dreieinhalb Jahren Krieg nicht erobert hat. Und ich denke so: Warum tendiert die US-Regierung von Präsident Donald Trump so oft in Richtung von Despoten? Und höre meinen Lieblings-Mumin, Snufkin, sagen: „Wer einen andern zu sehr bewundert, wird nie richtig frei.“

    Nun, Trump scheint auch den saudi-arabischen Kronprinzen Mohammed bin Salman – kurz: MbS – zu bewundern. Der war mehr als sieben Jahre ein Paria – der US-Geheimdienst kam zu dem Schluss, dass der Kronprinz 2018 die Tötung des regimekritischen saudischen Journalisten Khashoggi in der Botschaft in Istanbul gebilligt hatte.

    Jetzt hob Trump die Isolation auf, lud MbS ins Weiße Haus nach Washington ein, nannte den Golfstaat einen großartigen Verbündeten und verteidigte den Kronprinzen. Der habe von dem Mord keine Kenntnis gehabt. Und ich höre Mumin Kleine My – mich anstachelnd im gerechten Widerstand: „Wenn du dich nicht wehrst, kannst du nicht gewinnen.“

    Tja, und dann lese ich die Karte meiner Nuria. Really: Ich kann lesen! Die Mumins stellen für sie für sie eine Art Zuhause dar. Weil sie früher abends in heimeliger Atmo vorgelesen wurden. Schreibt sie. Und mir wird warm ums Herz. Höre die Mumin-Tante sagen: „Ein Zuhause ist dort, wo man verstanden wird.“

    Spüre dann aber doch plötzlich eisige Kälte. Felix zwingt mich, mich zu erheben. Um die Postkarte gegen mich lehnen zu können. Und befiehlt mir, still zu halten. Fürs Foto. Für mein Tagebuch. Ich würde mich später drüber freuen. Wird nicht so sein. Weiß ich.

    Stattdessen freue ich mich über die Leckerli, die er mir fürs Posen gibt. Höre Mumin Snormaiden sagen: „Manchmal ist es gut, einfach den Moment zu genießen und nicht zu viel nachzudenken.“ Sagt auch der vertrollte Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Chillt Leute. Und denkt einfach nicht zu viel nach.

  • 19. November 2025

    Aus Grau mach bunt und Mission Impossible possible

    Es ist so verdammt kalt. So verdammt grau. Sage selbst ich. Der dauergutgelaunte Kateroptimist. Und hüpfe zu Diego. Der mit grauem Antlitz in der Küche sitzt und in Sudoku-Welten abgedriftet ist. Rolle mich auf seinem Schoß ein. Lasse mich kuscheln.

    Und alles wird: Bunt. Selbst sein Face leuchtet auf. Wie bei Felix und Laura – offenbar. Die auf ein Hip-Hop-Konzert gehen. Als ob sie jung wären. Trotz ihrer grauen Haare – bunt. Nun, die Band namens Stereo MC’s ist ihr Alter. 50 plus.

    Und ganz nice: Trotz des Alters versprühte die Band Energie. Sagen meine Leute. Das Grau zerschellt. Überall Sterne. Einzelkörper, die sich zur wogenden Masse verbinden.

    Getrieben vom stampfenden Beat des Drummers. Getragen vom harten Staccato des Sängers, untermalt vom lyrischen Sopran seiner Begleiterin. Higher. Und higher. Oder so. Rhythmisches Fieber. Energie ohne Ende. Schaukelt sich hoch zur Ekstase. Groß. Sagen meine Leute. Wie früher. Verdammt lang her eben. Denke ich so. 

    Und sehe meine energielose Bruna. Schlaff auf ihrem Bett hängend. Ankündigend, nicht mehr zur Schule zu gehen, Zehnte Klasse: Zu langweilig. Zu anstrengend. Zu grau. Zu kalt. Hätte auch eine Lehrerin bestätigt.

    Die habe erzählt, vor Jahren hätte sie auch das Angebot gehabt, als Gefängniswärterin im Hochsicherheitstrakt von Stuttgart-Stammheim zu arbeiten. Zu grau. Fand sie damals. Und habe den Job abgelehnt. Sie habe den Lehrerinnen-Job präferiert.

    Aber: Heute fühle sie sich wie eine Gefängniswärterin. In der Schule. Die auch grau sei. Weil die Schülerinnen und Schüler so unfrei seien. Gefangen im Notensystem. Im Klausuren-Stress. Im Lernen von unnötigen Dingen.

    Meine Bruna kuschelt mich. Und zusammen spüren wir die Energie fließen. Das Grau kracht. Zusammen. Bunt.

    Der Tag ist eigentlich gar nicht so übel. Denke ich so. Und sehe Grün ohne Ende. Denn Deutschland sagte auf der Weltklimakonferenz in Brasilien eine Milliarde Euro für den Schutz des Regenwalds zu. Damit er weiter atmet – die Lunge der Welt eben.

    Meine Alten – noch immer völlig losgelöst. Enthusiasmiert. Und nice: Meine Bruna und Diego: Gechillt. Und ich denke so: Mein Job ist getan. Mission Impossible possible gemacht.

    Alles ist bunt. Sagt der energetische und optimistische Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Chillt Leute. Und lasst das Grau bunt leuchten. Alles Ansichtssache. Oder so.

  • 18. November 2025

    Gras ist geil und der bekiffte Kanzler in Belem

    Gras ist geil. Frisch. Schmeckt würzig. So anders als Nass- oder dröges Trockenfutter. Da sind uns Coco und ich ausnahmsweise mal einig. Und so jumpen wir synchron auf den Tisch, auf den Katrin den Grastopf stellt. Und dann geht es los: Unser gemeinsames Grasen. Euphorie ergreift uns. Wir heben ab. Eskapismus.

    Und ich denke so: Vielleicht ist Gras das, was uns am meisten mit Menschen verbindet. Denn auch die lieben Gras. Vor allem jenes, das sie Cannabis nennen. Und dann rauchen. Riecht auch gut. Und ist geeignet, sie wegschweben zu lassen. Aus ihrem drögen Alltag. Seit gut anderthalb Jahren ist die Droge sogar teillegalisiert, das heißt, kleine Mengen – bis zu 25 Gramm – darf man dabeihaben. Zuvor war das verboten. Weil: Drogen eben – und damit gefährlich.

    In München dachte man nun wohl – nach dem Verbot ist vor dem Verbot. Auf jeden Fall verhängte die Staatsregierung kurz nach der Legalisierung ein Cannabisverbot für eine der größten Parkanlagen der Welt, den Englischen Garten. Begründung: Der Gestank. Jugendschutz. Und ich denke so: Waren die Politiker bekifft? Ein solch großer Park. Besser hier Kiffen als in der City…

    Zwei Männer klagten gegen das Verbot: Sie wollen überall Gras rauchen. Der eine sagt, nach einer Krebserkrankung sei er Schmerzpatient – und Cannabis seine Medizin. Der andere hat einfach Spaß am Gras. Und hasst es, eingeschränkt zu werden. Und ich denke so: Mensch habt ihr Probleme. Gönnt doch jenen, die das wollen, den Genuss. Und jene, die genießen, müssen eben Rücksicht nehmen. Damit sie niemanden belästigen. Aber das ist eine Utopie. Bei Menschen nicht umsetzbar.

    Sie verhalten sich infantil. Scheinen auch ohne Gras immer voll bekifft zu sein. Selbst der Kanzler. Merz. Der hatte sich nach seinem Kurztrip zur Weltklimakonferenz in Brasilien negativ über die Gastgeberstadt Belem ausgelassen. Er habe einige Journalisten, die mit ihm in Brasilien gewesen seien, gefragt, wer gerne dortbleiben wolle. Keiner habe die Hand gehoben. Sie seien alle froh gewesen nach Deutschland zurückzukehren. Man lebe in Deutschland „in einem der schönsten Länder der Welt“. Sagt Merz.

    Nun – was das beim Gastgeber auslöst? Pure Freude. Denke ich so. Und nehme einen Happs Gras. Pure Freude?  Nein, naturally not. Der brasilianische Präsident Lula meint dann auch so, Merz hätte in Belem in eine Bar gehen, dort tanzen und die lokale Küche probieren sollen, „denn dann hätte er gemerkt, dass Berlin ihm nicht einmal zehn Prozent der Qualität bietet, die der Bundesstaat Pará und die Stadt Belém bieten“.

    Und ich denke so: Oh, das trifft. Berlin ist doch cool. Und denke dann: Was für ein Kindergarten. Und: Wie unterhaltsam. Und: Wie unfassbar traurig – über Inhalte der Weltklimakonferenz dringt kaum was durch. Für den Aufschrei sorgen solche bekloppten Merz-Storys.

    Mein Breakeven-Punkt beim Gras ist erreicht. Noch ein Happen. Dann wird mir schwummerig vor Augen. Ich würge. Und entleere meinen Magen. Tut gut. Sagt der von innen gereinigte Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Chillt Leute. Und raucht Gras.