Autor: Hauptstadtkater

  • 7. Oktober 2025

    Ihr gedenkt euch zu Tode und eine ADHS-Katze

    Gedenken ist ja smart, damit man nicht vergisst. Wenn ich dann aber sehe, dass sich trotz Gedenkens nichts zum Besseren wendet, blicke ich doch lieber weg. Denke so: Ihr gedenkt Euch noch zu Tode. Und fühle mich dann dabei so bad.

    Heute ist der zweite Jahrestag des Massakers islamistischer Terroristen in Israel. Wo sie Menschen zerstückelten, Häuser zerstörten. Rund 1.200 Menschen wurden ermordet, 250 in den Gazastreifen entführt. Israel startete daraufhin seinen brutalen Krieg, zerstörte den Küstenstreifen. Rund 67.000 Menschen kamen ums Leben, die Heimat der rund zwei Millionen Menschen ist eine Trümmerwüste. Ob der Krieg bald endet? Zu oft wurde meine Hoffnung getäuscht, als ob ich noch daran glaube.

    Egal, was ich über diesen Krieg denke, ich fühle mich schlecht dabei. Und dass es so ist, macht es noch schlimmer. Weil ich Machtlosigkeit verabscheue. Die zum Weggucken verführt. Und ich das hasse. Mich hasse. Dafür. Wut, Verzweiflung, Erschöpfung. Frust. Depression. Selbst bei mir. Dem Hauptstadtkater.

    Und ich denke so: Es ist quasi sechs vor acht. Oder so. Seit 35 Jahren. Bei uns. Zu Hause. Sagt jedenfalls meine Laura. Und deutet auf die hinter mir hängende Uhr. Die einst jahrzehntelang im Eilenburger Chemiewerk tickte. Wo der Strom – und damit die an diesem Netz hängende Uhr – nach der Wende 1990 abgeschaltet wurde. Um 7:54 Uhr offenbar. Heute ist die Uhr Ausstellungsstück. Bei uns. Aber das ist ein anderes Thema, ein anderes Gedenken – zurück, zum Israel-Gedenken.

    Ich höre israelische Opfer von vor zwei Jahren. Die erzählen, wie die Hamas-Mörder in ihre Häuser eindrangen. Und töteten. Vergewaltigten. Erzählen, wie sie sich in Bunkern versteckten. Unfassbare Angst hatten. Die Angstschreie der Opfer hörten. Hörten, wie offensichtlich palästinensische Frauen und Kinder in ihren Häusern lachten und alles mitnahmen, was sie gut fanden. Traumatisch.

    Ich höre die palästinensischen Opfer im Gazastreifen. Die erzählen, dass viele Angehörige ums Leben kamen bei den israelischen Angriffen. Es nichts mehr zu essen gebe. Sie nicht mehr nur kein Zuhause mehr hätten, sondern auch keine Hoffnung mehr. Traumatisch.

    Und ich denke so: Irgendwie nur Opfer. Denen vorgeworfen wird, Täter zu sein. Und egal, wessen Perspektive ich teile, ich werde verurteilt. Für angeblich einseitige Perspektive. So dass ich Orientierung verloren habe.

    Es gibt nur falsch. Und selbst, wenn ich den vermeintlich kleinsten Nenner äußere: Beendet das Leid, das Töten, den Hunger, den Krieg. Es gibt Widerspruch. Weil ein sofortiges Ende bedeute – wird mir gesagt – dass die Hamas weiter existieren könne, Macht behalte. Und weiter versuchen werde, Israel auszulöschen.

    Und ich denke so: Ist aber doch auch naiv zu glauben, dass alles gut wäre, wenn die Hamas weg wäre. Der Hass bleibt doch. Und ich sehe: Ich weiß nicht, was richtig und falsch ist. Bin blockiert. Ist Schweigen die Lösung? Never.

    Und dann setzt Piet, der Freund meiner Nuria, diesem düsteren Tag die Krone auf. Sagt tatsächlich, er gedenke meiner abhanden gekommenen Jugend. Noch vor wenigen Wochen sei ich der Kuschelkater Nummer eins gewesen. Schade, dass ich mich so verändert hätte. Sagt er, der den Sydney-Olympia-Pullover der Oma meiner Bruna aus dem Jahr 2000 trägt – und der nun Coco anflirtet. Mit Knutschen und so. Mir wird übel.

    Und ich denke so: „Ich habe mich nicht verändert. Nur deine Wahrnehmung. Weil Coco nun da ist. Und eine ADHS-Katze ist, die ständig im Vordergrund stehen muss. Aber das zu sehen – dazu fehlt Mensch der Verstand. Lieber gedenken sie. Und gedenken. Finden das smart. Und töten. Trotzdem. Immer weiter.

  • 6. Oktober 2025

    Kuschelkatzen und Insta-Gedichte

    Coco ist so aufgeregt. Rastlos. Unstet. Nicht Katzen-like. Nicht gechillt. Springt auf mich. Kriecht unter mich. Unfassbar anstrengend. Für mich. Die Contenance zu wahren. Coco-Baby findet es offensichtlich cool, Gläser vom Tisch zu fegen, wenn sie nach einem Spurt nicht rechtzeitig stoppen kann. Oder meine Bruna zu Tränen zu rühren, weil sie deren Aufladekabel fürs iPhone kaputt geknabbert hat.

    Und ich so: Beobachte Coco. Versuche Ruhe zu übertragen. Und irgendwann, als ich schon lange im verbotenen Sessel – verboten: leider, leider, weil teuer und aufwändig renoviert, aber der hat nun mal so geile Kratzflächen, dass selbst ich mich nicht beherrschen kann  – nun, ich chille also da mein Leben.

    Und merke, wie Coco zu mir kommt. Sich ihr Kopf senkt. Auf meinen Pelz. Und ich denke so: Nice. Jedes Tierchen braucht sein Pläsierchen. Und das ist Nähe. Nähe zu anderen. Um Wärme zu bekommen. Und sich fallen lassen zu können. Ich spüre ihren ruhigen Atem.

    Laura erlebt die Suche nach Wärme jeden Tag – bei ihren Jugendlichen, die sie in der Psychiatrie betreut. Neu ist ein Zwölfjähriger dabei. Gestern wollte er sich von einer Brücke stürzen. Weil er keinen Sinn mehr sieht. In einer Welt, in der für ihn kein Platz zu sein scheint. Laura setzt sich neben ihn. Irgendwann nimmt sie seine kalte Hand. Sein Gesicht entspannt sich.

    Er redet. Sprudelt. Schildert, wie sein Held, ein Drogen-Junkie aus einer Netflix-Serie, sich den goldenen Schuss setzt. Und Laura so zu ihm: „Bis Ende der Woche schreib doch mal auf, warum du die Serie so gut findest – und stellst uns das in der Gruppe vor.“ Der Junge strahlt.

    Ernstgenommen. Ist er. Endlich. Denke ich so. Und vielleicht klappt es zwischen den Generationen eh besser, wenn man versucht, auf Augenhöhe zu agieren. Die einen mögen Lyrik. Vor allem die Alten. Die anderen Instagram. Vor allem die Jungen. Und nun gibt es eine junge Frau, von der meine Bruna schwärmt, die beides zusammengebracht. Clara Lösel, 26, Deutschlehrerin. Veröffentlichte in 100 Tagen 100 coole Gedichte auf Insta. Und – die Autorin liest sie selbst vor – und hat Millionen Fans.

    „Ich bin ein Träumer, ich hoffe viel und denke nach, denn ich glaube fest daran, dass sich zu jeder Zeit alles wieder ändern kann“, zitiert meine Bruna ein Gedicht von Lösel. Meine Alten Laura und Felix: Bass erstaunt. Meine Bruna so: Yes, Gedichte können cool sein.

    Und ich so? Bin kein Träumer. Sondern Realist. Nichts ändert sich. Erst mal: Ich blicke Coco an. Auf Augenhöhe. Sure. Sie springt auf. Steht mit allen Pfoten auf mir. Kratzt den verbotenen Sessel. Nichts geht mehr. Nächste Runde. Sie ist so aufgeregt. Nicht so ich. Chill. Baby.

  • 5. Oktober 2025

    Schrumpfender Hirnmuskel und Selbstoptimierungswahn

    Gerne sitze ich oben. Auf dem Küchenschrank. Überblick eben. Den ich brauche – wie es sich für einen Hauptstadtkater gehört. Denke ich so. Und sehe Coco. Wie sie sich am Kratzbaum zu mir emporhangelt – krass, ihr Stil: sie zieht sich nur mit ihren Vorderpfoten hoch, der Körper hängt runter. Welch Kraft! Denke ich so. Ehrlich bewundernd.

    Würde dann allerdings gerne stöhnen, wenn ich es könnte – weil sie in meine Richtung unterwegs ist. Balancierend auf der offenen Schranktür. Die sich durch ihre Gewichtsverlagerung beim Tippeln immer weiter öffnet.

    Und Coco-Baby? Wie in Zeitlupe gleitet sie in den Spagat. Und ich denke so: Wie weit kann der noch gehen – mittlerweile hängen alle vier Pfoten über ihren Kopf. Es kracht. Coco landet auf dem Boden. Der Tatsachen. Guckt erschrocken, aber frech. Neben ihr der Korb. Den sie mitgerissen hat.

    Und ich denke so: Da muss sie noch viel lernen. Um ihr Selbst zu optimieren. Wie es beim Menschen ja gerade so in Mode ist. Die Selbstoptimierung. Auf Kosten des Hirns. Denke ich so. Mit Blick auf die Krisen. Der Welt.

    Meine Leute zum Beispiel: Haben sich jetzt eine riesige Rudermaschine in mein ohnehin voll gerümpeltes Revier gepackt. Und Felix so, offensichtlich stolz auf sein Statussymbol, schwärmt wieder mal ungefragt: „Wow, eine Concept 2, mit der trainieren auch Olympiasieger.“ Um dann zu bemerken, dass das Gerät auch benutzt werden muss: „Klar, ist anstrengend, aber Rudern ist der gesündeste Sport, beansprucht 90 Prozent aller Muskeln.“ Und ich denke so: Leider nicht seinen Hirnmuskel.

    Denn – was macht er? Rudert nicht selbst, sondern legt eine Spielzeugmaus auf den Stuhl des Ruderteils. Die ich mir schnell schnappe. Dann das Gleiche für Coco: Die drauf springt und mit dem Stuhl nach hinten rast. Findet Felix lustig. Ist aber der zweite Schockmoment des Tages für Coco.

    Und selbst ich. Entwickle. Mitleid. Für die Maus. Wie Felix zu Coco sagt. Obwohl Coco eine Katze ist. Also weder Maus – noch Schnecke. Wie Coco auch schon tituliert wurde. Sondern: KATZE. Coco. Ganz einfach. Really.

    Endlich tauchen dann auch meine Bruna und Laura wieder auf. Sie waren in Halle bei einem Chorkonzert mit rund 30 Menschen – alle zwischen 70 und 94 Jahren. Jung.  Der Name des Chors: Heaven Can Wait. Und selbst meine Bruna ist hernach davon so erfüllt, dass sie unbedingt wieder zu einem Konzert von dem Chor will.

    Unbändige Lebensfreude. Spaß. Den offensichtlich auch alte Menschen haben können. In aller Öffentlichkeit. Und Felix reichlich tumb: „Durch Selbstoptimierung.“ Und ich würde gerne, wenn er mich hören könnte, hinzufügen: „Wahn.“

    Meine Leute sind dann noch bei Iby, dem Kater von Lauras Freundin Josephine, der sich gerade mal wieder allein durchs Leben schlagen muss. Während es sich seine Leute gut gehen lassen – wahrscheinlich ihr Selbst optimieren…

    Nun, Felix ist irritiert, weil Iby erst mal gar nicht mit ihm spielen will. Erst ankommt, als er Leckerli serviert. Und ich denke so: „Leute, was glaubt ihr, wer ihr seid? Als ob ein Kater gleich Zutrauen zu euch hätte – ihr verblendeten Selbst-Optimierer.

    Aber klar, ich weiß. Ich bin privilegiert, so was zu denken. Hier oben, ganz oben auf dem Schrank. Mit dem Überblick. Des Hauptstadtkaters.“

  • 4. Oktober 2025

    Der Optimist in mir

    Ich bin ein positiver Kater. Also: Optimistisch. Trotz Welt. Trotz Mensch. Und so will ich mich auch heute freuen – sogar ganz besonders: Weil die Terrororganisation Hamas tatsächlich in Teilen – nun ja, was immer nun in Teilen bedeutet… – also in Teilen den von US-Präsident Trump präsentierten Friedensplan für ein Ende des Gaza-Kriegs akzeptiert. Und offenbar bereit ist, die von ihr festgehaltenen Geiseln freizulassen – 20 Geiseln sollen noch leben, 28 Leichen übergeben werden.

    Bewegung also. Die sich verstärkt. Gleich nach der Reaktion der Hamas äußert sich Trump. Und fordert ziemlich ultimativ seinen Buddy, den israelischen Ministerpräsidenten Netanjahu, auf, sofort die Angriffe auf den Gazastreifen zu stoppen. Sonst wäre keine sichere Geiselübergabe möglich. Und ich denke so: Trump fordert von Israel etwas, was einige aus dessen Regierung nicht wollen. Weil sie die totale Zerstörung der Hamas verlangen. Schau`n mer mal. Ob die wirklich einlenken…

    Tatsächlich keimt die Hoffnung aber erst mal weiter. Denn es gibt Berichte, nach denen die israelische Regierung die Armee angewiesen habe, die Angriffe in Gaza einzustellen. Und sich auf Verteidigung zu beschränken. Wobei, was Verteidigen nun bedeutet – das ist wieder mal Definitionssache. Denke ich so. Denn: Israel sagt ja, sich bereits jetzt nur zu verteidigen. Man führe den Krieg im Gazastreifen gegen die Hamas, um sich vor den Terroristen zu schützen. Augenzeugen berichten denn auch, dass die Angriffe der Israelis auf den Küstenstreifen auch nach Trumps Forderung weitergehen.

    Und was ist mit den von der Hamas gewünschten Verhandlungen? Frage ich mich. Denn Trump will eigentlich nicht verhandeln. Und sagt, sein Plan sei die einzige Chance für die Terrorgruppe, sonst stehe ihr die Hölle bevor. Und ich denke so: Als ob es nicht schon längst die Hölle ist – da, im zerstörten Gazastreifen.

    Trump droht weiter, er werde keine Verzögerung tolerieren. Was bleibt der Hamas? Frage ich mich. Mächtige Hardcore-Verbündete hat die Hamas kaum noch. Auch die arabischen Länder machten deutlich, den Trump-Plan gut zu finden. Und immerhin: Den Hamas-Leuten wird in dem Plan eine Amnestie angeboten – wenn sie die Waffen niederlegen.  Ob sich Fanatiker darauf einlassen?

    Die Regierungschefs von Frankreich, Großbritannien und auch unser Kanzler Merz sind ähnlich optimistisch wie ich. Die Akzeptanz zu Teilen des Plans durch die Hamas sei ein großer Schritt Richtung Frieden. Glauben sie. Und ich hoffe. Auf ein Ende des Leids. Blicke aus dem Fenster in den grauen Himmel. Wo schwarze Raben kreisen. Und kreisen. Und ich schweife ab. Chill.

    Meine Trance wird abrupt beendet. Coco springt neben mich. Und nimmt meinen wedelnden Schweif ins Visier. Immer wieder haut sie dagegen. Beißt. Ich finde es ätzend. Will aber keine Eskalation. Und denke nur so: Meine Hoffnung lasse ich mir nicht nehmen. Blicke in den düsteren Himmel: Und sehe sie, will sie sehen, die weiße Taube, die mich umarmt. Sorry, für den schwülstigen Kitsch. Aber heute fühle ich mich nun mal so.

  • 3. Oktober 2025

    Catcalling bei Nurias Rom-Rückkehr

    Tag unserer Einheit: Meine Nuria ist zurück! Aus Rom. Nach drei Wochen Italienisch-Sprachkurs. Und – ich so superglücklich: Endlich mal wieder alle zusammen. Die familia. Wir sechs! Diego – back aus Brazil. Meine Bruna! Die Alten. Und ich. Tja – wie konnte ich es vergessen. Wir sind ja zu siebt. Natürlich. Coco! Sie jumpt gegen mein Face. Mamamia. 

    Und schon schwindet meine gute Stimmung. Denn auch meine Nuria disst mich. Sagt, als sie mich erblickt:“ Charlie, bist Du dick geworden.“ Und ich denke so: „Alta, gibt es das? Diese grün-links versiffte Gendertusse, die so auf Sprache achtet, kommt mir so. Mit Bodyshaming. Und es stimmt noch nicht mal: Ich. Bin. Nicht. Dick. Ich habe viel Fell.“

    Immerhin, meine Leute haben Spasssss und machen den ultimativen Test. Und ich spiele mal mit. Setze mich auf ihre bekloppte Waage. Und siehe da: Ich, der Charlie, wiegt gerade mal  3,8 Kilogramm. 100 Gramm weniger als vor acht Wochen. Übrigens. Und doppelt so schwer wie Coco. Das Baby.

    Quod erat demonstrandum – für die Nicht-Lateiner: Was damit bewiesen ist: Alles ist relativ. Und im Zusammenhang zu sehen. Denke ich mal wieder so. Neben dem großen und alten Moro – der große Katergott habe ihn selig – wirkte ich klein, zerbrechlich, ja: und auch voll verspielt und wild. Jetzt aber, wo das schlank-ranke Baby Coco wie ein Wildfang herumtollt und kaum zu stoppen ist, wirke ich fett, behäbig und alt. Obwohl sich – ganz objektiv gesehen, nichts geändert hat. An mir.

    Denn: Ich erwähnte es bereits, es liegt auch an den Genen, an meiner Rasse: Britisch Kurzhaar sind eben nun mal breiter, eher untersetzt – vor allem im Vergleich zu den schlanken Maine Coons mit ihren schmalen Gesichtern. Nun, naturally, hatte mich über Nuria geärgert, aber klar ist: sie ist trotzdem supersmart. Und zum Glück nicht zur Römerin mutiert. Klar, bella Italia, dolce Vita, Pizza, Sonne, Wärme seien schon cool. Sagt sie. Aber nicht alles sei wirklich nice. Und sie zählt auf: Wenig Kater. Sehr laut. Viel Beton. Und: Sehr viel Catcalling.

    Und ich so: „Wat, Catcalling, wat ist denn das?“ Und meine Nuria so: „Nun, in Italien pfeifen mir fast alle Männer nach, machen blöde Sprüche oder zwinkern anzüglich, das nervt, extrem“, sagt sie. Und ich denke so: „Warum ist sie auch blond? Hej, das soll ein Witz sein. Und denke weiter: Ist voll abartig, dass der Mensch ein Wort, in dem Katze vorkommt, negativ konnotiert, meine Spezies mal wieder missbraucht wird. Katzenrufe sind doch eigentlich was Positives.“

    Meine Nuria jedenfalls ist von den Römern genervt. Dann doch lieber die spröden Berliner. Sagt sie. In der grauen, drögen, langweiligen deutschen Hauptstadt. Sie schnalzt mit der Zunge. Und ich bin da. Bei ihr. Ich. Liebe. Catcalling. Und hasse Bodyshaming. Und selbst wenn ich dick wäre. Voll egal. Hauptsache ich fühle mich wohl. Und so chille ich. Auf Nurias Schoß. Bella Ciao. Am Tag der Einheit.

  • 2. Oktober 2025

    Zum Tod Goodalls: Meine Forschungsergebnisse zum Menschen

    Ich bin Forscher. Erforscher der menschlichen Natur. Will aufzeigen, dass der Mensch dem Tier, dem er sich so überlegen fühlt, das er oft verachtet, das er sogar isst, gar nicht so unähnlich ist. Will aufzeigen, dass Mensch – trotz der Massaker, die seine Spezies so oft verübt, durchaus empathisch sein kann. Und liebevoll. Reflektiert sogar. Für meine Forschungen hatte ich ein großes Vorbild.

    Jane Goodall. Die britische Forscherin, die Jahrzehnte mit Schimpansen in Tasmanien in freier Wildbahn lebte. Sie ist tot. Starb mit 91 Jahren. Was mich unendlich traurig macht. Denn sie war großartig, zeigte, dass auch Menschen tierisch sein können. Oder umgekehrt, Tiere menschlich. Im positiven Sinne.

    Sie begab sich auf Ebene der Schimpansen. Interagierte mit ihnen durch Laute und Gesten. Entwickelte Mitgefühl für sie. Behandelte die Affen nicht als Objekte, sondern Subjekte, gab ihnen Namen statt Nummern. Erkannte, dass sie Emotionen empfinden – Trauer, Freude, Eifersucht, Mitgefühl.

    Und ich merkte schnell: Ihre Erkenntnis deckt meine: „Wir haben festgestellt, dass es letztlich keine scharfen Grenzen zwischen Menschen und dem Rest des Tierreichs gibt.“ Sagte sie einst. Und ich stimme zu. Absolut. Grenzen zwischen Tierreich und Menschen gibt es nicht. Kaum. Sage auch ich.

    Denn: Menschen haben Emotionen – wie wir. Wenn ich mich zu Forschungszwecken auf den Arm meiner Leute setze, fühle ich, wie ich positiv wirke. Sie lächeln, entspannen sich, wollen mich touchen, um runterzukommen. Aber ich merke auch, ich muss ihnen Zeit lassen. Sie müssen zur Besinnung kommen. Im Laufrad des Alltags.

    Ich konnte in meinen Forschungen auch zeigen, dass Menschen wie Tiere sehr schnell Ängste entwickeln. Wenn ich meine Krallen ausfahre, lassen sie mich fallen – obwohl ich sie nur zeige. Sie können also antizipieren. Wenn ich an ihrem Bein hochjumpe, um es als Kratzbaum zu nutzen, laufen sie schreiend weg. Und sie nutzen Werkzeuge, zum Essen Messer und Gabel. Kurz: Sie sind intelligent.

    Sie können auch soziale Beziehungen entwickeln. Miteinander. Untereinander. Und sie sind unterschiedlich. In ihrer Art. Ihrem Habitus. Es sind tatsächlich Individuen. Da gibt es beispielsweise meine Bruna. Sie ist unvergleichlich. Ihre Umarmung ist zärtlich, kuschelig, empathisch. Dann Diego: Seine Umarmung ist fest. Stark. Und als Gegenstück Felix: Wie ungeschickt er mich anpackt, wie rüde seine Sprache. Nun ja. So sind sie, die Menschen. Durchaus auch liebenswert. Manchmal.

    Also – quod erat demonstrandum (was damit bewiesen ist): Sie – die Menschen – sind durchaus vergleichbar. Mit uns Katern. Und Katzen. Welch krasse Parallelen.

    Übrigens, liebe Leserin, lieber Leser, meine Forschungsergebnisse teile ich gerne. Anfragen einfach über Insta.

    Und ein letztes Wort an Jane Goodall: Du wirst meine Heldin bleiben. Forever.

  • 1. Oktober 2025

    Symbolpolitik und Klimaaktivistin segelt Richtung Gaza

    Sie will doch nur spielen. Und das soll Coco. Ist ja ein Kitten. Und da bin ich generös, soll sie doch die an der Angel hängende Maus jagen, krallen, beißen. Möge sie nur aufpassen, dass sie dabei – wie eben passiert – nicht Teile von mir erwischt. Von mir, dem Baby Boss. Dann könnte auch ich auf die Idee kommen: Ich will doch auch nur spielen. Keine Drohung, nur eine Anmerkung. Ihr Leser und Leserinnen. Ihr kleinen Sensibelchen.

    Es ist so extrem schwer, sich über umstrittene Themen zu äußern. Weil auch ich dann sofort in eine Schublade gesteckt werde. Nahost-Konflikt – entweder Israel-Versteher und damit Rechtfertiger eines Genozids im Gazastreifen oder Antisemit und Terror-Rechtfertiger. So wird auch mir vorgeworfen. Sobald ich mich dazu äußere. Tu ich trotzdem.

    Heute: Die Aktivisten, die mit einer Flotte von 47 Schiffen Richtung Gazastreifen unterwegs sind, um – ihre Behauptung: Hilfsgüter dahin zu bringen und die israelische Seeblockade zu beenden. Die Kritiker sagen: Symbolpolitik und Propaganda, denn die Hilfslieferungen seien so gering, dass sie ein Lkw transportieren könnten. Und ich denke so: Erst mal bewundere ich die zumeist jungen Leute auf den Schiffen, die sich für eine offenbar gute Sache so engagieren. Um mich dann zu fragen: Ist die Sache gut? Und der Weg, so Hilfe bringen zu wollen, tatsächlich zielführend?

    Ich haue Coco. Die nicht die Maus sondern meinen Pelz erwischt. Geriere mich als Baby Boss. Und bin genervt. Sehe auf dem Bildschirm Greta Thunberg auf einem der Boote. Thunberg, die Klimaaktivistin, die die Bewegung Fridays for Future ins Leben rief. Und frage mich: Ist die junge Frau tatsächlich unterwegs, um den Palästinenser zu helfen und auf deren Leid aufmerksam zu machen? Oder doch eher auf sich selbst – in Zeiten, in denen der Klimabewegung die Luft auszugehen scheint?

    Und ich merke selbst: Ich bin böse. Will ihr offenbar die Popularität nicht gönnen. Ist es denn nicht immer so, dass der- oder diejenige, der oder die sich für jemanden oder eine Sache einsetzt, sich auch im Glanze des eigenen Tuns sonnt? Zumindest wohlfühlt? Und ist das überhaupt zu verurteilen? Oder gibt es tatsächlich auch rein altruistische Menschen? Selbstlos. Ein Widerspruch in sich. Wer ohne Selbst wäre, existiert nicht. Denke ich so. Und beiße Coco.

    Für mich ist immerhin das klar: Es geht den Aktivisten darum, die israelische Armee vorzuführen. Die Welt soll sehen, wie sie von Soldaten aufgehalten werden. Und ich frage mich: Hilft das den hungernden Palästinensern? Hilft das, den Krieg zu beenden? Hilft das nicht vielmehr, die Terrororganisation Hamas zu rehabilitieren. Eine Organisation, die mordet, deren in Katar in Luxushotels sitzenden Führung das Schicksal der zwei Millionen Palästinenser in dem Küstenstreifen völlig egal ist? Andererseits: Die Aktivisten machen auf das Leid aufmerksam. Und das ist auch gut so.

    Ich bin so verunsichert. Weiß, dass Israel mit seinen Bombardements im Gazastreifen schreckliche Kriegsverbrechen begeht, die nicht zu rechtfertigen sind. Und ich fühle mich gelähmt. Nicht gut. Ich weiß. Aber muss ich etwas tun, nur um etwas zu tun? Was soll ich tun? Spielen?! Mit Coco. Die so groß ist. Wie eine Ziehharmonika. Ich tue so, als ob ich sie hauen wollte. Treffe natürlich nicht. Symbolpolitik. Meinerseits. Dem Baby Boss. Ohh, ich bin so unendlich müde.

  • 30. September 2025

    Die Kritik der Vernunft streift den Unvernünftigen

    Ich bin vernünftig. Sage ich mal so. Eine Eigenschaft, mit der sich Menschen gerne brüsten, um dann zu behaupten, die Vernunft sei eine Qualität, die sie von Tieren unterscheide. Ich würde bitter auflachen – wenn ich es könnte. Aber meine Physiognomie lässt es nicht zu. Also – ich denke so: Liebe vernünftige Menschen, schaut: Ukraine. Schaut: Gaza. Schaut: Sudan. Aber da schaut eh keiner hin. Weil der Krieg dort zu kompliziert ist. Aber das ist ein anderes Thema. Ihr vernünftigen Menschen.

    Zurück zu mir: Ich habe verstanden, dass ich mein Revier künftig zu teilen habe. Coco ist hier. Und wird hierbleiben. Und da ich Krieg mit ihr ablehne – Vernunft!! – gehe ich Kompromisse ein – Vernunft!! Biete ihr meinen sogenannten Hamastunnel an – ein knisterndes Plastikteil, durch das Katze sich schlängeln kann. Den sie sofort okkupiert. Dann überlasse ich ihr noch meine Angel mit Maus dran. Und versuche entspannt zu bleiben, auch wenn sie ständig hinter mir herläuft. Vernunft!!

    Die meisten wissen: US-Präsident Trump ist unvernünftig. Und nur auf den eigenen Vorteil bedacht. Im Fall Nahost kann sein eigener Vorteil ungewöhnlicherweise tatsächlich auch mal vernünftig sein. Trump legte einen 20-Punkte-Plan für Frieden im Gazastreifen vor. Sein Kalkül: Krieg stoppen, damit er – der Ex-Immobilienunternehmer – den völlig zerstörten Küstenstreifen wieder aufbauen kann. Und dort Deals machen kann. Klar: Zugleich geriert er sich als Friedensmacher – und Kandidat für den Friedensnobelpreis. Den er so gern hätte. Aber auch das: Ein anderes Thema.

    Trumps Bemühungen sind in diesem Fall erst einmal auch mal positiv für die Betroffenen und die Welt: Wenn Israel den Gazastreifen nicht mehr bombardiert, dann gibt es für die rund zwei Millionen dort noch lebenden Palästinenser wieder so etwas wie Hoffnung. Tatsächlich stimmte Israel dem Plan bereits zu, Trump behauptete, auch arabische und muslimische Staaten fänden ihn gut.

    Was drin steht? Unter anderem sollen die 20 noch lebenden und im Gazastreifen festgehaltenen Geiseln freikommen – im Austausch mit palästinensischen Häftlingen. Die Hamas soll die Waffen abgeben, dann werde den Kämpfern Amnestie gewehrt. Eine von Trump geführter Friedensrat soll dann eine Übergangsregierung kontrollieren. Klingt erst mal vernünftig. Selbst für mich. Aber: Es fehlt die Hamas. Ob sie zustimmen wird? Trump, der nun vom ewigen Frieden dort schwadroniert, hat schon zu oft Hoffnungen enttäuscht.

    Ich sehe Coco: Sie schleicht um die Beine meiner Bruna. In deren Arme ich gerade liege. Und meine Bruna – lässt mich fallen. Nimmt Coco hoch. Alta, gibt es das? Was soll ich noch alles aufgeben? Ich hasse es. Meine Bruna ist heilig. Für mich.

    Vernunft! Ruft es in mir. Der Puls schlägt in meinen Schläfen. Ich schlurfe zu Cocos Napf. Mit Kittenfutter. Viel leckerer als mein Fraß. Ich hau rein. Meine subtile Rache. Und mir ist es sowas von egal, dass alle behaupten: „Charlie, davon wirst du noch fetter.“ Mir doch egal. Haben sie davon. Wenn sie so unvernünftig sind. Habe auch ich – irgendwann keine Vernunft mehr. Bin ja nur ein Kater.  

  • 29. September 2025

    Liebe auf den ersten Blick und die Lust aufs Defizit

    Diego is back! Nach zweieinhalb Monaten Südamerika. Kommt er nun in mein Revier – braun gebrannt, mit lässig übergezogenen Trikot des Rio-Top-Fußballclubs Flamengo – naturally Fake – barfuß in Flip-Flops, als ob er an der Copacabana promenierte. Dabei ist er zurück in der Realität, in der deutschen, grauen, kühlen Realität des Herbstes 2025. Im düsteren Flur eines Berliner Altbaus.

    Und Diego ist auch gleich wieder deutsch drauf: Er habe es gehasst – ja: gehasst! – in Frankfurt zu landen, erzählt er, nachdem er mich kurz in seinen intensiv duftenden Arm geschlossen hat. Und ich so, schnurrend: Yes, he is back. Der Kuschler Numero Uno.

    Aber ich will nicht abschweifen, zurück zu Diego:  Die Gesichter der Menschen in Deutschland seien – so ernst, so hart, so angespannt, so verkniffen, so gereizt, so unflexibel. Sprühten anders als jene in Brasil keine Lebensfreude aus. Nirgends ein Lächeln. Es sei kein Geben, sondern ein Nehmen von Energie. Seiner Energie.

    Immerhin – er merkt es selbst – alles doch ein wenig übertrieben. Als ob in Brasil alles easy wäre. Sagt Diego. Und in Frankfurt dann hätte er seine Meinung über die Deutsche Mentalität auch – fast – revidiert. Musste wegen eines Problems für den Weiterflug nach Berlin zum Lufthansa-Schalter.

    Und dort: Ein supernetter Typ. Offen. Smart. Gut gelaunt. Mit immer breiterem Lächeln, als er hörte, Diego sei in Brasilien gewesen. Denn: „Ich komme aus Rio und lebe seit acht Jahren in Deutschland. Sagt der junge Mann. Und Diego: Ach so, alles klar.

    In Deutschland sei eben alles Defizit. Meint Diego. Selbst Dinge, die objektiv betrachtet negativ seien, würden ihm nun fehlen.  Für das positive Brasil-Feeling. Beispiel: Die korrupte brasilianische Politik. Aber hier gäbe es nun mal nur Spröde-Kanzler Merz oder AfD-Chef Chrupalla – und keinen brasilianischen Glitzer-Typen wie den rechten Ex-Präsidenten Bolsonaro.

    Der war vor wenigen Tagen wegen eines Putschversuchs nach seiner Wahlniederlage gegen Lula vom Obersten Gerichtshof zu mehr als 27 Jahren Haft verurteilt worden.  Defizite aber auch am Berliner Flughafen: Wo es keine Taxifahrer gäbe, die einen anquatschen, wohin man fahren wolle. Oder ganz allgemein: Es gäbe keine Moped-Schwärme, keinen Lärm, keinen Smog, keinen dichten Verkehr, keine Sonne, keine Wärme.

    Und ich so: Aber klar doch: Wärme. Bekommst du von mir im Revier. Schnurre ich. Aber dann ist es auch mit meiner Herrlichkeit vorbei. Coco drängt sich vorbei. Springt auf seinen Arm, als ob sie ihn Ewigkeiten kennen würden. Und ich denke so: Als ob. Coco kuschelt sich an ihn, an sein seit elf Tagen nicht gewaschenes Flamengo-Trikot. Schnurrt.

    Und ich schwöre: Das ist Liebe auf den ersten Blick. Nice. Kitschig. Wie sie ineinander eintauchen. Dann gehe ich mal. Froh, dass da mit Diego einer ist, der mir nun die Arbeit abnimmt. Mit ihr. Der ständig Spielen Wollenden. Und tatsächlich. Diego schwingt die Angel mit der Maus. Und sofort. Hängt. Coco. Dran.

    Und Diego schneidet meinen Blick. Um mich zu verletzen. Sagt: Ich hätte mich verändert. Sei viel ruhiger, zurückgezogener und fetter geworden. Ja: Er sagt: Fetter. Krass. Voll Bodyshaming.

    Zumal es objektiv gesehen nicht stimmt. Es kann vielleicht so wirken. Weil Baby-Coco da ist. Schlank, rank, wild wie ein Rehkitz. Und ich von meinen Kurzhaar-Rasse-Genen eher ein Breit-Face bin, während Coco eher ein Schmal-Face Maine Coon ist. Aber: Das verstehen sie wieder nicht. Die Menschen. Schade.

  • 28. September 2025

    „Mein Kampf“ in Rom und Grenzüberschreitungen als Methode

    Inwieweit können Grenzen verschoben werden? Mir scheint, viele testen das gerade aus. Menschen. Tiere. Alle rücksichtlos. Ohne Reflektion darüber, was das Austesten auslösen kann. An Schmerz. Das fängt bei Coco an. Sie schafft es mittlerweile, den Kratzbaum zu erklimmen. Und den geheiligten Korb des Moro zu erreichen. In dem sie sich dann so platziert, als wäre es schon immer ihrer gewesen.

    Damit überschreitet sie für mich eine rote Linie: Denn es war Moros Korb. Den ich als Zeichen der Ehrerbietung bislang unbesetzt hielt. Sein Platz, auf dem nun ihr Kopf liegt. Nun – natürlich, sie weiß es nicht. Dass er, Moro, mein Kompagnon, vor gerade mal 80 Tagen starb. Insofern. Kein Vorwurf. Oder doch. Weil ich traurig bin. Dass er nicht mehr da ist. Wütend. Oder so. Undefiniertes Scheißgefühl einfach. Sorry.

    Dass in den USA seit einigen Monaten ständig Grenzen verschoben werden, schildere ich hier ja beinahe täglich. Heute ein besonders krasses Beispiel: Ein Moderator des rechten Senders Fox News bringt mich mit verstörenden Aussagen zum Kotzen.

    Nachdem vergangene Woche im UN-Hauptgebäude in New York die Rolltreppe ausgefallen war, just als US-Präsident Trump samt Frau Melania da draufstanden, sagte er allen Ernstes: „Das ist ein Aufstand, und wir müssen entweder die UN verlassen oder sie bombardieren. Aber sie ist in New York, oder? Vielleicht gibt es da Kollateralschäden. Vielleicht vergasen?“

    Unfassbar. Denke ich so. Die Grenzen des Unsagbaren werden verschoben.  Die Sprache wird rabiater. Und das wirkt sich dann auch auf die Handlungen der Menschen aus.

    Meine Nuria lustwandelt heute auf einem Flohmarkt in Rom. An einem Stand werden Bücher verkauft, nebeneinander Stapel von Meisterwerken der englischen und französischen Literatur aus dem 19. Jahrhundert: Emily Brontes „Sturmhöhe“ – ein Roman über Liebe und Leidenschaft – und Charles Baudelaires Gedichtsammlung „Die Blumen des Bösen“ – eine Abrechnung mit der Welt.

    Direkt daneben ein deutsches „Werk“ aus dem 20. Jahrhundert: Adolf Hitlers Kampfschrift „Mein Kampf“. Krass, in Deutschland ist der Verkauf des Pamphlets verboten, in Italien wird es verramscht neben Klassikern der Weltliteratur. Und ich denke so: Es gibt kein Bewusstsein, dass für die Demagogie faschistischer Massenmörder nirgends Platz sein sollte.  Unappetitlich. Unreflektiert.

    Coco chillt im Korb auf dem Schrank. Und ich denke so: Sie kann ja nichts dafür. Dass es einst Moros Platz war. Die Welt dreht sich immer weiter. Und ich bin sicher: Moro wäre glücklich, wenn er sähe, wie Coco nun in seinem Korb chillt.

    Puuh, wie schwülstig ich geworden bin. Merke ich selbst. Denn ich weiß: Moro wäre entsetzt. Hätte gefaucht. Und Coco verjagt. Um Grenzen zu wahren. Amen.