Abgedreht: Nurias Feminismus-Offensive in Palermo ganz ohne Zauberwürfel

Kater sind filigran. Naturally. Was die Geschicklichkeit mit der Pfote angeht, haben wir qua Natur allerdings leichte Defizite im Vergleich zum Menschen – und deren Händen. Was sich besonders gut beim Spiel mit dem Rubik’s Cube zeigt – diesem bald fünf Jahrzehnte alten Geschicklichkeitstest, der es geschafft hat, sich den virtuellen Welten entgegen zu stellen und immer noch absolut attraktiv zu sein.
Auch für einen – zugegeben kleinen – Teil der Jugend. Und auch für mich! He he. Und für Diego. Der das Ding wie ein Handy immer bei sich trägt. Davon fasziniert ist, Stunden damit verbringt, es möglichst schnell hinzubekommen, die Seiten des Würfels durch Drehen jeweils einfarbig zu gestalten. Was ich auch versuche – immer wieder. Aber, boah, krass, meine Krallen, obwohl eingezogen, verkanten sich im Würfel. Shit happens.

In China hat es eine Sechsjährige geschafft, den Zauberwürfel in Rekordgeschwindigkeit in die „richtige“ Position zu drehen. Mehrere Male unter 4,5 Sekunden, Bestwert: 4,27 Sekunden, Weltrekord bei den Frauen. Unfassbar, schaut es unbedingt auf YouTube. Krass.
Ihre Ma sagt, das Mädchen sei seit rund zwei Jahren täglich zwei bis drei Stunden mit dem Würfel beschäftigt. Und: Früher sei sie unsicher gewesen. Die Beschäftigung mit dem Würfel habe sie selbstbewusster gemacht. Nun gut, ich hinterfrage mal nicht, ob es da nicht auch andere Faktoren für geben könnte.
Klingt ja einfach zu gut. Die Story. Aber eigentlich, ganz eigentlich, kann mit dem armen Mädchen was nicht stimmen, denke ich so. Nebenbei: Bei Männern liegt der Rekord bei 3,51 Sekunden. He he.
Man stelle sich mal vor, Kinder und Jugendliche in aller Welt würden die digitalen Welten, in denen sie sich zumindest in Deutschland laut Statistik durchschnittlich knapp vier Stunden täglich bewegen – gegen diese Zauberwürfel-Welt eintauschen. Könnte es sein, dass sie ein anderes Verhältnis zur realen Welt entwickelten – und vor allem Selbstbewusstsein?

Vielleicht gar ein Problembewusstsein für die Gestaltung der Welt, ihrer Zukunft. Würden sie dann auch in real dafür kämpfen? Und ich sehe die Aktivisten von Robin Wood, die sich an der Fassade der CDU-Zentrale in Berlin abseilen und Banner enthüllen, auf denen sie mehr Klimaschutz und Kampf gegen Rechtsextremismus fordern.
Und ich höre meine Nuria, die zeigt, dass Selbstbewusstsein auch ohne Zauberwürfel möglich ist – denn sie ist der Leidenschaft nicht verfallen. Sie erzählt, sie sei mit einem jungen Iraner zeitgleich zum Italienischkurs in der Uni von Palermo angekommen.
Der junge Mann habe ihr die Tür zum Seminarraum aufhalten wollen. Und sie so; „Danke, sehr nett, aber geh ruhig du zuerst.“ Der Mann sei total verwirrt gewesen. Dann habe sie hinzugefügt: „Feminismus.“ Und ich frage mich so, ob der Iraner das Italienisch meiner Nuria verstanden hat. Anderes Thema.
Sicher ist: Die Welt ändert sich rasant. Wir Kater auch. Der Würfel bleibt. Ich drehe und drehe. Am Würfel. Coco hat keine Lust. Diego hat es in 52 Sekunden geschafft.

Und ich bekomme mit, in Bolivien sei eine neue Katzenart entdeckt worden. Kleiner als Hauskatzen, die Fellzeichnung erinnere an Leoparden. Deswegen der Name Leopardus tilcayo. Die Pfoten sind groß. Geeignet für den Zauberwürfel. Sagt der filigrane Hauptstadtkater. Der über euch wacht und seit 129 Stunden dreht – und es nicht schafft. Und jetzt: Dreht auch, aber nicht ab. Und chillt, Leute!
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