Ach ja, die Liebe, ach nein, die KI


Ich bin wirklich begeistert. Was Künstliche Intelligenz, kurz: KI, so kann. Beispielsweise Coco und mich in Manier eines Andy Warhols präsentieren. Braucht nur ein passendes Foto, zwei Klicks, ein Prompt – also eine Anweisung – und 26 Sekunden später ist das Pop-Art-Werk fertig.
Gute alte KI. Denke ich so. Wohl wissend, dass da naturally nicht alles gut ist. Weil KI einfach zu gut ist. Menschen immer besser imitiert. Und so selbst – ohne dass es ihre Schöpfer noch verstehen – zum besseren Menschen mutiert.
Beispielsweise im Pflegebereich, wo humanoide Roboter nicht nur 127 Kilo schwere Patienten aus der Badewanne hieven und ins Bett legen. Sondern sich dann noch mit an dieses Bett setzen und dem Patienten selbst dann noch andächtig zuhören, wenn er zum 29. Mal die Story erzählt, wie sein Sohn anno 1979 zum dritten Mal durch die Fahrprüfung fiel. Und dann auch noch emphatische Nachfragen stellen.

Bessere Kater. Denke ich so. Während der echte Pfleger genervt auf seine Uhr schaut. Nur weg will. Müde und gestresst.
Felix buchte heute über das Portal AirBNB eine Wohnung in Lissabon. Alicia antwortete sofort – absolut freundlich und zugewandt. Und Felix – dadurch ermuntert, fragte weiter, ob ein Parkplatz in der Nähe sei, ob sie Geheimtipps für die City habe. Habe sie natürlich, antwortet Alicia postwendend.
Und Felix so: Ups, das wäre ja nett, Alicia mal persönlich kennenzulernen. Und: Wie die wohl ausschaut? Zwei Stunden später kommt dann noch eine Mail, von Jona. Sie sei die Besitzerin, Alicia ihre Helferin. Alicia sei allerdings eine KI.

Felixens Freund Ian ärgert sich über seine Frau. Erzählt Felix. Eileen habe eine KI gefragt, ob Schweißen gefährlich sei. Denn ihr Sohn Noel wolle sich ein Floß bauen – und müsse dafür auch schweißen. Ian, seines Zeichens ausgebildeter Modellbauer, der für sein Gesellenstück einst als niedersächsischer Landesmeister ausgezeichnet wurde, findet Schweißen herausfordernd, aber ungefährlich.
Aber seine Einschätzung habe Eileen nicht touchiert. Ihr Experte sei die KI. Sagt Felix. Tja, und die Oma meiner Bruna, Lina, fragt die KI, ob ihr Hautausschlag etwas mit ihren Medikamenten zu tun haben könnte. Und die KI, ganz zugewandt, fragt, welche Medikamente sie denn einnehme, sie wolle die Wirkstoffe analysieren.

Macht die KI dann auch, professionell anmutend – und kommt zum Ergebnis, dass Oma Lina eventuell zu wenig trinke. Oma Lina: „Wow, guter Tipp.“ Und ihr Sohn Felix sogleich leicht angesäuert: Das habe er ihr schon seit Jahrzehnten gepredigt. Nun, auch hier: die Autorität: Ist die KI. Mit ihren Algorithmen.
Dass KI auch mal rassistisch sein kann – geschenkt. Ist ja auch nicht mehr als die Summe des Mists, den sie so im Netz findet. Denke ich so. Als Felix die KI fragt, wie man mit einem Briten gut ins Gespräch kommen könne, antwortet sie: „Lade ihn doch zu einem Tee ein.“ Als er dieselbe Frage stellt, nur den Briten durch einen Syrer ersetzt, antwortet die KI: „Pass auf, dass der kein Messer bei sich trägt.“

Weird. Denke ich so. Kuschle mich an Coco. Ganz real. Ohne KI. Sagt der verliebte Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Hinterfragt KI. Und chillt, Leute!
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