Horror in Kiew und Gewölle auf dem Perserteppich

Nicht immer kommt der Aggressor durch. Denke ich so. Auf dem Bett meiner Alten chillend. Und an die Ukraine denkend. Die seit mehr als vier Jahren von den Russen mit Drohnen und Raketen attackiert wird. Durch deren zerstörerische Kraft Zivilisten getötet werden. Wohnhäuser zerstört werden. Der Alltag zum Horror wird.

Der Krieg von Kremldespot Putin ist im eigenen Reich angekommen. Allerdings: Trotz brennender Öl-Raffinerien und Häfen – Proteste gegen das Regime gibt es nicht. Bei vielen scheint die Angst vor ihrem Staat zu groß. Viele aber auch vertrauen der Putin-Propaganda. Machen die Nato und die „terroristische“ Ukraine für den Krieg – nein: militärische Spezialoperation – verantwortlich. Und so lautet eine weit verbreitete Meinung: Russland sei schon immer von Feinden umgeben gewesen. Und müsse sich wehren.
Und mir bleibt nichts anderes übrig, als das Grauen zu referieren. Ein Grauen, das für die Ukraine Tag für Tag, Nacht für Nacht Realität ist. Aber für diejenigen, die nicht direkt davon betroffen sind, bleibt es abstrakt. So abstrakt, wie für katzenlose Menschen Katergewölle auf dem Perserteppich.


Die Meldung: „Bei einem russischen Raketenangriff auf Kiew sind mehrere Menschen ums Leben gekommen“ wird vielerorts kaum noch wahrgenommen. Weil normal geworden ist, was nicht normal ist. So kommt nicht einmal überraschend, dass der Aggressor Russland demnächst wieder – ganz normal – an einer Jugend-Fußball-WM teilnehmen darf – Ende Oktober in Aserbaidschan.
Während weiter Zivilisten in der ukrainischen Hauptstadt Kiew sterben. Ich denke an Rudy, den Kater der Ukrainer, die einst bei den Großeltern meiner Bruna in Isernhagen wohnten. Und nun in Kiew leben. Was müssen sie für Ängste haben. Wenn in der Nähe Raketen explodieren. Vor allem aber Rudy. In einer engen Wohnung. Der ja ein viel sensibleres Gehör als Menschen hat. Und nun so gar nicht weiß, was da eigentlich los ist.


Putin schlägt nun – nachdem die Ukraine ihm weh tut – umso härter zurück. Vor allem auf Kiew. Vorletzte Nacht registrierte die Hauptstadt einen der schwersten russischen Angriffe seit Kriegsbeginn. Fast 30 Menschen wurden getötet. Fast 100 verletzt. Wohnhäuser zerstört. Mehr als 500 Flugobjekte, vor allem Drohnen, wurden registriert.
Ich wälze mich auf dem Bett. Und schon sitzt Coco auf mir. Ich schrecke auf. Und sie verliert tatsächlich das Gleichgewicht. Really. Und fällt. Auf den harten Boden der Realität. So ist das. Mit Aggressoren. Sagt der attackierte Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Rüstet ab. Und chillt, Leute!
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