Hauptstadtkater

17. Juni 2026

Der vergessene Geburtstag und Katzenfleisch als Delikatesse

Stell Dir vor, Du hast Geburtstag – und es weiß keiner. Würdigt niemand. Nicht mal Deine Liebsten. So ist es nun Coco ergangen. Die vorgestern eigentlich ihren ersten Geburtstag gefeiert hätte. Aber niemand gratulierte. Und so blieb sie allein. Mit ihren Gedanken. An ihre Geburt. Ihre Ma. Ihre Geschwister.

Und heute kommt dann meine sonst so emphatische Bruna und meint lapidar: „Ups, ich glaube, heute hat Coco Geburtstag, wollen wir ihr ein Ständchen bringen?“ Felix krass gefühlvoll: „Bist Du sicher? Im Impfausweis steht 15. Juni.“ Der Fail meiner Leute ist also amtlich bestätigt. Vom Tierarzt.

Und ich verstehe, warum Coco vorgestern so still und fast deprimiert wirkte. Denn: Auch. Katzen. Haben. Gefühle. Vor allem, wenn ihr Geburtstag verpennt wird. Und die Zusatz-Leckerli ausbleiben. 

Aber klar, think positive: es ist Geschenk genug – und zwar täglich – hier, in diesem Revier, in diesem Land leben zu dürfen. Und nicht irgendwo in Ostasien. Denn dort, in Vietnam, haben Polizisten einen sogenannten Katzenfleisch-Ring ausgehoben und mehr als 400 gestohlene Katzen befreit. Dabei seien auch 80 tiefgefrorene Katzen sichergestellt worden.

Really. Entsetzlich. Und ich werde von Entsetzen und Ekel geschüttelt. Und weiter: In den vergangenen drei Jahren hätten die Verdächtigen Katzen gestohlen und getötet. Weil Katzenfleisch in Restaurants als Delikatesse gilt. Immerhin wird da auch Köterfleisch serviert. Krass, andere Länder, andere Sitten. 

Aber manchmal denke ich auch so, dass die Menschen in aller Welt – wie ja auch Katzen und Kater – gar nicht so unterschiedlich sind, sondern sehr ähnliche Bedürfnisse und Träume haben. Und man das vor allem dann merkt, wenn man sie persönlich kennenlernt.

Wie meine Bruna, die mit ihrem Sinfonieorchester heute zusammen mit einem Schulensemble aus Peking ein Konzert gab, mit Beethoven, aber auch chinesischen Komponisten. Die Chinesen hätten sowohl klassische Instrumente wie Cello und Geige gespielt, aber auch traditionelle chinesische Zupf- und Streichinstrumente. Sagt meine Bruna.

Entwickelt habe sich ein toller, neuer Sound. Mit viel Groove. Der Vorurteile nimmt. Denn auch wenn China für eine kommunistische Diktatur, für Menschenrechtsverletzungen und einen Überwachungsstaat steht, als Kriegstreiber, Patentedieb und Billigproduzent verschrien ist, die Leute, die da leben, sind nett, freundlich, aufgeschlossen.

Lachen. Klatschen wie hier. Der Dirigent dirigiert. Wie hier. Erzählt meine Bruna. Und ich denke so: Die Musik, die verbindet. Völkerverständigung eben.

Nur: Katzen sollten sie nicht futtern. Immerhin: Meine Leute gratulieren Coco nun. Nachträglich. Mit schlechtem Gewissen. Glaube ich zu erkennen. Coco bekommt eine Extraportion Leckerli. Ich übrigens auch. Nett. Sagt der verängstigte Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Gratuliert Coco. Und chillt, Leute! 

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