Hauptstadtkater

13. Juni 2026

Stolz, Italien und Vorurteil und Ötzi

Bin ich stolz? Klar! Doppelt sogar. Zum einen, weißer Hauptstadtkater zu sein. Zum anderen: Ich habe Stolz. Krass großen Stolz. Vor allem, wenn mir meine Leute dumm kommen. Und mir beispielsweise meine Bruna quasi beiläufig Leckerli vor die Pfoten wirft, ohne mich eines Wortes oder eines Blickes zu würdigen – dann verzichte ich lieber aufs Futtern.

Weil es so würdelos ist, wie sie mich behandelt. Blöd nur, dass Coco das unbarmherzig ausnutzt. Und die Leckerei verschlingt, die ich später in einem unbeobachteten Moment gesichert hätte. Aber das ist ein anderes Thema. 

Kein Vorurteil: Auch die Italiener sind massiv stolz. Und in ihrem Fußballstolz derzeit massiv verletzt, da sich ihr Nationalteam zum dritten Mal hintereinander nicht für eine Weltmeisterschaft qualifiziert hat. Nun hat der eigentlich extrem unwitzige Fifa-Boss Infantino einen Witz auf ihre Kosten gemacht.

Auf die Journalistenfrage, ob das WM-Rekordteilnehmerfeld von 48 Nationen weiter aufgestockt werden sollte, spottete der Schweizer, vielleicht erhöhe man auf 64 Nationen – oder sogar 128, dann könnte eventuell sogar der viermalige Weltmeister Italien dabei sein. Tja, die Fifa hat nur 211 Mitgliedsverbände… Italiens Prominenz reagierte pikiert. Der Sportminister fordert eine Aussprache. Die Italiener sind not amused. Getroffen.

Müssten sie gar nicht. Sagt Felix. Der kraxelte mit seinem Freund Ian auf einen über 3.000 Meter hohen Berg – und dabei über die österreichisch-italienische Grenze. Welch Pracht in bella Italia, schwärmt er nun. Endlich Sonne, blauer Himmel, türkisfarbene Seen, bunte Schafe, krasse Berge. Besser, viel besser als Fußball. Sagt er. Denke auch ich. 

Allerdings, als er sich umgedreht habe, habe Österreich ähnlich ausgesehen wie Italien. Und die sind bei der WM dabei. Und dann, dann seien auch noch Hunderte Schafe über den Pass von Italien nach Österreich gerieben worden, ganz nah an der Fundstelle der Eismumie Ötzi vorbei. Wegen des besseren Grases Im Frühsommer auf der österreichischen Seite.

Und ich denke so: Österreich kann ziemlich stolz sein. Besseres Gras als Italien, Ötzi und besseren Fußball als Italien. Und, am allerbesten, diese legendäre Gastfreundschaft der Österreicher. Felix erzählt, sie wollten auf der Martin-Busch Hütte – die Ende der 30er Jahre eigentlich Hermann-Göring-Haus getauft werden sollte – mit Kreditkarte ihre Sachertorte bezahlen.

Ging nicht, kein Internetempfang. Bargeld hatten sie nicht dabei. Und der Gastwirt so – Murmeltiere fütternd – er schreibe eine Rechnung, die sollten sie dann begleichen, wenn sie wieder zuhause seien. Krass. Denke ich so. Auf so viel Vertrauen können sie stolz sein. Die Österreicher. Felix und Ian auch. Ich bettele mal meine Bruna an. Brauche Leckerli. Sagt der trotzdem stolze Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Chillt, Leute! 

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