Hauptstadtkater

18. Mai 2026

Verbotene Orte: Wäscheständer und Grönland

Verbotene Orte, ich liebe sie. Je verbotener, desto reizvoller. Sure. Der aufgeklappte und mit Hemden, Socken und Shirts bestückte Wäscheständer beispielsweise. Ein wahres Kater – und Katzenparadies. Auf den Schnüren zu balancieren, die sich hin- und her baumelnden Klamotten fangen. Krass nice. Was meine Leute natürlich nicht finden. Schmeißen uns runter. Und wundern sich dann auch noch, wenn sich dabei unsere Krallen in ihren edlen Stoffen verfangen. Und Löcher reißen. 

Was für Kater gilt, gilt für Menschen schon lange. Je vehementer die internationale Gemeinschaft ablehnt, dass Grönland US-Bundesstaat wird, desto mehr will US-Präsident Trump die arktische Insel haben. Jene dem Nato-Mitglied Dänemark gehörende Insel, auf der reiche Bodenschätze lagern – Öl, Uran, Seltene Erden. Und die dann auch noch für die USA strategisch günstig liegt, um beispielsweise Russen oder Chinesen abzuwehren.

Nachdem Trumps brachiale Methode Anfang des Jahres nicht fruchtete, bei der er drohte, Grönland notfalls gewaltsam zu übernehmen, setzt er nun auf eine andere, eine sanfte Taktik. Und schickt einen Emissär namens Landry. Der auf freundlich getrimmt ist.

Trump habe ihn geschickt, damit er so viele Freunde wie möglich finde. Sagt der Sondergesandte. Sein Problem: Auf Grönland will derzeit niemand US-Freunde. Zumindest keine, die staatliche Interessen vertreten. Und ich denke so: Grönland – eine Art Wäscheständer Trumps. Oder: Der Wäscheständer – Cocos und mein Grönland. 

Ende Januar drohte die Nato wegen Trumps brachialen Vorgehen zu zerbersten. Im letzten Moment gelang es dem Nato-Generalsekretär, den US-Präsidenten zu überzeugen, es sei besser, vertrauliche Gespräche über die Zukunft Grönlands zu führen als die Insel Verbündeten mit Gewalt abzunehmen. Er willigte erst mal ein, aber klar ist: Seine Ambitionen sind geblieben.

Er will Grönland. Besitzen. Also schickt er seinen Gesandten, der nun an einer Wirtschaftskonferenz dort teilnimmt, zu der er gar nicht eingeladen war. Landry behauptet, er wolle nur zuhören, lernen und sehen, ob die Beziehungen ausgebaut werden können. Während Grönlands Regierungschef sagt, er habe keine Anzeichen für eine veränderte Haltung der USA festgestellt – sprich: Die USA wollen weiter die Insel übernehmen.

Ich kann Trump verstehen. Er will die Insel. Wie Coco und ich den Wäscheständer. Je mehr Widerstand, desto größer der Wunsch. Und die Kreativität, um ihn durchzusetzen. Und wie Trump, so ändert nun auch Coco ihre Taktik: Legt sich auf den Ständer. Dreht sich auf den Rücken, Pfoten nach oben. Guckt unschuldig. Schnurrt.

Es hilft. Natürlich. Nicht. Meine Leute stürmen herbei. Um sie runterzuschmeißen. Vom verbotenen Ort. Herzlose Menschen. Sagt der besessene Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Verwirklicht Träume. Und chillt, Leute!

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