Machtgeile Weltenbestimmer von Xi über Trump bis hin zu mir

Alles ist so klein. Von oben. Von meiner Leiter aus. Fühle ich mich erhaben. Überlegen. Und wenn dann neben mir noch der ungeschützte Schatz Felixens steht – sprich: sein Rennrad samt verletzlichen Reifen – dann bekomme ich dieses geil-eklige Gefühl, das mich leider trunken macht: Allmacht. Oder, ganz ehrlich: Größenwahn. Denke ich so. Wenn ich wieder klarer werde im Koppe.
Fühle mich plötzlich angezogen von China. Wo nun zwei meiner großen machtgeilen Vorbilder direkt aufeinander treffen: US-Präsident Trump und sein chinesischer Counterpart Xi Jinping. Trump, der sich in seinen sozialen Netzwerken als Jesus und Heilsbringer gerierte, der davon ausgeht, er könne sich die ganze Welt irgendwann per Dekret untertan machen.

Und Xi Jinping, der schon lange so regiert wie es Trump gerne wollte: Autoritär, diktatorisch, keine anderen Meinungen zulassend. Und es geschafft hat, aus einem armen Land einen Wirtschaftsriesen auf Innovationskurs zu trimmen. Weil er bestimmt. Und die anderen folgen. Ohne lange, nervenaufreibende und kräftezehrende Diskussionen. Wie im Westen. Denke ich so.
Zwei Weltenbestimmer eben. Die aber wissen, alleine schaffen sie es noch nicht – aber zusammen, ja da könnten sie sich die Welt schon untereinander aufteilen. Chinas vorrangiges Ziel: Sich das demokratisch und unabhängig regierte Taiwan einverleiben. Bislang hatten aber die USA was dagegen. Und belieferten den Inselstaat mit Waffen. Und dem Versprechen, das Land im Falle eines chinesischen Angriffs mit zu verteidigen.


Nun aber ist auf US-Seite ein launischer, divenhafter, nur auf den eigenen Vorteil spekulierender Präsident an der Macht, der durch den Iran-Krieg, den er nicht zu Ende bringen kann, unter massiven Druck steht. Und diesem Trump ist zuzutrauen, Taiwan als Handelsmasse für einen Deal zu nutzen: China könnte die Insel bekommen, wenn es zugleich den Verbündeten Iran dazu bewegt, die infolge des Kriegs gegen die USA blockierte Straße von Hormus wieder frei zu machen.
Denke ich so. Damit der weltweite Handel wieder Fahrt aufnehmen kann. Und die Spritpreise in den USA wieder sinken. Auf, dass Trumps Wähler, die sich derzeit in Scharen von ihm abwenden, wieder zufriedener werden. Auf, dass der vermaledeite Krieg für alle Seiten gesichtswahrend endet.


China also über alles. Denke ich so. Auf meinem Leiterchen. Die Chinesen sitzen am Drücker der Macht. Wie ich am verletzlichen Schlauch von Felixens Rennrad sitze. Und tatsächlich dröhnt Xi: Sollte die Taiwan-Frage schlecht gehandhabt werden, könnte es zu Spannungen und Konflikten zwischen seinem Land und den USA kommen. Das könnte die Beziehungen in eine äußerst gefährliche Lage bringen.

Und ich hebe meine Pfote. Gen Rad von Felix. Der zu meinen Pfoten kniet. Demütig: „Nein, nein, lieber Charlie“, ruft. Aus der Küche die Dose mit den Leckerli holt. Um mich wegzulocken – von meinem Thron, der Leiter. Und seinem Schatz, dem Rennrad.
Ich lasse meine Pfote sinken. Springe herab. Zu den Leckerli, die mich in andere Sphären beamen. Sagt der machthungrige Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Erstürmt Leitern der Macht. Und chillt, Leute!
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