Die Ameise im Hirn: Ich kann lesen, ich schwör

Natur ist nichts für mich. Auf Insekten kann ich gut verzichten. Denke ich so. Als ich Lauras Story höre. Von der Ameise. Die ihr, als sie auf der Picknickdecke im Garten ihrer Mutter Thea chillte, plötzlich ins Ohr lief. Nicht rauskam. Weder nach Kopfschütteln noch nach Versuchen, sie herauszufingern. Im Gegenteil. Sagt Laura.
Plötzlich habe es unter ihrer Kopfhaut begonnen zu krabbeln. Zu jucken. Die Ameise im Hirn. Habe sie zum Joggen gebracht. Zum Zeichnen. Zum Telefonieren. Allein, weil sie sich habe ablenken müssen. Von diesem Gedanken. Der krabbelnden Ameise in ihrem Kopf. Das Ergebnis: Positiv. Sport abgehakt, Kunstwerk entstanden, Kontakte gepflegt. Und ich denke so – so entstehen geflügelte Worte: „Der ist wohl eine Ameise ins Gehirn gekrochen“ – als Synonym für Kreativität und Antrieb.

Und eine wunderbare Entgegnung auf den Prollspruch: „Dem haben Sie wohl ins Gehirn geschissen“ Denke ich so. Muss man sich mal vorstellen, eine Ameiseninvasion in solche vollgekackten Hirne. Dann wären vielleicht auch solche Gruselumfragen Vergangenheit: In Sachsen-Anhalt, wo in knapp vier Monaten der Landtag neu gewählt wird, kommt die rechtsextremistische AfD bei der jüngsten Umfrage auf 41 Prozent – mit steigender Tendenz.
Es ist so unfassbar. Selbst für mich unbedeutende Katerexistenz. Denn diese Partei ist offen rassistisch, ausländerfeindlich, queerfeindlich, Nato-feindlich, Putin-freundlich, Trump-freundlich and so on and so on. Nun, meine Leute fuhren auf dem Weg zu Lauras im sächsischen Eilenburg lebenden Mutter durch Sachsen-Anhalt.
An der Landesgrenze begrüßten sie Schilder mit der Aufschrift: „Modern denken.“ Und ich denke so: Was bedeutet denn das? AfD wählen? Ausländer diskriminieren? Klimawandel leugnen? Sie sollten sich Ameisen einsetzen lassen.

Nun, die künstliche Intelligenz brauche ich eigentlich gar nicht – aber sie bestätigt mir: Ist natürlich Quatsch, dass Ameisen in Gehirne eindringen können. Nur die menschliche Fantasie, Lauras Fantasie, macht es möglich. Macht es auch möglich, dass Lauras Mutter Thea denkt, sie habe mich heute zum ihrem birthday geschenkt bekommen. Obwohl es doch nur eine Wärmflasche mit weißem Fell ist.
Ich aber bin mehr als das, ich schwöre. Und lese in der Zeitung, auf der ich chille – yes really: Ich kann lesen! – in Karlsruhe habe eine mutmaßlich aus Osteuropa eingeschleppte Ameisenart eine Ampelanlage lahmgelegt, indem sie das Steuerungsgerät zerstört habe. Es sei zu Unfällen gekommen. Die Bisse dieser Art seien extrem schmerzhaft.

Und ich denke so: Eine Ameise ist eben doch keine A Meise. Die an mir vorbeiflattert. Vorm Fenster. Hach, ich würde ja doch gerne in die Natur. Sagt der genießende Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Schützt, nein schätzt die heimische Ameisen. Und auch a Meise. Und chillt.
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