Hauptstadtkater

7. April 2026

Hölle Waschbecken, Hölle Bergwerk, Hölle Iran

Waschbecken sind für mich die Hölle. Hart, kalt und vor allem: Potenziell nässend, sehr nässend. Für Coco sind Waschbecken das Paradies: Chillig mit Nässegarantie. Und ich sehe mal wieder: Derselbe Ort kann für Vertreter derselben Spezies extrem unterschiedlich wirken. Und denke zugleich so: Ups, was für eine Banalität. Zutiefst menschlich eben. Eigentlich. 

Meine Bruna ist beeindruckt von einem Ort, von dem ich nicht erwartet hätte, dass sie den irgendwie spannend finden könnte. Ein Erzbergwerk im Harz. Rammelsberg, bei Goslar. Bis 1988 in Betrieb. Dann dicht gemacht wegen mangelnder Effizienz, zu hoher Kosten.. Heute als Industriedenkmal Weltkulturerbe.

Welch Wandlung. Denke ich so: Von einer Art Vorhölle für die Bergarbeiter zu einem Ort der Erkenntnis. Für die nachfolgenden Generationen. Die in der Tiefe des Berges, in der Enge der Gänge, in der feuchten Kühle die Vergangenheit erspüren können. Wenn plötzlich eine Schlagbohrmaschine loslegt, mit ohrenbetäubendem Lärm – einen Lärm, den die Bergarbeiter vor 100 Jahren schutzlos ausgesetzt waren, sechs Tage die Woche jeweils zehn Stunden.

Hölle, sagt auch meine Nuria. Die mit Kommilitonen und Kommilitoninnen für die Vier-Tage-Woche mit 28 Stunden Arbeitszeit kämpft. Während ihr Ur-Ur-Großvater tagtäglich mit dem Rad zum Eingang des Bergwerks hochstrampeln, dann 1,2 Kilometer in den Stollen laufen musste. Die Wegzeit aber zählte noch nicht zur Arbeitszeit. Die startete erst am Einsatzort. Mit 38 Jahren starb der Ur-Ur-Großvater – Staublunge.

Andere Zeiten. Hat sich eben viel getan. Zum Besseren. Denke ich so. Und trotzdem ist es gar nicht ausgeschlossen, dass der Bergbau hier doch nochmal wiederbelebt werden könnte: Heute werden hier Stoffe vermutet, die für Batterieproduktion wichtig sind. In Zeiten hoher Zölle eine Alternative? Who knows… 

Alles ist Veränderung. Mittlerweile zweifeln sogar ehemalige Fans von US-Präsident Trump an dessen Geisteszustand. Werfen ihm Wahn vor. Und fordern dessen Amtsenthebung. Weil Trump nun der iranischen Regierung mit der Vernichtung der ganzen Zivilisation drohte, sollte die Straße von Hormus nicht in den kommenden Stunden freigegeben werden. Er wünsche die Vernichtung nicht, aber es werde wohl so kommen.

Sagt der Mann, der noch vor wenigen Wochen den Iranern gesagt hatte, er wolle ihnen im Kampf gegen ihre Regierung helfen. Nun droht er mit kollektiver Vernichtung. Hölle. Denke ich so. Mit der Trump  auch die regierungskritischen Menschen im Iran in die Arme ihre Anführer treibt. Denn wer will sich schon gerne von einer ausländischen Macht vernichten lassen?

Ich sehe Coco, Wasser tropft auf ihren Kopf. Sie leckt. Ekstatisch. Und ich springe zurück. Weil es zu sehr spritzt. Sagt der vorsichtige Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Checkt den perfekten Ort. Und chillt, Leute! 

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