Coco akzeptieren am Tag des Palmen-Desasters und Abschieds von Erna

Ich akzeptiere einfach mal. Dass andere anders sind als ich. Sich anders verhalten. Andere Maßstäbe haben. Die ich auch so manches Mal überhaupt nicht nachvollziehen kann. Aber: Ich merke, wenn ich das nun alles einfach mal akzeptiere, fällt auch mir einiges leichter. Meine Verbissenheit schwindet. Und ich muss nicht mehr ständig über Coco ablästern.
Zum Beispiel über ihre bekloppte Wasser-Leidenschaft. Boah, wie sie heute wieder wie ein Drogen-Junkie, ähh, eine Junkine, ha, ha, am Hahn hing. Schiefer Kopf. Um die Tropfen einzusaugen, aus dem Strahl, dessen Gischt nicht nur ihre Schnurrbarthaare, sondern das gesamte Face benetzte. Eklig. Finde ich. Nice. Findet sie. Und ich? Lasse das jetzt einfach mal so stehen. Akzeptiere. Ohne zu richten.

An einem Tag, an dem die Olympischen Winterspiele zu Milano und Cortina enden. Die für mich vor allem der ukrainische Skeleton-Pilot symbolisiert, der von seinem Wettbewerb ausgeschlossen wurde, weil er dabei einen Helm tragen wollte, auf denen die Porträts von 22 von den Russen getöteten Athleten abgebildet waren. Das Verbot: Für mich inakzeptabel. Wirklich. Unmöglich, hier zu akzeptieren.
Vor allem, wenn ich sehe, dass ein italienischer Snowboarder startete, auf dessen Helm die russische Fahne zu sehen war. Und ich höre, wie die Präsidentin des Internationalen Olympischen Komitees den mündigen Athleten fordert. Der nun aber offensichtlich bestraft wurde. Eben genau deswegen: Mündig – und Zeichen setzen wollend.
Während eine sich offenbar sexy findende niederländische Eisschnellläuferin nach ihren Siegen den Reißverschluss ihres Rennanzug so weit aufriss, dass der Sponsor ihres BHs gut zur Geltung kam. Und US-Präsident Trump einen Landsmann als echten Loser beschimpfte, der sagte, er könne sein Land nur mit gemischten Gefühlen vertreten.

So war das – bei Olympia 2026. Vorbei – diese inakzeptablen Spiele. Wie auch die Ära einer guten Freundin der Oma meiner Bruna in Isernhagen. Erna – kürzlich gestürzt und nun temporär zum Aufpäppeln in einem Pflegeheim – wird von ihrer in Innsbruck lebenden Tochter dorthin geholt. Erna akzeptiert. Den Abschied aus Isernhagen nach mehr als sechs Jahrzehnten. Den Abschied von Freunden, Heimat.
Aber auch Oma Lotte sieht: Es ist gut so. Auch wenn die gewohnten Treffen künftig wegfallen. Sie akzeptiert. Weil alles andere eh nichts bringt. Sondern nur unnötig Kraft kostet.
Und ich raffe, warum Coco wie ein Drogen-Junkie am Wassertropf hängt. Sie wäre ansonsten fast erstickt. An der Erde, die sie inhaliert hat.

Nachdem sie nun zum mittlerweile siebten Mal unsere selbst gezogene Palme in meinem Revier erklomm. Zum bereits siebten Mal mit ihr umkippte. Beim Sturz zum bereits siebten Mal der Übertopf zerbarst. Die Erde sie bereits zum siebten Mal besudelte. Und auch ihr Mund voll damit war. Während Katrins auf dem Boden zum Trocknen ausgelegte Aquarellmalereien zum ersten Mal mit dunkler Erde und Scherben bedeckt waren.
Nun, Die Stimmung in meinem Revier: Unterirdisch. Nicht akzeptabel. Ich höre Stimmen, die feiern, eine Katze habe zum Glück nur sieben Leben. Nun, besser ich ende für heute. Sagt der nun gestresste Hauptstadtkater. Der gerne über euch wachen würde. Und jetzt: Akzeptiert, was nicht zu ändern ist. Und chillt!
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