Kater aller Welt: Vereint euch – Rudis Leiden in Kiew

Rudi! Wer war Rudi? Rudi IST ein Artgenosse. Im Mai 2022 kam er – auf der Flucht vor russischen Angriffen – mit seiner Familie aus Charkiw nach Hamburg zu den Großeltern meiner Bruna. Dort schärfte er die Spitzen seiner Krallen an den edlen Sesseln der Alten. Und häutete damit einige Mäuse. Und Vögel. Nach getaner Arbeit lehnte er sich zurück und schnurrte: „Das waren Schuffen.“ Von allen Seiten ertönten Heilsrufe: „Guat. Wacker. Heddddel.“
Oder auch nicht. Denke ich so. Wenn ich die Erzählungen meiner Leute über den Beginn des russischen Angriffskriegs in der Ukraine und die Ankunft Rudis und seiner family in Deutschland so höre.
Es ist ein Krieg, der bald vier Jahre dauert, der am 24. Februar 2022 begann, einer Zeit, in der ich noch Pudding im großen Kateruniversum war. Heute lebt Rudi mit seiner Betreuerin Olena und ihrem Mann – trotz ständiger Attacken aus Russland – in Kiew. Rudi musste bereits mehrfach sein Revier wechseln. Da das eine erst zu klein war. Das andere dann zu teuer. Rudi hat Angst. Vor Explosionen und Raketen. Nun bibbert er. Weil die Heizung kalt ist.
In der ukrainischen Hauptstadt ist das Thermometer auf minus 20 Grad gefallen. Überall Schnee und Eis. Und die Russen: Starten Großangriffe auf die Energieanlagen der Millionenstadt. Treffen sie auch. Es gibt massive Stromausfälle. Keine Heizung. Kein Wasser. Kein Internet. Kein Handy.

Und Olena schreibt so: „Derzeit haben wir nur so zwei bis drei Stunden am Tag Strom. Leider funktioniert die Heizung nur mit Strom. Auf diesen heftigen Frost haben die russischen Barbaren nur gewartet. Jetzt schießen sie unsere Energieanlagen kaputt. Um uns zu zermürben.“ Und ich denke so: Die Russen erreichen das Gegenteil: Hass ohne Ende, der unfassbare Widerstandskräfte entfesselt.
Boah, Coco und ich frösteln ob der Erzählung auch bei plus 20 Grad in meinem Revier. Coco liegt auf einer Herdplatte, die noch ein wenig Wärme abstrahlt. Und ich muss an den durch einen Anschlag verursachten Stromausfall in Berlin vor wenigen Tagen denken. An das Chaos. Das Wehklagen. Kein Strom bei minus 5 Grad. Betroffen waren gleich 40.000 Haushalte. Und es dauerte fast fünf Tage, bis sie wieder Strom hatten.

Rudi friert wirklich. Extrem. Er werde in Decken eingewickelt. Schreibt Olena. Plötzlich springt Coco vom Herd auf. Weil meine Bruna Milch aufwärmen will. Und ich denke so: Kater aller Welt. Vereint euch. Solidarisiert euch. Mit Katern und Katzen in der Ukraine. In allen Kriegsgebieten.
Nicht nur Menschen leiden dort. Auch wir. Kälte, Lärm, Splitter, Revierwechsel, Unruhe. Und ich höre, Heilsrufe von allen Seiten: „Guat, wacker, heddddel.“ Sagt der demütige Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Wärmt euch auf. Und chillt, Leute.
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