Mein Herz, so weiß und Grönland, so heiß begehrt

Boah, Digga, ist das nice. Und mir entfährt, beim ersten morgendlichen Blick aus meinem Revier, ein begeistertes: „Wow“! Was mich sogleich Zusammenzucken lässt: Wie peinlich-hündisch. Denke ich so. Also: „Miau.“
Draußen ist alles weiß. Wie ich. So rein. So friedlich. So still. Unten, die sonst so graue Straße – ein glitzernder weißer Teppich. Auf dem keine Autos rasen, sondern Schlitten gezogen werden. Auf der Kinder Schneebälle werfen. Erwachsene jauchzen. Hinter ihnen weiß bestäubte Bäume. Alles gedämpft. Nur von Ferne das Rauschen eines Schneepflugs zu hören. Und mein Herz: Eingehüllt vom Weiß. Really. Auch wenn es kitschig klingt. He, he. Es ist so. Really.

Die Welt in Zeitlupe. In Watte verpackt. Achtsam quasi. Denke ich so. Wohl wissend, das Privileg zu haben, auf dem Fensterbrett über der ballernden Heizung zu sitzen, die mein Pofell fast versengt. Der Opa meiner Bruna meldet sich aus Hamburg: Dort habe es 20 Zentimeter Neuschnee gegeben. Schule fällt aus, Busse und Bahnen fahren nicht mehr.
Stopp also. Tut mal ganz gut. Denke ich so. Wenn Mensch nur mal Natur achten würde. Und zuhause bliebe. Bei solchen Wetterereignissen. Macht er nicht. Und so gibt es Unfälle, Staus – und er muss sich über Bahnausfälle wegen vereister Weichen ärgern.



Nun, Opa Volker sagt: „Früher waren solche Schneefälle ganz normal.“ Ein Meteorologe findet das auch: „Nichts Außergewöhnliches. Winter eben.“ Und ich denke so: Kommt eben darauf an, seit wann man lebt. Für mich mit meinen drei Lenzen ist das schon außergewöhnlich…
Kommt aber natürlich auch darauf an, wo man lebt. Im Norden, in der Arktis, nun, da kennt man nichts anderes. Da liegt ja nun auch Grönland, die von US-Präsident Trump so begehrte Insel. Eisfrei ist nur ein Fünftel ihrer Fläche.

Was den USA nichts macht: Zum einen behaupten sie, Grönland sei mit seiner Lage vor Nordamerika strategisch wichtig. Zum anderen sollen unter dem – angesichts des Klimawandels vielleicht gar nicht mehr so ewigen – Eis, krasse Bodenschätze lagern. Trump schließt einen Militäreinsatz nicht aus, um die Insel zu bekommen. Obwohl diese dem Nato-Partner Dänemark gehört.
Nun hat die US-Regierung ins Gespräch gebracht, den rund 57.000 Grönländern jeweils 100.000 US-Dollar zu bezahlen, wenn sie einem Deal zustimmen. Und ich denke so: Schlagt ein, liebe Grönländer. Nehmt das Geld – ihr habt eh nicht über einen Deal zu entscheiden, sondern wenn, dann die Regierungen Grönlands und Dänemarks.

Also: Keep cool. Calm down. Denke ich so. Und peitsche den Schneeball, den meine Bruna zu mir wirft. Er zerbirst in zig Flöckchen, die sich auf Cocos Fell verteilen. Sie weißen. Und sie mir gleichmacht. Ein bisschen. Sagt der verzauberte Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Genießt den Schnee. Und chillt, Leute.
Schreibe einen Kommentar